Freitag, 24. März 2017
11.05.2016
 
 

Analyst ist überzeugt: Ein Run auf die Londoner Goldvorräte steht unmittelbar bevor

Tyler Durden

Kaum jemand beobachtet die feinsten Nuancen der wichtigsten Margen des Goldmarktes so genau wie Paul Mylchreest vom Brokerunternehmen ADMISI. Bereits in seiner Analyse vom Dezember 2014 verwies er auf die verblüffende Rolle der Goldbestände in der »neuen Normalität« als stützende »Währung« im Rahmen von Interventionen der japanischen Zentralbank in Form eines lang anhaltenden Pair Trades zwischen Nikkei/Gold-Shortpositionen (und umgekehrt). Dies deute darauf hin, dass die Zentralbanken direkt (durch Verkäufe) auf den Goldpreis einwirken, wenn sie versuchen, die Preise für Wertpapiere in die Höhe zu treiben.

 

In seiner äußerst lesenswerten jüngsten Analyse zeichnet Mylchreest ein noch sehr viel düstereres Bild des Goldmarktes. Besonderes Augenmerk richtet er auf das historische Zentrum des Goldhandels, den Londoner Goldmarkt. Dabei kommt er zu dem Schluss, dieser Markt »steht vor einem Problem und sieht sich vor der größten Herausforderung seit seinem Zusammenbruch im März 1968, der durch eine unzureichende Verfügbarkeit physischen Goldes ausgelöst wurde«.

 

Wir empfehlen dem geneigten Leser, sich für diesen Bericht, der eine Pflichtlektüre ist, mindestens eine Stunde Zeit zu nehmen und zwei Tassen Kaffee bereitzuhalten. Für alle diejenigen, die unter Zeitdruck leiden, hier eine Kurzfassung der Ergebnisse:

 

Auf der Grundlage von Zahlen des London Bullion Market (LBMA) und der Bank von England zu Goldlagerbeständen in Londoner Tresoren – sowie basierend auf Zahlen zum britischen Gold-Nettoexport der britischen Steuerbehörde HM Revenue & Customs (HMRC) ‒ rechnet Mylchreest vor, dass das »verfügbare« physische Gold in London (einschließlich des Goldes, das sich im Besitz von ETFs und Zentralbanken befindet) auf einen Wert von +/- Null abgesunken ist.

 

Knapp zusammengefasst geben die Zahlen folgendes Bild:

Gesamte Goldmenge in London (Stand Juni 2015) - 6220 t

Abzüglich: Gold im Besitz Londoner ETFs - 1281 t

Zentralbank-Gold in den Tresoren der BoE - 4570 t

Britische Netto-Goldexporte seit Juni 2015 - 430 t

Verfügbarkeit/Defizit - 61 t

Die genauen Einzelheiten, wie Mylchreest diese Zahlen berechnet hat, werden in der verlinkten Analyse dargelegt. In seiner beunruhigenden Zusammenfassung lesen wir die folgende Schlussfolgerung, auf die wir bereits vielfach im Zusammenhang mit der Analyse bedrohlicher Entwicklungen in den Tresoren der New Yorker Warenterminbörse COMEX hingewiesen haben:

»(w)enn wir recht haben, steht der Londoner Goldmarkt vor einem Problem und sieht sich vor der größten Herausforderung seit seinem Zusammenbruch im März 1968, der durch eine unzureichende Verfügbarkeit physischen Goldes ausgelöst wurde

Im Folgenden nun einige weitere wichtige Erkenntnisse des Berichts, die für regelmäßige Leser keine Überraschung darstellen sollten:

 

»Neben der wachsenden Nachfrage nach physischem Gold aus bereits vorhandenen Beständen wird täglich Gold im Wert von mehr als 20 Mrd. Dollar in Form sogenannten ›freien‹ (Papier-) Goldes [beispielsweise Guthaben auf Goldsichtkonten, Termineinlagen oder Goldforderungen] gehandelt. Wenn die Käufer das Vertrauen in die Struktur des Marktes und seine Fähigkeit verlieren, tatsächliches reales, physisches Gold zu liefern, könnte es zu heftigen Turbulenzen (etwa in Form eines klassischen Runs auf die Tresore) auf dem Markt kommen, wenn er versucht, den wahren Preis physischen Goldes zu ermitteln.


