Thursday, 24. May 2012
21.05.2010
 

Wirtschaftskrise nährt Antisemitismus in den USA

Michael Grandt

In den Vereinigten Staaten gibt es schon länger eine Diskussion darüber, ob die Wirtschaftskrise von jüdischen Wall-Street-Banker inszeniert wurde.

Die Weltwirtschaftskrise dauert an. Die Zeiten sind hart. In den Vereinigten Staaten geraten jüdische Menschen, die an der Wall Street arbeiten, immer mehr in den Fokus und werden zur Zielscheibe öffentlichen Unmutes. Antisemitismus ist in den USA kein neues Phänomen. Schon während der Großen Depression in den 1930er-Jahren stigmatisierte die amerikanische Nazipartei Juden, die in der Finanzbranche tätig waren, als »heimtückische Wall-Street-Banker«.

Gegenwärtig sind es große jüdische Banken, die mit antisemitischen Ressentiments zu kämpfen haben. Allen voran Goldman Sachs und die Rothschild-Dynastie. Sie werden von vielen amerikanischen Rechten, aber auch Konservativen als die »Meistermanipulatoren« der Finanz- und Weltwirtschaftkrise angesehen.

Der Journalist Matt Taibbi veröffentlichte in der aufgeheizten Stimmung über eine angebliche »Goldman-Sachs-Verschwörung« dann auch noch einen höchst umstrittenen Artikel, in dem es heißt: »Das Erste, was Sie über Goldman Sachs wissen müssen: sie ist überall. Die weltweit größte Investmentbank ist ein Vampirtintenfisch auf dem Antlitz der Menschheit, der unbarmherzig alles aufsaugt, was nach Geld riecht.«

Taibbi rechtfertigte sich zwar später, dass sein Artikel keinesfalls antijüdisch sei, konnte jedoch nicht verhindern, dass die Rechten ihn für ihre Zwecke instrumentalisierten.

Tausende aufgebrachte Amerikaner diskutieren das Thema seither in verschiedenen Internetblogs. Und das, was dort zutage kommt, ist erschreckend: Von der »ungeheuren jüdischen Präsenz in der Finanzwelt« ist die Rede, dass die USA nur ein »Werkzeug Israels« seien; vom großen »Einfluss« des AIPAC (der amerikanischen Pro-Israel-Lobby) auf die Politik; davon, dass der Anteil der Juden an den US-Bevölkerung nur zwei Prozent betrage, deren Einfluss auf den Kongress jedoch überdimensional groß sei; von einer »mächtigen jüdischen Finanzelite«, die eng mit der Politik verbunden ist und vieles andere mehr. Auf der Website des National Journal Hosting beklagt sich der ehemalige CIA-Agent Michael Scheuer, jetzt als Professor an der Georgetown tätig, unverhohlen über eine »fünfte Kolonne der Pro-Israel-US-Bürger«.

Schon warnt Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister im Kabinett von Bill Clinton, in seinem Blog: »Die Geschichte zeigt, wie effektiv demagogische Raserei sein kann« und befürchtet, dass aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise Juden, Homosexuelle und Schwarze verstärkt Opfer von populistischer Wut werden könnten.

Globale Fehler werden auf Minderheiten fokussiert, weil man Sündenböcke braucht. Auch das ist in der Sozialwissenschaft keinesfalls neu. Doch unser Finanzsystem brach nicht wegen einer Bank zusammen.Goldman Sachs certainly played a major role as did JP Morgan Chase, Morgan Stanley, and CitiCorp, along with the many dead and gone players like Bear Sterns, Merrill Lynch, Lehman Brothers, WaMu, Depfa, Glitnir, Landsbanki, Kaupthing and down the list we go. Goldman Sachs spielte sicherlich eine große Rolle, aber das haben JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Citicorp ebenfalls. Genauso wie Bear Stearns, Merrill Lynch, Lehman Brothers, Washington Mutual, Depfa, Glitnir, Kaupthing und viele andere mehr. Viele Menschen verschiedener Rassen, Religionen und Weltanschauungen haben ihren Beitrag dazu geleistet, das Finanzsystem zum Kollaps zu bringen.

Die Weltwirtschaftskrise wurde von gewissenlosen Krawattenträgern verursacht, deren Religion die »Gier« war und deren Mantra das »Geld« – und nicht etwa von Angehörigen einer bestimmten Ethnie. Das »freieste Land der Welt« sollte die Verantwortung deshalb bei den wahren Schuldigen suchen.

