Donnerstag, 8. Dezember 2016
20.07.2011
 
 

Der Goethe-Code und Schillers Tod – Entdeckung einer Anagramm-Botschaft im »Faust II« (2) – Die Entschlüsselung der Anagrammzeilen

Armin Risi

Um den »Goethe-Code« zu finden, muss man von Goethes originaler Schreibweise ausgehen, zu finden in der Erstausgabe von Faust II, erschienen 1833 als Band 41 der Gesamtausgabe von Goethes Werken. Goethe (1749–1832) hatte verfügt, dass Faust II erst nach seinem Tod veröffentlicht werden dürfe! Der Text in der originalen Schreibweise findet sich auch in der Ausgabe von Faust II, die in der dtv-Reihe »Bibliothek der Erstausgaben« 1997 erschienen ist.

 

Fortsetzung von Teil 1: Die Spur zum Goethe-Code

 

Die verschlüsselten Aussagen werden gefunden, wenn man die Gesamtheit der Buchstaben der jeweiligen Zeile neu formiert. Die Bedingung für eine Anagrammzeile lautet, dass kein Buchstabe übrig bleiben darf. In jeder Zeile müssen alle Buchstaben verwendet werden. Die Umlaute ü, ä und ö dürfen als ue, ae und oe aufgeteilt und als zwei Buchstaben verwendet werden, falls dies erforderlich ist.

Insgesamt liegen also sechs aufeinanderfolgende Zeilen vor, die sich alle sinnvoll umstellen lassen, und zwar immer zu einer Aussage zu Schillers Tod. Es sind dies die ersten sechs Zeilen von Goethes Faust II-Stelle »Die Kraniche des Ibykus«:

Mordgeschrei und Sterbeklagen!

Aengstlich Flügelflatterschlagen!

Welch ein Aechzen, welch Gestöhn

Dringt herauf zu unsern Höhn!

Alle sind sie schon ertödtet,

See von ihrem Blut geröthet […]

Betrachten wir nun Zeile für Zeile die Entschlüsselung von Goethes verschlüsselter Botschaft.

 

»Mordgeschrei und Sterbeklagen«

Die Kraniche des Ibykus tragen eine Mordanklage vor. In der ersten Zeile »Mordgeschrei und Sterbeklagen« fand ich anfänglich keine sinnvolle Anagrammumformulierung und meinte, diese Zeile stehe wie ein Titel für die Aussage der nachfolgenden verschlüsselten Zeilen. So stellte ich es in meinem Artikel in mysteries (1/2011) dar. Später, im Mai 2011, klopfte Goethes Elemental nochmals bei mir an, und ich spürte, dass ich in dieser Botschaft etwas noch nicht entdeckt hatte. Mir war auch sogleich klar, was gemeint war: diese erste Zeile. Goethe hätte seine verborgene Anagrammbotschaft nicht als ein »Mordgeschrei« betitelt. Und tatsächlich offenbarte diese scheinbar einfache Zeile bei meinem zweiten Anlauf eine geniale Doppelkonstruktion! Ich werde die Auflösung weiter unten anführen.

 

»Aengstlich Flügelflatterschlagen«

Die Buchstaben dieser zweiten verschlüsselten Zeile enthalten den Namen Schiller. Die Frage ist nun: Ergeben die restlichen Buchstaben einen Sinn im Zusammenhang mit Schillers Tod?

 

1) aengstlich fluegelflatterschlagen  -> Schiller

2) aengst ch fluegelflatt agen -> Fluch gegen

3) aengst elflatt a  -> Engel

4) ast flatt a -> Fatalstat

= Fatalstat: Engelfluch gegen Schiller

 

»Fatalstat« ist ein poetisches Wort für Mord. »Fatal« ist abgeleitet vom lateinischen Wort fatum, wörtlich »Schicksalsspruch«, ein Bann, ein Fluch (von lat. fari, »sprechen, feierlich sagen, im

Rahmen eines Rituals aussprechen«). Das Duden-Herkunftswörterbuch (Duden 7) schreibt unter »fatal«, dass fatum zur selben indogermanischen Wortsippe gehört wie »Bann«. Fatalis bedeutet »vom Schicksal bestimmt; Verderben bringend«; eine fatale Tat (»Fatalstat«) bedeutet demnach: eine Tat, die fatal (tödlich) ist und auf einen Schicksalsspruch oder Fluch zurückgeht. Und exakt mit dem Wort »Fluch« ergibt diese Zeile eine perfekte Anagramm-Konstruktion!

