Mittwoch, 7. Dezember 2016
16.06.2011
 
 

Der »Krebs« des Zinses

Michael Grandt

Für Professor Bernd Senf ist die Weltfinanzkrise die logische Konsequenz am Ende einer langen Kette, ausgelöst durch die »zerstörerische Kraft des Zinses«.

Einer der größten Kritiker des Zinseszinssystems ist wohl Bernd Senf, von 1973 bis 2009 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Für ihn ist der Zins der »Krebs des sozialen Organismus« und die Weltfinanzkrise kein Blitz aus heiterem Himmel, sondern die logische Konsequenz am Ende einer langen Kette, ausgelöst durch die »zerstörerische Kraft des Zinses«.

Seiner Auffassung nach lässt der Zinseszins die Geldvermögen in beschleunigtem Maße anwachsen. Bei fünf Prozent Zinseszins verdoppelt sich ein Geldvermögen jeweils alle 15 Jahre, entsprechend der Folge 1 – 2 – 4 – 8 – 16 – 32 – usw. Je höher der Zins, um so kürzer ist der jeweilige Verdoppelungszeitraum. Doch wenn das Geldvermögen wächst, muss auch die Verschuldung im Gesamtsystem wachsen – und zwar in gleicher Höhe.

Professor Senf konstatiert weiter, dass das Geldvermögen demnach nur wachsen können, wenn es Schuldner gibt, die entsprechende Zinsen auf Kredite zahlen. Anders ausgedrückt: Das steigende Geldvermögen der einen wird so zu den Schulden der anderen. Aber genau das bringt verschiedene Tendenzen hervor, die sich immer weiter zuspitzen:

  • Wirtschaft: Die Produktion kann nicht so schnell wachsen, wie das Geldvermögen steigt, da die Ressourcen begrenzt sind. Schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab, geraten die verschuldeten Unternehmen immer mehr in die Schuldenklemme.
  • Gesellschaft: Auch derjenige in der Gesellschaft, der nicht verschuldet ist, muss indirekt Zinsen zahlen, da die Unternehmen die Belastungen durch aufgenommene Kredite in der Preiskalkulation ihrer Waren und Dienstleistungen berücksichtigen. Der Anteil des Zinses in den Preisen macht bis zu 40 Prozent aus.
  • Staat: Durch die stetig wachsende Verschuldung und die zu zahlenden Zinsen kommt der Sozialstaat immer mehr in Finanzierungsnöte. Im Extremfall könnte die Regierung sogar zu einer Neuverschuldung gezwungen sein, nur um die Zinsen für die bisherigen Schulden tilgen zu können, wobei die Steuerlast der Bürger immer höher steigt.

 

Zwar werden diese Probleme nicht allein durch den Zins verursacht, so Professor Senf, aber zumindest wesentlich verstärkt. Er ist davon überzeugt, dass die Dynamik des Zinses und des Zinssystems ausreichen werden, um Krisen hervorzurufen.

Nur etwa 50 Jahre dauert es, bis die wachsende Verschuldung des Staates, der privaten Unternehmen und der privaten Haushalte den Organismus einer Gesellschaft so stark mit Zinszahlungen belasten, dass ein Zusammenbruch unumgänglich ist. Finanz- und Weltwirtschaftskrisen werden sich demnach so lange wiederholen, wie das Zinseszinssystem besteht.

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Quellen:

 

Bernd Senf: Der Nebel um das Geld, Kiel 2009, S. 86ff.

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