Thursday, 30. June 2016
28.12.2013
 
 

US-Aktienmarkt jetzt völlig von jeglicher Realität abgekoppelt

Michael Snyder

Es ist an der Zeit, die Titelmelodie der Trickfilmserie Looney Tunes lauter zu stellen, denn die Wall Street hat nun offiziell alle Brücken zur Realität hinter sich abgebrochen und ist nach Absurdistan übergesiedelt. Die Aktienkurse steigen unaufhörlich, und die derzeitigen Vorgänge auf den Aktienmärkten haben nicht mehr das Geringste mit der allgemeinen wirtschaftlichen Realität zu tun. Wie lange kann diese absurde Situation noch anhalten? Die Aktienkurse scheinen unberührt von allen Ereignissen zu steigen.

Sind die Nachrichten gut, steigen die Aktien, sind die Nachrichten schlecht, steigen die Aktien ebenfalls. Und gibt es überhaupt keine Nachrichten, steigen sie trotzdem. Am Donnerstag, dem Tag nach Weihnachten, in den USA wird kein zweiter Weihnachtstag gefeiert, stieg der Dow Jones um weitere 122 Punkte auf ein neues Allzeithoch. Tatsächlich verzeichnete der Dow-Jones-Index in diesem Jahr an erstaunlichen 50 Tagen bei Börsenschluss jeweils ein neues Allzeithoch. Dies

erinnert mich an die Euphorie, die man auf dem Höhepunkt der Immobilienblase erlebte. Damals stiegen die Immobilienpreise immer höher und höher, und jeder versuchte, noch einzusteigen, bevor man »aus dem Markt gedrängt wurde«. Aber wir alle wissen, wie diese Euphorie endete – und diese Aktienmarktblase geht einer ähnlichen Katastrophe entgegen.

 

Man hat den Eindruck, als habe die Wall Street aus den beiden letzten großen Aktienmarktzusammenbrüchen nichts, aber auch gar nichts gelernt. Nehmen wir als Beispiel einfach einmal den Kurzmitteilungsdienst Twitter. Gegenwärtig hat Twitter einen Marktwert von 40,7 Mrd. Dollar. Aber Twitter erzielt keine Gewinne. In den vergangenen sieben Jahren seit seiner Gründung hat Twitter noch keinen einzigen Dollar Gewinn gemacht - nicht einen einzigen Dollar. In Wahrheit musste Twitter im letzten Quartal Verluste von 64,6 Mio. Dollar einstecken. Allgemein nimmt man an, dass Twitter bis einschließlich 2015 Verluste schreiben wird.

 

Aber trotzdem hat die Twitter-Aktie allein in den letzten 30 Tagen um 82 Prozent zugelegt. Und niemand kann einen vernünftigen oder nachvollziehbaren Grund dafür anführen. Insgesamt ist der Dow-Jones-Index in diesem Jahr bisher um mehr als 25 Prozent gestiegen. Wenn im Laufe der kommenden Tage nicht noch etwas wirklich Seltsames geschieht, wird 2013 das beste Jahr für den Dow Jones seit 1996 sein. Für die Wall Street war das zu Ende gehende Jahr eine wunderbare Zeit. Andererseits mehren sich die Hinweise darauf, dass eine äußerst gefährliche Epoche vor uns liegt.

 

Das mediane Kurs-Gewinn-Verhältnis der im Index S&P 500 gelisteten Aktien erreichte ebenfalls ein Allzeithoch. Und kreditfinanzierte Wertpapierkäufe an der New Yorker Börse haben ein bisher nie erlebtes Ausmaß erreicht. Die Aktien sind mit anderen Worten massiv überteuert, und viele Leute haben sich Unmengen an Geld geliehen, um Aktien kaufen zu können. Genau die gleichen Verhaltensweisen haben wir auch schon kurz vor dem Platzen der beiden letzten Aktienmarktblasen erlebt.

 

Das beunruhigendste Anzeichen ist aber die Tatsache, dass die Aktienkurse in ungeahnte Höhen schießen, während sich die allgemeine Lage der amerikanischen Wirtschaft immer weiter verschlechtert:

  • In den letzten sieben Tagen vor Weihnachten wurden die amerikanischen Geschäfte von 21 Prozent weniger Kunden besucht als im Vorjahr, und die Einzelhandelsverkäufe sanken gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent.

  • Die Zahl der Hypothekenneuanträge sank seit Oktober 2012 um 66 Prozent und erreichte in dieser Woche ein neues 13-Jahres-Tief.

  • Die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erreichten jetzt die Drei-Prozent-Marke. (Weitere Hinweise habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.)

Auch wenn sich die meisten Amerikaner dieser Entwicklung nicht bewusst sind, befinden sich das amerikanische Finanzsystem und die allgemeine Wirtschaft der USA heute verglichen mit der Situation vor der Finanzkrise 2008 in einer sehr viel schwächeren Position. Die Beschäftigungsquote ist gegenüber damals deutlich gesunken, und auch unser Bankensystem ist viel anfälliger als es damals war. Kurz vor der Finanzkrise 2008 lag die amerikanische Staatsverschuldung etwa bei zehn Billionen Dollar, heute ist sie auf 17,2 Billionen Dollar angestiegen.

 

Der folgende Auszug aus einem Artikel von Porter Stansberry, der am 26. Dezember auf der Internetseite thedailycrux.com erschien, enthält noch weitere Fakten und Zahlen, die belegen, dass unsere »Bilanzkennzahlen« immer unausgeglichener werden:

»Seit dem vierten Quartal 2009 liegt das amerikanische Leistungsbilanzdefizit bei mehr als 100 Mrd. Dollar pro Vierteljahr. Als Folge davon besitzen ausländische Anleger nun in den USA Anlagevermögen in Höhe von 24 Billionen Dollar mehr als amerikanische Anleger im Ausland. Damit ist dieser Wert seit 2003, als der bekannte Investor Warren Buffet zum ersten Mal vor diesem immensen Problem warnte, um 1,7 Billionen Dollar angestiegen. Oder anders gesagt, dieses Problem hat sich um 68 Prozent vergrößert.