 

Die entschlüsselten Wörter lassen zwei Formulierungen zu, nämlich »Fatalstat: Engelfluch gegen Schiller« und »Fatalstat: Fluch gegen Engel Schiller«. Beides macht Sinn. Die Täter hielten sich für »Engel«, d. h. Lichtgestalten (Illuminaten). Der alte Goethe sah im Rückblick aber auch die ungute politische Entwicklung und die Wahrheit von Schillers Warnungen. Goethe sah Schiller deshalb als eine Lichtgestalt und als Bote. Beides ist die Bedeutung von »Engel« (grch. angelos, »Bote«). »Engel Schiller« entspricht auch der bildlichen Gleichsetzung von Schiller mit Herkules, was Goethe bereits in seiner Chiron-Szene zum Ausdruck gebracht hat. Für den alten Goethe war Schiller durch die Apotheose ein »Engel« geworden. Da »Engel Schiller« auf den ersten Blick für Außenstehende befremdlich klingt, wähle ich als erste Version »Engelfluch gegen Schiller«. »Fluch gegen Engel Schiller« ist die esoterische Version entsprechend dem Ideal der Apotheose.

 

»Welch ein Aechzen, welch Gestöhn«

1) welch ein aechzen welch gestoehn -> Welche ... gesehn

2)  in aechzen welch to  -> lechzen

3) in a we ch to -> Aconit + weh

= Welche Aconit gesehn, wehlechzen

 

Goethe nennt hier sogar den Namen des Giftes! In Fikentschers Buch (S. 198) steht, dass ein Studienrat Dr. H. Kaben diese Zeile auf obige Weise entschlüsselt hat. Diese Zeile zeigt, dass Anagramme in der verborgenen Formulierung manchmal zu etwas sperrigen Konstruktionen führen. Normalerweise sagt man nicht, dass jemand ein Gift »gesehn« hat, aber es ist klar, was gemeint ist. Ebenso ist klar, was das Kunstwort »wehlechzen« bedeuet: Wer Aconit bekommen (»gesehn«) hat, liegt todgeweiht in großem Weh (wehlechzend) darnieder.

Aconit stammt vom Blauen Eisenhut und wird »Königin der Gifte« genannt. 1805 war Aconit offiziell noch nicht entdeckt, wurde aber in Geheimkreisen bereits als Gift verwendet, denn solange das Gift nicht bekannt war, wurden seine Symptome nicht als Giftmord erkannt. In seiner reinen Form wurde Aconit erst einige Jahre nach Schillers Tod vom Heidelberger Pharmazeuten Philip Geiger (1785–1836) isoliert und als Giftentdeckung bekannt gegeben.

Im zweiten Teil meiner Abhandlung auf KOPP ONLINE beschreibe ich die Symptome einer Aconitvergiftung. Dazu gehört anfänglich ein starkes Erbrechen, verbunden mit Schweißausbrüchen. Schiller litt nach seinem Zusammenbruch am Abend des 1. Mai 1805 für rund 48 Stunden unter starkem Erbrechen und unter Schweißausbrüchen, die wie Fieberschübe aussahen. Der herzogliche Arzt Dr. Huschke, der aufgrund der Abwesenheit von Schillers Leib- und Hausarzt Zugang zu Schiller hatte und ihn »behandelte«, verfasste nach Schillers Tod eine Beschreibung des Krankheitsverlaufs, verschwieg dabei aber das anfängliche heftige – und verdächtige – Erbrechen.

Im Schiller-Jahr 1959 (Schillers 200. Geburtstag) veröffentlichte Dr. med. Gunther Duda drei Artikel – zwei zusammen mit einem anderen Arzt, Dieter Kerner –, in denen gezeigt wurde, dass eine Tuberkulose als Todesursache ausgeschlossen werden kann und dass Schillers Symptome ähnlich waren wie die, die bei einer Vergiftung durch Aconit auftreten. – Und genau dieses Gift nennt Goethe hier in seiner verschlüsselten Zeile! Alles nur Zufall?