Instinktiv vermuten wir, dass Zentralbanken möglicherweise Gold geliehen oder geleast haben, um den Status quo aufrechtzuerhalten und einen in technischer Hinsicht eingetretenen Zahlungsverzug zu vertuschen. Aber es ist auch durchaus möglich, dass diese Kredite oder dieses Leasing nicht dafür benutzt werden, vorübergehende Liquidität zu liefern, sondern immer wieder verlängert (oder angepasst) werden. Ein solches Vorgehen ist nicht nachhaltig und führt zu doppelten Eigentumsansprüchen.

 

Künftig ist der Markt durch verschiedene Trends bei Handelsmustern bei Gold gefährdet:

  • Seit 2009 sind die Zentralbanken von Nettoverkäufern zu Nettokäufern geworden.

  • In China ist die Nachfrage nach Gold außerordentlich hoch, wie sich an den Marktentnahmen von Barrengold an der Goldbörse in Shanghai ablesen lässt. So wurden dort 2015 erstaunliche 2597 Tonnen Gold gekauft. Das waren mehr als 80 Prozent allen weltweit geförderten Goldes.

  • Der Stimmungsumschwung in Bezug auf Gold bei in London gehandelten Gold-ETFs verfestigt sich seit Januar 2016 zunehmend, da westliche Investoren verstärkt Interesse an physischem Gold zeigen, und

  • britische Gold-Nettoexporte, die im Wesentlichen die starke Nachfrage aus Asien (insbesondere Chinas) befriedigen sollen, die seit 2013 den Markt kennzeichnen.

Aber die Anfälligkeit ist nicht allein auf die gegenwärtigen Trends im Handel mit realem Gold beschränkt. Wenn Gold nicht verfügbar ist, fehlt die Unterfütterung des mehr als 200 Mrd. Dollar umfassenden Handels mit freien Papiergold-Instrumenten, der mehr als 95 Prozent des gesamten Goldhandels in London ausmacht.

 

Die Gewohnheit, mit sogenanntem ›freiem Gold‹ zu handeln, gründet sich auf ein Mindestreservesystem, das solange funktioniert, wie sich die Goldkäufer darauf verlassen, dass die Banken auf Anfrage physisches Gold liefern können. Aber unsere Analyse ergibt, dass sie dazu nicht in der Lage sind.

 

Seit mehr als vier Jahren wird der Verkauf von Papiergold durch die wachsende Nachfrage nach physischem Gold etwa seitens Chinas und der Zentralbanken (insgesamt) erdrückt. Der ›Goldmarkt‹ wurde zu einer ›Chimäre‹, da seine Grundsätze und Grundlagen auf den Kopf gestellt wurden. Die Banken reagierten immer dann sehr elastisch mit Papier-›Goldangeboten‹, wenn westliche Investoren über Papiergold-Instrumente erhebliche Nettorisiken eingegangen waren.

 

Wir haben seit vielen Jahren darauf hingewiesen, dass für eine zutreffende Preisfindung bei physischem Gold ein Aufbrechen und eine Verzweigung des Goldmarktes in die Bereiche physisches Gold und Papiergold-Substitute notwendig sei. Im Januar 2016 titelte das Vierteljahresmagazin des LBMA ›Großhandelsmärkte für physische Güter brechen auseinander‹. Diese Einschätzung bestätigt möglicherweise, dass dieser Prozess bereits weit fortgeschritten ist.

