Friday, 27. May 2016
24.11.2015
 
 

Blaue Gesichter auf der Finanz-Titanic: Kredit-Pleiten fast auf Jahrhundert-Hoch

Markus Gärtner

Der Flüchtlingsstrom ist bald nicht mehr unser größtes Problem. Aus dem Maschinenraum der Weltwirtschaft wird ein Kolbenfresser gemeldet, der den nächsten Finanz-GAU signalisiert. Die Financial Times, die wahrlich kein Blatt ist, dem man billige Angstmache unterstellt, bringt eine ernste Sturmwarnung: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Schulden nicht mehr bedienen können, steht kurz vor einem Jahrhundert-Hoch.

 

Schlimmer noch: Alles spricht dafür, dass es jetzt erst richtig ernst wird: Der Ölpreis soll weiter fallen, die US-Wirtschaft macht schlapp, ein führender Frachtgut-Index erreicht ein 30-Jahres-Tief – und der führende Hersteller von Baumaschinen auf der Welt verbucht Verkaufseinbrüche von 28 Prozent in Asien-Pazifik und 36 Prozent in Lateinamerika.

 

Weil die Notenbanken das Geld seit der Finanzkrise von 2008 so billig anbieten, dass auch schlechte Investitionen oft einen Sinn machten, haben sich die Unternehmen weltweit bis über beide Ohren verschuldet. Folge: Der Anteil der Ramschanleihen schlecht geführter Firmen an allen Schuldpapieren der Unternehmen hat jetzt knapp 50 Prozent erreicht.

 

Deshalb haben laut Standard & Poor´s seit Jahresbeginn weltweit 99 Firmen schlapp gemacht. Sie können ihre Schulden nicht oder teilweise nicht mehr bedienen. Schlimmer ist das nur in der Finanzkrise gewesen.

 

Die Financial Times warnt, dass in den USA drei Fünftel aller Kreditausfälle in der Energie- und Rohstoffbranche stattfanden. Der Grund: Der Ölpreis ist auf fast 40 Dollar je Barrel implodiert.

 

Doch Goldman Sachs sagt einen Ölpreis von 20 Dollar vorher. Sollte auch nur ein Teil dieser Prognose stimmen, würde die OPEC zerbrechen und Ölexporteure wie Russland in eine ernste Rezession schlittern. Saudi-Arabien könnte laut dem IWF innerhalb weniger Jahre seine Devisenreserven aufzehren.

 

Die Fracking-Industrie in den USA wäre komplett am Ende. Ein solches Massaker in der Energiewirtschaft würde reichen, um allein die nächste Finanzkrise zu starten.

 

Die Bremsspuren vor der sprichwörtlichen Mauer sind bereits deutlich zu sehen, nicht nur wegen der rasant steigenden Zahl von Unternehmen, die ihre Schulden nicht mehr abtragen können.

 

Der CFNAI, ein führender Konjunkturindex der US-Notenbankzweigstelle in Chicago, ist im Oktober zum dritten Mal hintereinander im Minusbereich gelandet und signalisiert damit eine schrumpfende Wirtschaft.

 

Der Baltic Dry Index, der sich aus den Frachtraten für Rohstoff-Massengut berechnet – vor allem Kohle, Stahl, Eisenerz und Weizen –, ist gerade auf einen historischen Tiefstand geplumpst.

 

Wichtigster Grund: Die scharf abbremsende chinesische Wirtschaft hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres vier Prozent weniger importiert. Davor hat China zehn Jahre lang im Schnitt elf Prozent mehr pro Jahr importiert.

 

An den Rohstoffmärkten gibt es daher kein Halten mehr. Die Kupferpreise fallen seit 14 Tagen ohne Unterbrechung. Der Kupfermarkt baut derzeit für China ein Krisenszenario in die Notierungen ein.

 

Und Caterpillar, der weltweit größte Hersteller von Baumaschinen, meldet die schlimmsten Umsatzzahlen seiner Geschichte, wie ZeroHedge berichtet. Im Oktober schrumpften die US-Verkäufe auf Jahresbasis um acht Prozent. In Osteuropa, Afrika und dem Nahen Osten brachen sie 13 Prozent ein, in Asien-Pazifik um 28 Prozent.

 

Das ist kein Rückgang, sondern eine Weltwirtschaft im freien Fall.

 

Doch es wird noch dicker kommen: Die jüngsten Terrorattacken werden im Weihnachtsgeschäft ihre Spuren hinterlassen, weil sich Konsumenten in Europa mit Einkäufen unterschiedlich stark zurückhalten werden. Aus den Schwellenländern fließt noch mehr Kapital ab, und die Ausfallraten für Kredite nehmen dort zu, weil der Dollar stärker und die lokalen Währungen in Ländern schwächer werden. Das macht immer mehr der in Dollar aufgenommenen Kredite unbezahlbar.

 

Zahlreiche Firmen in Brasilien, Russland, Indien und China – Länder, die viele Rohstoffe ausführen oder kaufen müssen – werden schlappmachen. Große Staatsfonds in Norwegen, Katar, Russland und Saudi-Arabien, die jahrelang weltweit auf Einkaufstour waren, werden immer mehr Beteiligungen abstoßen, weil sie Cash brauchen.

 

An den Börsen werden die Vorbeben stärker. Selbst in China, wo es dem starken Staat immer noch nicht gelungen ist, wieder Ruhe in die Börsensäle zu bringen, nach dem Kollaps der Kurse im Sommer.

 

Am Wochenende wurde in Hongkong eine Vermisstenmeldung für den Chef von Guotai Junan Securities bekannt. Yim Fung, so der Name des Mannes, ist nicht irgendein Finanz-Rabauke in einem dubiosen Brokerhaus. Er ist einer der führenden Männer in Hongkongs Wertpapier-Industrie.

 

Wenn einer wie er in dieser Phase über Bord geht, ist das eine weitere Sturmwarnung.

 

 

 

 

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