Saturday, 2. July 2016
17.06.2015
 
 

Staatspleite oder Hyper-Inflation? – Welches Desaster hätten´s denn gern?

Markus Gärtner

Die Preisschraube dreht sich wieder: Lebensmittel und Mieten werden teurer. Der Ölpreis erholt sich, Benzinpreise ziehen wieder an. Streiks bei der Bahn, der Post und in den Kitas signalisieren höhere Löhne. Abrakadabra: Zurück ist die Inflation.

 

Für uns Sparer bedeutet das, dass eine Folter durch die andere ersetzt wird. Zuerst haben Minizinsen unsere Ersparnisse und Renten dezimiert. Sinkende Preise führten zu negativen Zinsen. Wir mussten für Anleihen draufzahlen, um das Geld am Ende der Laufzeit überhaupt zurückzubekommen. Das war die Wasserfolter.

Doch jetzt kommt die Streckbank mit beschleunigter Entwertung des Geldes, das uns nach der ersten Tortur noch geblieben ist.

 

Seit Februar steigen die Verbraucherpreise. Erst ganz langsam. Und inzwischen schneller. Im April kletterte die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahr auf 0,5 Prozent. Im Mai auf 0,7 Prozent. Das sind noch lange keine Verhältnisse wie in Simbabwe. Aber es ist eine erkennbare Kehrtwende, gegen die man sich als Sparer wappnen muss.

Noch vor einem halben Jahr schrieb der gesamte Mainstream über die Deflation. Lang anhaltende, schroffe Preisrückgänge würden den Konsum einschränken, hieß es, weil alle Verbraucher auf NOCH günstigere Preise warten. Dann würden die Firmen weniger verkaufen, folglich weniger investieren, Leute entlassen und eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Danach sah es vorübergehend wirklich aus.

 

Doch seit Jahresbeginn erholen sich die Benzinpreise, weil Öl seit dem Tiefpunkt auf Dollarbasis schon wieder 30 Prozent teurer geworden ist. Mehr noch: Der schwache Euro, den EZB-Chef Mario Draghi mit seinem Anleihe-Kaufprogramm seit Januar in den Keller bis auf 1,05 zum Dollar schickte, beginnt zu wirken.

 

Die niedriger bewertete Gemeinschaftswährung fängt an, mit zeitlicher Verzögerung von ein paar Monaten die Einfuhrpreise zu erhöhen. Obst, Energie und Haushaltswaren aus dem Rest der Welt von außerhalb der Eurozone werden jetzt teurer.

 

Und in Europa stabilisiert sich der Arbeitsmarkt. Im April wurden in der Eurozone 130 000 weniger Arbeitslose gezählt. Von einer wirklichen Erholung kann man nicht sprechen. Aber der Effekt auf die Preise bleibt kaum aus, weil der steigende Mindestlohn sowie Lohnabschlüsse dazu beitragen, dass sich der Wind in Sachen Teuerung dreht.

 

Hinzu kommt, dass die Notenbanken – vor allem in Frankfurt, Tokyo und China – die Geldvermehrung in den vergangenen Monaten noch beschleunigt haben. Und das laute Nachdenken über die Abschaffung des Bargeldes verunsichert die Menschen.

 

Sie flüchten anhaltend in Sachwerte und treiben auch die Preise für Immobilien und Mieten in die Höhe. Die Nettokaltmieten kletterten im Mai 1,2 Prozent. Private Haushalte geben etwa einen von fünf Euro für die Miete aus.

 

Aufmerksame Beobachter reagieren bereits auf die drohende Rückkehr der Inflation. Der Gold- und Silberhändler Degussa meldete am 16. Juni einen Anstieg seiner Online-Verkäufe in den ersten fünf Monaten des Jahres um bis zu 50 Prozent.

 

Aber nicht nur kleine Sparer und private Anleger stellen sich auf die neue Situation ein. Auch die Profis an den Börsen stellen eilig Weichen.

 

Festverzinsliche Wertpapiere werden regelrecht abgestoßen. Anleihen werden verkauft, die Zinsen steigen. Es herrscht Ausverkauf-Stimmung.

