Friday, 30. September 2016
12.12.2015
 
 

Der Einbruch der Rohstoffpreise signalisiert eine schwere deflationäre Finanzkrise

Michael Snyder

Wenn wir tatsächlich dabei sind, in eine weltweite deflationäre Finanzkrise abzustürzen, wäre mit einem massiven Preisverfall bei Rohstoffen zu rechnen. So geschah es etwa vor dem massiven Zusammenbruch des Aktienmarktes 2008. Und genau einen solchen Preisverfall erleben wir gegenwärtig. Am gestrigen Donnerstag schloss der Bloomberg Commodity Index, ein auf etwa 20 verschiedenen Futures basierender Rohstoffindex, auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren.

 

Nicht einmal auf dem Tiefpunkt der letzten Rezession war er so tief gesunken. In den vergangenen zwölf Monaten ist dieser Index um mehr als 28 Prozent eingebrochen. Seit Mitte 2011 hat er sogar über die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Als Folge dieses atemberaubenden Preisverfalls geraten sehr große Bergbauunternehmen wie etwa Anglo American in existenzbedrohliche Schwierigkeiten. Und auch riesige Rohstoffhändler wie etwa Glencore und Trafigura geraten in schweres Fahrwasser. Großen Teilen des Weltfinanzsystems droht praktisch der völlige Zusammenbruch.

 

In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass wir es heute in zahlreichen Aspekten wieder mit genau den gleichen Ereignismustern zu tun haben, die wir kurz vor dem großen Zusammenbruch des Aktienmarktes des Jahres 2008 beobachten konnten. Dazu gehört auch der massive Rohstoffpreisverfall, den wir gegenwärtig erleben. Selbst CNN verwies auf die Parallelen zu den Ereignissen von vor sieben Jahren:

 

»Als Rohstoffe wie etwa Kupfer und Erdöl zum letzten Mal so billig waren, kam es wenig später zu einer Wirtschaftsdepression.

Es ist kein Geheimnis, dass 2015 für Rohstoffe insgesamt gesehen ein verheerendes Jahr war. Eine heimtückische Kombination aus einem Überangebot und sinkender Nachfrage hat die Rohstoffindustrie in eine schwere Krise gestürzt.

Und in den vergangenen Tagen sind die Preise auf breiter Front von Rohöl bis hin zu Industriemetallen wie Aluminium, Stahl, Kupfer, Platin und Palladium sogar noch weiter eingebrochen.«

Ich habe bereits erwähnt, dass dieser Preisverfall besonders die Bergbauunternehmen sehr hart trifft. In dieser Woche kündigte das fünftgrößte Bergbauunternehmen weltweit – Anglo Americanumfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen und die Entlassung von bis zu 85 000 Arbeitnehmern (fast zwei Drittel der Belegschaft) an. Auch die Dividende soll teilweise gestrichen werden:

»Wie schwierig die Lage ist, zeigt dieses jüngste Beispiel: Anglo American – das fünftgrößte Bergbauunternehmen weltweit – … kündigte umfassende Umstrukturierungsmaßnahmen, massive Entlassungen und eine Kürzung der Dividenden an. Das Unternehmen will seine Aktiva etwa um 60 Prozent verringern und 85 000 Stellen, fast zwei Drittel seiner Arbeitsplätze, abbauen.«

Seit Ende 2014 brachen im amerikanischen Bergbausektor an die 123 000 gut bezahlte Arbeitsplätze weg. Und wenn die Rohstoffpreise weiter auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau verharren, wird sich diese schmerzhafte Entwicklung in der Branche fortsetzen.

 

In der Zwischenzeit haben Investoren damit begonnen, Schuldverschreibungen aller Unternehmen, die irgendetwas mit Rohstoffen zu tun haben, auf den Markt zu werfen. Dies hat wesentlich zu der sich abzeichnenden Ramschanleihen-Krise beigetragen, auf die ich in einem meiner letzten Artikel eingegangen bin. Aktuell sind bspw. hochrentierliche, börsengehandelte Anleihen (ETF), die auch unter der Bezeichnung »JNK« bekannt sind, stetig auf einen Wert von 34,31 abgesunken, ein neues Allzeittief seit der letzten Rezession.

 

Für eine weitere Analyse der Verwerfungen auf dem Ramschanleihen-Markt empfehle ich Ihnen diesen englischsprachigen Artikel von Wolf Richter mit der Überschrift »Anleihe-König wird nervös, da Ramschanleihen, die die Aktienkurse anführten, nun in den Keller rauschen«.

 

Aber warum sinken die Rohstoffpreise eigentlich mit dieser hohen Geschwindigkeit?

