Montag, 5. Dezember 2016
17.05.2014
 
 

Haben die Wirtschaftsexperten Recht, wird 2015 bis 2020 für die USA zur reinsten Hölle

Michael Snyder

Verläuft die Konjunkturentwicklung in vorhersehbaren Wellen, Zyklen oder Mustern? Es gibt viele Ökonomen, die diese Meinung vertreten, und wenn sie mit ihren Berechnungen richtig liegen, wird der Rest dieses Jahrzehnts für die USA zur reinsten Hölle. Viele Mainstreamökonomen wollen nichts zu tun haben mit dem Lager derer, die den Theorien der Konjunkturzyklen anhängen, aber der Hinweis sei erlaubt: Dank der Thesen zum zyklischen Verlauf der Wirtschaft konnten einige Analysten in den vergangenen Jahrzehnten korrekt den Zeitpunkt von Rezessionen, von Spitzen an den Börsen und von Börsencrashs prognostizieren.

Natürlich ist keine der nachfolgend besprochenen Theorien perfekt, aber es ist trotzdem interessant zu beobachten, dass sie offenbar alle darauf hindeuten, dass die USA vor einem deutlichen Abschwung stehen. Werden die Jahre 2015 bis 2020 also zur reinsten Hölle für die USA werden? Wir werden sehen.

Eine der bekanntesten Theorien zu Konjunkturzyklen ist der »Kondratjew-Zyklus«, entwickelt vom russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew. Wie in der Wikipedia nachzulesen ist, haben ihm seine Wirtschaftstheorien so viel Ärger mit der Sowjetregierung eingebracht, dass er deswegen letztlich sogar hingerichtet wurde.

Der sowjetische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew (auch »Kondratieff« geschrieben) stellte diese Beobachtungen in seinem Buch Die langen Wellen der Konjunktur« als erster einem internationalen Publikum vor, gemeinsam mit anderen Werken aus diesem Jahrzehnt. Die beiden niederländischen Ökonomen Jacob van Gelderen und Samuel de Wolff hatten bereits 1913 argumentiert, es gebe Konjunkturzyklen, die sich über einen Zeitraum von 50 bis 60 Jahren erstrecken, das Werk von de Wolff und van Gelderen war jedoch erst kurz zuvor aus dem Niederländischen übersetzt worden.

Kondratjews Ideen wurden von der sowjetischen Regierung nicht gutgeheißen. Er wurde später in den Gulag geschickt und 1938 hingerichtet.

1939 regte Joseph Schumpeter an, die Zyklen zu Ehren Kondratjews »Kondratjew-Zyklen« zu nennen.

In den vergangenen Jahren hat das Interesse an der Theorie wieder zugenommen. Nachfolgend ein Auszug aus einem Artikel von Christopher Quigley, in dem er darauf eingeht, wie diese Theorie funktioniert...

In seiner Analyse beschreibt Kondratjew, wie der internationale Kapitalismus viele derartige »große Depressionen« durchlaufen hat und dass dies somit normaler Bestandteil des internationalen Handelssystems sei. Die langfristigen Konjunkturzyklen, die er durch penible Forschungsarbeit identifizierte, heißen inzwischen »Kondratjew-Zyklen« oder »K-Wellen«.

Die K-Welle ist ein Zyklus, der sich über 60 Jahre (plus/minus ein Jahr oder so) erstreckt und interne Abschnitte aufweist, die manchmal mit Jahreszeiten verglichen werden: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Frühjahr: neue Produktion, gute Konjunkturlage, steigende Inflation.

Sommer: hybrider »Scheitelpunkt«-Krieg, gefolgt von gesellschaftlichen Zweifeln und zweistelliger Inflation.

Herbst: finanzielle Eindämmung der Inflation führt zu einem Kreditboom, der ein falsches Plateau des Wohlstands erschafft und in einer Spekulationsblase endet.

Winter: Kapazitäten werden abgetragen durch eine massive Nichtanerkennung der Schulden, Rohstoffdeflation und eine wirtschaftliche Depression. Ein »Krieg um die Tröge« durchbricht die Unheilspsychologie.

Die akademische Welt erkennt mehr und mehr, wie brillant die Erkenntnisse von Nikolai Kondratjew waren, entsprechend groß ist die Zahl der Berichte, Artikel, Thesen und Bücher zu diesem »zyklischen Phänomen«. In einem einflussreichen Essay von Professor W. Thompson von der Universität Indiana heißt es, K-Wellen hätten sich seit dem 10. Jahrhundert auf die technologische Entwicklung der Welt ausgewirkt. Thompson stellt die These auf, dass die »moderne« wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 930 in der chinesischen Sung-Provinz einsetzte. Seit damals habe es 18 K-Wellen von durchschnittlich 60 Jahren Dauer gegeben, so der Professor.

 

 

Was kommt also nach der Theorie der Kondratjew-Zyklen auf uns zu?