 

Wichtige Marktbarometer für deutsche Anleihen, die noch im April fünf Prozent im Plus waren, sind jetzt im Vergleich zum Jahresanfang ins Minus gerutscht. Was kommt als Nächstes? Ganz einfach:

 

Noch mehr billiges Geld der Notenbanken. Sie können nicht auf die Bremse treten und die Ausleihe von Geld verteuern. Denn sie haben sich selbst gefangen gesetzt. Sie stürzen mit höheren Zinsen die großen Schuldenmacher im Westen, allen voran die USA, in eine scharfe Rezession, weil die Schulden seit der Finanzkrise enorm gestiegen sind.

 

Es ist kein Zufall, dass sowohl die Weltbank als auch der Internationale Währungsfonds die US-Notenbank im laufenden Monat aufgefordert haben, die Zinsen erst 2016 anzuheben. Diese Forderungen werden sich regelmäßig wiederholen. Und das Datum der Zinswende wird nach hinten verschoben.

 

Denn wenn die Zinsen steigen, stürzt der US-Immobilienmarkt – und einige Regionalmärkte in Europa mit ihm – ins nächste Desaster. Steigende Zinsen würden auch die hoch verschuldeten Verbraucher in Nordamerika aus den Supermärkten und Malls vertreiben und sofort eine Rezession auslösen. Die droht nach dem schwachen ersten Quartal für die US-Wirtschaft sowieso.

 

Im Klartext: Die Notenbanken haben sich selbst schachmatt gesetzt. Jetzt können sie entweder die Zinsen weiter am Boden halten und die Spekulationsorgie an den Finanz- und Immobilienmärkten am Laufen halten bis sie platzt. Schuldenschnitte, Börsenpanik, Bank Runs und Geld-Konfiszierung wären die Folge.

 

Oder aber die Notenbanken heben die Zinsen trotzdem an und stürzen gleich mehrere Staaten in den Bankrott, weil mit höheren Zinsen die aktuelle Schuldenlast nicht mehr getragen werden kann.

 

Jetzt dürfen wir alle raten, was passiert. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt jedenfalls: Die Zentralbanken werden alles tun, um einen Staatsbankrott zu vermeiden. Das lässt sich schon am verhältnismäßig kleinen Griechenland aktuell gut studieren.

 

Damit ist eine Fortsetzung der finanziellen Repression garantiert. Und zwar so lange, bis weitere Preissteigerungen zu Bankflucht, exzessiven Goldkäufen und eine nochmals verschärfte, hysterische Flucht in Sachwerte führen. Auch das ist in Griechenland mit auffallenden Käufen von langlebigen Gütern dieser Tage gut zu sehen.

 

Doch das treibt die Preise weiter nach oben. Bei dieser Preisorgie werden diejenigen, die sich immer mehr Bedürfnisse nicht mehr erfüllen können, irgendwann aufschreien und meutern. Dann ist es für uns alle zu spät – und das Geld längst völlig entwertet.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (28) zu diesem Artikel

18.06.2015 | 19:30

grillbert

Mit TTIP werden die USA uns ihren unbrauchbaren und giftigen Müll verkaufen !..............1.) Genmanipulierte Lebensmittel......2.) Monopolpositionen ergaunern !........3.) Wir werden bald nur noch deren Mist kaufen können. Das kriegen die hin ! ........4.) Mit Bestechung ist das traditionell leicht zu machen.......5.) So haben sie auch ihre Militärstützpunkte in 155 Ländern dieser Welt eingerichtet.........6.) Es finden sich in allen Ländern dieser Welt korrupte Politiker, die...

Mit TTIP werden die USA uns ihren unbrauchbaren und giftigen Müll verkaufen !..............1.) Genmanipulierte Lebensmittel......2.) Monopolpositionen ergaunern !........3.) Wir werden bald nur noch deren Mist kaufen können. Das kriegen die hin ! ........4.) Mit Bestechung ist das traditionell leicht zu machen.......5.) So haben sie auch ihre Militärstützpunkte in 155 Ländern dieser Welt eingerichtet.........6.) Es finden sich in allen Ländern dieser Welt korrupte Politiker, die ihnen Tür und Tor öffnen........Hier ein Video mit C. Hörstel......http://nuoviso.tv/geopolitik-2014-ukraine-syrien-iran-christoph-hoerstel


18.06.2015 | 13:23

Deutsche eMark

Tja Leute, dann wird es wohl mal Zeit, eigenes Geld zu verwenden. Z.B. die Deutsche eMark! Oder gern auch Bitcoin oder jede andere vom Betrugsgeld Euro, Dollar & Co. unabhängige Verrechnungseinheit. Dem Dauerorgasmus der Bankvorstände kann ja ruhig mal ein Ende bereitet werden. Ungehemmte Geldschöpfung der Geschäftsbanken auf unsere Kosten macht süchtig. Und wenn die Bankkunden mal verstehen, was man mit ihnen macht, führt das bei den Süchtigen sicher zum Drogentot!


