Monday, 27. June 2016
27.04.2015
 
 

Schlachtfest im Universum der Zins-Zombies

Markus Gärtner

Die Sparer müssen sich warm anziehen. Die nächsten Grausamkeiten der entfesselten Notenbanken zeichnen sich ab. Seit September hat das Volumen der europäischen Anleihen mit negativer Verzinsung um 200 Prozent zugenommen. Es hat sich auf 2,8 Billionen Euro verdreifacht und damit die wirtschaftliche Jahresleistung von Frankreich erreicht.

 

Das bedeutet: Die Zentralbanken waren nicht nur beim Gelddrucken erfolglos. Sie sind auch mit dem Versuch gescheitert, unser Geld durch Strafzinsen in den Umlauf zu jagen. Als Nächstes kommen Bargeldverbot und Steuern auf Ersparnisse.

 

Der Hintergrund dieses Horror-Szenarios ist bekannt. Die Notenbanken wollen Inflation anfachen. Schneller steigende Preise sollen die Schuldenberge wegzaubern. Um das zu ermöglichen, sollen wir alle mehr Geld ausgeben und unsere Bankeinlagen und Sparbücher abräumen.

 

Doch trotz der eingeführten Strafzinsen will das immer noch nicht klappen. Deshalb bereiten sich hierzulande die Banken auf eine Verschärfung des Strafzins-Regimes vor. Wer spart, zahlt eine versteckte Steuer, weil er die Strategie der Notenbanken boykottiert.

 

Eine Umfrage der WELT unter deutschen Banken hat vor wenigen Tagen bestätigt, dass es umfangreiche Vorbereitungen für eine flächendeckende Ausdehnung der Negativ-Zinsen gibt. Den Bürgern wird diese Maßnahme von vielen Mainstream-Journalisten immer noch als etwas Positives verkauft.

 

Sie können, so heißt es, Geld verdienen, wenn sie Kredite aufnehmen. Technisch stimmt das. Doch erstens wird dieser Zinseffekt von den Gebühren wieder aufgefressen. Und zweitens ist der Preis für diese verrückte Geldpolitik enorm hoch. Mit wachsendem Tempo werden unsere Lebensversicherungen zerstört, unser Geld entwertet und unsere Volkswirtschaften ausgehöhlt.

 

Denn niemand steckt in diesem Zins-Zombie-Universum Geld in die Zukunft: Anleger scheuen die hohen Preise, die sie überall bezahlen müssen, von Aktien über Anleihen bis hin zu Immobilien. Unternehmen wollen kaum investieren, wenn Konsumenten so übel mitgespielt wird und die Kaufkraft nachlässt. Die Regierungen bremsen ihre Ausgaben sowieso.

 

Die pervertierte Zinspolitik kann also nicht lange gutgehen. Denn Sparer werden ihr Geld verstärkt von den Banken abziehen. Ab irgendeinem unsichtbaren Punkt nimmt diese Flucht stark zu. Und von diesem Punkt sind wir nicht mehr weit entfernt.

 

Die negativ verzinsten Anleihen, für die wir als Anleger etwas drauflegen müssen, überrollen den Markt für Schuldpapiere.

 

Sie vermehren sich so schnell, dass ihr Gesamtvolumen jetzt schon zwei Mal so groß ist wie alle Firmenanleihen mit guter Qualität, und neun Mal so groß wie höher verzinste aber wacklige Anleihen von weniger erfolgreichen Unternehmen.

 

In diese Anleihen weichen immer mehr Sparer aus, weil sie dort noch Zinsen bekommen. Doch das treibt die Anleihekurse immer weiter in die Höhe. Im Klartext: Wir werden wie eine Viehherde in eine weitere der vielen Blasen hineingetrieben, die die Notenbanken entfacht haben.

 

Uns bleibt gar keine gute Wahl mehr: Entweder wir kaufen Staatsanleihen, für die wir drauflegen, oder wir erwerben Firmenanleihen, die hoffnungslos überbewertet sind und ein hohes Verlustrisiko darstellen. Oder wir lassen das Geld in der Bank und bekommen etwas dafür abgezogen.

 

Dass unser Spar- und Kredit-Universum völlig umgestülpt worden ist, beweist, wie verzweifelt die Notenbanken sind. Sie haben sich verrannt. Ihre Kalkulation – niedrigere Zinsen, mehr Kredite, mehr Investitionen, mehr Jobs – ist nicht aufgegangen. Jetzt verlieren sie gerade den letzten verbliebenen Spielraum.

