Tuesday, 31. May 2016
29.10.2010
 
 

Zweiter US-Immobiliencrash bahnt sich an

Michael Grandt

Während unsere Krisenschönredner die wahre Wirtschaftslage verklären, bahnt sich in den Vereinigten Staaten neues Unheil an: Analysten prognostizieren ein Rekordjahr für Zwangsvollstreckungen und Hausversteigerungen.

Im August führten US-Banken Zwangsvollstreckungen gegen Tausende säumige Immobilienbesitzer durch, und so erreichten die Hausversteigerungen zum dritten Mal in fünf Monaten ein Rekordniveau.

Die Zahl der Pfändungen kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 95.364, das ist der höchste Stand seit 2005. Die Zahl der Räumungsklagen, Versteigerungen und Zwangsvollstreckungen betrug damit insgesamt 338.836.

Rick Sharga, Senior Vice-President von Realty Trace, erklärte dazu: »Wir sind auf dem besten Weg, ein Rekordjahr für Zwangsvollstreckungen und Versteigerungen zu bekommen, denn es gibt keine Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.«

Durch die vielen Zwangsvollstreckungen wird das Angebot an Wohneigentum immer größer. So stehen auf dem US-Häusermarkt nun rund zwölf Millionen Immobilien zum Verkauf. Doch die Nachfrage geht aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und des Wegfalls bundesweiter Steuererleichterungen für Eigenheimerwerber stetig zurück. So sank die Verkaufzahl von Neu- und Gebrauchtimmobilien im Juli ebenfalls auf ein Niedrigrekordniveau. Gemäß dem S&P/Case-Schiller Index, der die durchschnittlichen Immobilienpreise in den 20 größten Städten der USA ermittelt, sind die Preise von Immobilien seit 2006 um 28 Prozent gefallen.

Im Jahr 2011 werden weitere zwei Millionen Häuser von Banken gepfändet werden, schätzt Mark Zandi, Chefvolkswirt von Moody’s Analytics, und der Verkauf von Wohnhäusern wird sieben Prozent unter das Niveau von 2009 fallen. Verzweifelt versuchen Hypothekenbanken, die Anzahl der zu versteigernden Immobilien unter Kontrolle zu halten. Viele verlängern die Darlehen, obwohl sie keine Ratenzahlung mehr erhalten, nur um die Zwangsenteignung zu verschieben.

Die Anzahl der Haushalte, die vergangenen Monat einen Mahnbescheid erhalten haben, liegt bei 96.469. Das ist zwar ein Prozent weniger als im Vormonat, aber 30 Prozent mehr als im letzten Jahr. Unter die Zwangsvollstreckung fielen 147.003 Immobilien, neun Prozent mehr als im Juli. Der Rekord lag im März mit 158.105.

Der US-Bundesstaat Nevada weist die höchste Zwangsvollstreckungsquote auf. Jeder 84. Haushalt erhielt einen Bescheid, das ist mehr als das Vierfache im nationalen Durchschnitt. Florida hat die zweithöchste Quote, hier ist jeder 155. Haushalt betroffen – dieser Wert ist zweieinhalb Mal höher als der US-Durchschnitt. An dritter Stelle steht Arizona mit jedem 165. und Kalifornien mit jedem 194. Haushalt, der vor der Zwangsvollstreckung steht. Idaho liegt auf dem fünften Rang, gefolgt von Utah, Georgia, Michigan, Illinois und Hawaii.

Etwa acht Millionen Immobilien sind bereits im Besitz der Banken oder werden noch beschlagnahmt, so Oliver Chang, US-Hausmarkt-Stratege bei Morgan Stanley in San Francisco.

Eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. Ein zweites Immobilien-Fiasko bahnt sich für das kommende Jahr an.

 

Mitarbeit: Alexander Strauß

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