Und hier nun ein Zahl, die Ihnen kein anderer - nicht einmal Buffet - nennen wird: Ausländer besitzen in den USA Vermögenswerte in Höhe von 25 Billionen Dollar. Und doch fahren wir ungebrochen damit fort, mehr zu konsumieren als wir herstellen, und wir nehmen massiv neue Kredite auf, um unser Defizit zu finanzieren.

Seit 2007 hat sich die amerikanische Staatsverschuldung auf kommunaler, bundesstaatlicher und staatlicher Ebene von etwa zehn Billionen Dollar auf 20 Billionen Dollar verdoppelt.

In der gleichen Zeit sanken die Hypothekenbestände der beiden großen amerikanischen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fanny Mae seit 2007 geringfügig von 4,9 Billionen Dollar auf 4,6 Billionen Dollar. Das ist doch endlich einmal eine gute Nachricht, oder nicht?

Leider nein, diese Hypotheken in Höhe von 300 Mrd. Dollar wurden lediglich an eine andere Bank weitergereicht. Diese andere staatliche Hypothekenbank, die Federal Housing Administration (FHA), gibt nun ein Fünftel aller Hypotheken in den USA aus, 2007 waren es gerade einmal weniger als fünf Prozent.

Die Verschuldung der Studenten, die auch durch Regierungsgarantien erleichtert wurde, hat sich seit 2007 ebenfalls auf mehr als eine Billion Dollar verdoppelt. Alles in allem hat sich die Schuldenlast in der amerikanischen Wirtschaft seit 2007 von etwa 50 Billionen Dollar auf jetzt 60 Billionen Dollar erhöht.«

 

Lassen Sie sich also von dieser aberwitzigen Aktienblase nicht in die Irre führen.

 

Nur weil sich ein paar praktisch übergeschnappte Investoren bei ihrem verzweifelten Versuch, schnelles Geld zu verdienen, bis über beide Ohren verschulden, bedeutet das noch lange nicht, dass es der Wirtschaft insgesamt gut geht.

 

Tatsächlich ist ein Großteil des Landes in so schlechter Verfassung, dass »umgekehrtes Einkaufen« zu einem starken Trend geworden ist. Selbst Großkonzerne wie McDonalds raten ihren Mitarbeitern noch nicht ausgepackte Weihnachtsgeschenke zurückzugeben und sich dafür das dringend benötigte Bargeld auszahlen zu lassen, um ihre »Weihnachtsschulden« abzubauen:

»Ein deutlicher Hinweis darauf, wie angespannt die Lage für Familien mit Niedrigeinkommen in den USA immer noch ist, ist der Rat, den McDonald's seinen Mitarbeitern gibt, wie sie sich aus der ›Schuldenfalle Weihnachten‹ wieder befreien könnten: durch die Rückgabe von Weihnachtsgeschenken und die entsprechende Auszahlung des Bargeldes. ›Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, ob Sie nicht einige Ihrer noch nicht ausgepackten Geschenke, die möglicherweise nicht ganz Ihrem Geschmack entsprechen, zurückgeben‹, heißt es auf einer Internetseite des Unternehmens für Mitarbeiter, »Oder verkaufen Sie einfach einige Ihrer ungewollten Geschenke auf eBay oder Craiglist. Das könnte einiges an Geld einbringen.‹«

Diese irrationale Aktienblase wird bald platzen. Zahlreiche führende Finanzberater bereiten ihre Klienten schon einmal auf das Schlimmste vor. So erklärte etwa David John Marotta von Marotta Wealth Management seinen Kunden vor Kurzem, sie sollten sich alle einen »Notfall-Fluchtrucksack« besorgen, in dem Lebensmittel, eine Schusswaffe und Munition enthalten sein sollten:

»Ein führender Finanzberater, der befürchtet, Obamacare, der NSA-Spionageskandal und die immer weiter ausufernde Staatsverschuldung der USA ließen eine haushaltspolitische und gesellschaftliche Zusammenbruchskatastrophe immer wahrscheinlicher erscheinen, forderte nun, alle Amerikaner sollten einen ›Notfall-Fluchtrucksack‹ bereithalten, der Lebensmittel, eine Schusswaffe und Munition enthalten solle, um so ihr Leben zu retten.

David Marotta, Wall-Street-Experte und Finanzberater, der auch Beiträge für das Finanz- und Wirtschaftsmagazin Forbes liefert, schrieb in einer an Investorenkunden gerichteten Bemerkung: ›Schusswaffen sind der letzte Gegenstand auf der Liste, aber sie sind wichtig. Es gibt einige schreckliche Leute auf dieser Welt. Und Sie sind sicherer, wenn Ihre Nachbarn, denen Sie vertrauen, über Schusswaffen verfügen.‹

Sein Memorandum gehört zu einer ganzen Serie, in der es um die Gefahr einer ›finanziellen Apokalypse‹ geht. Aus seiner Sicht müssen die Probleme, von denen die USA derzeit heimgesucht werden, aber nicht zwangsläufig in einem Armageddon enden. ›Es besteht zwar die Gefahr eines jähen Zusammenbruchs, aber ein sich lange hinziehender und zermürbender Niedergang ist wahrscheinlicher‹, schrieb der Präsident von Marotta Wealth Management mit Sitz in Charlottesville.«

 

 

 

 


 

 

 

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