Gold über alles!
Michael Grandt
Währungen kommen und gehen, Gold aber bleibt. Erstmals seit einem halben Jahr steigt der Preis pro Feinunze wieder über 1000 Dollar – und das soll noch lange nicht das Ende sein.
Goldbarren werden immer wertvoller. Die Gründe: Konjunktursorgen und Ängste vor einer anziehenden Inflation, aber auch die Schwäche des Dollars und Sorgen über die Nachhaltigkeit der weltweiten Erholung. Denn während des Höchststandes der Aktienmärkte vor 22 Monaten sind Wertpapiere, trotz ihrer jüngsten Erholung, im Schnitt rund 35 Prozent gefallen, während Gold im gleichen Zeitraum fast 30 Prozent zulegte.
»Der steigende Goldpreis basiert auf einer Unsicherheit quer durch alle Anlegerschichten, von den Privatanlegern bis zu den Institutionellen«, sagte Sandra Close, Analystin des Gold-Researchdienstes Surbiton Associates. Es gebe Fragen in Bezug auf den Zustand der Wirtschaft, über die Entwicklung der Zinsen. All dies ermuntere Goldkäufer. »Das Potenzial, dass wir noch höhere Preise sehen, ist auf jeden Fall da«, erklärte Close weiter.

Einer Studie des von der Goldindustrie etablierten World Gold Council zufolge konnte Gold zwischen 1974 und 2008 in Jahren mit hoher Inflation real im Schnitt um 15 Prozent zulegen. Das sei eine Erklärung dafür, warum viele Investoren Gold noch immer als Schutz gegen eine aus dem Ruder laufende Inflation kaufen. Gold hat aber auch eine Sonderstellung, denn es ist der einzige Rohstoff, der mit Geld gleichgesetzt werden kann, also nicht nur wertbeständig ist, sondern weltweit als eine Art »Ersatzwährung« gilt.
Manche Experten prognostizieren sogar noch deutlich höhere Kurse, sobald die Inflation wieder ein Thema wird: bis zu 1200 Dollar könnte eine Feinunze am Jahresende kosten.
Die Analysten des Weltmarktführers Barrick Gold schätzen, dass die Goldförderung bis 2013 um bis zu 15 Prozent sinken wird. Der Grund dafür: In den letzten Jahren wurden zu wenig neue Goldvorkommen entdeckt.
Positiv für das Gold dürfte sich zudem auswirken, dass die Europäische Zentralbank und die ihr angehörigen Zentralbanken vor zwei Monaten ein neues Abkommen über die Begrenzung ihrer Goldverkäufe geschlossen haben. Dieses wird Ende September 2009 in Kraft treten, wonach sich die Banken verpflichten, in den kommenden fünf Jahren zusammen nicht mehr als 400 Tonnen im Jahr zu verkaufen. Damit wollen die Zentralbanken dem Goldmarkt und den Goldförderern ein Stück Planungssicherheit verschaffen: Gold über alles!
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