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Das Small community business lending program (Darlehensprogramm für Kleinunternehmen) wurde durch ein Gesetz ins Leben gerufen, das am vergangenen Donnerstag das Repräsentantenhaus passiert hat und nun der präsidialen Unterschrift harrt. Dieses Gesetz besteht aus einem Maßnahmenkatalog von Steuersenkungen und Kreditzuteilungen, der auf Kleinunternehmen und mittelständische Kleinfirmen zugeschnitten ist. Das Herzstück des Gesetzes ist die Bereitstellung von ca. 30 Milliarden Dollar an die kommunalen Banken und Sparkassen, um die Kredite an die Kleinunternehmer auszuzahlen. »Das bringt Geld in die Kleinbetriebe, die der Motor zur Schaffung von Arbeitsplätzen für dieses Land sind«, lobt sich der republikanische Senator George LeMieux aus Florida, der einer der Initiatoren für dieses Gesetz ist.
»Das ist ein Anreiz zu investieren, und es wird Jobs in vier Millionen Kleinunternehmen schaffen! Es wird die Summe, die sich Kleinunternehmen für das Wachstum ihrer Firmen leihen können, mehr als verdoppeln!“, frohlockte Obama öffentlich in der Pressekonferenz am 10. September.
Was wie ein bestechend simples Rezept zur Behebung der vielzitierten Kreditklemme aussieht, erweist sich aber höchstwahrscheinlich als untauglicher Versuch mit untauglichen Mitteln am ungeeigneten Objekt. Es sieht nämlich ganz so aus, als wollten weder die kleinen Unternehmen noch die Banken den Geldsegen überhaupt haben.
Nach Auskunft von Direktoren kleinerer Kommunalbanken sind die Unternehmer gar nicht an den Darlehen interessiert, nicht einmal zu sehr niedrigen Zinssätzen. Viele operieren sowieso schon tief in den roten Zahlen, und weitere Rückzahlungen sind kaum zu leisten. Einen Vorteil bringen ihnen die Finanzspritzen auch nicht, weil es keine Käufer für weitere Produkte oder ein größeres Angebot gibt. Es gibt nichts, worin sie investieren sollten, keinen Anreiz zum Ausbau von Kapazitäten. Expansionspläne sind längst Träume von vorgestern geworden, man igelt sich ein, versucht, sich gesund zu schrumpfen und irgendwie über die Runden zu kommen. Nicht wenige wollen auch schon allein deshalb keine Regierungsgelder, weil sie fürchten, sich damit auch gleich Kontrolle, Aufsicht und Prüfungen von Behörden ins Haus zu holen. Sie wollen nicht, dass der Staat seine Nase auch noch tief in ihre kleine Firma steckt.
»Für die Firmeninhaber stellt sich die Kardinalfrage: Ist eine Investition in der jetzigen Situation denn sinnvoll, und würde eine Investition überhaupt Gewinne generieren?«, sagt Josh Lerner, Professor für Finanzwirtschaft und Unternehmerisches Management an der Harvard Business School.
»Außerdem«, so gibt der Geschäftsführer der Stellar Business Bank in Covina, Timothy Walbridge, zu, »sind die Kredite nicht besonders attraktiv. Der Einstiegszinssatz liegt bei sieben Prozent. Der wird später auf ein Prozent gesenkt. Aber warum sollte ich zu sieben Prozent leihen, wenn ich mir von Einlegern oder Großhandels-Unterstützern billigeres Geld besorgen kann?«
Darin sind sie sich mit den Kommunalbanken einig. Die drücken das nur ein bisschen vornehmer aus: »Wir haben die strategische Entscheidung getroffen, unseren Hauptaufseher, die Regierung, nicht auch noch als Partner in unsere Bank aufzunehmen«, sagt William Chase, Geschäftsführer der Triumph Bank in Memphis. Seine Bank habe bereits mehr als genug Kapital, um die geringfügige Nachfrage nach Krediten zu befriedigen. »Unsere Geschäftskunden sind wie festgefahren in den gegenwärtigen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und sehr zögerlich, überhaupt in ihre Firmen zu investieren.«
Auch der Geschäftsführer der Grand Rapids State Bank in Minnesota, Noah Wilcox, kennt seine Geschäftskunden und deren Nöte. »Viele unserer Kunden, Geschäftsinhaber, haben alle Projekte seit 2008 auf Eis gelegt. Deren erstes Ziel ist es, ihre Firma durch die Krise zu bringen.« Seine Bank verfügt über 250 Millionen Dollar Kapital, und damit mehr, als er an Krediten vergeben könnte.