 

»Dringt herauf zu unsern Höhn«

1) dringt herauf zu unsern hoehn  -> Gift

2) dr n herau zu unsern hoehn  -> Herz

3) dr n  au u unsern hoehn -> und

4) r n au u sern hoehn -> Urne Haus

5) rn oehn -> er ohn’ + n

= Gift: er ohn’ Herz und Urnenhaus

 

Was Goethe hier schreibt, erklärt eine Stelle in Dr. Huschkes Obduktionsbericht, die bisher unverständlich und verwirrend war. In Bezug auf Schillers Herz schrieb Huschke: »Das Herz stellte einen leeren Beutel dar, hatte sehr viele Runzeln, war häutig und ohne Muskelsubstanz. Diesen häutigen Sack konnte man leicht in kleine Stücke zerpflocken.« Aufgrund von Goethes Botschaft wissen wir nun, was diese kryptische Aussage bedeutet: Huschke entnahm Schillers Leichnam das Herz. Schiller wurde also »ohne Herz« beigesetzt! »Ohne Urnenhaus« bedeutet, dass Schiller kein eigenes Grab bekam. Auch hier setzt Goethe Schiller mit Herkules gleich, denn dieser starb an Gift und wurde feuerbestattet.

 

»Alle sind sie schon ertötet«

Weil in dieser Zeile »tötet« auch in der entschlüsselten Formulierung vorkommt, verzichte ich auf ö = oe und auf das originale dt in »ertödtet«.

 

1) alle sind sie schon ertötet  -> Schiller

2) a e s nd sie on tötet -> sie töteten

3) a s d on -> so da + n

=  So töteten sie da Schillern

 

»Schillern« ist eine alte und gehobene Form des Akkusativ. In dieser Zeile sehen wir deutlich, wie Goethe den verborgenen Satz konstruierte, indem er das altertümliche Wort »ertötet« wählte. Ohne Verschlüsselung hätte er einfach »getötet« schreiben können. Er benötigte die Buchstaben e und r jedoch für die Codierung des Namens Schill-er!

»See von ihrem Blut geröthet«

Wie bereits erwähnt, ist es hier wichtig, dass wir von der Originalschreibweise ausgehen. Denn nur in dieser Schreibweise ist ersichtlich, dass Goethe nach der zweifachen Nennung von Schiller nun auch seinen eigenen Namen eincodierte.

 

1) see von ihrem blut geroethet -> Goethe

Die verbleibenden Buchstaben, »see von ihrem blut ert«, führen zu Formulierungen wie »Goethe irrte«, »Goethe im Blut«, »Goethe Unehre« usw., die alle zeigen, wie Goethe sich fühlte. Aber keiner dieser Ansätze führt zu einem sinnvollen Satz. Es bleiben immer irgendwelche Buchstaben übrig. Die Lösung lautet:

 

2) see von ihrem blut er t  -> Ehre

3) see von im blut r t -> ist

4) ee von m blut r -> Meer

5) von blut -> von Blut

= Ehre ist Meer von Blut. Goethe

 

Diese letzte Zeile unterschreibt Goethe mit seinem Namen! Er sagt, dass seine Ehre mit einem »Meer von Blut« verbunden ist, denn die Ermordung Schillers war nicht der einzige Mord in diesen Kreisen. Goethe war durch seine Schwüre mit »Blut« und »Seele« an Schweige- und Treuegelübde gebunden, weshalb er zeit seines Lebens schwieg und verfügte, dass Faust II erst nach seinem Tod veröffentlicht werden dürfe. Dennoch wollte er sein Geheimnis nicht mit ins Grab nehmen, weshalb er diese genial codierte Zeitbombe schuf, die er mit dem Titel jenes berühmten Gedichtes markierte, in dem Schiller die feige Ermordung eines Dichters beschrieb. Deutlicher konnte Goethe nicht mehr auf das Versteck seiner Anagrammbotschaft hinweisen. Aber das ist noch nicht alles!

 

Nannte Goethe auch die Täter?