 

Denn wenn sich die Negativzinsen weiter ausbreiten, wird das Ersparte von Konten und Sparbüchern abgezogen. Aber es wird nicht in die nächste Shopping-Mall getragen, wie es die Notenbanker sich ausmalen, sondern es wird unter das Kopfkissen gelegt.

 

Gegen diese Geldflucht gibt es technisch aus der Sicht von Notenbanken und Politik nur ein Mittel: Es sind strenge Kapitalkontrollen und die Abschaffung von Bargeld. Auch hierfür werden alle Möglichkeiten bereits geprüft. Das zeigen diverse Vorschläge wie der von Citigroup-Chefökonom Willem Buiter.

 

Eine Wende zum Besseren ist bei diesen Verrücktheiten nicht zu beobachten. Im Gegenteil. Die US-Notenbank (Fed) kneift. Sie wollte die Zinsen in den kommenden Monaten erstmals seit 2008 wieder anheben.

 

Doch die Zeichen mehren sich, dass die Fed das extrem langsam tun wird. Oder sie verschiebt die Zinswende mindestens bis ins kommende Jahr hinein. Vielleicht auch ganz, weil sich kaum jemand bei so vielen Schulden überall auf dem Globus noch steigende Zinsen leisten kann.

 

In jedem dieser Fälle findet die verrückte Welt extrem niedriger oder negativer Zinsen vorerst kein Ende.

 

Die Folge: Die Ersparnisse werden weiter abgenagt, das Misstrauen der Konsumenten wächst, die Lebensversicherungen wackeln, Investitionen fehlen – und die politische Kaste ruht sich weiter auf billigem Geld aus, anstatt uns mit Reformen aus dem Jammertal von Schulden und schwachen Perspektiven herauszuführen.

 

Den Rest kann sich jeder auch ohne Nobelpreis denken.

 

 

 

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Leser-Kommentare (17) zu diesem Artikel

28.04.2015 | 16:40

LarsLonte

Chinas Bankensystem beruht auf Trennbankensystem28. April 2015 • 11:29 Uhrhttp://www.bueso.de/node/8002Chinas Bankensystem beruht auf Trennbankensystem28. April 2015 • 11:29 UhrKürzlich wurden wir auf einen hochinteressanten Bericht über die Bankentrennungsdebatte in China aufmerksam gemacht. Der Bericht aus dem Jahr 2010 stammt vom früheren Vizechef der People’s Bank of China, Yi Gang, und erschien als viertes Kapitel eines Buches mit dem Titel „Die chinesische Wirtschaft...

Chinas Bankensystem beruht auf Trennbankensystem

28. April 2015 • 11:29 Uhr

http://www.bueso.de/node/8002

Chinas Bankensystem beruht auf Trennbankensystem

28. April 2015 • 11:29 Uhr


Kürzlich wurden wir auf einen hochinteressanten Bericht über die Bankentrennungsdebatte in China aufmerksam gemacht. Der Bericht aus dem Jahr 2010 stammt vom früheren Vizechef der People’s Bank of China, Yi Gang, und erschien als viertes Kapitel eines Buches mit dem Titel „Die chinesische Wirtschaft transformieren“.

In diesem Kapitel „Die inhärente Logik der Bankenreform Chinas“ schreibt Yi:
„In der Anfangsphase der Reform und Öffnung [1991-92] übernahm China das gemischte Geschäftsmodell [d.h. das Universalbankenmodell], unter dem eine Geschäftsbank (China Communications Bank) Broker-Versicherungsgeschäfte tätigen durfte. Inmitten wirtschaftlicher Überhitzung und finanziellem Chaos Ende Juni 1993... sahen die politisch Verantwortlichen die Schuld teilweise beim gemischten Geschäftsmodell und entschieden, auf die Erfahrung der USA mit der Trennung von Geschäftsbank- und Investmentgeschäft [Glass-Steagall] zurückzugreifen.“

Yi beschreibt dann die Bank- und Wertpapiergesetze, die daraufhin beschlossen wurden, und merkt an: „China setzte offiziell auf den Kurs, Geschäfts- und Investmentbanking zu trennen, und schrieb Geschäftsbanken vor, sich von ihren Wertpapierfirmen und Investmentunternehmen zu trennen.“

In dem Kapitel beschreibt Yi weiter, wie ein Jahrzehnt später wieder über diese Frage diskutiert wurde, als Ökonomen (darunter er selbst!) für die „Universalbanken“ plädierten. Doch der transatlantische Finanzkrach 2007/2008 besiegelte die Angelegenheit erneut zugunsten des Glass-Steagall-Prinzips.

