Samstag, 10. Dezember 2016
10.02.2015
 
 

»Swiss-Leaks«: Schwarze Löcher im Schweizer Bankgeheimnis

Redaktion

Ein abtrünniger Computer-Techniker der HSBC-Bank, fünf Disketten mit 100 000 geheimen Kontodaten über Könige, Kriminelle, Künstler und korrupte Politiker: Der Skandal über die »Swiss-Leaks« schockiert die Finanzwelt. Er reicht zurück bis in die 80er Jahre. Aber jetzt erst wird der immense Umfang sichtbar.

 

Die Enthüllungen bringen Zehntausende potenzielle Steuerbetrüger, Drogenbarone, Waffenhändler, Terrorverdächtige und Entertainer ins Schwitzen. Und die Mainstream-Medien jubeln. Endlich stehen sie wieder einmal als glorreiche Enthüller da. Das brisante Material hat sie auf dem Weg vom ehemaligen HSBC-Techniker über die französischen Behörden und das Recherche-Netzwerk International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) erreicht.

 

Jetzt können sie sich über willkommene Ablenkung von den gravierenden Themen dieser Woche freuen: Griechenlands Schulden-Poker am Finanzabgrund, der die Euro-Zone zerreißen könnte. Dazu der Ukraine-Gipfel in Minsk, aber auch die unübersehbaren Risse im atlantischen Bündnis mit den USA sowie der Absturz der Weltwirtschaft.

 

Kontoeinlagen im Umfang von mindestens 75 Milliarden Euro, die Kunden aus 200 Ländern von 1988 bis 2007 bei der HSBC deponiert hatten, werden von den Steuerfahndern schon länger geprüft und durchleuchtet.

 

Das vertrauliche Material, das der selbst ernannte Whistleblower Herve Falciani vor sieben Jahren beim Verlassen der Großbank mitgenommen hat, umfasst auch 35 000 interne Protokolle. Sie geben detailliert wieder, wie das Geldhaus jahrelang seinen Kunden geholfen hat, Geld vor dem Fiskus zu verbergen und kriminelle Geschäfte zu tarnen.

 

Für die HSBC ist das alles nicht neu.

 

Die Bank musste bereits 2012 an die US-Behörden 1,9 Milliarden Dollar Strafe zahlen , weil Drogenbanden wie Mexikos Sinaloa-Kartell und das kolumbianische Gangstersyndikat Norte del Valle auf ihren Konten laut dem US-Justizministerium nahezu 900 Millionen Dollar gewaschen hatten.

 

Die Strafe basierte weitgehend auf den Erkenntnissen eines Berichts, den der US-Senat Monate zuvor angefertigt hatte.

 

Doch schon lange vorher war die Bank ins Fadenkreuz der Steuer- und Drogenfahnder gerückt. Bereits 2003 ermahnten die Notenbank-Zweigstelle in New York und Aufsichtsbehörden in der Finanzmetropole die Bank, verdächtige Geldflüsse in ihrem Konten-Netzwerk besser zu beaufsichtigen. Und 2010 wies der US-Marktaufseher Comptroller of the Currency mit einer Vergleichsverfügung an, verdächtige Transaktionen zu überprüfen.

 

Die »Swiss-Leaks« nannte der frühere Senatsmitarbeiter Jack Blum laut der Enthüllungs-Sendung 60 Minutes , die am Sonntag zu dem Thema ausgestrahlt wurde, »außerordentlich, absolut außerordentlich«.


Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert die EU-Sprecherin für Steuerangelegenheiten, Vanessa Mock, mit der Feststellung: »Diese Enthüllungen bestätigen, dass das Bankgeheimnis dazu missbraucht wurde, Steuern zu umgehen.«


Aus Deutschland tauchen laut den Dokumenten, die hierzulande von NDR, WDR und SZ ausgewertet wurden, 2106 Kunden mit einem addierten Guthaben von etwa drei Milliarden Euro auf. Darunter sind bekannte Industrielle, Adelsfamilien, aber auch Sportprofis und Politiker.

 

Namen werden kaum einmal genannt, weil die Untersuchungen der Behörden noch laufen und nicht alle Konten illegales oder vor dem Fiskus verstecktes Geld enthielten.