 

Nun, laut Professor W. Thompson von der Universität Indiana steuern wir auf eine wirtschaftliche Depression zu, die etwa bis zum Jahr 2020 andauern sollte…

Ausgehend von Professor Thompsons Analyse lassen sich die langen K-Wellen seit nahezu 1000 Jahren nachweisen. Akzeptieren wir die Tatsache, dass die meisten Winter in den K-Wellen 20 Jahre dauern (siehe Tabelle oben), spräche das dafür, dass wir etwa die Hälfte des Kondratjew-Winters, der im Jahr 2000 begann, hinter uns gebracht haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir demnach etwa um das Jahr 2013 herum von einer »Rezession« in eine Phase der »Depression« übergehen, die dann bis etwa 2017/2020 dauern sollte.

Aber es sind beileibe nicht nur die Kondratjew-Zyklen, die dafür sprechen, dass wir auf eine wirtschaftliche Depression zusteuern. Auch laut den von Autor Harry Dent aufgestellten Theorien zu Konjunkturzyklen stehen wir am Rande massiver wirtschaftlicher Probleme. Dent konzentriert sich vor allem auf Demografie. Für ihn ist der Umstand, dass unsere Bevölkerung rasch altert, ein zentraler Punkt. Nachfolgend ein Auszug aus einem Business Insider-Artikel, der einige der Hauptthesen zusammenfasst, die Dent in seinem neuen Buch aufstellt...

 

  • Junge Menschen verursachen zunächst Inflation, denn »sie kosten alles und produzieren nichts«. Aber früher oder später fangen die jungen Menschen an, zurückzuzahlen, wenn sie »in die arbeitende Bevölkerung eintreten und produktive neue Arbeiter (Angebotsseite) und kaufkräftigere Verbraucher (Nachfrageseite) werden«.
  • Vier große Herausforderungen wird es in den nächsten Jahren geben: 1) Verschuldung von öffentlicher Hand und Privathaushalten, 2) Gesundheitswesen und Rentenansprüche, 3) autoritäre Regierungen in aller Welt, 4) Umweltverschmutzung, die die Weltwirtschaft bedroht.
  • Firmen könnten die kommenden Jahre dominieren, indem sie sich auf Barmittel und Cashflow konzentrieren, sich schlank und agil aufstellen, größere Kapitalausgaben aufschieben, strategisch unwichtige Immobilien verkaufen und sich jetzt von schwachen Mitarbeitern trennen.
  • Leider haben die USA 2003 bis 2007 ihre demografischen »Konsumhöchstwerte« erreicht, jetzt steuern sie auf die »demografische Klippe« zu. Deutschland, Großbritannien, die Schweiz – sie alle sind ebenfalls auf dem Weg dorthin. China wird als erstes Schwellenland über diese Klippe stürzen, wenn auch erst in einigen Jahrzehnten. Die Welt wird älter.
  • Der US-Börsenmarkt wird abstürzen. »Unsere besten lang- und mittelfristigen Zyklusberechnungen sprechen für den Zeitraum von Anfang 2014 bis Anfang 2015 für eine Zunahme von Verlangsamung und Crash, möglicherweise weit bis ins Jahr 2015 oder sogar 2016 hinein. Am schlimmsten wirken sich die demografischen Folgen zwischen 2014 und 2019 auf die Wirtschaftslage aus. Wahrscheinlich wird die US-Konjunktur Anfang 2015 einen kleineren oder größeren Crash erleben und einen weiteren zwischen Ende 2017 und Ende 2019 oder spätestens Anfang 2020.«
  • »Der gewöhnliche Konsument ist nie richtig aus der letzten Rezession gekommen.« Die Reichen fühlen sich prima und geben Geld aus, denn die Konjunkturprogramme helfen den Anlageklassen (nicht so den Löhnen).
  • USA und Europa marschieren in dieselbe Richtung wie Japan, dessen »Wirtschaft noch immer im Koma liegt, eben weil die Schuldenblase nie richtig verringert wurde«, argumentiert Dent. »Wir werden nur dann nicht in Japans Fußstapfen treten, wenn die US-Notenbank aufhört, Geld zu drucken.«
  • »Die harte Realität sieht so aus: Gibt es mehr Sterbende als Käufer, verändert sich der Markt.« Alles läuft auf die alternde Bevölkerung hinaus, so Dent. »Weniger Konsumenten, weniger Kreditnehmer und weniger Investoren werden da sein, um am nächsten Boom partizipieren zu können.«
  • Die Verschuldung der USA ist astronomisch. »Ökonomen und Politiker benehmen sich, als könne man einfach einen Zauberstab mit endlosem Vorrat an frischen Kapitalspritzen schwenken und es so aus diesem Zustand schaffen, den sie als kurzfristige Krise ansehen.« Das Problem, so Dent, sei jedoch langfristiger und struktureller Natur – die Demografie.

