Thursday, 24. May 2012
11.09.2009
 

Neue Weltwährung gefordert: Nun will auch die UNO den Dollar ablösen

Brigitte Hamann

Der Dollar soll durch eine neue Weltleitwährung ersetzt werden. So steht es im Jahresbericht 2009 der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Zum ersten Mal hat damit eine große, multinationale Institution eine radikale Generalüberholung des Weltwährungssystems vorgeschlagen.

Dass der Dollar als Weltleitwährung ausgedient hat, befanden bereits eine Reihe von Ländern, allen voran China und Russland. Neu ist, dass diese Ansicht von einer 192 Mitgliedsländer umfassenden, internationalen Organisation geäußert wird.

Mit drastischer Deutlichkeit legt die UNCTAD in ihrem Jahresbericht die Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise offen: das Währungssystem und die exzessive Risiko- und Spekulationsbereitschaft, die durch Deregulierungen auf dem Finanzmarkt und durch obskure Finanzinstrumente möglich wurde.

Nach Ansicht der Vereinten Nationen ist die Krise längst nicht überwunden. Die UNCTAD erwartet, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 2,5 Prozent schrumpfen wird. Der weltweite Handel werde in diesem Jahre sogar um elf Prozent einbrechen. »Die seit einiger Zeit wieder steigenden Aktienkurse seien ›eher eine Blase als eine wirtschaftliche Erholung‹, sagt Heiner Flassbeck, der Chefökonom der UNCTAD. Flassbeck ist der Meinung, dass die Nationen versäumt hätten, Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen. »Die ganzen Erklärungen des G-20-Gipfels scheinen verpufft zu sein«, so Flassbeck. »Auf nationaler Ebene, zum Beispiel in Deutschland, ist praktisch nichts passiert.« Die düstere Prognose der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem vielerorts ein Ende der Krise angekündigt wird.

Der UNCTAD-Bericht macht deutlich, dass das aktuell gültige Finanzsystem mit dem Dollar als Weltreservewährung überprüft und neu geordnet werden müsse. Die nötigen Reformen umfassen eine effektives Steuern des Kapitalverkehrs, eine Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte und ein multilateral akzeptiertes System von Wechselkursen. Die Politik des billigen Geldes (»quantitative easing«) und die Rettungspläne hätten zwar möglicherweise eine Kernschmelze im Finanzsystem verhindert, waren aber nicht ausreichend, um die globale Nachfrage anzukurbeln und die steigende Arbeitslosigkeit einzudämmen. Deshalb sollten verstärkt antizyklische finanztechnische Maßnahmen zur Stimulierung der Nachfrage ergriffen werden. .

Im Kern fordert der Bericht eine Neuauflage des Bretton-Woods-Systems, bei dem die internationalen Wechselkurse von den Notenbanken je nach Weltwirtschaftslage gestützt oder gesenkt werden sollten.

»Den Dollar durch eine künstliche Währung zu ersetzen würde einige Probleme von Ländern mit einem hohen Defizit lösen und für Stabilität sorgen«, sagte Detlev Kotte, einer der Urheber des Berichtes. »Aber wir brauchen auch ein System gelenkter Wechselkurse. Die einzelnen Länder sollten die Wechselkurse selbst stabil halten. Die Notenbanken müssten bei Bedarf intervenieren, und wenn sie das nicht tun müsste eine multilaterale Institution wie der IWF ihnen sagen, dass sie es tun müssen.«

Im Kapitel IV des Berichts heißt es: »Tatsächlich besteht die Gefahr, dass eine wachsende Zahl an Ländern versuchen werden, unterbewertete Wechselkurse zu erzielen, um der Krise zu begegnen, wenn keine tiefgreifende Reform des internationalen Wechselkurssystems stattfindet und geeignete Regeln und Mechanismen für eine multilaterale Intervention auf den Währungsmärkten erstellt werden«. Und weiter: »Eine weitere Anhäufung der US-Auslandsschulden würde die Weltwirtschaft noch weiter destabilisieren.«

 

 

Quelle:

http://www.unctad.org/Templates/Webflyer.asp?intItemID=1397&docID=11867)

Weitere Informationen zur Wiederkehr einer Neuauflage des Bretton-Woods-Systems finden Sie unter: http://info.kopp-verlag.de/news/bretton-woods-und-der-untergang-des-dollars-astrologische-prognosen-zum-finanzcrash.html

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