Monday, 25. July 2016
23.12.2015
 
 

Silbermarkt vor einer Rally: Unsicherheit, weniger Förderung, stürmische Käufe von Münzen

Markus Gärtner

Steht der Silberpreis vor einer kräftigen Rally? So mancher ist überrascht, diese Frage überhaupt zu hören. Silber hat seit Jahresbeginn neun Prozent an Wert verloren. Seit dem Zwischenhoch im Januar ist der Preis sogar 25 Prozent gesunken. Und gerade erst hat die US-Notenbank (Fed) erstmals seit zehn Jahren die Zinsen angehoben. Der gegen mögliche Inflation gerichtete Schritt ist angeblich eine schlechte Nachricht für Edelmetalle wie Silber.

 

Doch Insider verweisen darauf, dass aktuell nicht so sehr das direkte Marktumfeld von Silber die Preisbildung dominiert, sondern ein ganz anderer Faktor: Eine wachsende Zahl geopolitischer Konflikte wie in Syrien, dazu der anhaltende Flüchtlingsstrom und erneute Beben am Finanzmarkt, wie der Ausverkauf bei den Ramschanleihen, schüren vermehrt Zweifel am Wert unseres Papiergeldes.

Immer mehr Anleger suchen in diesem erosionsträchtigen Umfeld für unser Papiergeld nach harten »Assets«, also Anlageformen, die dauerhaft wertbeständiger sind. Wer das nicht glaubt, schaue sich die Webseiten diverser Münzanstalten und Edelmetallhändler auf der Welt an. Dort liest man seit Monaten nur noch eine Nachricht: AUSVERKAUF.

 

Im Juli führte die Münzprägeanstalt der USA, die United States Mint, ein Limit für die wöchentlichen Verkäufe des »American Silver Eagle« ein. Im Nachbarland Kanada wurde ebenfalls die Notbremse beim Verkauf der beliebten Münzen gezogen, man kam einfach mit dem Ansturm der Kunden nicht nach. Auch die australische Münze rationierte den Verkauf von Silbermünzen.

 

Die US-Münze fährt in ihrem Werk in West Point laut der Finanzwebseite Profit Confidential im Drei-Schicht-Betrieb am Rande der Kapazität. Im dritten Quartal bis Ende Oktober wurden knapp 15 Millionen Unzen des Silver Eagle verkauft, mehr als in irgendeinem Monat seit 1986.

 

Dieser Ansturm auf die Händler und Münzanstalten hat vor allem damit zu tun, dass immer mehr Menschen sich Sorgen über die Zukunft machen: Die Zahl der Konflikte nimmt zu, das kulturelle Koordinatensystem verschiebt sich wegen des Flüchtlingsstroms, das Geld wird durch die Notenbanken entwertet, es drohen spätere Pensionierungen und mehr steuerliche Lasten – und all das bei einem Schuldenberg, der schneller wächst als die Wirtschaftsleistung.

 

Laut der jüngsten GfK-Umfrage blickt erstmals seit Jahren die Mehrheit der Deutschen mehr mit Angst als mit Zuversicht in das kommende Jahr.

 

Wenn Silber dann noch relativ günstig ist, warum nicht dort zuschlagen? Der Preisabstand zwischen Gold und Silber ist derzeit extrem. Im Schnitt der vergangenen 40 Jahre war Gold beim selben Gewicht 42,8 Mal so wertvoll wie Silber. Jetzt ist der Goldpreis auf das 76-Fache angestiegen.

 

2016 werden sich die Aussichten für Edelmetalle sicher weiter verbessern. Der Kampf gegen den IS mit deutscher Beteiligung intensiviert sich. Die Griechen bleiben mit den Reformen hinter den Versprechen zurück, die sie für das dritte Hilfspaket gegeben haben. In Syrien stehen sich die NATO und Russland gegenüber. Die Europäische Zentralbank hat gerade begonnen, den Geldhahn NOCH weiter aufzudrehen.

