Monday, 26. September 2016
28.05.2010
 
 

Die BP-Katastrophe im Golf von Mexiko: typisch für das Verhalten der Unternehmen in Amerika

Mike Adams

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die mittlerweile bereits über einen Monat andauert, hat jetzt das Land erreicht, das Öl überzieht Touristenstrände, Sumpfgebiete und den Küstenstreifen mit einem schwarzen Schmier – ein geradezu metaphorisches Bild für die Gier der Unternehmen, die heutzutage die gesamte US-Wirtschaft dominiert. Wir alle schwimmen in dem trüben Schlamm von untergegangenen Unternehmen – jetzt bezahlen wir den Preis dafür, dass wir zugelassen haben, dass diese Unternehmen unsere Medien, unsere Regierung und unsere gesamte Wirtschaft beherrschen.

Vielleicht meinen Sie, eine staatliche Aufsicht hätte all dies verhindern können, aber so ist es nicht. Bei dieser Katastrophe geht es nicht allein um das Versagen einer staatlichen Aufsicht, es geht darum, was passiert, wenn man es zulässt, dass Unternehmen Washington beherrschen.

 

Auf Befehl von BP droht US-Küstenwache Reportern mit Verhaftung

Bei dieser Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko walzt British Petroleum sowohl die Regierung in Washington als auch die Presse einfach nieder. Einen ersten Vorgeschmack haben wir bereits erhalten: Die US-Küstenwache droht jetzt damit, Reporter zu verhaften, die über die Katastrophe zu berichten versuchen; dabei bezieht sie sich auf »BP-Vorschriften«, wonach es Journalisten untersagt ist, investigativen Journalismus zu betreiben.

Der Nachrichtensender CBS News berichtet: »Als sich CBS News dem mit Öl bedeckten Strand zu nähern versuchte, erteilte man uns von einem Boot einer von BP beauftragten Firma, das zwei Offiziere der Küstenwache an Bord hatte, den Befehl umzukehren, wir würden andernfalls verhaftet.«

Mit anderen Worten: Die US-Küstenwache schützt jetzt die finanziellen Interessen von Unternehmen, indem sie einen Bericht zu zensieren versucht, den die Öffentlichkeit sehen muss.

 

Gleichzeitig dreht BP der [US-Umweltschutzbehörde] EPA eine Nase, indem das Unternehmen es rundweg ablehnt, beim Versuch, das Wasser zu reinigen, weniger giftige Lösungsmittel einzusetzen. Gestern hat nun das Weiße Haus BP befohlen, die Menge des eingesetzten Lösungsmittels zu halbieren. Bei der verwendeten Chemikalie handelt es sich um Corexit; BP hat bislang 650.000 Gallonen (knapp 2.500.000 Liter) des giftigen Stoffs in den Golf von Mexiko gekippt.

Und das, obwohl, wie der Guardian berichtet, »in der vergangenen Woche Wissenschaftler bei Anhörungen im Kongress ausgesagt haben, Corexit sei giftiger und weniger wirksam als andere verfügbare Lösungsmittel. Umweltschützer fürchten, dass die Chemikalie die ohnehin bereits stark verminderten Fischbestände wie beispielsweise den atlantischen Blauflossen-Thunfisch weiter reduzieren oder bedrohte Schildkrötenarten vergiften könnte.

 

Mächtige Unternehmen erlassen ihre eigenen Vorschriften

BP kann den Befehl, den Einsatz chemischer Lösungsmittel zu reduzieren, natürlich einfach ignorieren, so wie Vorschriften und Bestimmungen über das Bohren nach Öl im Ozean von Anfang an ignoriert worden sind. Und genau das ist das Problem: Wenn man Unternehmen völlig freie Hand läst, dann werden sie unweigerlich immer wieder Vorschriften umgehen und dadurch die Gesundheit ihrer Kunden oder der Umwelt bedrohen.

Das Gleiche gilt für Big Pharma, das die [US-Arzneimittelzulassungsbehörde] FDA, die [US-Handelsaufsicht] FTC und die [US-Gesundheitsbehörde] CDC weitgehend in der Hand hat. Was BP im Golf von Mexiko, das richtet Big Pharma an der Gesundheit der Weltbevölkerung an. Da es aber so ungeheuer gewinnträchtig ist, die Menschen mit gefährlichen verschreibungspflichtigen Medikamenten zu vergiften, verfügt die Pharmaindustrie über die finanzielle Macht, der staatlichen Aufsicht vorzuschreiben, wie sie vorzugehen hat.

Ähnlich ist es bei der Fleisch- und Molkerei-Industrie: sie hat das US-Landwirtschaftsministerium weitgehend in der Hand. Deshalb wird gesunde Rohmilch verboten, während das Ministerium (und die FDA) mit Nachdruck pasteurisierte, tote Milch anpreisen.