18.06.2015 | 11:55

jeanette

da stimme ich ihnen zu herr gaertner, abrakadabra! alles hausgemacht was fuer eine schmieren komoedie. kriegshetze, inflation, epedemien, asteroiden, katastrophen und ungeheur filme, klassnfeind russland etc.etc. geht´s noch? wer soll denn den ganzen zusammengekehrten haufen noch glauben? leute wacht auf und gebt eure karten zurueck. hier wird was insziniert um euch weiter bei der stange zu halten. nur weil ihr es nicht anders gewohnt seid bedeuted es nicht, dass es...

da stimme ich ihnen zu herr gaertner, abrakadabra! alles hausgemacht was fuer eine schmieren komoedie. kriegshetze, inflation, epedemien, asteroiden, katastrophen und ungeheur filme, klassnfeind russland etc.etc. geht´s noch? wer soll denn den ganzen zusammengekehrten haufen noch glauben? leute wacht auf und gebt eure karten zurueck. hier wird was insziniert um euch weiter bei der stange zu halten. nur weil ihr es nicht anders gewohnt seid bedeuted es nicht, dass es stimmen muss. alles zaubertheater. abrakadabra. zieht euch den schleier vom gesicht und ihr durchschaut die tricks der us zauberer und ihrer handlanger. die wollen,mdass ihr aus angst schoen brav funktioniert und macht was sie wollen. kennt ihr doch von der autoritaeren erziehung her.


18.06.2015 | 10:27

Habnix

Ab nächstes Jahr im Julie die Pkw-Maud. Na das wird ein Spass 2017. Inflation was ist das ? Wenn der Staat Schulden hat.


17.06.2015 | 21:35

Bodo Matern

@17.06.2015 | 17:52 Florian GeyerGoebbels hat bis 1943 nicht viel lügen müssen.Dieser Diplomrabulist und seine Auftraggeber machen das schon seit 60 Jahren. Zum Pech für die guten Leute fällt aber keiner mehr auf sie herein.Jeder trottel kann sich daran erinnern, was sein Gehalt von 2001 von 1800 DM für eine Kaufkraft hatte.Wer heute 1800€ verdient, hat beim damaligen Umrechnungskurs von 1,95583 fast 3600 DM.Er müßte also eigentlich im Paradies leben.Macht er aber nicht, vielmehr...

@17.06.2015 | 17:52
Florian Geyer

Goebbels hat bis 1943 nicht viel lügen müssen.
Dieser Diplomrabulist und seine Auftraggeber machen das schon seit 60 Jahren. Zum Pech für die guten Leute fällt aber keiner mehr auf sie herein.
Jeder trottel kann sich daran erinnern, was sein Gehalt von 2001 von 1800 DM für eine Kaufkraft hatte.
Wer heute 1800€ verdient, hat beim damaligen Umrechnungskurs von 1,95583 fast 3600 DM.
Er müßte also eigentlich im Paradies leben.
Macht er aber nicht, vielmehr kann er mit 1800€ netto in Frankfurt Wohngeld beantragen, wenn er eine Familie haben sollte.
Aber es gab niemals nicht eine Geldentwertung, da sei die Ainschie vor!

Ich frage mich immer wieder für wie dämlich die Typen uns kalten.
Und was man dafür bekommt, praktisch rund um die Uhr Kommentare schreiben zu können.
Das macht der Michie ja nicht nur hier, er taucht auch regelmäßig in anderen Foren auf.
Und nicht mit ein paar Stunden Zeit zwischen den Kommentaren, er spammt seine Merkelpropaganda rund um die Uhr.


17.06.2015 | 21:26

Der achte Tag

Krieg und Schulden: http://derachtetag.blogspot.de/2015/06/schulden-und-krieg.html

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