Wednesday, 25. May 2016
28.01.2014
 
 

Stehen wir unmittelbar vor einer schweren Währungskrise der aufstrebenden Märkte?

Michael Snyder

Diesmal hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ein wirklich weltweites Problem verursacht. Ein erheblicher Teil der Billionen von Dollar, die die Notenbank in den vergangenen Jahren in das Finanzsystem pumpte, floss weiter in die aufstrebenden Märkte. Aber da die Fed jetzt entschieden hat, diese Liquiditätseinschüsse zurückzufahren, haben die Investoren damit begonnen, ihr »heißes Geld« so schnell wie möglich aus den aufstrebenden Märkten wieder abzuziehen.

Dies führt zu massiven Verlusten bei verschiedenen Währungen und einem allgemeinen Anstieg der Zinsen weltweit. Argentinien, die Türkei, Südafrika, die Ukraine, Chile, Indonesien, Venezuela, Indien, Brasilien, Taiwan und Malaysia zählen zu den aufstrebenden Märkten, die von dieser Krise stark betroffen sind. In der vergangenen Woche mussten die Währungen dieser aufstrebenden

Märkte die stärksten Verluste seit der Finanzkrise 2008 hinnehmen. Aber das Chaos auf den aufstrebenden Märkten geistert auch schon an der Wall Street herum.

 

Der Dow-Jones-Index fiel an den beiden letzten Handelstagen allein um fast 500 Punkte. Sollte die Fed ihre Politik des knapperen Geldes in den kommenden Tagen fortsetzen, könnte sich diese Währungskrise sehr rasch in einen ausgewachsenen Währungszusammenbruch verwandeln.

 

Viele Amerikaner sind immer davon ausgegangen, der Dollar werde bei der nächsten schweren Finanzkrise als erste Währung zusammenbrechen. Aber gegenwärtig geschieht das Gegenteil, und dies löst weltweit Chaos aus. So berichtete die New York Times (NYT) am vergangenen Freitag über die Lage in der Türkei:

»Die türkische Währung fiel am Freitag gegenüber dem Dollar auf ein Rekordtief. Dieser Kurssturz wird sich auf die Kaufkraft eines jeden Menschen im Land auswirken.

An einer Straßenecke in Istanbul sagte Yilmaz Gok (51): ›Ich bin Rentner und muss mit einer kleinen Rente über die Runden kommen. Ich befürchte vor allem mögliche Preissteigerungen. Ich muss noch mehr sparen. Vielleicht sollte ich meine Gasheizung weniger oft anstellen.‹«

Da sich in diesen Ländern die Inflation beschleunigt und die Zinsen steigen, werden alle Normalbürger die Folgen der Krise zu spüren bekommen. Es wird immer schwieriger werden, auch nur das Geld für das Lebensnotwendigste aufzubringen. Aber diese Lage ist nicht auf nur einige wenige Länder beschränkt. Wir haben es hier mit einem weltweiten Phänomen zu tun:

»›Die Währungen der aufstrebenden Märkte wurden im großen Stil abgestoßen‹, berichtete Nick Xanders, ein Aktienstratege von BTIG aus London. ›Rubel, Rupien, der Real, Rand: Sie alle haben massive Verluste erlitten, und der Hauptgrund hat damit zu tun, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik zurückfährt. Viele Unternehmen, die vom Wachstum in den aufstrebenden Märkten profitiert haben, fürchten dort nun eine Rezession.‹«

Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Es sind zahlreiche Faktoren daran beteiligt. Aber wie bei so vielen unserer Probleme spielt das Vorgehen der Federal Reserve eine ausschlaggebende Rolle bei diesen Krisen. Die Tageszeitung USA Today beschrieb am vergangenen Samstag, wie die Fed dazu beitrug, diese gigantische Blase in den aufstrebenden Märkten zu erzeugen:

»Die aufstrebenden Märkte sind der zukünftige Wachstumsmotor der Weltwirtschaft und eine wichtige Gewinnquelle für amerikanische Unternehmen. Diese sich entwickelnden Volkswirtschaften gehörten zu den bevorzugten Investitionsgebieten und waren in den letzten Jahren insofern auch Nutznießer der massiven Liquiditätsströme, die der lockeren Geld- und Niedrigzinspolitik der Federal Reserve und anderer Zentralbanken entsprangen, da sich die Anleger dort größere Gewinne versprachen.

