Friday, 29. July 2016
10.12.2015
 
 

Peter Schiff mit neuer Warnung: »Die Wirtschaft implodiert, der Kollaps kommt«

Markus Gärtner

Es ist fast neun Jahre her, dass Peter Schiff erstmals vor der Finanzkrise von 2008 warnte. Seine Beobachtungen damals: Nachlassender US-Konsum, überteuerte Aktien und eine maßlos lockere Kreditvergabe, die zur Implosion des Bankensystems führen würde. Drei Jahre später bekam der Experte Recht. Aber erst, nachdem ihn die Mainstream-Medien mit Spott überhäuft und ihn als Katastrophen-Onkel durch den Schmutz gezogen hatten. Jetzt warnt Schiff wieder: »Wir sind pleite, wir leben von den Schulden. Schauen Sie sich all die Amerikaner in den Suppenküchen an, die Arbeitslosen, die Schwerbehinderten – der Boden ist nur deshalb noch nicht aus dem Fass gefallen, weil wir uns NOCH tiefer verschulden.«

 

Wieder wird Schiff weitgehend ignoriert. Doch wir müssen ihn ernst nehmen. Um das zu verdeutlichen, kopiere ich nachfolgend einen Auszug aus meinem Buch Lügenpresse. Darin schildere ich, wie Peter Schiff schon damals, vor fast neun Jahren, lächerlich gemacht wurde.

 

Hätten die Leitmedien auf ihn gehört – und ihn nicht der Lächerlichkeit preisgegeben – Millionen von Menschen in Europa und den USA hätten vor dem Absturz der Märkte rechtzeitig einen großen Teil ihrer Ersparnisse retten können:

 

Auszug aus Lügenpresse:

 

In der Tat: An Warnungen vor dem weltweiten Desaster, das die Lehman-Pleite 2008 einleitete, hat es in den Jahren zuvor nicht gemangelt.

 

Die Medien hätten diese Warnungen ihrer Dringlichkeit entsprechend platzieren und prominent berichten können. Doch die Warner und »Miesmacher« mit den beunruhigenden Prognosen wurden immer wieder der Lächerlichkeit preisgegeben, oder ignoriert. Im Internet gibt es dazu ein vielsagendes Video mit dem Titel »Peter Schiff was right«.

 

 

Es ist ein acht Minuten langer Zusammenschnitt verschiedener Auftritte, die Schiff in den Jahren 2006 und 2007 auf dem Wirtschaftssender CNBC hatte. Jedes Mal wurde er zu seiner Einschätzung der Geldpolitik, der Immobilienmärkte und der Staatsschulden in den USA befragt. Jedes Mal wurde er von den Moderatoren, oder ebenfalls ins Studio eingeladenen Vertretern von Wall-Street-Banken und anderen Berufs-Optimisten abgewürgt oder als realitätsfremder Angstmacher beschimpft. Hier ein paar Auszüge, die ich beim Durchhören des Videos mitgeschrieben habe. Ein Beispiel aus einer Sendung auf CNBC am 13. Juni 2006. Das war drei Monate nach dem ersten Beben am amerikanischen Immobilienmarkt und genau eineinhalb Jahre vor Beginn der Großen Rezession im Dezember 2007.

 

Studiogast zu Schiff: »Wir haben jetzt eine sehr viel effizientere Wirtschaft in den USA.« Darauf Schiff: »Wir machen Schulden im Ausland, um unsere Wirtschaft zu finanzieren, das ist nicht effizient.« Dazu ein weiterer Studiogast: »Peter liegt völlig daneben, ich weiß gar nicht wo er diese Zahlen herhat.«

 

Dazu Schiff: »Wir haben unsere produktive Kapazität gar nicht erhöht, was gewachsen ist, ist lediglich der Papierwert von Aktien und Immobilien. Wenn der Aktienmarkt einbricht und die Immobilienblase platzt, wird sich all dieser getürkte Wohlstand in Luft auflösen, und alles, was dann übrigbleibt, sind unsere Schulden gegenüber dem Ausland.« Darauf sein Widerpart von der Wall Street: »Das ist ja völlig haltlos, was Sie da sagen, alle Zahlen da draußen weisen auf eine kleine Abkühlung hin, aber ein Crash wird das nicht sein.«

 

Die nächste Sendung mit einem Auftritt von Schiff in dem Video wurde am 15. Februar 2007 ausgestrahlt, zehn Monate vor der Großen Rezession. Schiff, an den Moderator gewandt: »Sie stellen die US-Börsen als bombenfest hin, und ich denke, der Goldpreis zeigt uns gerade, dass dies nicht stimmt. Der Immobilienmarkt fliegt gerade auseinander, wir sehen aber erst die Spitze eines Eisbergs im Hypothekensektor.« Dazu der sichtlich entsetzte Moderator: »Wie kommen Sie zu diesem Armageddon-Szenario, welche Daten ziehen sie dafür heran?« Dazu Schiff, ruhig und gelassen: »Schauen Sie sich gar nicht die Zahlen vom Hypothekenmarkt an? Sehen Sie gar nicht, wie viele unverkaufte Häuser es gibt, wie der Subprime-Markt zusammenbricht?«

