Friday, 1. July 2016
15.02.2016
 
 

Die nächste Finanzkrise: Aderlass in China, Beruhigungspille in Berlin

Markus Gärtner

Aufruhr im Blätterwald. In deutschen Blogs und Zeitungen dämmert es den Redakteuren, dass wir geradewegs auf eine neue Finanzkrise zusteuern. Für unsere Leser ist das keine neue Erkenntnis. Aber neu ist, dass jetzt in immer mehr Publikationen unsere Warnungen, die bis vor Kurzem als »krude« oder »verschwörerische« Untergangsszenarien galten, herumreichen.

 

»Beispiellose Krisenzeiten voraus!«, liest man auf den Goldseiten . Demnach kommt ein »gigantischer Börsencrash« auf uns zu – einer, der vielleicht schon begonnen hat. Auf der Webseite der Tagesschau wird gefragt, ob die Deutsche Bank wackelt. »Steht die Weltwirtschaft vor dem nächsten Crash?«, will die Welt wissen . So wie derzeit habe es auch bei der Finanzkrise 2007 begonnen.

Bei der FAZ wird derweil schon der Schuldige am Börsencrash gesucht. Der Frust über fallende Börsenkurse und die fieberhafte Verbreitung von »Zweckoptimismus« quellen regelrecht zwischen den Zeilen des Berichts hervor:

 

»So gut wie jedes verdammte Börsenbarometer der Erde ist seit Anfang Januar im Minus – und kein großer Index ist so stark abgestürzt wie der DAX … Nicht einmal die Horrorjahre 2008 und 2009 (kurz vor und nach der Lehman-Pleite) haben so desaströs begonnen«, beklagt sich das Blatt.

 

Auch bei Focus sind sie aufgewacht. Dort wird die Bonner Professorin Isabel Schnabel zitiert. Sie gehört seit 2014 dem Sachverständigenrat an. Mit Blick auf Börsen und Banken nennt Schnabel die jüngsten Ereignisse »sehr beunruhigend«.

 

Schnabel hatte zuvor der Welt ein Interview gegeben und den Anstieg der Zinsen auf nachrangige Anleihen als mögliche Quelle für selbstverstärkende Preisspiralen bezeichnet, die »die Solvenz der Banken bedrohen« können.

 

Ein kurzer Blick in den Nachrichtenfluss zu Beginn dieser Woche bestätigt die Befürchtungen. Chinas Exporte sind im Januar auf Jahresbasis um 11,2 Prozent eingebrochen. Und das, obwohl der Yuan so schwach ist.

 

Die Importe, die ein Fieberthermometer für die Kaufkraft im Reich der Mitte sind, brachen um 18,8 Prozent ein. Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren gehen stärker zurück als von den pessimistischsten Analysten vorhergesagt.

 

Gleichzeitig meldet Japan, dass die Wirtschaft im Schlussquartal 2015 stärker schrumpfte als bisher angenommen.

 

Die drei Monate bis Dezember 2015 waren das vierte Quartal in den vergangenen sieben, in dem die Wirtschaft des Landes schrumpfte. Das Wachstumsprogramm von Premier Shinzo Abe fällt regelrecht auseinander.

 

Das ist auch der Grund, warum die asiatischen Börsen in der Nacht auf Montag nach einem miserablen Start doch noch die Kurve kriegten und am Ende nur leicht im Minus schlossen. Die Hoffnung, dass die Notenbank Japans – und bald auch die EZB in Frankfurt – NOCH kräftiger die Geldschleusen öffnen werden, wächst.

 

In den USA kommen zudem erste Signale, dass die Fed an ihrer eigenen Zinswende nach oben zu zweifeln beginnt und in den kommenden Monaten die Zinsen wieder senken könnte.

 

Für Sparer und kleine Anleger bedeutet das noch mehr krasse Übertreibungen an den Börsen und Immobilienmärkten, noch schwächere Währungen und noch größere Fragezeichen über ihren Lebensversicherungen.

 

Auch das Gespenst der Strafzinsen auf Ersparnisse wird wieder deutlich größer. Das geplante Bargeldverbot soll den Weg für diesen drakonischen Schritt ebnen.

 

Dass der Goldpreis in diesem Szenario auf den höchsten Stand seit acht Monaten gestiegen ist, wundert niemanden. Was uns allen jedoch die größte Sorge bereiten muss, sind die ersten offiziellen Beruhigungspillen, die jetzt verteilt werden.

 

Wolfgang Schäuble hat in der vergangenen Woche beteuert, dass er sich keine Sorgen um die Deutsche Bank mache, trotz gesenkter Bonitätsnote, trotz Anleiherückkäufen und trotz der Beteuerungen des Geldkonzerns, man könne die im laufenden Jahr fälligen Zinsen aus sogenannten Coco-Anleihen bezahlen.

 

Wenn erst einmal der Finanzminister sagt, er mache sich um einzelne Banken keine Sorgen, dann müssen wir schwer auf der Hut sein. Das wissen wir noch aus dem Jahr 2008. Auch in Peking kommt zu Wochenbeginn eine verdächtige Beruhigungspille.

 

Zhou Xiaochuan, der Gouverneur der chinesischen Notenbank, warnt die Spekulanten, sie dürften nicht die Stimmung an den Märkten beherrschen, die Erosion oder der Anstieg von Währungsreserven sei ganz normal.

 

Das ist eine Anspielung auf den wachsenden Einsatz, mit dem Chinas Zentralbank die Kapitalflucht aus dem Land bekämpfen muss, weil auch dort die Nerven inzwischen blank liegen. Allein im Dezember wurden fast 108 Milliarden Dollar für diesen Kampf aufgewendet. In jedem Monat seit dem Mai 2015 – außer einem – sind Chinas Devisenreserven geschrumpft.

 

 

 

 

 

 

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