Monday, 26. September 2016
07.03.2014
 
 

Mysteriös: Der rätselhafte Tod einer Bitcoin-Managerin

Michael Brückner

Die Suizid-Serie in der Finanzbranche wird immer mysteriöser. Jetzt wählte die Chefin einer virtuellen Bitcoin-Börse den Freitod – und hinterließ eine kryptische Bemerkung auf ihrer Facebook-Seite. Kurz zuvor war die führende Handelsplattform für diese geheimnisvolle Cyber-Währung zusammengebrochen. Bitcoins im Wert von 350 Millionen Euro sind angeblich einfach verschwunden. Droht nun ein Milliardenschwindel aufzufliegen, hinter dem Geheimdienste und die US-Finanzelite stecken?

Am Morgen des 23. Februar 1995 suchten die Mitarbeiter der Barings Bank in Singapur ihren jungen Chef vergeblich. Sein Büro war leer, nur an seinem Computermonitor klebte ein gelber Zettel mit der Aufschrift »I’m sorry«. Der Chef hatte sich aus dem Staub gemacht, hinterließ Milliarden an Schulden und stieß seinen traditionsreichen britischen Arbeitgeber in die Pleite.

 

Sein Name: Nicholas (Nick) Leeson. Bis zu seinem Verschwinden ins benachbarte Ausland hatte er als »Banker mit dem goldenen Händchen« gegolten. Seine Karriere endete im Gefängnis – wegen schweren Betrugs, Urkundenfälschung und Untreue.

 

 

Auch Autumn Radtke hinterließ eine kurze Nachricht. Nicht auf einem am Computer klebenden Zettel, sondern auf ihrer Facebook-Seite. Sie schrieb nicht »I’m sorry«, sondern »Alles hat seinen Preis«. Wie Leeson hatte auch Radtke eine Blitzkarriere hingelegt. Sie war Chefin der in Singapur ansässigen Firma First Meta, einer Handelsplattform für die Cyber-Währung Bitcoin. Leeson und Radtke waren beide erst 28 Jahre alt, als sie ihre Karriere beendeten. Auch Autumn Radtke flüchtete. Allerdings nicht ins Ausland, sondern in den Suizid. Vor wenigen Tagen wurde die junge Managerin tot in ihrem Appartement in Singapur aufgefunden. Ein Fremdverschulden an ihrem Tod haben die Behörden ausgeschlossen.

Wahrscheinlich hätte der Freitod der amerikanischen IT-Expertin außerhalb von Singapur und der internationalen Bitcoin-Gemeinde kaum für Aufsehen gesorgt, gäbe es da nicht eine Reihe von Merkwürdigkeiten.

 

So reiht sich der Suizid der First-Meta-Chefin ein in eine höchst seltsame Kette von Selbstmorden, die in den vergangenen Wochen die Finanzwelt erschütterten. Wenn in kurzer Zeit neun Finanzmanager den Freitod wählten, dann tut man sich schwer, an reine Zufälle oder an die Folgen einer Winterdepression zu glauben. KOPP Online hat in jüngster Vergangenheit bereits ausführlich über diese mysteriösen Suizide berichtet.

 

Ein ehemaliger Top-Manager der Deutschen Bank und enger Kollege des Vorstandschefs Anshu Jain erhängte sich in seiner Londoner Wohnung. Ein Banker sprang aus dem 33. Stock des JPMorgan-Hauptquartiers in London in den sicheren Tod. Sein 33-jähriger Kollege sprang vom JPMorgan-Bankgebäude in Hongkong, und der einst als »Erfolgsbanker« gefeierte Chef der National Bank of Commerce wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Über die Todesursache hüllen sich die Behörden in Schweigen. Das sind nur einige Beispiele für diese rätselhafte Suizid-Serie an den wichtigsten Finanzplätzen der Welt.

