Friday, 1. July 2016
14.04.2014
 
 

Naht das Ende der Dollar-Dominanz?

Michael Brückner

Weltweit schichten Notenbanken von US-Dollar in Alternativwährungen oder gleich in Gold um. Der Greenback verliert als Reservewährung zunehmend an Bedeutung. Russland wiederum möchte seine Gas- und Ölexporte künftig in Rubel abrechnen. Der Widerstand gegen die Dollar-Hegemonie wächst.

Wenn es nach Alexei Uljukajew geht, soll der Rubel bald auch bei den internationalen Öl- und Gas-Geschäften rollen. Jedenfalls rief der russische Wirtschaftsminister die Energiekonzerne seines Landes auf, »sich des Dollars zu entledigen«, wie der Radiosender The Voice of Russia dieser Tage berichtete. Bald schon sollen Öl- und Gas-Rechnungen in Rubel, teilweise vielleicht auch in chinesischen Yuan ausgestellt werden. Die schleichende Entmachtung des Petro-Dollars schreitet also voran.

 

 

Seit dem Zweiten Weltkrieg wird der Handel mit Erdöl weitgehend in US-Dollar fakturiert, was der Rest der Welt nolens volens hinzunehmen hatte. Dadurch flossen der US-Zentralbank in beträchtlichem Umfang Devisen aus den ölimportierenden Staaten zu. Gleichzeitig sicherte sich Washington eine dominierende Rolle in der Weltwirtschaft. Vor allem die dynamischen Wirtschaftsnationen rund um den Globus sind nach wie vor auf sichere Ölimporte angewiesen, die sie in US-Dollar bezahlen. Wie teuer dieser »Schmierstoff der Weltwirtschaft« ist, wie Erdöl treffend genannt wird, hängt aber nicht nur von der Preisgestaltung der ölexportierenden Staaten, sondern nicht zuletzt vom Wechselkurs des Dollars gegenüber der Währung des ölimportierenden Landes ab. Verteuert sich die Energie, dämpft das die Wirtschaft eines Staates, oder sie gleitet sogar in eine Rezession ab.

 

Noch zur Jahrtausendwende wurde mehr als die Hälfte der Devisenreserven der internationalen Zentralbanken in US-Dollar gehalten. Damals schien es ziemlich unrealistisch, dass der Greenback eines Tages als Reservewährung ebenso ausgedient haben könnte wie der Petro-Dollar. Noch ist es nicht so weit, aber es gibt deutliche Hinweise, dass die Notenbanken nach Alternativen suchen und das Vertrauen in die US-Währung angesichts der desolaten Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten und geopolitischer Abenteuer wie aktuell in der Ukraine mehr und mehr sinkt.

 

Tatsächlich hielten die Notenbanken Ende vergangenen Jahres nur noch etwa ein Drittel ihrer Währungsreserven in Höhe von insgesamt 11,7 Billionen Dollar in der US-Währung. Das ist der niedrigste Anteil seit 20 Jahren. Danach folgten mit weitem Abstand die Währungsbestände in Euro, Britischem Pfund und Japanischem Yen. Interessant: Etwa die Hälfte aller weltweiten Währungsreserven wird vom Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zugeordnet.

 

Das heißt, es gibt nur Vermutungen, in welchen Währungen diese Reserven gehalten werden. Klar ist, dass der Schweizer Franken eine wichtige, wenngleich keine dominierende Rolle spielt. Experten gehen davon aus, dass sich die Bestände an Schweizer Franken bei den Notenbanken von 2011 bis 2012 etwa verdreifacht haben. Wenn Russland künftig seine Öl- und Gas-Lieferungen in Rubel abrechnet, wird auch der Anteil der russischen Währung an den weltweiten Reserven steigen.

Viel Geld investieren die internationalen Notenbanken derzeit vor allem in den chinesischen Yuan, obwohl diese Währung nicht einmal frei handelbar ist. Außerdem sind Reserven in chinesischer Währung noch nicht zwingend, da das Reich der Mitte seine Exporte in Dollar abrechnet. Nach einem Bericht der Southern China Morning Post sollen schon 40 Zentralbanken Geld in den Yuan umgeschichtet haben, darunter nicht nur die Notenbanken asiatischer Länder wie Japan, Thailand, Südkorea und Singapur. Yuan-Reserven halten unter anderem auch Australien, Norwegen, Frankreich, Österreich und Weißrussland sowie Chile, Bolivien und Südafrika.

 

Staaten mit großen Beständen an Währungsreserven seien dabei, ihre Anlagen zu diversifizieren, sagt Jukka Philman, Fondsmanager bei der britischen Großbank Standard Chartered. Angesichts des Investments vieler Zentralbanken sei der Yuan faktisch zu einer Reservewährung aufgestiegen. Philman vermutet, dass die chinesische Währung für die Zentralbanken bereits konvertierbar ist, also in andere Währungen umgetauscht werden kann. Für den IWF scheint der Yuan als Reservewährung jedoch keine nennenswerte Bedeutung zu haben. In der Statistik über die Währungsreserven fällt er in die Rubrik »andere Währungen«.

 

Doch ganz gleich, ob Dollar, Euro oder Yuan – in allen Fällen handelt es sich letztlich um Papiergeld, dem offenkundig sogar die Notenbanken nicht mehr so recht über den Weg trauen. Jedenfalls bauten viele von ihnen in den vergangenen Jahren ihre Goldreserven aus. Noch vor nicht allzu langer Zeit schien das Edelmetall für viele Notenbanken ein Auslaufmodell zu sein. So trennte sich zum Beispiel die Bank of England fast komplett von ihren Goldreserven. Andere Zentralbanken behielten Gold zwar als Teil ihrer Währungsreserven, doch gingen die Bestände bis zum Jahr 2008 deutlich zurück. Zu den eifrigsten Goldverkäufern gehörte ausgerechnet die Schweizer Notenbank.

 

Inzwischen gibt es bei den Eidgenossen eine recht erfolgreiche Bürgerinitiative, die dafür plädiert, mindestens 20 Prozent der Währungsreserven des Landes in Gold anzulegen. Unterdessen haben vor allem China und Russland ihre Goldreserven ausgebaut. Die Strategie ist klar: Besonders Peking scheint eine Alternative zur Dollar-Dominanz zu suchen. Und in dieser Alternative könnte Gold eine wichtige Rolle spielen.

 

 

 

 


 

 

 

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