Saturday, 1. October 2016
20.07.2015
 
 

Goldpreis: Der jüngste Coup der Papiergeldlobby

Michael Brückner

Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise kauften Anleger verstärkt Gold und Silber. Einige der Münzen waren vorübergehend sogar ausverkauft. Gleichzeitig brach der Goldpreis ein. Was paradox klingt, ist nichts anderes als eine bekannte Masche: Die mächtige Papiergeldlobby will Sparern und Anlegern das Gold madig machen.

 

Es war eigentlich das ideale Umfeld für steigende Goldpreise: Griechenland stand einmal mehr vor dem akuten Staatsbankrott, und der Europäischen Währungsunion drohte, was ihr Ökonomen von Anfang an vorausgesagt hatten – der Zusammenbruch. In Brüssel jagte eine Krisensitzung die nächste, die Regierungen waren heillos zerstritten. Und aus dem fernen Puerto Rico kamen ebenfalls alarmierende Nachrichten: Die Karibikinsel, deren Name übersetzt ausgerechnet »Reicher Hafen« bedeutet, ist hoffnungslos pleite.

Während die US-Regierung Druck auf die Europäer ausübte, Griechenland »aus geopolitischen Gründen« zu retten, schlitterte mit Puerto Rico eines der US-amerikanischen Außengebiete in den Bankrott.

 

Wie gesagt, unter normalen Umständen hätten diese beiden aktuellen Ausbrüche der weltweiten Schuldenwirtschaft ausgereicht, um die Gold- und Silberpreise in die Höhe zu treiben. Doch was geschah in der ersten Juli-Hälfte? An der Rohstoff-Börse Comex überschlugen sich die Ereignisse. In gerade einmal zwei Stunden wurde mehr Gold gehandelt, als der weltweit führende Goldproduzent pro Jahr auf den Markt bringt. Der Goldkurs brach ein. Und wieder einmal wurde deutlich, wo der Preis für das gelbe Edelmetall gemacht wird: in den USA, und zwar mithilfe von Papiergold. Nicht die Nachfrage nach den physischen Edelmetallen bestimmt den Preis, sondern der Terminmarkt.

 

American Eagle vorübergehend ausverkauft

 

Denn ginge es nach Angebot und Nachfrage, sähe die Kursentwicklung ganz anders aus. Wegen der Griechenland-Krise waren viele Anleger aus der Eurozone in Gold- und Silbermünzen sowie -Barren geflüchtet. Tatsächlich verkaufte die US-Münzprägeanstalt schon im Juni rund 76 000 Unzen Goldmünzen und damit rund 50 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. In der ersten Juli-Woche kauften Anleger nochmal über 38 500 Unzen. Auch Silbermünzen standen hoch im Kurs. Der American Eagle war vorübergehend sogar ausverkauft.

 

Wie passt das zusammen? Hier der Einbruch der Edelmetallpreise am Terminmarkt, dort eine offenkundig stark zunehmende Nachfrage nach physischem Gold und Silber? So neu ist dieses scheinbare Paradoxon keineswegs. Vielmehr handelt es sich um die Neuinszenierung einer Aufführung, die einer staunenden Öffentlichkeit schon mehrfach dargeboten wurde. Zuletzt im April 2013.

 

Damals steuerte die Zypernkrise ihrem Höhepunkt entgegen. Auf der kleinen Mittelmeerinsel testete man gerade die Auswirkungen eines riskanten Tabubruchs: Sparer wurden enteignet, um den maroden Bankensektor zu retten. Nach anfänglichen Protesten sedierte man die Kleinsparer zwar dadurch, dass die teilweisen Enteignungsmaßnahmen nur für Einlagen ab 100 000 Euro gelten sollten.

 

Doch spätestens jetzt war unversehens allen Europäern klar, dass ihr Geld auf der Bank nicht mehr sicher schien. Auch damals hätte der Goldpreis eigentlich steigen müssen. Aber das Gegenteil trat ein, es kam im April 2013 zu einem regelrechten Gold-Crash. Was damals geschah, beschreibt der im In- und Ausland renommierte Rohstoffexperte Dimitri Speck im Buch Insiderwissen Gold (KOPP Verlag 2015):