Darüber hinaus wird in einem neueren Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) über chinesische Banken betont, daß Derivate weiterhin nur einen kleinen Anteil der Geschäfte von Chinas Geschäftsbanken ausmachen - im Gegensatz zu den westlichen „systemrelevanten“ Großbanken. Chinas Derivatmarkt entspricht laut der BIZ nur 0,33 Prozent des Weltmarkts. Gemessen an Chinas Anteil am Wirtschaftsprodukt der Welt ist sein Bankensektor offensichtlich bei Derivaten sehr vorsichtig.


28.04.2015 | 00:15

Rudolf-Robert Davideit

Tja Redaktion, mit Vieh-Herden ist Euch bei Eurem Mann wohl was durch die Lappen gegangen! Noch Fragen?


27.04.2015 | 22:07

TC

Leider kann es niemand erspart werden, dass Erkenntnisgewinn ZEIT benötigt, das geht nicht nur mit ein paar Schlagzeilen und Videos von ein paar Minuten Länge. Das empfohlene Video ist zwar ein Gewinn in jeder Hinsicht, aber die Materie ist wie die Laufzeit sehr umfangreich - genau wie der Betrug, der alle Dimensionen sprengt.


27.04.2015 | 21:15

TC

Wer verstehen will, was für gottverlassene Kriminelle in galaktischen Dimensionen die Zentralbanker in Wahrheit sind, unterstützt von ebensolchen in der Politik fast überall in der Welt, der schaut sich zumindest das zweite Video an: ____ http://goo.gl/mg4jrr ____ Wieso weiß das fast alles so gut wie niemand? Weil diesen Verbrechern neben den Politgangstern auch fast alle Medien gehören, oder sie zumindest von ihren oder ihren Marionetten kontrolliert werden...

Wer verstehen will, was für gottverlassene Kriminelle in galaktischen Dimensionen die Zentralbanker in Wahrheit sind, unterstützt von ebensolchen in der Politik fast überall in der Welt, der schaut sich zumindest das zweite Video an: ____ http://goo.gl/mg4jrr ____ Wieso weiß das fast alles so gut wie niemand? Weil diesen Verbrechern neben den Politgangstern auch fast alle Medien gehören, oder sie zumindest von ihren oder ihren Marionetten kontrolliert werden (Öffentlich-Rechtliche etc.)


27.04.2015 | 20:47

Livia

Wenn das Geld nichts mehr taugt, werden die Menschen auf eine Alternative zurückgreifen! Das ist immer die älteste Form der Wirtschaft gewesen, nämlich der Tauschhandel! Und der funktioniert nur in eng abgegrenzten Räumen. Es wird also eine Rückbesinnung auf lokale Wirtschaftskreisläufe anstatt internationalen Handels geben. Das war nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches (wegen der Münzfälschungen = Inflation wurde geprägtem Geld nicht mehr vertraut) jahrhundertelang so,...

Wenn das Geld nichts mehr taugt, werden die Menschen auf eine Alternative zurückgreifen! Das ist immer die älteste Form der Wirtschaft gewesen, nämlich der Tauschhandel! Und der funktioniert nur in eng abgegrenzten Räumen. Es wird also eine Rückbesinnung auf lokale Wirtschaftskreisläufe anstatt internationalen Handels geben. Das war nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches (wegen der Münzfälschungen = Inflation wurde geprägtem Geld nicht mehr vertraut) jahrhundertelang so, aber auch für kürzere Zeiten z.b. nach den Weltkriegen und 1923 sowie im real existierenden Sozialismus der DDR! Das einzig Gute daran ist, daß dann die "Globalisierung" verschwindet und die Regionen endlich wieder autarker werden. Für die Natur ist das besser und auch für die Beschäftigung, aber exotische Dinge zum kleinen Preis wird es dann nicht mehr geben.


27.04.2015 | 15:48

www.gold-dna.de

Sag ich doch ... die ´´ZOMBIES´´ sind überall ... ( http://faszinationmensch.com/2015/04/27/zombies-die-pandemische-folge-von-impfungen/ )

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