Dienstag, 27. Juni 2017
26.03.2009
 
 

Anno 1637: Tulpenzwiebeln lösen den ersten Börsencrash aus!

Michael Grandt

Börsenkrisen gibt es nicht nur in der Gegenwart: Vor 372 Jahren bricht der holländische Tulpenmarkt zusammen und löst damit den ersten Börsencrash der Menschheitsgeschichte aus, viele verlieren ihr gesamtes Vermögen.

Die Tulpe, heutiges Wahrzeichen Hollands, stammt ursprünglich aus den Steppen Zentralasiens, findet im Mittelalter den Weg in die Gärten am persischen Hof und später zu den osmanischen Herrschern in Istanbul. In Asien ist sie unter dem Namen »Lale«, die »rote Blume« bekannt.

Jahrelang blühen die wertvollen Züchtungen im Garten des osmanischen Topkapi-Palastes versteckt. Im Jahre 1554 entdeckt sie dort der Flame Ghislain de Busbecq, der eine österreichische Gesandtschaft zum Sultan begleitet. Er bringt einige der Blumen unter dem Namen »Tulpian« zu Carolus Clusius nach Wien, einem berühmten Botaniker, der die dortigen kaiserlichen Gärten verwaltet.

 

 

»Tulpomanie«

Die »Tulpomanie« beginnt, als Clusius 1593 den botanischen Garten zu Leiden in der Provinz Südholland übernimmt und dort einige Tulpen pflanzt. Schnell weckt die wunderschöne exotische Blume die Begehrlichkeiten der Oberen Gesellschaft, die aufgrund ihres Überseehandels die reichste der Welt ist. Die Tulpe wird zum Statussymbol der Vermögenden.

Die Pflanzen lassen sich aber nicht nach belieben vermehren. Die Nachfrage übersteigt bald das Angebot und die Preise klettern von Saison zu Saison. Allmählich steigen erste Geschäftemacher ein, ebenso gerissene »Kreditgeber«, die den Kauf von Tulpenzwiebeln finanzieren und Vorschüsse zu wahnsinnigen Zinsen verleihen. Börsen und Auktionen entstehen, weil immer mehr Menschen an den großen Preissteigerungen teilhaben und mitverdienen wollen.

 

 

Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile

Da die schönsten Flammenmuster rein zufällig durch einen Blattlaus-Virus entstehen, sind sie so nicht zu züchten und deshalb meist Einzelstücke. Das treibt die Preise noch weiter in die Höhe. Bald werden die Tulpenzwiebeln zum reinen Spekulationsobjekt: Zuerst werden sie nur während der Pflanzzeit gehandelt. Aber weil sich die Nachfrage bald auf das ganze Jahr erstreckt, werden dann auch die Zwiebeln verkauft, die noch in der Erde sind. Somit können nun auch Optionen auf Tulpenzwiebelanteile gekauft werden.

Der Beginn des Tulpenwahns wird auf den Juni 1633 datiert, als in der Hafenstadt Hoorn ein ganzes Haus für nur drei Tulpenzwiebeln verkauft wird.

Die reine Habgier treibt immer mehr Menschen – quer durch die Gesellschaft, vom Grafen bis zum Knecht –, zum Kauf von Tulpenzwiebeln. Sie investieren ihr Vermögen und sorgen dafür, dass die Preise für die asiatischen Importblumen immer neue Rekordmarken erreichen. Die börslich gehandelten Preise stehen bald in keinem Verhältnis mehr zum tatsächlichen Wert.

 

 

17 Millionen Euro für eine Tulpenzwiebel!

Am teuersten sind die Sorten, deren Kelche mehrere Farben zeigen, dazu geflammt und möglichst bizarr geformt sind. Eine solche Tulpe konnte gut und gerne 3.000 Gulden einbringen. Mit diesem Geld hätte man zu jener Zeit acht Schweine, vier Ochsen, zwölf Schafe, 36 Tonnen Weizen und Roggen, fässerweise Bier und Wein, zwei Tonnen Butter, 500 Kilo Käse, ein Bett, eine Matratze und vieles mehr kaufen können.

Die teuerste jemals gehandelte Tulpenzwiebel wird im November 1636 für einen Betrag von 17.280 Gulden verkauft. Zum Vergleich: Ein Zimmermann verdient damals jährlich etwa 250 Gulden. Der Wert dieser Tulpenzwiebel entspräche heute etwa 17 Millionen Euro!

 

 

Geldgier bringt die Spekulationsblase schließlich zum Platzen

Getrieben von Geldgier steigen immer mehr Spekulanten in den Handel ein. Zunächst mit Erfolg, denn im Januar 1637 verdoppelt sich der Preis dann nochmals. Die Spekulationsblase wird immer größer.

Schließlich kommt es, wie es kommen muss: Am 7. Februar 1637 treffen sich Tulpenhändler zu einer Auktion in einer Schenke im holländischen Harlem. Einige der wertvollsten Zwiebeln stehen zur Versteigerung. Aber die Spekulanten haben sich selbst ausgetrickst, denn die Tulpen sind jetzt so teuer, dass sie keine Käufer mehr finden, auch nicht, als der Auktionator zweimal den Preis senkt. Die Händler verlassen verstört das Lokal und als sich die Nachricht von der geplatzten Auktion verbreitet, bricht Panik aus.

Tagelang versuchen Blumenspekulanten vergeblich ihre Zwiebeln loszuwerden. Aber jetzt will jeder »Tulpenzwiebelbesitzer« nur noch verkaufen, um den Verlust so gering wie möglich zu halten. Die  Spekulationsblase platzt und die Preise fallen um über 95 Prozent. Viele verlieren ihr ganzes Vermögen. Prominentestes »Tulpenopfer« ist wohl der Maler Rembrandt.

Schließlich verfügt die holländische Regierung am 27. April 1637: »Tulpen sind nur gewöhnliche Waren und müssen auch als solche behandelt werden.«

Der Spuk ist vorbei und die Welt hat den ersten Börsencrash ihrer Geschichte hinter sich.

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