 

In der Zwischenzeit sollten wir uns in Richtung eines zweigeteilten Goldmarktes bewegen – auf dem physisches Gold als vorrangig gegenüber Papiergold-Instrumenten, wie etwa ›freiem‹ Gold in London und COMEX-Gold-Futures in den USA, gehandelt wird.

 

Es stimmt uns traurig, dass der Status und das Ansehen Londons als Zentrum des Weltgoldmarktes leiden, solange der LBMA, die Bank von England und andere Interessen keine raschen und weitreichenden Reformen einleiten. Der Londoner Goldmarkt ist in struktureller Hinsicht stark mit Fehlern behaftet und Reformen sind dort seit Langem überfällig – der LBMA ist keine offizielle Börse; er unterliegt praktisch keinen Regulierungen und entbehrt fast jeglicher Transparenz. Im Wesentlichen handelt es sich um ein System von Papiergutschriften und -lastschriften, die den Banken Vorteile bringen und attraktive Investitionen in Gold und infolgedessen auch die Renditen von Goldinvestoren untergraben.

 

Die chinesische Goldbörse in Shanghai (SGE) hat die Achillesferse des Londoner Goldmarktes erkannt und legte am 19. April 2016 einen in Yuan ausgewiesenen Benchmark-Goldkontrakt über physisches Gold auf. Studiert man die Informationsbroschüre der SGE dazu, so ist klar ersichtlich, dass China hiermit bekräftigt, dass diese Einführung zu einem realistischeren Preis für physisches Gold führen soll und es die Strategie verfolgt, die Preisfestsetzung auf dem Gold von London nach Asien zu verlegen.

 

Leider wird die Zeit für London knapp und in der Zwischenzeit …


Die westlichen Kapitalressourcen sind in Bezug auf Gold nicht untergewichtet, sie sind praktisch überhaupt nicht durch Gold gestützt. Leider ist Gold in vielen Fällen eine Wette auf Missmanagement des Finanzsystems – wie Inflation, Deflation, steigende Kreditrisiken und sinkendes Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger. Die Tatsache, dass Mainstream-Investoren und -kommentatoren in letzter Zeit zunehmend Zweifel an der Politik der Zentralbanken äußerten, hat sich positiv auf Gold ausgewirkt.

 

Seit Jahren verhielten sich westliche Investoren gegenüber Investitionen in Gold zurückhaltend, weil es keine ausreichende Rendite bot. In einer bizarren Wende bei Investitionen weisen gegenwärtig Anleihen im Wert von 7 Billionen Dollar aufgrund der Nullzins- bzw. Negativzinspolitik negative Renditen auf. Daher ist jetzt durchaus ein Renditeanreiz für Goldinvestitionen gegeben. Anders als alle anderen Finanzwerte, einschließlich der Staatsanleihen, weist Gold kein Gegenparteirisiko auf.

 

Diese Situation ist nicht neu …

 

›Irgendjemand sagte einmal: ‹Keiner will Gold, und deshalb fällt der Wert des Dollar weiter›. Viele denkende Menschen lachten angesichts dieser absurden Äußerung. Sie wissen, dass der Goldpreis fällt, gerade weil ‹zu viele Leute Gold kaufen›. Denken Sie einmal nach, wenn Sie ein ‹bedeutende Person› wären, wäre es dann nicht günstiger für Sie, Gold über Jahre hinweg zu einem besseren Preis zu kaufen? Und wenn Sie keine so bedeutende Person sind, könnten Sie nicht dennoch in die Fußstapfen dieser Riesen treten? Das wirklich große Geld verkauft alle Formen von Papiergold und kauft physisches Gold. Warum? Weil jede Form von Papiergold an Wert verliert, und zwar sehr viel schneller als das Edelmetall. Ein Großteil dieser Papierwerte wird in einem Feuer epischen Ausmaßes vernichtet werden. Der massive Handel an der LBAM hält ungebrochen an, aber irgendetwas fehlt nun.‹

 

Dieses Zitat aus einer nicht genannten Quelle stammt aus den 1990er-Jahren.«

 

 

 

 

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