 

Viele Analysten nennen die Konjunkturabschwächung in China als den Hauptgrund für den Preisverfall. In den Jahren zuvor war die Nachfrage nach Rohstoffen in der chinesischen Wirtschaft stark angewachsen. Entsprechend hoch waren die Lieferungen aus allen Regionen der Erde. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die chinesische Wirtschaft erlebt gegenwärtig einen massiven Konjunktureinbruch, und einige vor Kurzem veröffentlichte Zahlen aus China geben uns einen Einblick in das tatsächliche Ausmaß dieses Abschwungs:

  • Die chinesischen Exporte gingen im November im Jahresvergleich um 6,8 Prozent zurück, nachdem sie im Vormonat bereits im Jahresvergleich um 6,9 Prozent gesunken waren.

  • Die chinesischen Importe schrumpften im November im Jahresvergleich um 8,7 Prozent.

  • Seit neun Monaten in Folge schrumpft die Produktionstätigkeit Chinas.

  • In der vergangenen Woche (49 KW) sank der China Containerized Freight Index (CCFI), der auf wöchentlicher Basis die Frachtraten der Containertransporte in Shanghai beschreibt, auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998.

Aber nicht nur China befindet sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Laut Goldman Sachs steckt auch die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt – Brasilien – in einer »Depression«. Und wie ich bereits an anderer Stelle berichtete, haben von den 93 wichtigsten Aktienindizes weltweit überraschende 74 (und damit mehr als die Hälfte) von Jahresbeginn bis heute mindestens zehn Prozent ihres Wertes eingebüßt.

 

Auch wenn die Aktien in den USA in dieser Woche etwas ins Rutschen gekommen sind, zeigen sich die wichtigeren Indizes scheinbar immer noch stabil. Aber hier spielen auch Wunschdenken und Illusionen eine Rolle. Die größten Akteure der Wall Street befinden sich zwar momentan immer noch auf einem Höhenflug, aber die Aktien vieler kleiner und mittlerer Unternehmen haben deutlich an Wert verloren. Gegenwärtig liegt der Wert von fast 70 Prozent aller amerikanischen Aktien bereits unter ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnittskursen. Auch diese Entwicklung verweist darauf, dass wir möglicherweise kurz vor einem massiven Kurseinbruch an den Aktienbörsen stehen.

 

Wir sind dabei, in eine lehrbuchartige deflationäre Finanzkrise abzustürzen. Und wenn die amerikanische Notenbank Federal Reserve tatsächlich in der nächsten Woche eine Erhöhung der Zinsen beschlösse, würde dies die Lage noch weiter verschlechtern.

 

Aber die meisten Menschen verfügen nicht über die Geduld, den weiteren Gang der Entwicklung abzuwarten. Die meisten Menschen, die gegenwärtig über den »bevorstehenden Wirtschaftszusammenbruch« berichten, schildern die möglicherweise kommenden Ereignisse, als handele es sich um einen Hollywood-Katastrophen-Kassenschlager, der nicht länger als eine Woche oder schlimmstenfalls einen Monat andauern würde, aber dann vorüber sei. Ich vertrete eine grundsätzlich andere Auffassung.

 

Nach meiner Überzeugung wird dieser drohende »Wirtschaftszusammenbruch« mehrere Jahrzehnte anhalten. Er ist gegenwärtig dabei, reale Formen anzunehmen, und diese Entwicklung wird in der näheren Zukunft weitergehen. Die langfristigen Entwicklungstendenzen, die unsere Volkswirtschaft in Stücke reißen werden, werden sich weiter verschärfen. Doch unsere Eliten unternehmen nichts, um die zugrundeliegenden Probleme in den Griff zu bekommen.

 

Ich hatte gewarnt, dass es im Verlauf des Jahres 2015 zum Ausbruch einer Finanzkrise komme, die sich dann 2016 verschärfen würde. Diese Finanzkrise hat bereits begonnen. Mehr als die Hälfte aller wichtigen weltweiten Aktienmarkt-Indizes sind von Jahresbeginn bis heute bereits um mindestens zehn Prozent eingebrochen.

 

Manche mussten sogar einen Rückgang von mehr als 30 Prozent oder sogar 40 Prozent hinnehmen. Billionen an Dollarwerten haben sich weltweit in Luft aufgelöst, und dies ist erst der Anfang. Alle wirtschaftlichen Kennzahlen weisen in die gleiche Richtung. Wir stehen vor schwierigen Zeiten.

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Ölpreis-Kollaps: Im letzten Preiskrieg des ausgehenden Öl-Zeitalters naht die Entscheidung 

Markus Gärtner

Der Ölpreis ist seit dem OPEC-Treffen am 4. Dezember im freien Fall. Nahezu 15 Prozent sind die Notierungen seit dem vergangenen Donnerstag eingebrochen. Jetzt ist der niedrigste Stand seit der Finanzkrise erreicht. Damals drückten der Beinahe-Kollaps des Bankensystems sowie schärfste Rezession seit der Großen Depression der 1920er-Jahre den  mehr …

