Saturday, 1. October 2016
27.12.2015
 
 

Schwedische Elite bejubelt Bargeldabschaffung

Michael Brückner

Die weitaus meisten Weihnachtseinkäufe zahlten die Schweden mit Karte oder Payment-App auf ihrem Smartphone. In keinem Land Europas ist die Entwicklung zu einer bargeldlosen Gesellschaft so weit fortgeschritten wie in diesem nordischen EU-Mitglied. Vielen erscheint Schweden schon wie ein Versuchslabor für die europaweite Abschaffung des Bargelds. Heute Schweden, morgen Deutschland?

 

Wenige Tage vor Weihnachten überraschten die schwedische Handelsvereinigung und das Stockholmer Royal Institute of Technology (KTH) mit einer aus ihrer Sicht erfreulichen Botschaft: Wenn es um die Abschaffung des Bargelds geht, gehört das skandinavische Königreich offenkundig zur Avantgarde. Nach der aktuellen Statistik dürften vier von fünf Weihnachtsgeschenken mit Kreditkarte oder Mobile App bezahlt worden sein.

 

Schweden könne mittlerweile für sich in Anspruch nehmen, weltweit die Nummer eins bei bargeldlosen Zahlungen zu sein, freut sich Niclas Arvidsson, Autor der kürzlich erschienenen KTH-Studie »Cashless future for Sweden«. »Cash mag in anderen Staaten beim Bezahlen noch eine wichtige Rolle spielen, aber nicht länger hier in Schweden«, interpretiert der Wissenschaftler die Quintessenz der Studie.

 

Tatsächlich würden im schwedischen Einzelhandel schon heute rund 80 Prozent aller Transaktionen bargeldlos abgewickelt, erklärt Bengt Nilervall, Chef im Bereich Zahlungssysteme der Swedish Trade Federation. Und er glaubt auch, den Grund zu kennen: »Wir vertrauen unserer Regierung, dem System, den Banken und den Autoritäten.«

 

Eine solche Aussage mutet freilich schon etwas gewagt an, unterstellt sie doch gleichsam eine kollektive Amnesie. Haben die Schweden schon vergessen, dass selbst die großen Banken ihres Landes Anfang der 1990er-Jahre kurz vor dem Zusammenbruch standen? Nur zur Erinnerung: 1991 musste die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Nordbank vom Staat gerettet werden. Im Jahr darauf stand die erste Sparkasse (Swedbank) vor dem wirtschaftlichen Kollaps.

 

Die schwedische Regierung war gezwungen, eine Garantie für die Einlagen dieser Sparkasse zu übernehmen und für die in eine Bad Bank ausgelagerten horrenden Verluste zu bürgen. Im September 1992 musste die Regierung schließlich eine Garantie für alle Banken übernehmen, um das Schlimmste zu verhindern.

 

Dass trotz allem das Vertrauen der Schweden in ihren Staat groß ist und sie deshalb offenbar keine Bedenken haben, sich zum »gläsernen Bürger« machen zu lassen, erklärt der Chef der österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny mit den geschichtlichen Erfahrungen der Skandinavier. »Ein Land wie Schweden hat 200 Jahre keine Kriege geführt. Vielleicht gibt das eine engere Verbundenheit mit dem Staat.«

 

Propagandisten für eine bargeldlose Gesellschaft

 

Was auch immer der Grund sein mag, Schweden erscheint mittlerweile vielen als eine Art Versuchslabor für die sukzessive Abschaffung von Bargeld, ohne gesetzliche Limits für Bargeldzahlungen einzuführen, wie sie z. B. in Italien, Griechenland oder Spanien üblich sind. Was heute in Schweden passiert, kann schon morgen in Deutschland Realität werden. Bekannte Ökonomen wie Peter Bofinger oder Norbert Walter Borjans, seines Zeichens einflussreicher Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, ließen bereits ihre Sympathie für solche Lösungen erkennen.