Nachdem ich diese Zeilen entschlüsselt hatte, fragte ich mich, ob Goethe nicht auch irgendwo die Täter genannt hat. Immerhin nannte er zweimal den Namen Schiller, in der letzten Zeile unterschrieb er mit seinem eigenen Namen, und er nannte sogar das Gift, das verwendet wurde. Also schaute ich mir diese Zeilen nochmals an. Ich suchte in den nachfolgenden Zeilen, fand aber nichts. So kehrte ich zu den ersten sechs Zeilen zurück. War Goethe so genial gewesen, dass er irgendwo noch eine zweite Verschlüsselung eingebaut hatte? Zuzutrauen wäre es ihm. Immerhin war er eines der größten Sprachgenies der Welt.

Goethe hatte den Namen des Giftes erwähnt, also hätte er nicht nochmals auf das »Gift« hinweisen müssen. Ich betrachtete deshalb die »Gift«-Zeile nochmals. Wenn man bei dieser vierten Zeile mit dem naheliegenden Wort »Gift« beginnt, findet man nach einigem Suchen eine erstaunliche und eindeutige Formulierung und gibt sich zufrieden. Aber die Entschlüsselung mit »Gift« tarnt die zweite Entschlüsselungsmöglichkeit! Wenn wir bei dieser vierten Zeile nicht vom offensichtlichen Wort »Gift« ausgehen, finden wir ein weiteres Schlüsselwort: den Hinweis auf die Täter!

1) dringt herauf zu unsern hoehn  -> Herzog

Herzog Carl August war Mitglied der damaligen Geheimgesellschaften. Er hatte anscheinend die Planung der Ermordung Schillers übernommen, und sein Leibarzt Dr. Huschke führte – in passender Abwesenheit von Schillers Leibarzt – den Auftrag aus. (Der Herzog reiste damals mit seinem Hofstaat an die Messe in Leipzig und sandte eine persönliche Einladung an Schillers Arzt, während er seinen eigenen Leibarzt, Dr. Huschke, in Weimar zurückließ.)

Schillers erster Zusammenbruch erfolgte am Abend des 1. Mai, was wohl kaum ein Zufall war, denn der 1. Mai ist der Jahrestag der Gründung des Illuminatenordens im Jahr 1776. (Es ist zu vermuten, dass Schiller an seinem Theaterlogensitz ein Getränk mit einer ersten Dosis Aconit bekam; sein Tod musste wie ein gestaffelter Krankheitsanfall aussehen.) Goethe schwört in seinen Ibykus-Zeilen »ewige Feindschaft dieser Brut«! Wir müssen also damit rechnen, dass er in der Verschlüsselung ebenfalls harte Worte verwendet. Und tatsächlich führt auch der Schlüssel mit »Herzog« zu einer codierten Formulierung.

2) drin t auf u unsern h ehn  -> Unehr

3) din t auf u sern h n  -> sinnt auf

4) d u er h n -> er Hund

= Hund-Herzog: er sinnt auf Unehr’

 

»Hund« ist ein Schimpfwort, aber vor allem auch der Name einer zentralen Figur der deutschen Freimaurerei: Freiherr Karl Gotthelf Hund (1722–1776), der Gründer der »Strikten Observanz«. Man sprach damals von der Hund’schen Freimaurerei, die eine von mehreren Freimaurerlinien war. Welcher Linie gehörte Herzog Carl August an? Schauen Sie in der Internet-Enzyklopädie wikipedia nach! Dort steht als offenes Geheimnis: »Am 5. Februar 1782 wurde er in der Loge Amalia in Weimar Freimaurer und im Dezember desselben Jahres unter dem Namen ›a Falcone albo‹ Ritter der Strikten Observanz. Auf sein Bestreben hin wurde die seit 1782 ruhende Weimarer Loge 1808 wiedereröffnet. Am 10. Februar 1783 trat er dem Illuminatenorden mit dem Namen ›Aeschylus‹ bei und stieg in ihm bis zum ›Regenten‹ auf. […] Carl Augusts jüngerer Bruder Friedrich Ferdinand Konstantin, Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach (1758–1793), wurde durch die Bestrebungen seines Bruders Mitglied der Illuminaten.«

Mit diesem Text sind wir (über das Stichwort »Strikte Observanz«) nur einen Klick vom Namen des Gründers »Hund« entfernt. Carl August gehörte also dieser »Hund«-Linie an, genauso wie Goethe es in seine Anagrammzeile eincodierte!