 

__________

Quellen:

http://www.huffingtonpost.com/les-leopold/wall-street-and-anti-semi_b_238098.html

http://www.alternet.org/blogs/workplace/141268/ludicrous:_matt_taibbi_accused_of_being_anti-semitic_for_goldman_sachs_article/

http://online.wsj.com/article/SB123906114937094859.html

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Finanzkrise: Täter-Bestrafung? Fehlanzeige!

Thomas Mehner

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Nationen Europas versuchen durch finanzielle Rettungspakete den tosenden Finanz-Tsunami aufzuhalten. Die Welle soll durch eine Art Gegenwelle gestoppt werden – wobei dieses Experiment in seiner Größenordnung einmalig in der Finanzgeschichte ist. Ungewiss bleibt indessen – wie bei Experimenten üblich –  mehr …

Finanzexperte entdeckt US-Goldexporte im Rekordwert von 175 Mio. Unzen

Susanne Hamann

Die USA exportierten innerhalb von zwei Jahren mehr Gold als weltweit produziert wurde: 22 Millionen Unzen an veredeltem Gold und mehr als 154 Millionen Unzen Mischgold in den Jahren 2007 und 2008. Das entspricht 62 Prozent der angeblich vorhandenen gesamten US-Goldvorräte und mehr als dem Vierzehnfachen der gesamten US-Goldminenförderung in  mehr …

Das Kartenhaus stützen

F. William Engdahl

Die Weltfinanzmärkte haben scharf auf die Meldung reagiert, dass die amerikanische Versicherungsgruppe AIG jetzt den größten Vierteljahresverlust der amerikanischen Geschichte gemeldet hat – nämlich 61,7 Milliarden Dollar – und dass die US-Regierung dem Versicherer weitere 30 Milliarden Dollar aus Steuergeldern zur Verfügung stellen wird. Dies ist  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Höchste Geheimhaltung: Vor wenigen Wochen wurde ein Super-Gau verhindert – und niemand soll es wissen

Udo Ulfkotte

Top Secret – das ist die höchste Geheimhaltungsstufe. Das, was Sie nachfolgend lesen, ist in den USA als TOP SECRET eingestuft. Es ist leichter, eine Lüge zu glauben, die man hundertmal gehört hat, als eine Wahrheit, die man noch nie gehört hat. Nachfolgend lesen Sie die Wahrheit. Sie haben sicherlich mitbekommen, dass in fernen Gewässern vor der  mehr …

Finanzexperte entdeckt US-Goldexporte im Rekordwert von 175 Mio. Unzen

Susanne Hamann

Die USA exportierten innerhalb von zwei Jahren mehr Gold als weltweit produziert wurde: 22 Millionen Unzen an veredeltem Gold und mehr als 154 Millionen Unzen Mischgold in den Jahren 2007 und 2008. Das entspricht 62 Prozent der angeblich vorhandenen gesamten US-Goldvorräte und mehr als dem Vierzehnfachen der gesamten US-Goldminenförderung in  mehr …

Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn: »Die deutsche Staatskrise ist programmiert«

Udo Ulfkotte

Der deutsche Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, bei der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise viel zu wenig für die Interessen Deutschlands und der Bürger zu tun. »Wir stürzen uns in ein unkalkulierbares Abenteuer«, beurteilt er den Euro-Rettungsschirm. Unterdessen wurde bekannt, dass der  mehr …

Ron Paul: »Die ›Federal Reserve‹ ist korrupt und verfassungswidrig …«

Redaktion

Tatsache ist: Die »Federal Reserve« ist ein Kartell privater Bankunternehmen, das Geld an die Vereinigten Staaten verleiht. Sie präsentiert sich wie eine Regierungsbehörde. Doch genau das ist sie nicht! Durch die Inflationierung der Geldmenge und ihr Eingreifen in die freien Märkte trägt die »Federal Reserve Bank« die Schuld an der derzeitigen  mehr …

USA: Bewegung für bundesstaatliche Banken wächst

Ellen Brown

»Wir, das Volk« haben die uns von der Verfassung übertragene Vollmacht zur Geldschöpfung an private profitorientierte Finanzinstitute abgegeben. Die nutzen inzwischen diese Macht, der produktiven Wirtschaft den Hahn abzudrehen. Doch in einigen Bundesstaaten werden jetzt konkrete Schritte unternommen, diese Vollmacht wieder zurückzuerobern.  mehr …

Werbung

Newsletter – Jetzt kostenlos anfordern

E-Mail-Adresse

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.