Russland bricht das Erdölpreis-Monopol der Wall Street

F. William Engdahl

Russland unternimmt wichtige Schritte, die das Erdölpreis-Monopol der Wall Street zumindest für einen erheblichen Teil des globalen Marktes aufbrechen könnten. Diese Maßnahmen sind Teil einer langfristigen Strategie, mit der die russische Volkswirtschaft – und insbesondere die sehr wichtigen Erdölexporte des Landes – vom US-Dollar abgekoppelt  mehr …

Ölkrieg: Saudis riskieren Führungsrolle im Nahen Osten, USA die nächste Finanzkrise

Markus Gärtner

Saudi Arabien will bekanntlich dem Fracking-Boom in den USA mit einem gezielt herbeigeführten Ölpreis-Kollaps ein Ende bereiten und damit verlorenen Einfluss auf die Preisbildung am Ölmarkt zurückgewinnen. Jetzt zeigt sich immer mehr, welch drastische Schleifspuren dieser unerklärte Ölkrieg in Nordamerika und im Nahen Osten hinterlässt.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Wer soll das bezahlen? Lass deinen Worten Taten folgen!

Michael Morris

Sie schätzen Kompetenz und guten Service? Sie sind kritisch, umwelt- und verantwortungsbewusst, legen Wert auf regionale und gesunde Lebensmittel, auf alternative Medizin und auf ausreichend hochwertige geistige Nahrung? Und Sie wollen gut über diese Themen informiert werden? Sie wollen, dass Sie selbst und andere anständig bezahlt werden und  mehr …

Ein »Liberaler« hat mich bei der Polizei verpetzt, weil ich den Islam kritisierte

Paul Joseph Watson

Wer etwas gegen die Enthauptung von Schwulen und die Steinigung von Frauen sagt, begeht ein »Hassverbrechen«. Wer in Saudi-Arabien den Islam kritisiert, der wird schon mal enthauptet. Und wer findet es gut, wenn der Staat gewaltsam Religionskritiker zum Schweigen bringt? Neben den Dschihadisten vom »Islamischen Staat« sind das offenbar die  mehr …

Plastik-Schadstoff: Dem schleichenden Gift auf der Spur

Andreas von Rétyi

In der weltweiten Medienlandschaft geht so manch wichtiges Thema seltsam einhellig unter. Nur relativ wenig zu hören ist auch von einer besorgniserregenden Chemikalie, die aus Kunststoffverpackungen allmählich in Lebensmittel sickert: DEHP, ein Weichmacher. Zwar wurden die Gesetze in den vergangenen Jahren verschärft, doch treibt diese Substanz in  mehr …

Ölpreis-Kollaps: Im letzten Preiskrieg des ausgehenden Öl-Zeitalters naht die Entscheidung 

Markus Gärtner

Der Ölpreis ist seit dem OPEC-Treffen am 4. Dezember im freien Fall. Nahezu 15 Prozent sind die Notierungen seit dem vergangenen Donnerstag eingebrochen. Jetzt ist der niedrigste Stand seit der Finanzkrise erreicht. Damals drückten der Beinahe-Kollaps des Bankensystems sowie schärfste Rezession seit der Großen Depression der 1920er-Jahre den  mehr …

Werbung

Magnesiumöl – die effektivste Form, Ihrem Körper Magnesium zuzuführen

Den machtvollsten Heiler unter den Mineralstoffen optimal nutzen.

Magnesium gilt zu Recht als einer der wichtigsten Stoffe in unserem Körper. Das Mineral ist an verschiedenen essentiellen Vorgängen in unserem Organismus beteiligt. Stimmt unser Magnesiumspiegel, sind wir in aller Regel gesund, vital und voller Energie. Ist der Spiegel jedoch zu niedrig, öffnet dies Beschwerden und Krankheiten Tür und Tor.

mehr ...

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Super Hubs

Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren

Super Hubs sind die am besten vernetzten Knotenpunkte innerhalb des Finanznetzwerks, wie Milliardär George Soros, JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Blackrock-Boss Larry Fink. Ihre persönlichen Beziehungen und globalen Netzwerke verleihen ihnen finanzielle, wirtschaftliche und politische »Super-Macht«. Mit ihren Entscheidungen bewegen sie täglich Billionen auf den Finanzmärkten und haben somit direkten Einfluss auf Industrien, Arbeitsplätze, Wechselkurse, Rohstoffe oder sogar den Preis unserer Lebensmittel.

mehr ...

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Das Silberkomplott

In der Geschichte des Geldes reiht sich ein staatlicher Geldbetrug an den anderen

Reinhard Deutsch dokumentiert, wie Regierungen und die internationale Hochfinanz Gold und Silber als Geld abgeschafft und durch legalisiertes Falschgeld ersetzt haben. Im Verborgenen tobt ein gnadenloser Kampf um Gold und Silber. Spektakuläre Manipulationen an den Märkten sollen möglichst lange verhindern, dass die Edelmetallpreise steigen und Gold und Silber wieder privates Geld werden. Durch die ständig steigenden Verbraucherpreise spürt der Bürger instinktiv, dass mit unserem Geldsystem etwas nicht stimmt.

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.