Aber da die Fed derzeit diese Anreize zurücknimmt, ziehen viele Anleger ihre Gelder aus den aufstrebenden Märkten ab und legen sie in stabileren Märkten und Volkswirtschaften wie den USA an. Diese Entwicklung gehe zulasten der sich entwickelnden Länder, sagte Russ Koesterich, leitender Investmentstratege bei BlackRock. ›Aufstrebende Märkte sind auf dieses spekulative, schnelle Geld angewiesen, aber das Kapital ist dabei, diese Länder zu verlassen. Heute wollen die Leute keine [Wertpapiere] aus aufstrebenden Märkten mehr besitzen.‹«

Potenziell droht das Platzen einer Finanzblase auf weltweiter Ebene. Egon von Greyerz, der Gründer der schweizerischen Vermögensverwaltung Matterhorn Asset Management, sagte dazu:

»Nehmen wir bspw. die türkische Lira, die in dieser Woche auf einen Tiefststand fiel, und den russischen Rubel, der ebenfalls seinen niedrigsten Wert seit fünf Jahren erreichte. In Südafrika liegt der Kurs des Rand so tief wie seit 2008 nicht mehr. Auch in Brasilien und Mexiko sind die jeweiligen Währungen schwach. Aber auch in vielen weiteren Ländern, wie etwa in Indien, Indonesien, Ungarn, Polen, der Ukraine und Venezuela, ist die Lage sehr angespannt.

Ich habe diese Länder im Einzelnen erwähnt, um hervorzuheben, wie ernst die Lage gegenwärtig ist. Und gleichzeitig sind sehr viele Länder von der Krise betroffen. In praktisch allen diesen Ländern verlieren die Währungen und entsprechend auch die Anleihen an Wert. Dies wird über kurz oder lang zu enormen Zinserhöhungen führen. Und die Kosten für die so genannten Credit Default Swaps (CDS) in diesen Ländern sind aufgrund des erhöhten Ausfallrisikos bereits im Steigen begriffen

Viele andere Länder sind ebenfalls stark betroffen. Viele Amerikaner dürften ihre Mühe haben, Liberia auf der Landkarte zu finden. Aber die geldpolitische Wende der US-Notenbank hat die Währung dieses afrikanischen Landes an den Rand des Zusammenbruchs gebracht:

»Der liberianische Finanzminister Amara Konneh warnte heute [23.1.2014] vor einer Panik. Er war vom Parlament einberufen worden, um den massiven Wertverlust der liberianischen Währung gegenüber dem Dollar zu erklären. ›Wir sollten mit unseren Äußerungen über die Wirtschaft vorsichtig sein. Die Inflation, meine Damen und Herren, ist nicht außer Kontrolle geraten‹, sagte er zu den Abgeordneten, fügte aber hinzu, die Regierung sei wegen dieser Entwicklung ›besorgt‹.«

In Mexiko, also sehr viel näher an den USA, geriet auch der Peso ins Trudeln und beginnt nun deutliche Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Sollte Mexiko einen Währungszusammenbruch durchmachen, würde dies auch die amerikanische Wirtschaft schwer treffen. Denn, wie ich schon sagte, diesmal haben wir es mit einer weltweiten Entwicklung zu tun.

 

Sollte dieser Trend anhalten, wird es allerorten zu Plünderungen, Gewaltausbrüchen, Stromausfällen, Versorgungsengpässen bei Gütern des alltäglichen Bedarfs und einem Run auf die Banken in den aufstrebenden Märkten weltweit kommen. Einen Vorgeschmack liefern die Ereignisse in Argentinien und Venezuela.

 

Hoffentlich kann man derartige Entwicklungen noch verhindern. Aber wenn eine Blase erst einmal dabei ist, zu platzen, ist es fast unmöglich, die Lage unter Kontrolle zu halten. In der Zwischenzeit fand ich es mehr als interessant, dass aus den Goldspeichern von JPMorgan in der letzten Woche die bisher größte Menge physischen Goldes (insgesamt 321 500 Unzen) an einem einzigen Tag abgezogen wurde. Wollte sich da jemand auf etwas vorbereiten?

 

Aber vielleicht wird diese Krise ja in Kürze beigelegt werden. Aber sollte die Fed ankündigen, man werde die lockere Geldpolitik noch stärker zurückfahren, könnte dies von den Anlegern als Signal gewertet werden, sich umgehend aus dem Märkten zurückzuziehen, und damit würde sich die Krise auf den aufstrebenden Märken schlagartig weiter verschärfen.

 

Wenn man sorgfältig Augen und Ohren aufsperrt, machen Regierungsvertreter weltweit deutlich, dass wir uns besser genau auf eine solche Entwicklung einstellen sollten. Nehmen wir bspw. diese Stellungnahme des mexikanischen Finanzministers vom gestrigen Sonntag beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos:

»›Wir gehen davon aus, dass dies für die aufstrebenden Märkte ein sehr volatiles Jahr werden wird, da die Fed ihre lockere Geldpolitik zurückfährt‹, erklärte der mexikanische Finanzminister Videgaray und fügte hinzu, die Volatilität werde ›das ganze Jahr anhalten, wenn die [Fed] an ihrer Umkehr in der Geldpolitik festhält‹.«

Das stimmt, dieses Jahr dürfte durch extreme Volatilität gekennzeichnet sein. Ich hoffe, Sie sind auf die kommenden Ereignisse vorbereitet.

 

 

 


 

 

 

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