 

Die Propaganda für die bargeldlose Gesellschaft, in der es angeblich sicherer, einfacher und hygienischer zugehen soll, hat bereits ganz konkrete Folgen. Derzeit ist nach der KTH-Studie nur noch Bargeld in einem Volumen von rund 80 Milliarden Schweden-Kronen im Umlauf, also etwa acht Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang seit 2009 von etwa 29 Milliarden Schweden-Kronen. Begleitet wird diese Entwicklung von propagandistischen Slogans. »Bargeld ist der Schrecken, Karten sind die Könige«, hieß es jüngst z. B. mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. Und Carin Götblad, Polizeipräsidentin von Stockholm, bezeichnet Bargeld als »Blut in den Adern der Kriminalität«.

 

Nach den Erkenntnissen der KTH-Studie zahlen sogar immer mehr Kinder (!) mit Debitkarten, also den früheren EC-Karten. Für den Mainzer Finanzanalysten und Fachautor Antonio Sommese ist dies eine gefährliche Entwicklung. Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr mit Bargeld zahlten, sei das fatal für die Erziehung der Heranwachsenden in Sachen Wirtschaftskompetenz. »Ohne Bargeld, das sie in die Hand nehmen und wertschätzen können, verlieren Kinder und Jugendliche die finanzielle Bodenhaftung und machen sich die Leichtigkeit des Geldes der politischen Kaste zu eigen«, kritisiert Sommese.

 

Während sich in Deutschland und Österreich viele Bürger in Sicherheit wiegen und manche eine bevorstehende Bargeldabschaffung oder -einschränkung noch immer für eine angebliche Verschwörungstheorie halten, wächst in Schweden allmählich der Widerstand. Experten zerpflücken die Argumente der Anhänger einer bargeldlosen Gesellschaft.

 

Björn Eriksson, schwedischer Sicherheitsexperte und früherer Interpol-Chef, hält die Behauptung, nach einer Bargeldabschaffung würde die Kriminalitätsrate sinken, für blanken Unsinn. In den vergangenen Jahren ging z. B. die Zahl der Banküberfälle auch in Deutschland markant zurück, obwohl hierzulande noch viel Bargeld im Umlauf ist.

 

Tatsächlich fand eine Verlagerung statt. Immer mehr Kriminelle überfallen z. B. Juweliere, weil bestimmte Luxusuhren vor allem in Staaten Ost- und Südosteuropas schnell zu (Bar-)Geld gemacht werden können. Gleichzeitig wächst die Cyber- und Kreditkartenkriminalität.

 

Die Pseudoargumente der Kartenlobby

 

Wer hinter der Kampagne gegen das Bargeld steht, ist für Björn Eriksson keine Frage: Sie werde forciert von Großbanken und deren Profitstreben. »In dieser Hinsicht arbeiteten die Geldinstitute bislang sehr effektiv«, schreibt Eriksson in seinem Buch Karten pa bordet.

 

Eine Schwedin war es auch, die mit dem Pseudoargument aufräumte, Geldscheine seien grundsätzlich unhygienisch. Bezeichnenderweise brachte eine große Kreditkartenorganisation solche Parolen immer wieder unters Volk. Agnes Wold, Professorin für Klinische Mikrobiologie am schwedischen Sahlgrenska University Hospital in Göteborg, nahm die Banknoten unter die Lupe und stellte fest: Bei den auf den Geldscheinen gefundenen Bakterien handelt es sich überwiegend um harmlose Hautbakterien, wie sie z. B. auch übertragen werden können, wenn man jemandem die Hand gibt. Um solche Risiken auszuschalten, muss nicht das Bargeld abgeschafft werden. Die einfache Körperhygiene mit mehrmaligem Händewaschen am Tag reicht völlig aus.

 

Dass sich die Mehrheit der Schweden von solchen Argumenten allerdings beeindrucken lässt, erscheint zweifelhaft. Dort entspricht es mittlerweile nämlich der »politischen Korrektheit«, gegen Bargeld zu sein. Nur noch Greise und Gangster seien für Cash. Solche und ähnliche Parolen sind nicht selten zu hören. Es wird vermutlich nicht lange dauern, bis ähnliche Propaganda auch in Deutschland verstärkt den politischen Diskurs bestimmt.

 

 

 

 

 

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