 

Und rund um die Welt geht die Produktion von Silber zurück. In den USA sank sie in den Monaten bis August gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent, im September brach sie plötzlich um 20 Prozent ein.

 

In anderen Silber produzierenden Ländern ein ähnliches Bild: In Mexiko ging die Produktion bis September zum Vorjahr um vier Prozent zurück, in Australien bis August um 41 Prozent, in Kanada von Januar bis Oktober um 23 Prozent. Es wird nicht nur massiv gekauft, es wird auch weniger geschürft.

 

Und das dürfte sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Denn zahlreiche Minenfirmen kürzen wegen der verfallenden Rohstoffpreise derzeit drastisch ihre Produktion. 55 Prozent des weltweit abgebauten Silbers ist laut dem World Silver Survey 2014 ein Nebenprodukt des Abbaus von Zink, Blei und Kupfer gewesen. Weitere 13 Prozent kamen aus dem Abbau von Gold.

 

In vielen Silberminen liegen der Verkaufspreis und die Kosten für die Produktion jetzt nicht mehr weit voneinander entfernt. Wenn der Silberpreis noch einmal kurzfristig sinken sollte, würden viele Schürfunternehmen ziemlich schnell reagieren und die weniger profitablen Minen schließen oder dort zumindest die Produktion drosseln.

 

Das bedeutet, dass wegen der aktuellen Situation der Silberpreis nicht mehr viel Spielraum nach unten hat.

 

Auch der Verfall des Ölpreises, mit dem sich Silber seit Jahren mehr oder weniger parallel bewegt, hat das Schlimmste wohl hinter sich. Denn die OPEC verliert derzeit pro Jahr 450 Milliarden Dollar Einnahmen durch die niedrigen Notierungen. Viele Länder halten das nicht mehr lange durch. Sie werden die Produktion zügeln müssen, um höhere Preise zu erzielen.

 

Und viele Frackingfirmen in den USA stehen wegen der kollabierten Ölpreise am Rande des Zusammenbruchs. Sie brauchen höhere Preise, oder sie scheiden aus dem Markt aus. Viele haben das durch feste Preisvereinbarungen mit ihren Abnehmern eine Zeit lang verhindert. Doch diese Sicherungsverträge laufen jetzt aus. Dann muss weniger gefördert werden, wenn es noch geht, oder es gibt zahlreiche Pleiten. Das wird die Ölpreise nach oben unter Druck setzen.

 

 

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Betrug auf dem Goldmarkt – können Sie die hässlichen Wahrheiten des globalen Finanzsystems verkraften?

Bill Holter

Es ist schon so ein Ding mit der Wahrheit. Was für den einen eine unumstößliche Wahrheit ist, sieht der nächste als strittig an, denn Meinungen und Einschätzungen variieren von Person zu Person. »Wahrheit« in diesem Zusammenhang bedeutet nichts weiter als die Meinung oder den Standpunkt eines Einzelnen. Eine auf diese Weise definierte Wahrheit  mehr …

Enthüllungsbuch: Die heimliche Enteignung durch das Weltfinanzkartell

Markus Gärtner

Die Bundeskanzlerin verspricht: Keine Steuererhöhung wegen der Flüchtlinge. Und kaum jemand mag ihr glauben. Die Experten streiten derweil erbittert, welche zusätzlichen Kosten auf uns zukommen und wie sie sich mit den immensen Schulden addieren, die bereits aufgelaufen sind. Jetzt hat der erfahrene Wirtschaftsjournalist und Autor Janne Kipp in  mehr …

Massive Goldkäufe: Private Anleger wittern die nächste Finanzkrise

Markus Gärtner

Die Goldnachfrage der USA hat sich im dritten Quartal bis September bei Münzen und Barren verdreifacht. Die Chinesen haben 70 Prozent mehr Anlagegold gekauft als im selben Quartal des Vorjahres. Die weltweite Nachfrage stieg immerhin um acht Prozent an. Das meldet der World Gold Council im neuen Quartalsbericht.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Betrug auf dem Goldmarkt – können Sie die hässlichen Wahrheiten des globalen Finanzsystems verkraften?