 

Autumn Radtke spielte sicher noch nicht in der Top-Liga der Finanzbranche. Wenn ihr Freitod dennoch aufhorchen lässt, dann wegen der vielen Ungereimtheiten und Skandale rund um die Krypto-Währung Bitcoin. Nach einem beispiellosen Höhenflug stürzte das Internet-Geld jäh ab. Die führende virtuelle Börse für Bitcoins, Mt. Gox in Tokio, musste Insolvenz anmelden, nachdem angeblich durch Hackerangriffe 750 000 Bitcoins »abhanden gekommen« sind.

 

Der Schaden wird auf 350 Millionen Euro geschätzt. Vor wenigen Tagen berichtete auch die in Kanada ansässige Bitcoin-Börse Flexcoin über Cyberattacken. Der Schaden: über 420 000 Euro.

 

Was aber trieb Autumn Radtke in den Suizid? Wusste sie mehr als andere? Sie, die immer eine überzeugte Anhängerin der Bitcoin-Währung war? Dass sie unter Depressionen litt, halten Freunde und Kollegen für höchst unwahrscheinlich. In gerade einmal sechs Jahren war es für die Amerikanerin aus Wisconsin beruflich in atemberaubendem Tempo aufwärts gegangen.

 

Schon mit 22 Jahren war sie Beraterin des Milliardärs Richard Branson, später arbeitete sie freiberuflich für Apple. Auch für T-Mobile, Verizon Wireless und Universal war Autumn Radtke tätig, bevor sie zur Direktorin eines großen Computerspieleherstellers avancierte. Die Amerikanerin lebte seit 2008 in Singapur, wo sie schließlich Vorstandschefin von First Meta wurde.

 

Warum beendete sie ihr junges Leben, das ihr sicher noch weitere Karrieresprünge beschert hätte? Selbst bei einer Insolvenz ihres Arbeitgebers hätte sie im Handumdrehen einen neuen, gut dotierten Job gefunden. Litt sie unter einer schweren Krankheit? Hatte sie sich etwas Gravierendes zuschulden kommen lassen und fürchtete die Konsequenzen? Ersten Recherchen zufolge kann man beides ausschließen. Und was hat es mit jenem Satz auf sich, mit dem sie sich aus dem Leben verabschiedete: »Alles hat seinen Preis«? Was kann es sein, dass der »Preis« der eigene Tod ist? Und gibt es einen Zusammenhang mit den anderen Banker-Suiziden in den vergangenen Wochen? Warum äußern sich die Behörden so einsilbig?

 

Der Fall Autumn Radtke gibt Rätsel auf. Ebenso wie die Cyber-Währung Bitcoin, von der bis heute nicht genau bekannt ist, wer sie eigentlich ins Leben gerufen hat. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Gerüchte, Geheimdienste und die US-Finanzelite hätten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bewusst eine vermeintliche Alternative zum Papiergeld lanciert. Dadurch habe die Flucht ins Gold gestoppt werden sollen, hieß es. Wenige Tage vor der mysteriösen Insolvenz von Mt. Gox hatte der Informationsdienst KOPP Exklusiv über eine mögliche Verstrickung von US-Geheimdiensten und Großbanken berichtet und vor einem nahen Bitcoin-Crash gewarnt.

 

Über die Hintergründe der sonderbaren Suizid-Serie kann derzeit nur spekuliert werden. Wenn aber an den wichtigsten Finanzplätzen der Welt hochkarätige Banker, die größtenteils Zugang oder sogar regelmäßigen Kontakt zu den wirklich Mächtigen innerhalb der Finanzelite haben, reihenweise den Freitod wählen, dann muss das zumindest zu denken geben. Was braut sich da womöglich zusammen? Ist es so schlimm, dass nur der Freitod einen vermeintlichen Ausweg bietet? Und was wird aus der Cyber-Währung Bitcoin? Wie zu hören ist, muss in den nächsten Tagen und Wochen mit weiteren skandalösen Enthüllungen gerechnet werden. Und welche Hacker verfügen schon über so viel Know-how und das nötige Equipment, um Bitcoins im Gegenwert von rund 350 Millionen Euro einfach abzusaugen? Sparer und Anleger sollten sich auf einen heißen Sommer einstellen.

 

 

 

 


 

 

 

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