Das Problem sei eher, trotz der Wirtschaftskrise kreditwürdige Darlehensnehmer zu finden. Geld zum Ausleihen sei auch ohne die staatlichen Programme da, meint der Geschäftsführer der Friendly Hills Bank in Whittier, Jeffrey K. Ball.
Wozu sich dann noch unnötige Probleme mit der Regulierungswut der Behörden einhandeln, für ein Kreditprodukt, das keiner haben will? Was alles an staatlichen Auflagen mit diesem Regierungsgeld einherkommen wird, ist noch gar nicht absehbar, fürchten die »Nutznießer« dieser Finanzgießkanne.
Von ungefähr kommen die Bedenken nicht. Als das Notprogramm TARP (Troubled Asset Relief Fund) aufgelegt wurde, um Geld in die wankenden Banken zu pumpen, folgte ein Rattenschwanz an Regelungen, der den Banken die großzügige Unterstützung vergällte. Die Dividende an die Aktionäre mussten später empfindlich eingekürzt werden, die leitenden Bankmanager bekamen einen Gehaltsdeckel verpasst, und wer die Staatsdarlehen früher als angeordnet zurückzahlte, musste noch mit empfindlichen Strafen rechnen. Das soll zwar alles bei dem neuen Gesetz anders werden. Das den kleinen Banken zur Verfügung gestellte Kreditgeld für Kleinunternehmer soll ohne Strafen zurückgegeben werden können, sollten sich die Regeln für Kleinunternehmerkredite ändern.
Die kleinen Banken trauen dem Braten aber dennoch nicht. Zu oft wurden in der Hektik der Rettungsmaßnahmen schon Bedingungen und Regeln geändert.
Auch Timothy Walbridge von der Stellar Business Bank ist misstrauisch. »Die Regierung ändert dauernd die Regeln mitten im Spiel, und ich mag diese Unwägbarkeiten nicht.«
Eine Untersuchung der NFIB (National Federation of Independent Business), der nationalen Vereinigung unabhängiger Geschäftsleute, bestätigt diese Einschätzung. 91 Prozent der Kleinunternehmer gaben in der August-Umfrage an, dass ihr Kreditbedarf erfüllt sei. Nur vier Prozent gaben an, dass fehlende Finanzierungsmöglichkeiten ein Problem seien. Die Bereitschaft, Geld in Firmen zu stecken, sei auf einem 35-Jahrestief angelangt.
»Ich habe schon viel an auf und ab erlebt, aber das hier ist ohne Frage das Schlimmste«, sagt Jack, ein Holzhändler. Er hat alle Hände voll zu tun, den in der dritten Generation ererbten Betrieb am Deer River zu retten, und er ist immerhin auch schon 71 Jahre alt. Er hat schon zwei Holzwerke schließen und die halbe Belegschaft entlassen müssen. Unter hundert Leute beschäftigt er noch. Er zahlt nur noch die Hälfte an Steuern, und die Firma verliert immer noch Geld.
Es werden einfach kaum noch Türen, Fensterrahmen, Holzböden und Baumaterial gekauft.
Jack, der Holzhändler, und Direktor Chase sind Prototypen für die Situation überall in den USA.
Das Problem ist das des alten Kinderliedes Wenn der Topf aber nu ein Loch hat.
Die kleinen Companies werden und wollen nicht investieren und expandieren, bevor sie nicht ein deutliches Anziehen der Konjunktur und des Konsums sehen. Ohne Arbeitsplätze und die klassisch amerikanische Spendierlaune eines gut verdienenden Mittelstandes kann es aber kein Anspringen des Konsums geben. Der amerikanische Mittelstand schrumpft dramatisch. Dieser Mittelstand aber ist ja gerade die Schicht, aus der die kleinen Unternehmer kommen.
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Quellen:
Gesetzesentwurf: http://www.whitehouse.gov/sites/default/files/FACT-SHEET-Small-Business-Lending-Fund.pdf
http://www.pasadenastarnews.com/news/ci_16167477
http://finance.yahoo.com/news/Small-biz-banks-may-spurn-apf-2891489544.html?x=0&sec=topStories&pos=8&asset=&ccode=
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