Wednesday, 31. August 2016
19.09.2014
 
 

Kurzschluss in China – Endet die Lokomotive der Welt als Koma-Patient?

Markus Gärtner

Droht China der schon lange befürchtete wirtschaftliche Kurzschluss? Wenn man sich die Stromproduktion in der Volksrepublik anschaut – sie ist einer der zuverlässigsten Indikatoren – dann sieht es fast danach aus.

 

In einer Weltwirtschaft, deren Wachstums-Prognose alle paar Wochen nach unten korrigiert wird, zuletzt von der OECD vor wenigen Tagen – wäre das ein mächtiger Schock.

 

Denn die Wirtschaft in der Euro-Zone wächst nicht mehr. Japan bremst stark ab. Und in Nordamerika weisen wichtige Barometer wie die Industrieproduktion und der Konsum nicht auf eine Erholung hin, die diesen Namen verdient.

 

Ganz zu schweigen von den großen Ländern der Euro-Zone, Deutschland, Frankreich und Italien, wo derzeit Katzenjammer herrscht.

 

In China sieht das konjunkturelle Trauerspiel so aus: Die Investitionen verlieren an Schwung, die Umsätze im Einzelhandel wachsen langsamer, die Produktion von Strom fiel im August gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent.

 

Es war der erste Rückgang seit 2009, in der zweitgrößten Volkswirtschaft auf dem Planeten, deren übrige Wachstums-Indikatoren notorisch angezweifelt werden.

Jetzt streiten die Experten, was das bedeutet: Entweder hält sich die Führung in Peking aus dem heiß gelaufenen Immobilienmarkt mehr als bisher heraus, damit der Markt selbst Luft ablassen und das Finanzsystem vor einem GAU bewahren kann.

 

Oder, das Wachstumstempo wird einigermaßen aufrechterhalten, damit es nicht zu sozial motivierten Aufständen kommt. Das würde später den Finanzsektor zum Einsturz bringen. Kaum jemand erkennt im Augenblick, welche der beiden Versionen stimmt.

 

Sicher ist nur: Am Dienstag hat die Notenbank in Peking über 80 Milliarden Dollar in die größten Banken eingeschossen, um die Kreditvergabe zu fördern und die Konjunktur zu stimulieren.

 

Damit drehen die Finanz-Ärzte in der EZB in Frankfurt sowie in Peking und bald auch in Tokyo die Geldschleusen weiter auf. Und selbst in den USA kommen der Notenbank erhebliche Zweifel, ob sie so schnell wie geplant die Zinsen wieder anheben soll. Der Fuß bleibt halb durchgedrückt auf dem geldpolitischen Gaspedal.

 

Wir sind in der Weltwirtschaft jetzt an dem Punkt angekommen, an dem in der Intensivstation des Krankenhauses plötzlich alle EKG-Linien am Koma-Patienten nur noch flach sind und das aufgeregte OP-Team zum Elektroschock ansetzt.

 

Danach bäumt sich der schwer Kranke meist noch einmal steil auf, um dann regungslos ins Kissen zu sinken.

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (3) zu diesem Artikel

19.09.2014 | 21:22

Ulrich

Gerade habe ich erst den Beitrag "Chinas Großmachtstrategie" von Markus Gärtner gelesen (und kritisiert), und auch mit diesem Artikel bin ich nicht sehr glücklich. Ich bin der Meinung, dass noch so viele Analysen von "Finanz-Sachverständigen" alter amerikanischer Schule hier überhaupt nicht weiterhelfen können, sie können eigentlich nur Pessimismus verbreiten, denn das Zinseszins-System der Fed führt nun einmal zwangsläufig zu den bekannten Phänomenen, unter...

Gerade habe ich erst den Beitrag "Chinas Großmachtstrategie" von Markus Gärtner gelesen (und kritisiert), und auch mit diesem Artikel bin ich nicht sehr glücklich. Ich bin der Meinung, dass noch so viele Analysen von "Finanz-Sachverständigen" alter amerikanischer Schule hier überhaupt nicht weiterhelfen können, sie können eigentlich nur Pessimismus verbreiten, denn das Zinseszins-System der Fed führt nun einmal zwangsläufig zu den bekannten Phänomenen, unter denen die ganze Welt leidet: Wirtschaftszusammenbrüche, Kriege, Hungersnöte usw. Was wir brauchen, ist ein besseres, gerechteres, humaneres, im Sinne der arbeitenden Menschen funktionierendes System!


19.09.2014 | 12:19

doci

alle jammern über den finanzsektor ??? das ist alles heisse luft, aufgeblasen von betrügern und lumpen und hat mit dem realen menschlichen leben nichts, aber auch gar nichts zu tun. traurig ist nur, dass diese unproduktiven kapitalschmarotzer das große sagen haben, weil sie mit ihren wertlosen hirngespinsten die menschen blenden....


19.09.2014 | 12:18

Elisa

Schon interessant, was man hier im Westen alles über China hinausposaunt, obwohl die Journalisten kaum je einen Fuss in dieses grosse Land gesetzt haben. Die Chinesen müssen nur ein paar Mrd. $ von ihren immensen $-Devisenreserven auf den Markt werfen, und schon haben sie ihr Problem gelöst, während die Probleme der anderen hochverschuldeten Industrienationen dann erst richtig beginnen. Ausserdem sollten die westlichen Bevölkerungen, nicht nur die Politiker, schon mal wahrnehmen,...

Schon interessant, was man hier im Westen alles über China hinausposaunt, obwohl die Journalisten kaum je einen Fuss in dieses grosse Land gesetzt haben. Die Chinesen müssen nur ein paar Mrd. $ von ihren immensen $-Devisenreserven auf den Markt werfen, und schon haben sie ihr Problem gelöst, während die Probleme der anderen hochverschuldeten Industrienationen dann erst richtig beginnen.

Ausserdem sollten die westlichen Bevölkerungen, nicht nur die Politiker, schon mal wahrnehmen, was da alles an Zusammenarbeit zwischen China und Russland sowie den übrigen Brics-Staaten und den eurasischen Staaten an wirtschaftlicher und politischer Dynamik läuft. Keine Kriegstreiberei wie im Westen, sondern wirtschaftlicher Aufbau! Die Medienhetze gegen Russland und China zeugt nicht nur von beispielloser Arroganz, sondern ist auch widerlich stossend.

BRICS-Dynamik: verstärkte Zusammenarbeit zwischen China und Südamerika
https://www.bueso.de/node/7686

Medienhetze gegen Russland findet kein Ende
http://www.buergerstimme.com/Design2/2014-09/medienhetze-gegen-russland-findet-kein-ende/

Fortschritte der "neuen Seidenstraße"
https://www.bueso.de/node/7677

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