Sunday, 24. July 2016
29.05.2014
 
 

Derivateblase so groß wie noch nie

Michael Snyder

Die globale Derivateblase ist inzwischen 20 Prozent größer als 2008, kurz bevor die große Finanzkrise ausbrach. Eine Blase in dieser Größenordnung hat die Welt noch nie erlebt und wenn sie platzt, wird es für das globale Finanzsystem ein gruseliger und furchtbarer Albtraum. Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich meldet, beläuft sich der Nennwert der aktuell weltweit kursierenden Derivatekontrakte auf atemberaubende 710 Billionen Dollar, also 710 000 000 000 000 Dollar. Anderen Schätzungen zufolge sind es sogar über 1000 Billionen Dollar, also eine Billiarde.

Das klingt nach viel Geld? Ist es auch. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der USA wird dieses Jahr voraussichtlich um die 17 Billionen Dollar betragen, 17 000 Milliarden. 710 Billionen sind also eine unvorstellbare Summe. Aber tun unsere Anführer etwas, um dieses verrückte und leichtsinnige Verhalten der Banken zu zügeln? Nein. Sie sehen lieber zu, wie die Derivateblase und die Banken größer und größer und größer werden.

 

Wie ich bereits kürzlich geschrieben habe, sind die führenden Wall-Street-Banken heute insgesamt 37 Prozent größer als vor der vorigen Rezession. »Too big to fail« – das Konzept, demzufolge einige Banken zu wichtig für das System sind, als dass man sie scheitern lassen könnte – ist heute ein viel schlimmeres Problem als beim letzten Mal. Aber irgendwann wird diese Derivateblase platzen und die Banken mit in den Abgrund reißen. Im Vergleich dazu wird die Krise von 2008 wie ein Kindergeburtstag erscheinen.

 

Sie wissen nicht genau, was Derivate sind? Mayra Rodríguez Valladares vom Finanzberater MRV Associates hat in ihrem Artikel für die New York Times kürzlich eine sehr gute Definition geliefert:

Einfach gesagt ist ein Derivat ein Vertrag zwischen zwei Parteien, dessen Wert bestimmt wird von Schwankungen im Wert eines Vermögensgegenstands. Als Vermögenswerte kommen beispielsweise Anleihen, Aktien, Rohstoffe oder Währungen infrage. Der Großteil dieser Kontrakte wird außerbörslich gehandelt, was zur Folge hat, dass Einzelheiten zu Preisen, der Risikobewertung und den gegebenen Sicherheiten der Öffentlichkeit nicht angezeigt werden.

Anders gesagt: Derivate haben keinen eigenen Wert, sondern sind im Grunde nur eine Nebenwette. Meistens geht es bei Derivatkontrakten darum, ob Zinsen steigen oder fallen werden, aber es gibt viele, viele andere Derivatformen. Man kann auf alles und jedes wetten, der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Kein Wunder, dass die Wall Street zum größten Kasino in der Geschichte der Menschheit geworden ist.

 

Nach der vorigen Finanzkrise haben uns die Politiker versprochen, sie würden den Derivatehandel eindämmen. Tatsächlich jedoch hat die Derivateblase ein beispielloses Ausmaß erreicht. Im oben genannten New York Times-Artikel werden Goldman Sachs und die Citibank explizit als zwei Akteure genannt, die in den vergangenen Jahren explosionsartiges Wachstum in diesem Bereich erzielt haben…

Seit der Krise hat Goldman Sachs den Derivatehandel ausgebaut. Ende 2013 hatte das Portfolio eine Größe von etwa 48 Billionen Dollar. Bloomberg Businessweek meldete kürzlich, dass Goldman im Rahmen seiner Wachstumsstrategie auch mehr Derivate an seine Kunden verkaufen will. Auch die Citibank hat – den zahlreichen Kapital- und Regulierungshürden zum Trotz – ihr Derivate-Portfolio ausgebaut. Das Portfolio ist seit der Krise um 65 Prozent auf 62 Billionen Dollar angeschwollen. So viel Wachstum hat keine andere der vier Großbanken erzielt.

