Wednesday, 24. August 2016
22.01.2014
 
 

Die chinesische 23-Billionen-Dollar-Blase steht unmittelbar vor dem Platzen – Droht nun eine weltweite Finanzkrise?

Michael Snyder

War Ihnen bekannt, dass Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt davor warnen, es könnte im Zusammenhang mit einem sehr bekannten, renditeträchtigen Investitionsprodukt in China am 31. Januar zu einem »Mega-Ausfall« kommen? Weiter heißt es, dieses Ereignis könnte zu einem kaskadenartigen Kollaps des Schattenbankensystems in China führen, der wiederum einen »steilen Anstieg der Zinsen« sowie »eine Kreditklemme« nach sich ziehen könnte.

Asien könnte mit anderen Worten seinen »Lehman-Brothers-Moment« erleben. Und da das weltweite Finanzsystem heute mehr denn je in sich verwoben ist, dürfte dies auch sehr schlechte Nachrichten für die USA bedeuten. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 hat

der Umfang privater Inlandsdarlehen in China von neun Billionen Dollar auf beeindruckende 23 Billionen Dollar zugelegt – ein Anstieg um 14 Billionen Dollar innerhalb von nur wenig mehr als fünf Jahren. Wie viel dieses »Fluchtgeldes« wurde in den USA in Aktien, Anleihen und Immobilien investiert? Was dürfte also Ihrer Meinung nach geschehen, wenn diese Blase platzt?

 

Diese Blase privater Schulden, die sich in China nach der Lehman-Krise entwickelte, hat auf der Welt nicht ihresgleichen. Niemals zuvor wurde eine so große Summe privater Schulden in einer solch kurzen Zeitspanne angehäuft. Diese Verschuldung hat zwar zu einem gewaltigen Wirtschaftswachstum mit beigetragen, aber nun müssen zahlreiche chinesische Unternehmen erkennen, dass ihnen ihre Schulden über den Kopf gewachsen sind. Schätzungen zufolge müssen chinesische Unternehmen allein in diesem Jahr umgerechnet eine Billion Dollar an Zinszahlungen aufbringen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die USA im gleichen Zeitraum an Zinsen bezahlen müssen.

In den vergangenen Jahren wurden die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und die Bank von England immer wieder für ihre jeweilige massive Geldschöpfung kritisiert. Aber in Wahrheit wird all dies durch die Entwicklungen in China noch übertroffen. (In diesem Artikel finden Sie eine eindrucksvolle Grafik, die das Problem sehr gut veranschaulicht.) Vor einer Weile wies die britische Tageszeitung The Telegraph darauf hin, die Chinesen hätten im Kern »das gesamte amerikanische Geschäftsbankensystem« in nur fünf Jahren kopiert:

»Die Gesamtsumme alle Kredite ist seit der Lehman-Krise von neun Billionen Dollar auf 23 Billionen Dollar angestiegen. ›Sie haben das gesamte amerikanische Geschäftsbankensystem in nur fünf Jahren kopiert‹, sagte Charlene Chu, Leiterin der Niederlassung der Ratingagentur Fitch in Peking.

Das Verhältnis zwischen Kreditvolumen und Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist um 75 Prozent auf 200 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu stieg dieser Wert in den USA in den fünf Jahren vor der so genannten ›Subprime‹-Krise [Hypothekenkredite mit geringer Bonität] nur um knapp 40 Prozent, ebenso wie in Japan vor dem Platzen der Nikkei-Blase in den 1990er Jahren. ›Das übersteigt alles, was wir bisher jemals in einer großen Volkswirtschaft erlebt haben‹, meinte sie.«

Aber wie überall in der Finanzwelt gilt auch hier: Was steigt, muss irgendwann auch wieder fallen

 

Nun zeichnet sich ab, dass der 31. Januar zu einem besonders wichtigen Tag für das chinesische Finanzsystem werden wird. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt dazu:

»Das Treuhandunternehmen China Credit Trust, das für ein in Schwierigkeiten geratenes Investmentprodukt bekannt als »2010 China Credit / Credit Equals Gold #1 Collective Trust Product« verantwortlich zeichnet, das über die größten chinesischen Banken verkauft wurde, warnte die Investoren, sie erhielten ihr Geld möglicherweise nicht zurück, wenn am 31. die Rückzahlung des Finanzprodukts mit einem Volumen von drei Mrd. Yuan (umgerechnet etwa 366,3 Mio. Euro) am 31. Januar anstehe, meldeten staatliche Medien am vergangenen Freitag.

Die Anleger beobachten das Geschehen sehr genau, um zu sehen, ob weiterhin auch in diesem Fall der Grundsatz gilt, dass die Regierung und die staatlichen Banken bei risikoreichen, außerbilanziellen Investitionsprodukten, die über ein undurchsichtiges Schattenbankensystem verkauft wurden, die Investoren immer vor Verlusten schützen werden.«

Sollte es am 31. Januar zu einem erheblichen Zahlungsausfall kommen, könnten die Auswirkungen sehr schnell im gesamten chinesischen Finanzsystem spürbar werden. Ein vor Kurzem erschienener Artikel im Wirtschaftsmagazin Forbes erläuterte einige der Gründe dafür:

