Tuesday, 26. July 2016
19.08.2015
 
 

China-Crash geht weiter: Eine Minute vor zwölf an den Weltbörsen

Markus Gärtner

Wie auf dieser Webseite vorhergesagt, geht der Aktien-Crash in China weiter. Am Dienstag und Mittwoch brachen chinesische Aktien um insgesamt zehn Prozent weiter ein. An den Weltbörsen geht die Angst um, dass es zu einem globalen Crash im September kommt. Denn neben der Implosion des Aktienmarktes in China verunsichern auch die angekündigte Zinserhöhung in den USA sowie die Furcht vor einem weiteren Kollaps der Rohstoffpreise. Und Währungen in Schwellenländern von Südostasien bis Südamerika taumeln auf mehrjährige Tiefs.

 

Auf der Finanzwebseite Zero Hedge kann man sogar nachlesen , an welchen 23 Börsen bereits die Kurse so stark gefallen sind, dass man von einem Crash sprechen muss, einschließlich Malaysia, Brasilien, China, Südkorea, Griechenland, Bulgarien, Polen, Serbien, Singapur, Taiwan und Thailand.

Die Aktien an den Asienbörsen sind am Mittwoch wegen der erneuten Turbulenzen in China auf ein Zweijahrestief geplumpst.

 

Ein schwaches China rüttelt die langen Lieferketten durcheinander, die in den vergangenen 15 Jahren in ganz Asien aufgebaut wurden, um die Exportwirtschaft der Volksrepublik mit den nötigen Bauteilen und Komponenten aus den Nachbarländern zu versorgen.

 

Außerdem wächst die Angst, dass China weiter an der Währungsschraube drehen könnte. Erwartet wird eine Abwertung des Yuan um insgesamt zehn Prozent. Die Hälfte dieser erzwungenen Korrektur ist bereits erfolgt.

 

Der schwächere Yuan bedeutet, dass China seine Ausfuhren verbilligen und die Konkurrenten in den anderen Schwellenländern aus dem Markt drängen kann. Aber nicht nur das. Chinas Wirtschaft wächst höchstens noch halb so schnell wie die offiziell angegebenen sieben Prozent.

 

Das bedeutet wiederum, dass die wachsende Überkapazität der Industrie im Reich der Mitte, von Zement über Autoreifen bis hin zu Elektronik und Stahl, verstärkt auf dem Weltmarkt abgeladen wird, weil die Nachfrage im Inland schwach ist.

 

Ein Beispiel: China ist der weltgrößte Hersteller von Stahl, das in Autos und in der Bauwirtschaft verwendet wird. Die Überkapazität wird aktuell auf 300 bis 400 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist drei bis vier Mal die Jahresproduktion von Japan, dem zweitgrößten Hersteller auf der Welt.

 

Die Überkapazität in China ist zehn Mal so groß wie die Jahresproduktion am Stahlstandort Deutschland, wo Firmen wie ThyssenKrupp, Salzgitter und SMS Siemag seit Jahren unter Überkapazitäten und billigen Stahlimporten leiden. In den vergangenen drei Jahren sind die Stahlpreise um 40 Prozent gesunken.

 

Diese Abwärtsspirale könnte sich jetzt beschleunigen. Je nachdem, wie stark der Yuan abwertet, werden die Schockwellen bis nach Duisburg, der Stahlhauptstadt Europas, zu spüren sein.

 

Daher ist es ein brisantes Warnzeichen, wenn Finanzfachleute wie bei ING die fortgesetzte schroffe Marktkorrektur in China als ein Vorbote für eine weitere Abwertung des Yuan bewerten. Eine Anmerkung des Chefökonomen der chinesischen Notenbank, Ma Jun, der zu Wochenbeginn von »volatileren Wechselkursen« sprach, wird als versteckte Ankündigung für weitere Abwertungen des Yuan gewertet.

 

Chinas Führung und die Notenbank in Peking haben alle Hände voll zu tun, um die wogende Finanzkrise im Land in den Griff zu bekommen.

 

Allein die Schulden der Firmen und privaten Haushalte in der Volksrepublik sind laut Bloomberg seit 2008 von 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf jetzt 207 Prozent gewachsen.

 

Das ist eine höhere Verschuldung als sie der griechische Staat aufweist. Und dessen Zustand hält bereits seit fünf Jahren Europa in Atem.

 

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben chinesische Firmen seit 2010 Kredite im Umfang von 377 Milliarden Dollar aufgenommen. Diese Kredite müssen, wenn die Zinsen wieder steigen sollten, zu höheren Kosten abgelöst und verlängert werden. Das würde viele Firmen im Reich der Mitte schlicht erwürgen. Steigen die Zinsen nicht, geht die Kreditorgie ungebremst weiter. Auch das würde zu einem Debakel führen.

