Thursday, 24. May 2012
10.08.2011
 

Teil 2 der Weltwirtschaftskrise hat begonnen: Wurde Sie bewusst ausgelöst?

Oliver Janich

Die Folgen der Herabstufung der USA durch Standard & Poors waren absolut vorhersehbar. Obwohl ich derzeit in der Endphase eines neuen Buches und daher im Stress bin, habe ich am Samstag auf meinem Blog kurz den Aktienmarktcrash und die Kursexplosion bei Gold angekündigt. Im Wesentlichen aus zwei Gründen: Um meine Leser zu warnen und um zu demonstrieren, dass die Auswirkungen kalkulierbar waren. So kann mir bei der nun folgenden Analyse niemand vorwerfen, im Nachhinein könne das ja jeder behaupten.

Normalerweise bin ich vorsichtig, den milliardenschweren Aktienmärkten Manipulation zu unterstellen, weil so viel Kapital auf einmal schwer zu beeinflussen ist. Aber es gibt pivotale Punkte, also Schlüsselereignisse, die Märkte zum Kippen bringen können. So ein Punkt war beispielsweise

die Entscheidung, Lehman pleite gehen zu lassen. Es war völlig klar, dass wenn einer der größten Derivatehändler als Counterpart ausfällt, alle anderen Geschäftsbanken mit in den Strudel gezogen werden. Eine Rettung hätte ein Bruchteil dessen gekostet, was danach an Rettungspaketen geschürt werden musste. Die Finanzkrise hätte sich zwar ohnehin irgendwie, irgendwann den Weg gebahnt, aber so kannte man wenigstens den Zeitpunkt.

 

An der jetzigen Entscheidung fällt auf, dass die Aktienmärkte schon vorher stark absackten. Bereits am Donnerstag erlitten die US-Indizes massive Verluste, obwohl sich der Kongress zuvor auf eine Anhebung der Schuldenbremse geeinigt hatte und obwohl die Entscheidung von Standard & Poors erst am Freitag nach Börsenschluss kam. Am Wochenende sekundierte Europa noch mit dem Entschluss, dass die EZB Staatsanleihen aufkauft. Somit war klar, der Weg in die galoppierende Inflation ist endgültig geebnet (kann aber auch die nackte Panik der Politiker gewesen sein).

An dieser Stelle ist es geboten, sich einmal mit Standard & Poors zu beschäftigen. S & P ist eine von drei staatlich lizensierten, oligopolistischen Ratingagenturen (neben Fitch und Moodys). Sie gehört zur Verlagsgruppe McGraw Hill. Wie Sie der Webseite unschwer entnehmen können, propagiert der Verlag das Märchen von der globalen Erwärmung und will den Umstieg in die grüne neue Weltordnung, ein Euphemismus zur Kontrolle der Bevölkerung, ausführlich beschrieben in meinem Buch Das Kapitalismus-Komplott.

Der Vorstandsvorsitzende Harold McGraw der Dritte ist fest in der globalen Machtelite verankert. Er ist beispielsweise im Führungsgremium des amerikanischen »Business Round Table«. Dort sitzt er Seit an Seit mit Mitgliedern des einflussreichen Think Tanks »Council on Foreign Relations« (CFR), die auch bei den Bilderberger-Konferenzen reichlich vertreten sind. Der Round Table – wie könnte es anders sein, fordert natürlich die Förderung erneuerbarer Energien, nachhaltige Entwicklung und Energieffizienz, um den Klimawandel zu bekämpfen. In einer Presseveröffentlichung weist der Round Table ehrlicherweise daraufhin, dass die größten Ölfirmen der Welt inklusive Shell und Chevron im Round Table vertreten sind (Grüne, aufgepasst!). Besonders stolz ist man, dass auch McGraw-Hill vertreten ist, denn der Verlag fabriziert unter anderem Schulbücher, sodass man den Kindern gleich die schöne grüne neue Welt erklären kann.

Aus selbiger Veröffentlichung sehen sie gleich, mit wem Herr MacGraw da am Tisch sitzt. Nur ein kleiner Auszug: Kenneth Chenault (CEO vom American Express und CFR), Jeffrey Immelt (General Electric), Rex Tillerson (Exxon Mobile) und James Dimon (CEO von JP Morgan Chase und CFR).