Herzog Carl August hatte mit seiner Frau Luise sieben Kinder, von denen zwei bei der Geburt starben. Des Weiteren erfahren wir aus dem wikipedia-Text: »Mit der Schauspielerin Karoline Jagemann hatte er ein außereheliches Verhältnis, aus der der 1806 geborene Sohn Karl von Heygendorff hervorging. Weiterhin soll er Vater von mindestens 38 unehelich geborenen Kindern gewesen sein. Unter anderem wird ihm eine Affäre mit der Salonière Henriette von Crayen nachgesagt.« Mindestens 38 uneheliche Kinder!!?? Wer mit einem solchen Lebenswandel in der damaligen Zeit bis zum Lebensende Herzog bleiben konnte, musste über gute Verbindungen verfügen und unter einem »höheren« Schutz stehen …

 

»Mordgeschrei und Sterbeklagen«

Kehren wir zurück zur ersten Zeile. Wie ich bereits erwähnte, war für Goethe die Anagrammbotschaft, an der er viele Jahre lang geknobelt hatte, kein »Geschrei«. »Mordgeschrei und Sterbeklagen«, diese Formulierung schreit danach, dass man sie ebenfalls auf eine Anagrammkonstruktion hin untersucht. Wir haben es hier mit einem Titel zu tun, was bedeutet, dass wir nach einer Schlagzeilenformulierung suchen müssen. Goethes Zeilen stellen eine Klage im Sinn einer Klageschrift und Anklage dar. Das Wort »Klage« dürfte deshalb auch in der verborgenen Wortkombination vorkommen:

 

1) mordgeschrei und sterbeklagen -> Klage

Das nächste Wort, das ins Auge sticht, ist »Schergen«, das sind gedungene Mörder und Ausführende.

2) mordgeschrei und sterben -> Schergen

3) mordi und sterbe -> Bund

4) mordi stere -> Morde

 

Die letzten Buchstaben ister stellen den alten Namen für die Donau dar (Hölderlin schrieb ein berühmtes Gedicht mit der Überschrift Der Ister), doch dies ist hier eine falsche Spur. Die Buchstaben i-s-t-e-r lassen sich zu »Stier« umformen, was zum passenden Wort »Stier-Bund« führt. Der Illuminatenorden wurde am 1. Mai gegründet, im Sternbild des Stieres! Die Ermordung Schillers fand ebenfalls im Sternbild des Stieres statt, und der Stier wurde vom Sagengott Mithras als Opfertier rituell getötet. Die Zeile »Mordgeschrei und Sterbeklagen« lässt sich also in einem perfekten Anagramm umformulieren und ergibt die Schlagzeile »Klage, Schergen, Stierbund-Morde«.

Die Entschlüsselung dieses Anagramms ist schwierig, weil sich verschiedenste Wortkombinationen und Lösungswege eröffnen. Ich fand die Lösung erst, als ich erkannte, dass diese relativ einfache Zeile zwei Aussagen enthält: eine Schlagzeile und eine verborgene, persönliche. Solange ich bei der Lösungssuche beide Varianten vermischte, wie ich das anfänglich getan hatte, fand ich keine der beiden verborgenen Formulierungen.

1) mordgeschrei und sterbeklagen -> Mord

2) geschrei und sterbeklagen -> ich klage

3) gesre und sterben -> und sterbe

4) gesre n -> gerne + s

 

Das verbleibende s passt zu »ich klage« und ergibt »ich klag’ es«. Dies ergibt als Lösung: »Mord: ich klag’ es und sterbe gerne.« Goethe war zu diesem Zeitpunkt achtzig Jahre alt und litt zunehmend unter seinem schlechten Gewissen. Er stand unter mehreren Schweigegelübden und war den entsprechenden Institutionen und Visionen verpflichtet. Dennoch wollte er sein dunkelstes Geheimnis (sein Mitwissen um die Ermordung Schillers) nicht einfach mit ins Grab nehmen, weshalb er diese – erst jetzt, 180 Jahre später, entdeckte – Angrammbotschaft konstruierte. Auf diese Weise konnte er seine Schwüre einhalten und das Geheimnis dennoch an die Zukunft weitergegeben. Nachdem ihm diese genialen Anagrammkonstruktionen gelungen waren, fühlte er sich erleichtert und konnte mehr oder weniger ruhig sterben. »Mord: ich klag’ es und sterbe [jetzt, nach meiner geheimen Beichte] gerne.«