»Ein Zahlungsausfall bei einem Vermögensverwaltungs-Finanz-Produkt (Wealth Management Product, WMP), ob nun im Zusammenhang mit Lian Sheng oder Zhenfu der Kohlebergwerksbetreiber Shanxi Zhenfu Energy Group, an den ein erheblicher Teil der beim Verkauf dieser WMP gezeichneten Gelder verliehen wurde, ist Zeitungsberichten zufolge bankrott, könnte sich auf das chinesische Bankensystem und die Wirtschaft im umfassenderen Sinn verheerend auswirken. Das chinesische Wachstum hing, um es kurz zu sagen, seit Ende 2008 von ultralockeren Krediten ab, die zunächst über staatliche Banken wie die Industrial and Commercial Bank (ICBC) oder die China Construction Bank (CCB), dann aber über WMPs gelenkt wurden, was es den staatlichen Banken ermöglichte, Kreditrisiken zu vermeiden. Jede Störung des Geldflusses von den Anlegern zu zwielichtigen Kreditnehmern über WMPs würde entweder zu einem steilen Anstieg der Zinsen oder einer jähen Kreditklemme oder beidem führen. Die Folge? Bestenfalls Jahrzehnte des Elends, wie wir sie in Japan nach dem Platzen der Blase Anfang der 1990er Jahre erlebten.«

 

Das grundlegende Problem besteht darin, dass die private Verschuldung und die Geldmenge in China viel zu schnell gewachsen sind. Forbes zufolge wuchs die Geldmenge M2 im vergangenen Jahr um 13,6 Prozent:

»Gleichzeitig weiten sich die Geldmenge und die Kredite immer noch weiter aus. Im letzten Jahr stieg die genau erfasste Geldmenge M2 nur um 13,6 Prozent, während sie 2012 noch um 13,8 Prozent zunahm. Optimisten sind der Auffassung, China sei dabei, seine Kreditabhängigkeit in den Griff zu bekommen, aber das stimmt nicht. Das Kreditvolumen nahm im vergangenen Jahr um mindestens 20 Prozent zu. Das Geld floss in neue Kanäle, die von den herkömmlichen Statistiken nicht erfasst wurden.«

Seit 1999 ist die Geldmenge M2 in China um das Zehnfache gestiegen. Das ist absolut wahnsinnig.

 

Aber natürlich ist China nicht der einzige Ort der Welt, an dem sich massive Finanzprobleme abzeichnen. Die Lage in Europa verschlechtert sich zusehends, und gerade erst wurde gemeldet, dass die größte deutsche Bank, die Deutsche Bank, im letzten Quartal 2013 einen Verlust in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro verzeichnete:

»Die Deutsche Bank beendet erneut ein Jahr mit einem miserablen Quartal. Der Verlust nach Steuern betrug von Oktober bis Dezember annähernd eine Milliarde Euro, teilte die größte Bank des Landes am späten Sonntagabend mit. Analysten hatten zuletzt einen deutlichen dreistelligen Millionengewinn erwartet – deswegen war die Mitteilung vor dem eigentlich für 29. Januar angesetzten Bilanztermin nötig geworden.

Rechtsstreitigkeiten kosten die Deutsche Bank Milliarden und ein Kostensenkungsprogramm schlägt mit vielen Millionen zu Buche. Außerdem leidet auch noch eines der sonst stärksten Geschäfte der einzigen globalen Investmentbank Deutschlands. Das Handelsgeschäft mit Devisen und Anleihen hat in den vergangenen drei Monaten einen erneuten Ertragseinbruch 31 Prozent verkraften müssen. Das gesamte Investmentbanking (›Corporate Banking & Securities‹), das in den glorreichen Zeiten vor der Finanzkrise hohe Gewinne einfuhr, schrammte so nur knapp an einem Vorsteuerverlust vorbei.«

Wenn die gegenwärtigen Entwicklungen anhalten, werden auch viele andere Banken »Kopfschmerzen« wegen des Anleihegeschäfts bekommen. Gegenwärtig ist die Stimmung bei Staatsanleihen auf einem 20-Jahres-Tiefpunkt angekommen. Die Anleger gehen mehrheitlich davon aus, dass die Zinsen dort steigen werden.

 

Sollte dies tatsächlich der Fall sein, werden die Zinsen in unserer Wirtschaft auf breiter Front steigen, die Wirtschaftsaktivitäten werden sich verlangsamen und es könnte das »Albtraum-Szenario« einsetzen, über das ich schon des Öfteren geschrieben habe.

 

Aber ich bin nicht der einzige, der vor dieser Gefahr warnt. Auch das Weltwirtschaftsforum in Davos hegt ähnliche Befürchtungen:

»Haushaltskrisen, die durch gigantische Verschuldungen in den Industrienationen ausgelöst werden, stellen die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft 2014 dar, heißt es in einem Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF).

Vor dem Jahrestreffen des WEF im schweizerischen Davos in der kommenden Woche heißt es in dem ›Insiderbericht Globale Risiken 2014‹, die hohe Verschuldung in den Industrienationen wie Japan und den USA könnte zu einer negativen Gegenreaktion seitens der Anleger führen. Dies könnte dann einen ›Teufelskreis‹ aus in die Höhe schnellenden Zinszahlungen, steigenden Schulden und Vertrauensverlust bei den Anlegern auslösen, was dann wiederum die Zinsen in die Höhe treiben würde.«

Wird der 31. Januar für China und darüber hinaus zu einem neuen »Lehman-Brothers-Moment« werden oder wird etwas anderes geschehen?

 

Letzen Endes spielt das eigentlich keine große Rolle. In Wahrheit ist das, was sich gegenwärtig im weltweiten Finanzsystem abspielt, in jeder Hinsicht unhaltbar. Und es wird in den kommenden Jahren unvermeidlich zu einer katastrophalen Zusammenbruchskrise kommen.

 

Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

 

 

 

 


 

 

 

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