Allerorten korrumpieren einflussreiche Unternehmen das System und nutzen es zu ihrem eigenen Vorteil aus: Militärische Dienstleister diktieren die Außenpolitik, Monsanto die Landwirtschaftspolitik, die Wall Street die Bestimmungen für das Bankwesen. British Petroleum schreibt seine eigenen Vorschriften, wenn es um Ölbohrungen vor der Küste geht.

Es ist nicht einmal so, dass staatliche Aufsichtsbehörden zu wenig Macht hätten …, sie haben sogar sehr viel Macht. Nur nutzen sie diese gegen die Menschen, anstatt sie zu schützen. Sie vermeiden es bewusst, Unternehmen, die unsere Gesundheit, unsere Wirtschaft und unsere Umwelt schädigen, für ihr Handeln zur Rechenschaft zu ziehen.

 

Ein Verbrechen an unserer Erde

Ein Beispiel: Würden Sie oder ich 650.000 Gallonen einer giftigen Chemikalie in den Ozean kippen, so würde man uns verhaften und verklagen – nach dem »Patriot Act« möglicherweise sogar wegen »Terrorismus«. Wenn aber Direktoren von BP genau dasselbe tun, dann geschieht ihnen gar nichts. Keine Verhaftung, keine Anklage, keine Konsequenzen.

 

Sie, der Leser, wissen genauso gut wie ich, dass man BP, wenn alles vorüber ist, allenfalls leicht auf die Finger klopfen wird. Jeder große Konzern, der Betrug begeht (Big Pharma), das Volk bestiehlt (Goldman Sachs) oder eine Umweltkatastrophe verursacht (BP), kommt praktisch ungeschoren davon.

Und warum das Ganze? Warum können Konzerne die abscheulichsten Verbrechen begehen, die man sich vorstellen kann, und werden doch niemals dafür zur Rechenschaft gezogen? Big Pharma hat so viele illegale Preisabsprachen betrieben, Studienergebnisse gefälscht und betrügerische Werbung gemacht, dass es einem schwindlig werden kann. Und doch macht die US-Regierung weiter Geschäfte mit Big Pharma, kauft ihre gefährlichen Medikamente zu Monopolpreisen, obwohl diese Unternehmen eigentlich Verbrecher-Firmen sind.

 

Business as usual in der Unternehmenswelt

Es traurig, aber wahr: diese Katastrophe im Golf von Mexiko ist keine Anomalie. Es ist einfach business as usual in dem Filz von Unternehmen und Regierung, bekannt als United States of America, Inc. Die Unternehmen regieren das Land, sie machen, was sie wollen, ohne Rücksicht darauf, wie viele Menschen getötet, wie viele Gesetze gebrochen oder wie viele Meilen Küstenlinie durch chemische Verunreinigung völlig zerstört werden. Sie operieren unter völliger Missachtung von allem, was auch nur im Entferntesten wie Ethik oder Ehrlichkeit aussieht.

Die Unternehmensgier kennt keine Grenzen. Wenn Firmen-Direktoren noch eine Milliarde Dollar mehr dadurch einnehmen könnten, dass sie den gesamten Golf von Mexiko zerstören – haben Sie auch nur den geringsten Zweifel, dass sie ihr Vorhaben durchführen würden? Denen gilt Ihr Leben nichts, genauso wenig wie das Leben im Meer. Die Gesundheit der Weltozeane kümmert sie nicht. Für sie zählt nur eines: der Profit, den sie erwirtschaften können, koste es, was es wolle.

British Petroleum = Big Pharma = Big Food = Big Agriculture = der Militärisch-Industrielle Komplex.

Es ist alles dasselbe, Leute. Seien Sie nicht überrascht, dass diese kriminellen Unternehmensleute unsere Erde zerstören. Das tun sie schon seit Generationen und werden es weiter tun, wenn »Wir, das Volk« sie nicht mit Gewalt daran hindern (zum Beispiel, indem wir diese Leute verhaften und ins Gefängnis werfen lassen).

Wenn Sie wirklich unseren Planeten sauber machen wollen, dann sollten wir nicht weiter Lösungsmittel in den Golf von Mexiko kippen, sondern vielleicht einmal gierige Unternehmensdirektoren zu einem kleinen Bad in den Ozean schubsen, damit sie sehen, wie weit sie schwimmen können, wenn sie ganz mit schmierigem Öl bedeckt sind.

Das wäre Gerechtigkeit für den Planeten, Freunde, und es wäre auch eine eindringliche Botschaft, dass Direktoren von Unternehmen, die der Welt Schaden zufügen, schließlich in dem Pfuhl von Gier schwimmen müssten, den sie selbst geschaffen haben.

 

Natural News

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