»Schon am Freitag, dem 12. April, gab es einen schockartigen Rückgang des Goldpreises. Die zweite Schockwelle folgte am darauffolgenden Montag in der Früh, ausgelöst in Australien. ... Der Markt war unglaublich dünn, es gab keine Liquidität, und trotzdem wurden hier enorme Mengen Goldes verkauft, aus heiterem Himmel ... . In zwei Tagen ging der Goldpreis um über 200 Dollar zurück, obgleich es zu dieser Zeit eine signifikante Goldnachfrage gab ... .«

Schon während der Finanzmarktkrise 2008 war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Im Laufe des Jahres 2008 stieg der Goldpreis auf über 1000 US-Dollar je Feinunze. Doch plötzlich, als Sparer und Anleger rund um die Welt um ihr Vermögen bangten, stürzte der Kurs für das Edelmetall auf fast 700 Dollar ab. Dimitri Speck:

»Das wurde durch Interventionen erreicht. Hier haben die Zentralbanken vermutlich ziemlich viel Gold aus den eigenen Beständen in die Hand genommen und über die Goldleihe in den Markt gebracht. Das ganze System befand sich in einer äußerst kritischen Phase. Also wurde der Goldpreis gedrückt ... .«

Die Papiergeldlobby schlägt zu

 

Dieses Mal war es wohl nicht anders. Trotz deutlich anziehender Nachfrage durfte der Goldpreis nicht steigen, weil es einflussreiche und finanzkräftige Kreise nicht wollten. Doch wer steckt hinter der Manipulation? Es müssen Marktteilnehmer mit erheblichem Potenzial sein.

 

Dimitri Speck nennt die Zentralbanken. Vieles spricht dafür, vor allem für die US-Notenbank. Sicher haben aber auch einige der milliardenschweren US-Finanzkonzerne ihre Finger im Spiel.

 

Die Papiergeldlobby ist mächtig und verfügt über genug Geld, Macht und Einfluss, um den finalen Crash des maroden Papiergeldsystems immer wieder hinauszuzögern – »whatever it takes«, um EZB-Chef Mario Draghi zu zitieren. Man erkauft sich ungeniert und zu Lasten künftiger Generationen immer wieder Zeit. So auch in den vergangenen Tagen.

 

Das Ergebnis wird dann mit atemberaubender Chuzpe als »Rettung« bezeichnet. Um die Sparer und Kleinanleger aber nicht auf falsche Gedanken zu bringen, muss der Preis für Gold und Silber fallen. Das Signal soll lauten: Der Euro (also das Papiergeld) wird »gerettet«, aber der Gold- und Silberpreis stürzt ab. Also, liebe Anleger, bleibt lieber bei eurem Papiergeld.

 

Viele Sparer und Anleger haben diese Manipulation längst durchschaut. Ihnen ist klar, dass mit jeder neu aufflammenden Finanzkrise (und die aktuelle Griechenland-Tragödie ist mit Sicherheit nicht die Letzte) und der dann regelmäßig folgenden Gold- und Silberpreis-Manipulation gute Kaufgelegenheiten entstehen.

 

Wenn das auf Schulden aufgebaute Papiergeldsystem wieder einmal ächzt und kracht, ergeben sich günstige Einstiegspreise. Dann greift der intelligente Sparer und Anleger zu. Das erklärt nicht nur das eingangs erwähnte Paradoxon, vielmehr können Anleger somit den dreisten Preis-Manipulateuren ein Schnippchen schlagen.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (22) zu diesem Artikel

29.07.2015 | 17:00

Grossvater

Zypern und Griechenland war nur der Testballon für die Enteignung der EU-Bevölkerung. Wer jetzt noch Sparkonten bei einer Bank hat, der braucht sich nicht wundern wenn er nach einem Wochenende vor geschlossenen Türen einer Bank steht, oder der Geldautomat Error anzeigt. Auf dem Girokonto ist bei mir nur soviel deponiert um die anfälligen Kosten zu decken, wie z.B Kfz.-Versicherung, Steuern, Strom usw. Alles andere sollte man in Edelmetalle angelegt werden,da Aktien auch einem...