 

Auch an großen westlichen Börsen herrscht die Angst. Das schlaue Geld verlässt seit Monaten die US-Börse, während die Trompeten der Wall-Street-Analysten mit Hilfe der Massenmedien immer noch zum Kauf von Aktien blasen.

 

Seit Jahresbeginn wurden laut Morningstar aus US-Aktienfonds knapp 79 Milliarden Dollar abgezogen, im Juli allein über 20 Milliarden. Das ist mehr als in der Finanzkrise, während der S&P 500-Index 60 Prozent verlor.

 

Es gibt viele, die zweifeln, ob es der chinesischen Führung gelingen wird, den Aderlass an den beiden China-Börsen kurzfristig zu bremsen. Allein am Dienstag, als die Kurse der China-Aktien über sechs Prozent nachgaben, warf die Notenbank in Peking umgerechnet 18,8 Milliarden Dollar in den Markt, um die Aktienkurse zu stützen.

 

Dass die Exzesse in China, die zu den aktuellen Problemen geführt haben, so schnell nachlassen, erwartet kaum jemand. Denn immer noch wächst zum Beispiel die Kreditmenge doppelt so schnell wie die wirtschaftliche Leistung des Landes.

 

Im Klartext: Das Kasino dehnt sich weiter aus. Wenn auf die Bremsen getreten wird, was sich nicht vermeiden lässt, könnten die aktuellen Turbulenzen eskalieren.

 

Schaut man sich die Notenbanken in China, Japan und Europa an, dann wird klar, was der britische Telegraph zu Beginn dieser Woche beschrieben hat: Für die Finanzwelt läuft die Zeit schneller als bisher davon. Denn von China bis Brasilien verlieren die Notenbanker die Kontrolle, während die Weltwirtschaft zum Stillstand kommt.

 

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die stark aufgeblähten Aktienmärkte unter dem massiven Gewicht hoher Kurse und noch höherer Erwartungen kollabieren. China macht im Zusammenspiel mit den Schwellenmarkt-Börsen in Europa, Südamerika und Asien deutlich, wie nahe dieser Zeitpunkt gerückt ist.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (17) zu diesem Artikel

20.08.2015 | 14:05

mikesch

Die Wirtschaftskrise kommt im Mainstream an - Was passiert als nächstes? Als im letzten Jahr alternative Wirtschaftsanalysten warnten, dass der Einbruch bei den Rohstoffen und beim Erdöl – kurz nach der Verminderung des QE3 – klare Signale für einen Rückgang bei allen anderen Finanzkennzahlen ist, war die allgemeine Reaktion im Mainstream, dass wir überreagieren und paranoid sind, und dass der Einbruch bei den Rohstoffen nur vorübergehend sei. Vielleicht bedarf diese Tatsache...

Die Wirtschaftskrise kommt im Mainstream an - Was passiert als nächstes? Als im letzten Jahr alternative Wirtschaftsanalysten warnten, dass der Einbruch bei den Rohstoffen und beim Erdöl – kurz nach der Verminderung des QE3 – klare Signale für einen Rückgang bei allen anderen Finanzkennzahlen ist, war die allgemeine Reaktion im Mainstream, dass wir überreagieren und paranoid sind, und dass der Einbruch bei den Rohstoffen nur vorübergehend sei. Vielleicht bedarf diese Tatsache einer Wiederholung, dass es eben keine Paranoia ist, wenn es gerade vor deinen Augen passiert. mehr hier: http://www.konjunktion.info/2015/08/die-wirtschaftskrise-kommt-im-mainstream-an-was-passiert-als-naechstes/


20.08.2015 | 09:53

Livia

1. Im kommunistischen China war privaten Haushalten Schulden machen faktisch unmöglich - als es plötzlich möglich war, konnten die Leute nicht damit umgehen. Das Gleiche gilt für die Betriebe. Die ganzen, aus dem 19.Jh. stammenden Kapitalgesellschaftsformen gab es China zuvor - wahrscheinlich - überhaupt nicht, ebenso "moderne" Finanzprodukte, einzig dazu geeignet, irgendwelche Leute über den Tisch zu ziehen! Klar, daß die Chinesen damit nicht umgehen können. Sinnvoll...

