Saturday, 25. June 2016
15.01.2014
 
 

Warum warnt Goldman Sachs vor einem bevorstehenden Fall der Aktienkurse um zehn Prozent oder mehr?

Michael Snyder

Warum hat Goldman Sachs gerade diesen Moment gewählt, um öffentlich kundzutun, die Aktien seien überteuert? Warum hat sich Goldman Sachs plötzlich entschieden, uns alle davor zu warnen, dass der Aktienmarkt in den kommenden Monaten um zehn Prozent oder mehr einbrechen könnte? Goldman Sachs weiß sehr wohl, dass eine solche Verlautbarung die Märkte deutlich beeinflussen wird. Und genau so kam es dann auch am vergangenen Montag. Die amerikanischen Aktienkurse brachen jäh ein.

Wollte Goldman Sachs tatsächlich nur eine aufrichtige und ernstgemeinte Warnung an seine Kunden richten, einige Aktien könnten derzeit überbewertet sein, oder spielt die Bank hier ein ganz anderes Spiel? Um der Wahrheit die Ehre zu geben, eigentlich sollten alle Großbanken entsprechende Warnungen zur Aktienblase an ihre Kunden ausgeben. Auch ich selbst habe

schon darauf hingewiesen, dass sich die Aktienmärkte »offiziell von jeder Realität abgekoppelt« hätten. Man kann also Goldman Sachs kaum vorwerfen, die Wahrheit ausgesprochen zu haben. Aber Goldman Sachs musste wissen, dass die Warnung, die Aktienkurse könnten möglicherweise um mehr als zehn Prozent fallen, an der Wall Street für Nervosität sorgen würde.

 

Auf jeden Fall erregte dieser Bericht, den Goldman Sachs vor Kurzem herausgab, großes Aufsehen. So veröffentlichte der Fernsehsender CNBC am Montag auf seiner Internetseite einen Artikel über diesen Bericht als Aufmacher. Und natürlich wurde dieser Artikel wie ein Lauffeuer in der Wall Street selbst verbreitet. Im Folgenden ein kurzer Auszug aus dem CNBC-Artikel:

»Einer Analyse der Bank Goldman Sachs zufolge ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Kürze mit einer Korrektur auf dem Aktienmarkt zu rechnen, da sich in der Wall Street gegenwärtig ein Wertewandel hinsichtlich der Art und Weise, wie man Kursgewinne erreicht, vollzieht.

In einer Marktprognose, die am Montag bei den Händlern Aufsehen erregte, bezeichneten die Strategen des Unternehmens die Bewertung des Indexes S&P 500 ›an praktisch jedem Maßstab gemessen als zu hoch‹. Ihrer Ansicht nach besteht eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent, dass der Markt um zehn Prozent oder mehr einbricht. Einen Kurssturz in dieser Dimension bezeichnet man in technischer Hinsicht als Korrektur.«

Diese Warnung von Goldman Sachs vor einer bald bevorstehenden Korrektur am Aktienmarkt ist ziemlich zutreffend. Gegenwärtig sind die Aktien nach jedem Maßstab, den man sinnvollerweise anlegen kann, deutlich überbewertet:

»Die gegenwärtige Bewertung des S&P 500 liegt nach praktisch jedem Maßstab zu hoch; dies gilt sowohl für den Gesamtmarktwert als auch für die Durchschnittsaktie:

1. das Kurs-Gewinn-Verhältnis

2.die gegenwärtige Aufschwungphase des Kurs-Gewinn-Verhältnisses

3. das Verhältnis Unternehmenswert zu Umsatz

4. das Verhältnis Unternehmenswert zu EBITDA

5. die Erträge aus freiem Cash-Flow

6. das Verhältnis von Aktienwert zu Buchwert eines Unternehmens sowie die Eigenkapitalrentabilität und das Kurs-Buchwert-Verhältnis – im Vergleich zur Inflation

7. die Nominalzinsen für Zehnjahresanleihen und

8. die Realzinsen.

Darüber hinaus deutet das konjunkturbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis darauf hin, dass der S&P-Index derzeit in Bezug auf 9. den operationellen Gewinn je Aktie um 30 Prozent und hinsichtlich 10. der ausgewiesenen Erträge sogar um 45 Prozent überbewertet ist.«

In dem obigen Zitat wimmelt es von finanztechnischen Fachbegriffen. Im Kern geht es darum, dass die Aktienkurse vor dem Hintergrund zahlreicher wichtiger Schlüsselindikatoren ungewöhnlich hoch sind. Sie haben sich sicherlich schon gefragt, ob die Kurse am Montag gefallen sind? Ja, sogar dramatisch. Der Dow-Jones-Index sank um 179 Punkte; dies war der bisher größte Rückgang in diesem Jahr.

