Wirtschaftskrise lässt Amerikaner immer dicker werden
Michael Grandt
Weil die US-Bürger immer fetter werden, explodieren die Gesundheitskosten. Doch die Freiheit, sich »tot zu fressen«, bleibt undiskutierbar.
Die Wirtschaftskrise hat in keinem anderen Land solche Auswirkungen gezeigt wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Bankeninsolvenzen, Firmenbankrotte, Kürzung von Löhnen und Gehältern sowie immer mehr Arbeitslose, um nur einige Dinge zu nennen.
Der »normale« Amerikaner muss in Zeiten der anhaltenden Rezession also seinen Gürtel enger schnallen. Gespart wird vor allem auch am Essen – und trotzdem wird er immer dicker!

Wer schon einmal in den Vereinigten Staaten war, weiß, dass dort sowieso keine oder nur sehr wenig Esskultur vorherrscht.
Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Technomic zufolge fällt es 70 Prozent der Befragten schwer, sich noch »gesundes« Essen zu leisten. Als Begründung geben sie die schlechte wirtschaftliche Lage an. Nur die Fast-Food-Lokale sind noch so günstig, dass ein einfacher Arbeiter seine Familie auch einmal zum Essen »einladen« kann.
Tatsächlich kann man sich etwa in New York mit nur wenigen Dollar den ganzen Tag »satt« essen: Ein Stück Pizza kostet drei Dollar und ein komplettes Mittagessen in einem Fast-Food-Restaurant mit Burger, Pommes und Cola gerade mal 7,50 Dollar.
»Gesünderes« Essen, wie etwa mediteranische Küche, ist hingegen (fast) unbezahlbar. Ich selbst habe einmal in Bonita Springs (Florida) für eine Portion einfacher Spaghetti und einen Salat in einem italienischen Restaurant über 30 Dollar berappen müssen.
Das hat Folgen für die Bevölkerung: Über ein Viertel aller Amerikaner ist mittlerweile übergewichtig, die Kosten im Gesundheitswesen explodieren: Allein die Behandlung übergewichtiger Patienten kostet das Gesundheitssystem jedes Jahr 147 Milliarden Dollar.
Der New Yorker Gouverneur David Paterson unterbreitete vor Kurzem einen Vorschlag, zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limonade höher zu besteuern, was einen Sturm der Entrüstung verursachte. Auf Plakaten war zu lesen: »Es geht um Dein Essen. Dein Getränk. Und damit um Deine Freiheit.«
Im freiesten Land der Welt hat man natürlich auch die Freiheit, sich tot zu fressen.
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