Bill Holter

Es ist schon so ein Ding mit der Wahrheit. Was für den einen eine unumstößliche Wahrheit ist, sieht der nächste als strittig an, denn Meinungen und Einschätzungen variieren von Person zu Person. »Wahrheit« in diesem Zusammenhang bedeutet nichts weiter als die Meinung oder den Standpunkt eines Einzelnen. Eine auf diese Weise definierte Wahrheit  mehr …

Zehn Wunderwaffen zum Abnehmen

Julie Wilson

Wer kennt das nicht: Nach den Feiertagen steigt man auf die Waage und traut seinen Augen kaum. Einer der guten Vorsätze zum Neuen Jahr lautet deshalb (wieder einmal): Jetzt wird abgenommen!  mehr …

Steuern ohne Belege: »Gläserne Bürger« machen’s möglich

Michael Brückner

Steuererklärungen ohne Zettelwirtschaft und Papierkrieg: Rechtzeitig vor Weihnachten verspricht die Bundesregierung dies den Steuerzahlern. Im Hintergrund sind das Vorbereitungen für »gläserne Bürger«.  mehr …

Massive Goldkäufe: Private Anleger wittern die nächste Finanzkrise

Markus Gärtner

Die Goldnachfrage der USA hat sich im dritten Quartal bis September bei Münzen und Barren verdreifacht. Die Chinesen haben 70 Prozent mehr Anlagegold gekauft als im selben Quartal des Vorjahres. Die weltweite Nachfrage stieg immerhin um acht Prozent an. Das meldet der World Gold Council im neuen Quartalsbericht.  mehr …

Werbung

Jetzt wird das Geld eingetrieben

Der Griff nach Ihrem Vermögen

Deutschland, die EU und die gesamte westliche Welt stehen vor einem Scherbenhaufen. Überall brennt es, in der Flüchtlingspolitik, in der Wirtschafts- und Währungspolitik und in den Regierungen, die teils wie in Deutschland zerfallen. Janne Kipp hat ein neues Buch vorgelegt, das zeigt, in welche Richtung wir steuern. Die große Enteignung nennt ein Kartell von Banken, Politikern und multinationalen Konzernen, die bereits die Weichen dafür gestellt haben, unseren Kuchen unter sich aufzuteilen. Ein wichtiges Buch, das Ihnen nutzen wird.«

mehr ...

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Insiderwissen: Gold

»Gold und Silber haben ihre beste Zeit noch vor sich!«

Jenseits der Tagesnachrichten erfahren Sie in diesem Buch von Bruno Bandulet, Peter Boehringer, Marc Faber, Thorsten Schulte und Dimitri Speck Unbekanntes, wenig Bekanntes und Hintergründe aus der Welt von Gold, Geld und Zentralbanken. Profitieren Sie von der Erfahrung und dem Insiderwissen der Autoren, die teilweise seit drei Jahrzehnten auf den Edelmetall- und Devisenmärkten zu Hause sind.

mehr ...

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Super Hubs

Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren

Super Hubs sind die am besten vernetzten Knotenpunkte innerhalb des Finanznetzwerks, wie Milliardär George Soros, JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Blackrock-Boss Larry Fink. Ihre persönlichen Beziehungen und globalen Netzwerke verleihen ihnen finanzielle, wirtschaftliche und politische »Super-Macht«. Mit ihren Entscheidungen bewegen sie täglich Billionen auf den Finanzmärkten und haben somit direkten Einfluss auf Industrien, Arbeitsplätze, Wechselkurse, Rohstoffe oder sogar den Preis unserer Lebensmittel.

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.