Auch in zahlreichen Aufsichtsräten sitzt MacGraw mit den Globalisten am Tisch: Richard B. Myers von der nachaltigen Entwicklungsfirma Northrop Grumman (kleiner Scherz), Henrique de Campos Meirelles von Raytheon (ja, die die Fernsteuerungen für Flugzeuge herstellen und von denen am 11. September vier Mitarbeiter in den Flugzeugen saßen), David Rubinstein von der Bush-Heuschrecke Carlyle, Richard Plepler von Time Warner, die das Klimamärchen für Erwachsene verbreiten und natürlich die unvermeidlichen Rockefellers, John D. der Vierte und sein Sohn Charles P.

Am interessantesten sind natürlich die Banker in der Runde: James E. Copland von der UBS, John Anda von der Credit Suisse, Henry L. Cornell von Goldman Sachs, Gregory J. Fleming von Morgan Stanley, John Whitehead von der Börse Nyse Euronext und Steven H. Long von der Citigroup.

J. P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup. Erinnert sie das an etwas? Das sind nicht nur die Banken, die uns die Finanzkrise eingebrockt haben, sondern auch diejenigen, die im berühmt berüchtigten Plunge Protection Team mitmischen, das von Ronald Reagan eingesetzt wurde, um die Märkte zu manipulieren – ganz offiziell. Der größte Insiderclub der Welt. Offiziell sollen die Märkte natürlich nur zum Guten manipuliert werden, nämlich nach oben. Aber wenn man schon mal so zusammensitzt mit dem Chef der wichtigsten Ratingagentur ...

Wenn alle Großbanken auf einmal verkaufen, noch gehebelt über Derivate, dann würde sich der Kursabsturz VOR der Entscheidung schon erklären. Das mögliche Insiderwissen ist aber nicht so entscheidend, sondern die Frage, ob die Entscheidung wirklich objektiv war oder anderen Interessen diente. Aber halt! McGraw erzählt uns ja auf seiner grünseligen Webseite gleich links oben, dass es »Firewalls« gibt und Standard & Poors die Ratings völlig unabhängig vergibt. Ja, das klingt plausibel. Die Herabstufung der größten Militär- und Wirtschaftsmacht (noch), die je das Antlitz dieser Welt erblickt hat, fällt natürlich auf dem Schreibtisch eines unterbezahlten Analysten mit Nickelbrille, der gerade von der Uni gekommen ist.

Die Begründung für die Herabstufung war hanebüchen. Die Einsparungen würden nicht reichen, um die Schulden abzubauen! Das sind mal Neuigkeiten. Kein Sparpaket der Welt würde reichen, diese gigantischen Verbindlichkeiten abzubauen. Dass weiß jeder Schüler, der die Grundrechenarten beherrscht. Die Schuldenbremse wurde schon zig mal angehoben, ohne ausreichende Sparpakete. Anzunehmen, dass so eine Entscheidung nicht von ganz oben getroffen wird, ist vollkommen naiv. Die gesamte Weltwirtschaft hängt davon ab.

Natürlich beweist die Tatsache, dass MacGraw in vielen Aufsichtsräten sitzt und dort auch auf Banker trifft, gar nichts. Aber der Business Round Table verweist in seiner Veröffentlichung auch noch stolz darauf, dass die dort vertretenen Unternehmen ein Drittel des amerikanischen Bruttosozialproduktes repräsentieren. Die Organisation freut sich darüber, dass ihr Mitglied Steven A. Schwarzmann mit seiner Blackstone Group eine »integrale Rolle« dabei spielte, die von der Regierung in der Krise beschlagnahmten Vermögenswerte zu managen, und dass James Quigley von Deloitte Touch Tohmatsu die Wirtschaftsprüfungen der Bailouts übernahm. Machen wir uns nichts vor. Big Business kontrolliert die USA (Europa auch nebenbei). Mit freier Marktwirtschaft hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit Lobbyismus. Der ist nur zu verhindern, wenn die Verfassung geachtet wird, in der steht, dass der Staat nicht in die freie Entscheidung seiner Bürger eingreifen darf.

Warum gerade jetzt die Herabstufung? Darüber kann nur spekuliert werden. Offensichtlich wurde ein Katalysator gebraucht, um Teil 2 der Weltwirtschaftskrise in Gang zu setzen. Über die möglichen Gründe für die Eile demnächst mehr an dieser Stelle.

 

 


 

 

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