Monday, 26. September 2016
11.01.2016
 
 

Paukenschlag aus Fernost: Krauss-Maffei wird chinesisch

Markus Gärtner

Chinas Wachstum lässt bedenklich nach. Die Börsen brechen ein. Die Behörden müssen den Kursverfall, der weltweit für Unruhe sorgt, immer häufiger durch den Stopp des Aktienhandels aufhalten. Aus der Lokomotive der Welt ist ein Bremsklotz geworden, der die Finanzmärkte einreißen könnte. So jedenfalls das aktuelle Bild der Volksrepublik in den westlichen Medien.

 

Die Wahrheit ist: China hat zwar große Probleme. Doch die sind Ausdruck der größten Zäsur, die je im Reich der Mitte versucht wurde: der Umstellung von einem exportgetriebenen Wachstumsmodell zu einem, das durch heimischen Konsum angetrieben wird. Dafür müssen immense Überkapazitäten in der Industrie abgebaut werden. Und das bremst.

 

Die Chinesen nutzen die Wachstumspause in der Folge dieser Umstellung ihres Wirtschaftsmodells geschickt, um sich im Westen weitere Trophäen zu schnappen. Sie erwerben Markenfirmen, die ihnen schlagartig Zugang zu wichtigem Know-how erlauben, dazu die Übernahme erfahrener Management-Teams und – vielleicht das Wichtigste – eingeführte Marken, die sich längst ihre Märkte erobert haben. Statt jahrzehntelang aufzubauen, wird binnen weniger Monate ein Unternehmen im Westen gekauft.

 

Eine solche »Abkürzung« an den Weltmarkt hat jetzt die National Chemical Corp. genommen, die für 925 Millionen Euro als Führer eines Konsortiums den bayerischen Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei übernimmt. Es ist die größte Übernahme, die ein chinesischer Käufer bisher in Deutschland getätigt hat. Und das waren wahrlich nicht wenige.

 

Während also die Mainstream-Medien Abgesänge über China schreiben, schreiben chinesische Firmen dicke Schecks, um durch beschleunigten Zugang zu westlichen Marken mitsamt ihrem Know-how und ihren Märkten die Expansion in den Weltmarkt voran zu treiben. ChemChina hatte vor drei Jahren schon einmal um Krauss-Maffei gebuhlt, hatte aber gegen den kanadischen Finanzinvestor Onex den Kürzeren gezogen.

 

Was genau hinter dem wachsenden Engagement der Chinesen in Deutschland steckt, das habe ich in meinem Buch Drachensturm beschrieben. Der folgende Auszug nennt ein paar der wichtigsten Gründe, warum Deutschland auf dem Einkaufszettel der übernahmehungrigen Chinesen einen so prominenten Platz einnimmt:

 

 

Auszug aus Drachensturm:

 

3. Kapitel: Die ersten Eroberungen – Deutschland ist ein Top-Ziel der Angreifer

 

Firmen in der Bundesrepublik stehen immer öfter auf chinesischen Einkaufszetteln. Das hat zum einen mit der wachsenden Attraktivität des Standorts Deutschland zu tun. Laut dem Weltinvestitionsbericht der UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) machte die Bundesrepublik 2013 einen Satz vom 40. auf den 14. Rang der beliebtesten Standorte für internationale Direktinvestitionen. Deutschland ist laut EY der Topstandort in Europa.

 

Die Studie »China investiert« der TU München reiht seitenlang Übernahmen und Beteiligungen chinesischer Firmen in Deutschland auf: die Betonpumpenhersteller Putzmeister und Schwing, die Autozulieferer KSM Castings, der Türschlosshersteller Kiekert, die KSL Kuttler Automation Systems und der fränkische Maschinenbauer Waldrich Coburg. Im Herbst 2012 machte auch die Übernahme von 25 Prozent des hessischen Gabelstapler-Herstellers Kion durch Shandong Heavy Industries Schlagzeilen.

 

Keine Frage: Chinas weltweit expandierende Firmen haben großen Appetit auf deutsche Mittelständler, die treibende Kraft und der Job-Motor des deutschen Wirtschaftswunders. Mittelständler beherrschen globale Lieferketten und sind der wichtigste Quell von Innovationen. Sie tragen drei Viertel zum industriellen Mehrwert in einem Auto bei.

 

In Deutschland bekommen die Chinesen aber nicht nur Marken sowie Zugang zu internationalen Vertriebsnetzwerken und moderne Produktionsstätten, wenn sie mittelständische Firmen erwerben. Sie erhalten auch Zugang zu den führenden Kunden der jeweiligen Industrie. Und sie kaufen vor allem Spitzentechnik von Weltmarktführern, die sich oft in Nischen eine global führende Stellung aufgebaut haben.

 

Der Erwerb deutscher Firmen erlaubt es chinesischen Investoren meist, die Welt bei der Expansion geschickt aufzuteilen: Die Chinesen beackern ihren eigenen Markt, die deutsche Tochter oder der Joint Venture-Partner den Rest der Welt – und dazu noch das Premiumsegment in China. Gemeinsam lassen sich neue Produkte für alle Märkte entwickeln und durch mehrfach verwendete Komponenten oder Plattformen deutlich die Kosten senken.

