Friday, 29. July 2016
13.08.2010
 
 

Mit Japan geht es weiter bergab

Michael Grandt

Um das »Land des Lächelns« ist es nicht gut bestellt. Harte Fakten zeigen, warum auch in den nächsten Jahren mit keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu rechnen ist und es sogar noch schlimmer kommen könnte.

Hatte Japans Wachstum in den vergangenen Monaten noch knapp über dem Plus gelegen, schnellte das der Chinesen satte elf Prozent in die Höhe. Dadurch hat China jetzt den alten Rivalen als zweitgrößte Wirtschaft überholt.

Das war abzusehen, denn Japans Wirtschaft leidet seit Jahren. Hier sind sieben Gründe, weshalb es mit dem »Land des Lächelns« auch in Zukunft weiter bergab gehen wird:

  1. Japans Binnenmarkt trifft auf eine demografische Katastrophe, die durch eine rasch alternde Bevölkerung und eine unglaublich niedrige Geburtenrate geprägt ist. Dadurch wird sich der Binnenkonsum in absehbarer Zeit nicht verbessern.
  2. Japan ist immer noch fast vollständig vom Export abhängig, was den Yen weiter unter Druck setzen wird
  3. Die Schulden des Landes betragen fast 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – die höchste Verschuldung auf der ganzen Welt (im Gegensatz dazu hat Griechenland »nur« 115 Prozent).
  4. Bislang war Japan in der Lage seine Schulden »intern« zu finanzieren. Bis 2015 könnte der asiatische Riese jedoch gezwungen sein, auch in ausländische Finanzmärkte zu investieren. Dann nämlich, wenn die alternde Bevölkerung mehr Vermögen für die Finanzierung des Ruhestands aufbraucht, als die Erwerbstätigen sparen können. Dies wird Japan den erhöhten Risiken ausländischer Finanzmärkte ausliefern und den Nikkei weiter dämpfen.
  5. Die japanischen Regierungen der Vergangenheit glänzten vor allem durch politische Mittelmäßigkeit, schafften keine bahnbrechenden Reformen und waren Opfer vieler verschiedener Kontroversen und Skandale. In den letzten vier Jahren wurden vier verschiedene Premierminister gewählt und neun Finanzminister ernannt. Die politische Stabilität fehlt, was dazu führt, dass viele Japaner politikmüde geworden sind.
  6. Selbst jetzt noch, nach fast 30 Jahren Stagnation, verzeichnen japanische Firmen die höchsten Produktionskosten auf der ganzen Welt und sind unflexibel, wenn es um Anpassungen geht.
  7. Die Preise sinken seit 13 Jahren in Folge und auch die Löhne stagnieren seit Jahrzehnten.

Die Regierung hat offenbar noch nicht begriffen, dass ihre ehemals wirtschaftlich herausragende Wettbewerbsposition nun nicht mehr nur durch die Vereinigten Staaten und China, sondern auch schon von Korea akut bedroht ist.

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Quellen:

http://moneymorning.com/2010/07/10/japan-2/

Handelsblatt, 02.August 2010

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