Wednesday, 24. August 2016
23.09.2010
 
 

»Der Tag der Abrechnung ist nah!«

Michael Grandt

Der Markt mit US-Kommunalanleihen steht vor dem Crash. Das könnte neue Schockwellen an den Märkten auslösen.

Erst der private Häusermarkt, dann die Gewerbeimmobilien und jetzt die Kommunalanleihen: Wieder droht ein Crash aus den Vereinigten Staaten.

Bisher wenig beachtet wurde der Markt für Kommunalanleihen, der aber immerhin 2,8 Billionen Dollar schwer ist. Nach Ausbruch der Finanzkrise und dem Vertrauensverlust in die herkömmlichen Banken erfreuten sich vor allem Privatinvestoren an den vermeintlich sicheren amerikanischen Kommunalanleihen: Die Papiere werfen eine gute Rendite ab und die Gewinne sind in den USA steuerfrei. 2009 wurden mit 70 Milliarden Dollar neunmal so viele Papiere gekauft wie im Jahr zuvor.

Doch US-Investorenlegende Warren Buffett warnte bereits vor einiger Zeit, dass der Erwerb dieser Papiere ein »gefährliches« Geschäft sei. Buffetts Vorausblick scheint sich nun zu bewahrheiten: Bisher haben 46 Kommunen Anleihen mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Dollar nicht bedient, 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Immer mehr Städte haben trotz rapide sinkender Steuereinnahmen über ihre Verhältnisse gelebt und sind de facto pleite. Aber auch die schwächelnde Konjunktur trägt ihren Teil dazu bei, dass der Billionen-Markt vor einem Crash steht, der neue Schockwellen auf den globalen Finanzmärkten auslösen könnte.

Bestes Beispiel ist Harrisburg, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Pennsylvania. Am 7. September dieses Jahres kündigte die Stadtverwaltung an, bis auf Weiteres ihre fälligen Anleihen im Wert von 3,3 Millionen Dollar nicht mehr zu bedienen. Schuld an der Situation ist sie selbst, denn seit mehr als 30 Jahren hat die Stadt ihre Verbindlichkeiten nicht in den Griff bekommen. Mit 70 Millionen Dollar überschreitet der Schuldendienst aus Zinsen und Tilgung dieses Jahr sogar die Einnahmen.

Die Stadtverwaltung kalkuliert damit, Banken und Fondsgesellschaften, die sich mit ihren Anleihen eingedeckt haben, an den Verhandlungstisch und zum Erlass der Schulden zu zwingen. Funktioniert das nicht, kann sie offiziell den Bankrott anmelden und hätte sich so ihrer Schulden entledigt.

Viele Experten und Insider sehen mit dem zweitgrößten Ausfall eines kommunalen Schuldners neue Gefahren auf dem Markt zurollen. »Der Tag der Abrechnung ist nah, auch wenn das viele Kommunen in den USA nicht wahrhaben wollen«, sagt Jeff Schoenfeld, Spezialist für Kommunalanleihen bei der Bank Brown Brothers Harriman.

Wenn das unnachgiebige Verhalten von Harrisburg in Städten wie etwa Los Angeles oder Detroit Schule macht, könnte das den Markt der kommunalen Anleihen schnell zum Bersten bringen. »Der Zahlungsausfall einer großen Stadt könnte eine Panik auslösen«, warnt Marilyn Cohen von Envision Capital Management.

 

 

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Quelle: Handelsblatt vom 02. 09. 2010

 

 

 


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