Thursday, 24. May 2012
27.10.2010
 

Kommt am 4. November »QE2«?

Michael Grandt

Nicht nur die Wirtschafts- und Finanzwelt hält den Atem an, wenn Vertreter der amerikanischen Notenbank Fed zu ihrer nächsten Sitzung zusammentreffen. Werden sie ein zweites Ankaufsprogramm für Staatsanleihen beschließen und damit eine neue Inflationsfurcht entfachen?

Am Donnerstag, den 4. November 2010, trifft sich der Offenmarktausschuss des Federal-Reserve-Systems (FOMC) zu seiner nächsten Sitzung. Wie selten zuvor wird dieses Zusammentreffen mit großer Spannung erwartet, denn das Gremium entscheidet nicht nur über die amerikanische Geldpolitik, sondern auch darüber, wie es mit der »Wirtschaftssupermacht« USA in Zukunft weitergehen wird.

 

QE2

Wirtschafts- und Finanzexperten rechnen fest damit, dass das FOMC ein zweites Ankaufsprogramm für Staatsanleihen zur Stützung der Finanzmärkte beschließen wird. Dieses mögliche zweite »Quantitative Easing« (Quantitative Lockerung) wird in der US-Presse deshalb als »QE2« bezeichnet, weil die Fed schon einmal, nämlich am 18. März 2009 beschlossen hatte, Staatsanleihen und Wertpapiere im Gesamtwert von mehr als einer Billion Dollar aufzukaufen.

Die Quantitative Lockerung ist ein Instrument, das dann eingesetzt werden kann, wenn der Zinssatz der Zentralbank nahe null oder schon bei null ist, aber weiterhin eine expansive Geldpolitik, sprich Ausdehnung der Geldmenge, angesagt ist. Die Fed wird in diesem Fall noch einmal versuchen, amerikanische Staatsanleihen aufzukaufen, um die Wirtschaft weiterhin mit Geld zu versorgen. Dadurch wird die Geldmenge M3* wesentlich vergrößert, die damit verbundene Gefahr heißt höhere Inflation. In der Theorie zumindest ist sogar eine Hyperinflation möglich.

 

Die Fed demontiert ihre eigene Währung

Um das neue Aufkaufsprogramm finanzieren zu können, müsste die Fed, wie in der Vergangenheit, de facto Geld aus dem Nichts erschaffen, das heißt also: einfach Geld drucken.

Diese Maßnahme ist aber unter Finanzökonomen sehr umstritten und gilt als Ausnahmeinstrument, das man nur für einen begrenzten Zeitraum anwenden dürfe. Beschließt die Fed am 4. November das QE2, wird sie darauf aber keine Rücksicht nehmen und einer höheren Inflation Vorschub leisten. Eine Störung des Finanzmarktes ist ebenso absehbar, weil die Anleihenzinsen künstlich niedrig gehalten werden müssen.

Die drohenden Inflationsrisiken werden den Dollar weiter entwerten und die Edelmetallpreise ansteigen lassen. Die Fed ramponiert also ihre eigene Währung, was zeigt, dass die USA so nah am Abgrund stehen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.

 

Noch scheint nichts entschieden – oder doch?

Aber noch gilt das QE2 nicht als ausgemacht, denn es gibt Widerstand auch innerhalb der Fed. Richard Fisher, Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, warnte bereits vor einer weiteren hausgemachten Dollar-Demontage: »Der Anstieg des Goldpreises ist das Ergebnis der Dollar-Entwertung und verbreitet Unbehagen unter den Investoren..

Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass eine weitere Quantitative Lockerung beschlossen werden könnte, obwohl Fed-Gouverneurin Elizabeth Duke keine vorschnellen Schlüsse aus dem letzten FOMC-Sitzungsprotokoll ziehen will. Darin ist jedoch unmissverständlich zu lesen: »Die Mitglieder kommen überein darauf hinzuweisen, dass das Komitee bereit ist, falls erforderlich, zusätzliche Kredite zu gewähren, um die wirtschaftliche Erholung zu stützen und um die Inflation im Laufe der Zeit auf ein Niveau zurückzubringen, dass in Übereinstimmung mit dem Auftrag steht (…) Entsprechende Maßnahmen könnten schon in Kürze angebracht sein.«

Dennoch soll das QE2 noch nicht endgültig beschlossen sein. »Das Ergebnis der nächsten Sitzung steht noch nicht fest«, sagte Richard Fisher erst kürzlich gegenüber der New York Times.

Wir dürfen also gespannt sein, wie die Fed am 4. November, knapp zwei Wochen vor den Kongresswahlen, entscheiden wird und ob diese Entscheidung auch Einfluss auf die Wahlen nehmen wird; auf die Finanzmärkte wird sie so oder so durchschlagen.

 

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* Die amerikanische Fed definiert die Geldmenge M3 wie folgt: Alle US-Dollar-Bar-Bestände in Banknoten und Münzen plus die laufenden USD-Girokontenbestände plus alle USD-Einlagenzertifikate (zum Beispiel US-Staatsanleihen) und alle USD-Geldmarkt-Kontenbestände unter 100.000 Dollar plus alle größeren Guthaben über 100.000 Dollar (unter anderem die Eurodollar-Reserven = auf USD lautende Bankeinlagen mit einer Laufzeit bis zu sechs Monaten, die bei Banken außerhalb der USA liegen), größere übertragbare USD-Wertpapierbestände und die Dollar-Devisenbestände der meisten nichteuropäischen Länder. Die Europäische Zentralbank und die Schweizer Nationalbank verwenden andere Definitionen für M3.

 

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Quelle:

http://www.goldreporter.de/goldblog/index.php?rs_id=view&s=724#724

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