 

Goethes Anagramme im »Faust II« – eine Sensation der Weltliteratur

 

Die Kraniche des Ibykus:

Mordgeschrei und Sterbeklagen,

Aengstlich Flügelflatterschlagen!

Welch ein Aechzen, welch Gestöhn

Dringt herauf zu unsern Höhn!

Alle sind sie schon ertödtet,

See von ihrem Blut geröthet […]

 

Fazit: »Die Kraniche des Ibykus« sind ein direkter Hinweis auf Schiller und auf die Ermordung eines Dichters, und diese sechs Zeilen lassen sich allesamt sinnvoll umformulieren, und zwar immer mit einer Aussage zum selben Thema (Ermordung Schillers). Zweimal kommt der Name »Schiller« vor, und zwei Zeilen enthalten sogar eine doppelte Bedeutung, jede mit direktem Bezug zu Schillers Tod! Diese Zeilen unterschreibt Goethe in der Schlusszeile mit seinem eigenen Namen. All diese Faktoren zusammengenommen, führen zum Schluss, dass hier eine bewusste Anagrammkonstruktion vorliegt, verfasst vom Sprachgenie Goethe in den späten Jahren seines Lebens. Im Gesamttext lautet seine verschlüsselte Botschaft wie folgt:

 

Klage, Schergen, Stierbund-Morde

Fatalstat: Engelfluch gegen Schiller. / Welche Aconit gesehn, wehlechzen. / Gift: er ohn’ Herz und Urnenhaus (»Hund«-Herzog, er sinnt auf Unehr’); / so töteten sie da Schillern. / Ehre ist Meer von Blut. Goethe

 

(Zweite versteckte Bedeutung der ersten Zeile: »Mord: ich klag’ es und sterbe gerne.«)

 

Anagrammsätze sind keine Zufälle

Nochmals möchte ich betonen, dass die Anagramme, die in diesen sechs aufeinanderfolgenden Zeilen enthalten sind, nur schwerlich einem Zufall entspringen. Dies zeigt sich auch, wenn wir die Zeilen, die auf die letzte Zeile (»See von ihrem Blut geröthet«) folgen, betrachten: »Missgestaltete Begierde / Raubt des Reihers edle Zierde« bis hin zu »Keiner spare Kraft und Blut, / Ewige Feindschaft dieser Brut!« Versuchen Sie, dort verborgene Anagrammbotschaften zu finden! Wir können jede dieser Zeilen drehen und wenden, wie wir wollen, wir finden keine sinnvolle Buchstabenumstellung, so wie sie in den ersten sechs Zeilen zu finden sind. Der Grund hierfür ist einfach: Goethe hatte nach der Zeile mit seiner eincodierten Unterschrift nichts Weiteres mehr konstruiert und in diesen Zeilen nichts mehr verborgen.

 

Quellen und weiterführende Publikationen

Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie zweyter Theil in fünf Acten – Vollendet im Sommer 1831, in: Goethe’s Werke – Vollständige Ausgabe letzter Hand, Band 41, Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta’schen Buchhandlung 1833. (Neu veröffentlicht in: Bibliothek der Erstausgaben, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997)

 

Originalartikel von Armin Risi zur Entschlüsselung der Goethe-Botschaft in der Zeitschrift mysteries (1/2011)

Online-Ergänzungsartikel von Armin Risi (Teil 1)

Online-Ergänzungsartikel von Armin Risi (Teil 2)

 

Henning Fikentscher: Zur Ermordung Friedrich Schillers – Der heutige Stand der Forschung über Friedrich Schillers sterbliche Reste und die Ursachen seines Todes, 1990, Viöl 2000

 

 


 

 

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