Wie sagt Dent: »Man muss sich auf diese Krise vorbereiten. Sie wird zwischen 2014 und 2023 auftreten, wobei das Schlimmste vermutlich 2014 beginnen wird und bis Ende 2019 immer wieder hochkocht.« Ähnlich wie die Kondratjew-Zyklen spricht also auch Dents Arbeit dafür, dass wir zum Ende des Jahrzehnts hin eine schwere Wirtschaftskrise durchleben werden.

 

Ebenfalls für verstärkte Aufmerksamkeit sorgt derzeit eine Konjunkturtheorie, die einen Zusammenhang zwischen Sonnenfleckenzyklus und Aktienmarkt herstellt. Wie sich herausgestellt hat, erreichen Märkte oftmals dann ihren Zenit, wenn auch die Sonnenflecken besonders aktiv sind. Diese Theorie hat der englische Ökonom William Stanley Jevons populär gemacht.

 

Die Sonnenflecken haben den Höhepunkt ihrer Aktivität offenbar Anfang 2014 überschritten und werden voraussichtlich den Rest des Jahrzehnts über weniger aktiv. Setzen sich die historischen Trends fort, ist das für den Aktienmarkt ein sehr beunruhigendes Signal.

 

Darüber hinaus gibt es natürlich zahllose weitere Theorien zu Konjunkturzyklen, die dafür sprechen, dass den USA Ärger droht. Nachfolgend eine Zusammenfassung einiger Theorien aus einem Artikel von GE Christenson und Taki Tsaklanos...

Charles Nenner Research (Quelle)
Aktien sollten Mitte 2013 ihren Höhepunkt erreichen und dann bis ungefähr 2020 abfallen. Ähnlich bei den Rentenwerten: Höhepunkt im Sommer 2013 und dann 20 Jahre lang Kursverfall. Er basiert seine Schlussfolgerungen einzig auf Zyklusanalysen. Er rechnet damit, dass der Dow-Jones-Index zwischen 2018 und 2020 auf etwa 5000 fällt.

Kress Cycles (Clif Droke) (Quelle)
Der große 120-Jahres-Zyklus und alle kleineren Zyklen tendieren zum Ende von 2014 hin nach unten. Der Aktienmarkt dürfte bis zum Ende 2014 stark zurückgehen.

Elliott Wave (Robert Prechter) (Quelle)
Vertritt die Einschätzung, dass der Aktienmarkt seinen Zenit überschritten hat und in eine generationenlange Baisse eingetreten ist. Er rechnet für 2016/2017 mit der Talsohle des Crashs.

Market Energy Waves (Quelle)
Spricht von einem 36-Jahres-Zyklus an den Aktienmärkten, der Mitte 2013 seinen Zenit erreichte und sich von 2013 bis 2016 zyklisch abwärts bewegt. »…planmäßig wird die kontrollierende Energiewelle am 19. Juli diesen Jahres auf negativ umschalten.« Die Aktienmärkte dürften 25 bis 50 Prozent einbüßen.

Armstrong Economics (Quelle)
Sein Economic Confidence Model sieht einen Hochstand des Vertrauens in die Wirtschaft im August 2013, einen Tiefstand im September 2014 und eine erneute Spitze im Oktober 2015. Der Rückgang bis zum Januar 2020 dürfte drastisch ausfallen. Er rechnet mit einem weltweiten Crash und einer Abschwungphase der Volkswirtschaften von 2015 bis 2020.

Cycles per Charles Hugh Smith (Quelle)
Er spricht von vier langfristigen Zyklen, die im Zeitraum 2010 bis 2020 Tiefstände erreichen, und zwar dem Kreditexpansions- und  kontraktionszyklus, dem Preisinflation/Löhne-Zyklus, dem Generationszyklus und dem »Peak Oil«-Zyklus.

 

Wiederholt sich also die Geschichte?

 

Eigentlich sollte es viele Menschen beunruhigen, dass 2014 offenbar 2007 so unheimlich ähnlich ist. Aber wir haben aus der letzten großen Wirtschaftskrise niemals die nötigen Lehren gezogen. Die meisten Amerikaner sind zudem viel zu apathisch, als dass sie merken würden, dass wir viele der Fehler schon wieder begehen.

 

In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Anzeichen dafür, dass der nächste große wirtschaftliche Abschwung um die Ecke lauert. Erst diese Woche beispielsweise haben wir gelernt, dass vier Monate in Folge die Zahl der Neueinstellungen in der verarbeitenden Industrie zurückgegangen ist. Viele weitere Indikatoren finden Sie in meinem Artikel »17 Facts To Show To Anyone That Believes That The U.S. Economy Is Just Fine«.

 

Hoffen wir, dass all die oben angerissenen Theorien zu Konjunkturzyklen sich dieses Mal als falsch herausstellen, aber es wäre dumm von uns, die Warnungen zu ignorieren. Alles spricht dafür, dass ein großer Wirtschaftssturm rasch aufzieht. Noch ist es verhältnismäßig ruhig und wir sollten diese Phase nutzen, uns so gut es geht vorzubereiten.

 

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