1. Im kommunistischen China war privaten Haushalten Schulden machen faktisch unmöglich - als es plötzlich möglich war, konnten die Leute nicht damit umgehen. Das Gleiche gilt für die Betriebe. Die ganzen, aus dem 19.Jh. stammenden Kapitalgesellschaftsformen gab es China zuvor - wahrscheinlich - überhaupt nicht, ebenso "moderne" Finanzprodukte, einzig dazu geeignet, irgendwelche Leute über den Tisch zu ziehen! Klar, daß die Chinesen damit nicht umgehen können. Sinnvoll wäre es für China mit den ganzen Dollarvorräten an US-Staatsanleihen den Unternehmen die Auslandsschulden abzulösen und ihnen in Zukunft zu verbieten, im Ausland Geld aufzunehmen. ---------- 2. Jedes Land sollte vor allem seine eigenen Märkte grundversorgen, also größtmögliche Autarkie anstreben! Das bevördert sogar die Innovationen: Es gibt doch viele Beispiele dafür, daß Länder, die sich bestimmte Importe nicht leisten konnten, Erfinder hervorbrachten, die etwas erfanden, diese Güter zu ersetzen und oft noch zu verbessern. ------------- 3. Jedes Land sollte seine eigene Wirtschaft so schützen können, wie es das für richtig hält! Dazu gehören Zölle und Einfuhrverbote! Egal, aus welchem Grund. Produkte, die auf Grund von Umweltvorteilen oder minderen Sozialstandarts der Produktion billiger sind, gehören mit Zöllen belegt, die diese "Vorteile" ausgleichen, die Einfuhr von Dingen, die als schädlich oder / und naturzerstörend produziert wird verboten, wie z.B. genmanipulierte Pflanzen. Und dieses Recht sollte jedem Volk zustehen! Organisationen wie die WTO sind höchst überflüssig! ------------- 4. Die angloamerikanische Piratenwirtschaft setzt demgegenüber gerade auf regellosen, allzu freien Handel, an dem in erster Linie der angloamerikanisch aufgestellte Großkonzern, sowie sich deren Finanzwirtschaft sich hohe Gewinne verschafft! Deswegen haben England in der Vergangenheit und die USA heute auch Kriege geführt, um die Länder zu unterwerfen, die beim angloamerikanischen freihandel nicht mitmachen wollten und keine angloamerikanischen Produkte kaufen wollten! Bezüglich Chinas fand das im 19.Jh. statt. Schlußendlich führten diese Raubzüge Englands und der USA, bei denen dann noch Japan, als damaliger Bündnispartner Englands mitmachte, langfristig zur Machtergreifung Maos. ------------- 5. Das Zinseszinssystem verläuft nach einer e-Funktion, das heißt gegen unendlich - bei den Schulden - und gegen 0 - bei den Zinsen! Dieser Punkt ist jetzt langsam erreicht, da 70 Jahre lang kein weiterer Weltkrieg das Ganze auf "Start" zurückgesetzt hat. Damit die Banken bei Nullzinsen weiter gut leben können, wollen sie am liebsten weltweit das Bargeld abschaffen, damit sie auf das Geld der Menschen jederzeit ungehindert zugreifen können. Wir brauchen keine Finanzkonzerne, die die Regierungen erpressen (to big to fail) und die Demokratie unterlaufen, ja durch die Hintertür abschaffen! Also schaffen wir die Banken ab, bevor sie unser Geld und damit uns abschaffen!


19.08.2015 | 22:22

Lionheart

An "DV", den Verfasser des vorletzten Kommentares: Wir leben nicht mehr in den 30er und 40er Jahren - wach auf! Ich fürchte, mein Appell ist vergeblich, den Psychotiker sind meist ziemlich beratungsresistent.


19.08.2015 | 21:55

Rudolf-Robert Davideit

Tja Duisburg-Marxlob! Noch Fragen?


19.08.2015 | 20:43

Kai Becker

@ben: Nenn mir ein einziges Volk auf der Erde, das 6 Jahre lang den Mut und die Kraft hatte, den anglo-amerikanischen Imperien, ihren unendlich vielen Vasallen (damals 90% der "Staatengemeinschaft) und dem sowjetischen Großreich Paroli zu bieten. Hitler wußte, daß der überwältigende Erfolg der nationalsozialistischen Regierungsform einer Kriegserklärung an die internationale Großfinanz gleichkam - und deshalb ein Kampf ums nackte Überleben sicher war. Daß das deutsche Volk...

@ben: Nenn mir ein einziges Volk auf der Erde, das 6 Jahre lang den Mut und die Kraft hatte, den anglo-amerikanischen Imperien, ihren unendlich vielen Vasallen (damals 90% der "Staatengemeinschaft) und dem sowjetischen Großreich Paroli zu bieten. Hitler wußte, daß der überwältigende Erfolg der nationalsozialistischen Regierungsform einer Kriegserklärung an die internationale Großfinanz gleichkam - und deshalb ein Kampf ums nackte Überleben sicher war. Daß das deutsche Volk so oder so unter anglo-amerikanischen Einfluß geraten und untergehen würde, können wir (spätestens!) heute sehr gut beobachten.


19.08.2015 | 20:14

Jockel

Eine Minute "vor oder nach Zwölf" ist es doch schon, seit es diese Börsen gibt. Für mich persönlich ist das völlig uninteressant. Und sollte es deswegen Kriege geben, mein Gott, die gab´s und gibt es doch auch schon immer. Konnte jemals jemand etwas daran ändern? Nein! Also laßt es knallen!

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