 

Liegt Goldman Sachs also mit seiner Warnung richtig?


Tatsächlich sind viele andere Analysten noch weitaus pessimistischer als Goldman Sachs. So erklärte der frühere Leiter des wichtigen Office of Management and Budget unterPräsident Reagan, David Stockman, er rechne mit einem »ziemlich bösen Erwachen« auf dem amerikanischen Aktienmarkt:

»2014 ist das Jahr der Entscheidung. Die Party ist vorbei. Wir haben jetzt den Punkt erreicht, an dem man die Betrunkenen der Wall Street, die gerade dabei sind, auf den fünften herbeigerechneten saisonalen Aufschwung in Folge anzustoßen, zusammentrommelt. Das wird in den kommenden Wochen und Monaten ersichtlich werden. Und dann wird es für die Märkte ein sehr böses Erwachen geben.«

Was andere Prognosen angeht, die in die gleiche Richtung zielen, verweise ich auf meinen Artikel »Dent, Faber, Celente, Maloney und Rogers: Wie lauten ihre Prognosen für das Jahr 2014?«. Aber es gibt noch weitere Anzeichen dafür, dass wir uns in diesem Jahr auf einen drastischen Einschnitt in der Finanzwelt zubewegen. Eines dieser Anzeichen ist der stetige Rückgang des Gold-Lagerbestandes der New Yorker Rohstoffbörse COMEX. Irgendjemand da draußen (vielleicht China?) kauft begierig physisches Gold auf. Im Folgenden ein kurzer Auszug aus einem am 12. Januar veröffentlichten Artikel von Steve St. Angelo:

»Nach einer kurzen Verschnaufpause des Rückgangs der COMEX-Lagerbestände setzt er sich nun wieder fort. In den vergangenen Tagen wurden verschiedentlich größere Mengen abgezogen. Heute war nicht nur ein große Goldentnahme von der COMEX zu verzeichnen, auch die Lagerbestände der registrierten Händler haben einen neuen Rekordtiefststand erreicht.«

Aber auch die allgemeine amerikanische Wirtschaftslage schwächelt immer mehr. Der so genannte »Baltic Dry Index« (BDI), ein wichtiger Maßstab für weltweite Wirtschaftsaktivitäten, ist in den vergangenen Wochen um mehr als 40 Prozent gesunken:

»Am Freitag berichteten wir, dass der viel beschworene Baltic Dry Index seinen schlechtesten Start ins neue Jahr seit 30 Jahren erlebte. Und heute ging die Talfahrt weiter. Mit einem Stand von 1.395 ist der BDI, der die täglichen Charterraten von Schiffen mit Schüttgutladungen wie Eisenerz, Kohle und Getreide widerspiegelt, in den letzten zwei Tagen um 18 Prozent (der größte Rückgang seit sechs Jahren) gesunken und steht wieder auf einem Vier-Monats-Tiefststand.«

Bedeutet das jetzt, dass uns in Kürze harte Zeiten drohen? – Vielleicht. Aber möglicherweise stabilisiert sich die Lage ja auch wieder, und diese kleine Blase falscher Prosperität, die wir erlebten, hält noch eine Weile. Es ist vor allem wichtig, nicht zu sehr auf die kurzfristigen Zahlen zu starren.

 

Betrachtet man die langfristigen amerikanischen »Bilanzkennzahlen« und die langfristigen Entwicklungstrends, die unsere Wirtschaft ruinieren, wird glasklar, dass ein massiver Wirtschaftszusammenbruch bevorsteht. Die amerikanische Staatsverschuldung hat sich unter Präsident Obama bald mehr als verdoppelt. Unsere Großbanken, die, wie es heißt, »zu groß sind, als dass man sie untergehen lassen dürfte«, sind in der Zwischenzeit noch größer und rücksichtsloser geworden, als sie es vor der Finanzkrise 2008 ohnehin schon waren. Und die amerikanische Mittelschicht schrumpft stetig weiter. Unsere langfristigen nationalen »Bilanzkennzahlen« fallen mit anderen Worten schlechter aus als jemals zuvor.

 

Diese Entwicklung kann nicht ewig so weitergehen. Es ist unvermeidlich, dass der Aktienmarkt irgendwann an die wirtschaftliche Realität angepasst werden muss. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

 

 

 


 

 

 

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