Zypern und Griechenland war nur der Testballon für die Enteignung der EU-Bevölkerung. Wer jetzt noch Sparkonten bei einer Bank hat, der braucht sich nicht wundern wenn er nach einem Wochenende vor geschlossenen Türen einer Bank steht, oder der Geldautomat Error anzeigt. Auf dem Girokonto ist bei mir nur soviel deponiert um die anfälligen Kosten zu decken, wie z.B Kfz.-Versicherung, Steuern, Strom usw. Alles andere sollte man in Edelmetalle angelegt werden,da Aktien auch einem Verfall ausgesetzt sind, bei denen ich beim letzten Crash noch mit dem blauen Auge davon kam. Das Geld bei Aktien ist nie ganz weg, denn es besitzen nur andere, und zwar die Hütchenspieler der Börse und denen gönne ich nichts ausser einem zünftigen Durchfall,damit sie endlich einmal mit so richtig in vollen und stinkenden Hosen dastehen.


27.07.2015 | 21:53

Aufgewachter

2.828,77 US-Dollar/Feinunze https://aufgewachter.wordpress.com/2015/07/19/der-aktuelle-goldpreis-ohne-goldpreisdrueckungen/


25.07.2015 | 00:11

licht

Recycling@ das tut mir leid, wenn du zu viele Krimis gesehen hast. Einfach TV ins WC werfen, dann klappt es auch mit dem guten Schlafen, während das Geld über Nacht GAR NICHTS mehr wert ist und dir dein Haus wg. Enteignung abgenommen wird. Dann ist es doch auch gleichgültig, wenn dir dein Gold genommen wird. BEDENKENTRÄGER sollten auch Mal Ideen für Alternativen bringen, statt ewig mit gebücktem Kopf rum zu laufen. Allerdings: leider sind die Realisten, die sich auf DIESEN Seiten...

Recycling@ das tut mir leid, wenn du zu viele Krimis gesehen hast. Einfach TV ins WC werfen, dann klappt es auch mit dem guten Schlafen, während das Geld über Nacht GAR NICHTS mehr wert ist und dir dein Haus wg. Enteignung abgenommen wird. Dann ist es doch auch gleichgültig, wenn dir dein Gold genommen wird. BEDENKENTRÄGER sollten auch Mal Ideen für Alternativen bringen, statt ewig mit gebücktem Kopf rum zu laufen. Allerdings: leider sind die Realisten, die sich auf DIESEN Seiten hier herumtreiben, also die, die die Inhalte lesen, weil sie den Inhalten größtenteils zustimmen, wohl auch eher Schwarzmaler sind. Ich kenne nur wenige Realisten, die sich nicht runter ziehen lassen, sondern agieren und auch die Gegenwart positiv sehen , nicht nur die Zukunft. Schreibt Mal über eure Ideen, wie ihr euch frei von EU, schlechten Politikern, Geldverschwendung/Entwertung und fehlender Demokratie frei macht bzw. unabhängig. Mir fällt dazu nur die Vereinsgründung ein. Neben Schwermetallen etc. Freue mich auf Anregungen.


24.07.2015 | 15:16

Greg

hm, 1 Tonne Gold sind ca. 32000 Unzen, die Rekordnachfrage der Amis sind dann aufgerundet 20 Tonnen pro Jahr. Das ist grob geschätzt ein halbes Prozent des Goldangebotes (ca. 4000 Tonnen) pro Jahr.Ich frage mich nur, wieso denkt der Autor auch nur ansatzweise, das die privaten Käufer irgendeinen Einfluss auf den Goldpreis haben?Der Goldpreis wird entsteht aus Angebot und Nachfrage der großen Händler (Zentralbanken, Minenbetreiber, Spekulanten, ...), nicht durch die Nachfrage der...

hm, 1 Tonne Gold sind ca. 32000 Unzen, die Rekordnachfrage der Amis sind dann aufgerundet 20 Tonnen pro Jahr. Das ist grob geschätzt ein halbes Prozent des Goldangebotes (ca. 4000 Tonnen) pro Jahr.
Ich frage mich nur, wieso denkt der Autor auch nur ansatzweise, das die privaten Käufer irgendeinen Einfluss auf den Goldpreis haben?
Der Goldpreis wird entsteht aus Angebot und Nachfrage der großen Händler (Zentralbanken, Minenbetreiber, Spekulanten, ...), nicht durch die Nachfrage der Kleinanleger


21.07.2015 | 20:02

Paulchen

Was bedeutet es in diesem Kontext am Ende, wer was lenkt? Nichts. Wer schlau ist, kauft jetzt ein und kann sich bei den Amis für den gedrückten Goldpreis bedanken :D


21.07.2015 | 10:46

Tolkewitzer

# 20.07.2015 | 12:13 Sandra - Uneingeschränkte Zustimmung!

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