 

Der Moderator Mark Haines gerät angesichts der Beispiele des unbeirrbaren Schiff ins Stottern: »Nun, äh, äh, ich würde das nicht einen Zusammenbruch im Subprime-Markt nennen, es gibt da vielleicht ein paar Probleme ...« Dazu Schiff: »Es geht ja auch gerade erst los.« Die Erwiderung von Moderator Haines: »Sie reden vom Einbruch der Nasdaq nach Platzen der Internet-Blase, sowas kommt ja höchstens einmal pro Generation vor, und jetzt behaupten Sie, dass weniger als zehn Jahre danach schon die nächste Krise kommt?«

 

Das Ende dieser Frage wurde lang gezogen und betont, um den angeblichen Irrsinn von Schiffs Prognose hervorzuheben. Schiff dazu unbeirrt und knapp: »Ja. Aber diesmal in einer anderen Anlageklasse, bei Immobilien.« Schiff wurde jedes Mal bei seinen Auftritten als absurder Pessimist hingestellt, der seine Zahlen aus obskuren Quellen bezieht und völlig überzogene Vergleiche mit früheren Finanzkrisen herstellt.

 

Ein Blick in deutsche Mainstream-Zeitungen dieser Zeit offenbart eine ganz ähnliche Ignoranz gegenüber jenen, die vor der Krise warnten. Fast die gesamte Presse hierzulande lief hinter den Ereignissen her. Der Spiegel beschrieb am 18. Oktober 2006, sechs Monate nach dem Einschlag der ersten Kometen am US-Immobilienmarkt, immer noch »bizarre Aktionen« in Boomzeiten, mit denen Makler und Hausverkäufer in New York potenzielle Kunden köderten.

 

Die Anreize reichten von Tickets für Privatkonzerte über Plasmafernseher bis hin zu Gratisautos und Einladungen auf Charter-Yachten. Zwar wurden in dem Bericht, der eine Momentaufnahme ohne Schilderung der möglichen Folgen darstellte, Warnungen vor einer »Immobilien-Rezession« zitiert und ein »seit Wochen totes« Maklergeschäft erwähnt. Doch der Markt wurde als einer dargestellt, in dem »verwöhnte Käufer« sich mehr Zeit lassen und die Preise fallen. Mehr nicht. Von einem Kollaps und einer darauf folgenden schweren Rezession keine Spur.

 

Fünf Monate später berichtete der Spiegel wieder prominent über den einstürzenden US-Immobilienmarkt. Das Kredit-Karussell sei »außer Kontrolle« geraten, schrieben Arne Gottschalck und Kai Lange . Diesmal wurde den deutschen Lesern mitgeteilt, dass die »Hypothekenkrise in den USA« auch sie angehe. Und dann folgte diese Erklärung der Lage, die das aufziehende Desaster verharmloste und die Gefahr vom Tisch wischte:

»Der deutsche Aktienindex rauscht in die Tiefe, weil ein paar Hypothekenanbieter in den USA mit zu hohem Risiko gespielt haben ... Müssen die Kurse von Siemens und BASF einknicken, weil Bill Smith aus Kentucky sein Haus ohne einen Dollar Eigenkapital gekauft hat? ... Anbieter von Subprime Loans, die Darlehen an Kunden mit schwacher Bonität vergeben, machen etwa 20 Prozent des US-amerikanischen Hypothekenmarkts aus: Dieser Sektor dürfte kaum groß genug sein, um die Weltbörsen in die Knie zu zwingen. Auch die beteiligten Banken dürften eine Krise in diesem Sektor überstehen ... Selbst wenn von Subprime Loans im Volumen von geschätzten 700 Milliarden Dollar knapp die Hälfte ausfallen sollte, werden die Banken das verdauen.«

Wir wissen alle, was in den Monaten nach dieser Analyse geschah: Neun Monate später brach die Große Rezession aus, die die Weltwirtschaft an den Abgrund brachte. Sie zerstörte bis zum Tiefpunkt der Aktienmärkte im März 2009 rund um den Globus über 34 Billionen Dollar Vermögen. Es war die schärfste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Mehr als die addierte jährliche Wirtschaftsleistung der USA, der EU und Japans wurde zerstört. Die privaten US-Haushalte verloren acht Billionen Dollar an der Börse und sechs Billionen Dollar mit ihren Immobilien.

 

Regierungen, sprich Steuerzahler, mussten weltweit mit 20 Billionen Dollar Banken und Industriefirmen retten, darunter einige deutsche Kreditinstitute. In den USA bekamen 300 Banken Notkredite und Rettungsschirme im Rahmen des TARP-Programms. General Motors wurde mit 27 Milliarden Dollar gestützt, der Versicherer AIG mit 23, Milliarden, die staatlichen Kreditversicherer Fannie Mae und Freddie Mac zusammen 142 Milliarden.«

 

 

 

 

 

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