
Der Zustand der britischen Volkswirtschaft ist verheerend und die Immobilienblase gigantisch. Auch die private Verschuldung ist enorm: derzeit liegt der Wert bei über 155 Prozent. Damit ist er sogar höher als der Wert bei den US-Konsumenten (125,6 Prozent).
Hinzu kommt eine Aufblähung der Bankbilanzen. So erreichte die Bilanzsumme britischer Banken im August fast 484 Prozent der Wirtschaftsleistung! Zum Vergleich: Deutschland: 317 Prozent und Euroland 354 Prozent.
Ende der 1970er-Jahre arbeiteten noch sieben Millionen Menschen, fast 26 Prozent aller Beschäftigten, in der britischen Industrie, heute sind es nur noch 2,9 Millionen, also 9,4 Prozent aller Jobs. Die Industrieproduktion fiel auf nur noch 85,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das ist der tiefste Stand seit September 1987!
Fast 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entfallen auf die Londoner City. Auch hier im Vergleich: in den USA entfallen auf den New Yorker Finanzdistrikt rund 7,5 Prozent und in Deutschland auf Frankfurt rund 3,5 Prozent. (1)
Wie reagieren die Fiskalpolitik und die Zentralbank auf diese katastrophalen Daten? – Sie unternehmen derzeit alles, um den Konsum und den Kreditstrom wieder in Gang zu setzen. Aber ein gesunder Aufschwung über Ersparnisbildung, Investitionen und Beschäftigung wird gewiss so nicht generiert. Konsum um jeden Preis geht also nur über die Notenpresse, was eine noch höhere Inflation hervorruft, an deren Ende nur die Zerrüttung der Währung, also des britischen Pfund stehen kann. Die Rechnung nach dem Motto »inflate or die« kann so nicht aufgehen.
Die Bank of England finanziert nahezu die gesamte Neuverschuldung des britischen Staates.
Per Ende Oktober wurden bereits britische Staatsanleihen (Gilts) im Wert von 168,57 Milliarden GBP durch die Notenbank erworben, was 12,15 Prozent der britischen Wirtschaftsleistung entspricht. Das gesamte Staatsdefizit wird hingegen für das Fiskaljahr 2009/10 von der Regierung mit 175 Mrd. GBP (12,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) angegeben. (2)
Der Experte Adam Posen sieht das britische Finanzsystem »nicht in der Lage«, Wege aus der Rezession zu finden, da es durch die Krise selbst beschädigt wurde. Die Hauptfrage wird sein, wie die kleinen und mittleren Unternehmen wieder an Geld kommen. Für ihn ist es zudem falsch, dass die Bank of England die Zinsen trotz der Rezession unverändert lässt, was kein Wachstum generiert. Posen sagt weiter, die Geschichte habe gelehrt, dass eine Wirtschaft sich besser erholt, wenn das Bankensystem schnell korrigiert wird oder Kapital durch alternative Kanäle an die Unternehmen fließen kann. (3)
Die Anzeichen für einen nahenden Staatsbankrott Großbritannien mehren sich also. Deutschland wäre von einem solchen enorm betroffen, denn kein anderes Land hat so viele Nettoforderungen gegenüber den Briten: im Jahre 2008 waren es immerhin über 617,59 Milliarden US-Dollar.
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Quellen:
(1) Bank of England, Bloomberg, Daten bis Ende August 2009
(2) Bloomberg, Daten bis 22. Oktober 2009
(3) http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/banksandfinance/6441259/UK-financial-system-not-able-to-support-recovery.html
sowie SilberBulletin, 38/2009, vom 10. Oktober 2009
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