Nach offiziellen Angaben des Staates sind die 25 größten US-Banken nun mit über 236 Billionen Dollar im Derivategeschäft involviert. Aber es gibt vier, die alle anderen in den Schatten stellen. Hier sind aktuelle Zahlen für diese vier Kreditinstitute:

JPMorgan Chase

Bilanzsumme: $1 945 467 000 000 (fast zwei Billionen Dollar)

Volumen der gehandelten Derivate: $70 088 625 000 000 (über 70 Billionen Dollar)

Citibank

Bilanzsumme: $1 346 747 000 000 (knapp über 1,3 Billionen Dollar)

Volumen der gehandelten Derivate: $62 247 698 000 000 (über 62 Billionen Dollar)

Bank of America

Bilanzsumme: $1 433 716 000 000 (etwas über 1,4 Billionen Dollar)

Volumen der gehandelten Derivate: $38 850 900 000 000 (über 38 Billionen Dollar)

Goldman Sachs

Bilanzsumme: $105 616 000 000 (gerade einmal 105 Milliarden Dollar – doch, doch, Sie lesen richtig)

Volumen der gehandelten Derivate: $48 611 684 000 000 (über 48 Billionen Dollar)

Wenn sich die Aktienmärkte weiterhin nach oben entwickeln, die Zinsen stabil bleiben und die Weltwirtschaft nicht in einen größeren Abschwung rutscht, wird diese Blase vermutlich nicht so schnell platzen. Doch nach einem größeren Schock könnten wir durchaus sehr schnell eine schwere Derivatekrise erleben, die mehrere dieser Banken gleichzeitig in den Abgrund reißt.

 

Viele Menschen würden einen Kollaps der großen Banken begrüßen, aber leider wären das auch für uns andere sehr furchtbare Nachrichten, denn es ist doch so: Die US-Wirtschaft ist sehr krank und leidet an weit vorangeschrittenem Krebs. Man kann versuchen, den Krebs (= die Banken) abzutöten, aber dabei wird in jedem Fall auch der Patient sein Leben verlieren.

 

Aktuell entfallen 42 Prozent aller Kredite in den gesamten USA auf die fünf größten Kreditinstitute und die sechs größten Banken vereinigen 67 Prozent des gesamten Bankenvermögens auf sich. Gehen sie vor die Hunde, sind wir auch fällig. Deshalb ist es ja auch so empörend, wie leichtsinnig sie agieren. Sehen wir uns nur noch einmal die Zahlen von Goldman Sachs an: Das Volumen der gehandelten Derivate ist mehr als 460-mal so groß wie das Vermögen der Bank!

 

Und die USA sind beileibe kein Einzelfall. Der Derivatehandel der Deutschen Bank hat ein Volumen von mehr als 75 Billionen Dollar – mehr noch als jede amerikanische Bank. Die Derivateblase ist ein Damoklesschwert, das an einem seidenen Faden über der Weltwirtschaft hängt – Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr. Irgendwann wird der Faden reißen und die Blase platzen. Und dann ist Weltuntergang angesagt.

 

Denn die Wahrheit ist doch die: Von den vielen Problemen, die zur vorigen Finanzkrise geführt haben, ist praktisch keines aus der Welt geschafft worden. Ganz im Gegenteil: Unsere Probleme sind nur noch größer geworden, die Finanzblasen sind nur noch stärker angeschwollen.

 

Noch nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten wurden wir von einer Finanzkatastrophe dieses Ausmaßes bedroht.

 

Leider haben die meisten Amerikaner keinerlei Ahnung davon. Sie vertrauen einfach darauf, dass unsere Anführer schon wissen, was sie tun. Die Blase der falschen Stabilität, die wir in den vergangenen Jahren genossen haben, hat sie in Selbstzufriedenheit versinken lassen. Aber diese Illusion wird nicht mehr lange Bestand haben.

 

Eine Finanzkrise rollt auf uns zu, die viel größer als die von 2008 ist. Sie wird die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

 

 

 


 

 

 

 

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