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Schon wieder China: Der Börsencrash nimmt Fahrt auf

Markus Gärtner

Land unter im Reich der Mitte. Chinas Börsen mussten heute zum zweiten Mal in vier Tagen die Reißleine ziehen und den Handel anhalten, um einen Crash zu vermeiden. Der 300 Werte umfassende CSI-Index krachte im frühen Handel um fünf Prozent nach unten.  mehr …

IWF-Entscheid: Der Aufstieg des Yuan geht fast vollständig zu Lasten des Euros

Peter Boehringer

Nach dem grundsätzlichen Beschluss des IWF vom 30.11.2015 zur Aufnahme des Yuan ins SDR/SZR-System kam am 01.12.2015 nun auch die Information, wie hoch der Yuan im per 01.10.2016 neu zusammengesetzten IWF-SDR-Währungskorb gewichtet werden würde und zu wessen Lasten das gehen wird. Und was zu beweisen war – der Aufstieg des Yuan geht fast  mehr …

Historische Entscheidung: Yuan steigt zu Reservewährung im IWF auf

Markus Gärtner

Chinas Renminbi – oder Yuan, wie er im Englischen genannt wird – ist jetzt offiziell eine Reservewährung. Der Internationale Währungsfonds nahm am Montag in einer Sitzung unter Führung von IWF-Chefin Christine Lagarde den Yuan in den Korb elitärer Leitwährungen auf. China musste lange auf diesen Schritt warten. Seit dem Jahr 2000 war der  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Blaupause für Deutschland? Amerika arbeitet mit Polizei-Schufa über jeden Bürger

Stefan Schubert

»The Land of the Free«, diese Textzeile aus der amerikanischen Nationalhymne, wirkt angesichts der Zustände in den USA wie blanker Hohn. Selbst der dystopische Roman von George Orwell 1984 wirkt, angesichts der grassierenden Massenüberwachung in den USA, mittlerweile eher wie ein Kinderbuch. Erst im Sommer wurde bekannt, dass das FBI die eigene  mehr …

Das nächste Opfer der Säuberungswelle: Knaur-Verlag schiebt Bestsellerautor Gerhard Wisnewski ab

Markus Mähler

Immer mehr Autoren werden Opfer des Meinungsdrucks und von ihren Hausverlagen kaltgestellt. Ihr Verbrechen: Sie schreiben, dass Merkels Flüchtlingspolitik eher Deutschland schafft als anders herum. Nach Pirinçci oder Matussek trifft es Wisnewski. Der war für Droemer Knaur eine Gelddruckmaschine. Jetzt wurde er einfach abgeschoben. Wisnewskis  mehr …

Wer sich auf Katastrophen vorbereiten will, sollte auch an naturbelassenen Honig denken

Daniel Barker

Honig ist eines der erstaunlichsten Geschenke der Natur. Neben seinem wunderbaren, süßen Geschmack und Aroma verfügt er über Dutzende weitere nützliche und gesundheitsfördernde Eigenschaften. Alle diejenigen, die sich ernsthaft bemühen, sich auf Katastrophen aller Art vorzubereiten (in den USA bezeichnet man diese Leute als »Prepper«),  mehr …

Selbstmordwelle unter Italiens Sparern: Bankenrettung und Zwangsenteignung kosten 560 Menschenleben

Markus Mähler

So sieht Wachstum à la italiano aus: 560 »Wirtschaftsselbstmorde« – immer mehr Sparer verlieren alles, sogar ihr Leben. Im Dezember rettete der Staat vier Banken mit einem Bail-in: Bezahlt haben die Kunden mit 750 Millionen Euro. Viele Rentner und Kleinsparer verloren dabei ihr ganzes Anlagevermögen und sind jetzt am Ende. Das  mehr …

Werbung

Die Denkfabriken

US-Finanzoligarchen bilden eine internationale »Geheimregierung«

Eine wichtige Rolle bei der Manipulation der öffentlichen Meinung spielen die sogenannten Denkfabriken - oder Think Tanks, wie sie im Englischen heißen. Die meisten von Ihnen kennen vermutlich die wohlklingenden Namen: Council on Foreign Relations, Aspen Institute, Trilaterale Kommission, Bilderberger und German Marshall Fund. Dahinter stehen die führenden Vertreter der US-Finanz- und Wirtschaftsoligarchie: Soros, Rockefeller, Rothschild, Buffett, Gates. Und alles, was an der Wall Street Rang und Namen hat.

mehr ...

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Russland und die neue Vernetzung Eurasiens

»Die Russen draußen halten, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten ...«

Anfang der 1950er Jahre, zu Beginn des Kalten Krieges, erklärte Baron Ismay, erster Generalsekretär der NATO, der Zweck der North Atlantic Treaty Organization sei es, »die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten«. Heute, rund sechs Jahrzehnte später sowie ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Pakts, sind die USA, die treibende Kraft hinter der NATO, mehr denn je darauf erpicht, Baron Ismays Maxime instand zu halten. Anstatt die NATO nach 1990 bedachtsam abzubauen, wie es vielerseits erwartet wurde, haben vier amerikanische Präsidenten nacheinander die Strategie verfolgt, die NATO bis vor die Haustür Moskaus und auch Chinas zu erweitern. Wie ist das zu verstehen?

mehr ...

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Das Tal der unsterblichen Meister

Eine Reise ins ewige Wesen aller Dinge

Im Sommer 2006 unternimmt der Seher und spirituelle Lehrer Aaravindha Himadra eine abenteuerliche Reise in ein unzugängliches, mythisches Tal im Himalaja. Dort trifft er die legendären Amartya-Meister, höchst verwirklichte menschliche Wesen. Sie sind die Hüter von geheimem spirituellem Wissen einer uralten Tradition, das sie befähigt, die Begrenzungen des Todes zu überwinden. Unter der Anleitung der Meister erfährt Aaravindha, wie die Naturgesetze ihre Gültigkeit verlieren; er reist durch die Zeit, macht Erfahrungen außerhalb seines physischen Körpers und gewinnt tiefe Einsichten in das ewige Wesen aller Dinge.

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.