 

Der US-Blog ZeroHedge listet Namen auf, die das ICIJ auszugsweise publiziert hat. Darunter finden sich der größte Diamantenexporteur von Zentralafrika, Abdul-Karim Dan Azoumi, der Milliardär Alfred Taubman, die Erbin des Nina-Ricci-Vermögens, Arlette Ricci, sowie der Banker Edmond Safra und die Motorsport-Legenden Flavio Briatore und Fernando Alonso.

 

 

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Leser-Kommentare (20) zu diesem Artikel

24.06.2015 | 14:29

Mina Kurz

Na ja, warum nicht ständig auf die Schweizer Banken los gehen. Wo z.B. wird überall noch Geld gehortet und wie verdient z.B. Amerika mit seinen abertausenden von Toten in den selbstgemachten Kriegen ihr Geld. An diesen Geldern wird nicht geforscht. Amerika kann ja nur noch dank ihrer Waffenlobby überleben und das nur mit fürchterlichem Blutgeld vieler Staaten und Länder. Und da gibt es immer noch so Idioten, sorry, die an das "heilige Land USA" glauben. Wann erwachen...

Na ja, warum nicht ständig auf die Schweizer Banken los gehen. Wo z.B. wird überall noch Geld gehortet und wie verdient z.B. Amerika mit seinen abertausenden von Toten in den selbstgemachten Kriegen ihr Geld. An diesen Geldern wird nicht geforscht. Amerika kann ja nur noch dank ihrer Waffenlobby überleben und das nur mit fürchterlichem Blutgeld vieler Staaten und Länder. Und da gibt es immer noch so Idioten, sorry, die an das "heilige Land USA" glauben. Wann erwachen die wohl? Selbst die Bürger von Amerika sind von ihrer Regierung enttäuscht - aber in Europa sind immer noch welche die wohl nicht lesen noch hören können.


02.03.2015 | 22:16

Grenzwissenschaftler.wordpress.com

Dass die E-Ziesen von Anfang an keine Vitaminbomben wären, war ja wohl jedem klar. Doch viele Raucher konnten sich nur Dank dieser Erfindung vom vielfach gesundheitsschädlicherem Glimmstengel lösen. Ich finde dieses Gerät daher nicht so schlecht, wie es tlw. zu machen versucht wird. Beste Grüße, der Grenzwissenschaftler


02.03.2015 | 22:16

Grenzwissenschaftler.wordpress.com

@ G.Wissen so würde ich das auch sehen: Es hat keinen "Urknall" gegeben, denn diese Vorstellung entspringt nur dem menschlichen Zeitverständnis einer Linearität, obwohl zeit tasächlich zyklisch verläuft, so wie ein Kreis ist auch das Universum ohne festzumachenden Anfang und Ende und entstand aus sich selbst heraus ohne Vorher, ohne Nachher. Beste Grüße, der Grenzwissenschaftler


02.03.2015 | 21:58

Grenzwissenschaftler.wordpress.com

Dass die E-Ziesen von Anfang an keine Vitaminbomben wären, war ja wohl jedem klar. Doch viele Raucher konnten sich nur Dank dieser Erfindung vom vielfach gesundheitsschädlicherem Glimmstengel lösen. Ich finde dieses Gerät daher nicht so schlecht, wie es tlw. zu machen versucht wird. Beste Grüße, der Grenzwissenschaftler


02.03.2015 | 21:55

Grenzwissenschaftler.wordpress.com

@ G.Wissen so würde ich das auch sehen: Es hat keinen "Urknall" gegeben, denn diese Vorstellung entspringt nur dem menschlichen Zeitverständnis einer Linearität, obwohl zeit tasächlich zyklisch verläuft, so wie ein Kreis ist auch das Universum ohne festzumachenden Anfang und Ende und entstand aus sich selbst heraus ohne Vorher, ohne Nachher. Beste Grüße, der Grenzwissenschaftler


02.03.2015 | 21:52

Grenzwissenschaftler.wordpress.com

Bei allem Respekt für Putin: wenn er schon so offen über die Geheimdienstkrämerei spricht, weshalb aber spricht er nicht mit eienr Silbe vor der UN oder in Pressekonferenzen über den offenbar inszenierten 11. September? Damit könnte er den US-Aggressor ganz schön an den Pranger stellen (da der eigene Geheimdienst ja sicherlich genug kompromitierendes Material hat). Beste Grüße, der Grenzwissenschaftler

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