Saturday, 1. November 2014
02.07.2011
 
 

»Töten auf Tschechisch«

Michael Grandt

Rund drei Millionen Sudetendeutsche wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben. Hass und Rachegefühle entluden sich. 20.000 bis 30.000 von ihnen, meist Alte, Kinder und Frauen, wurden zum Teil bestialisch ermordet. Manche Historiker sprechen sogar von über 200.000. Der Kopp Verlag gibt erstmals in Deutschland die vollständige und ungekürzte Fassung des umstrittenen und viel diskutierten Filmes heraus.

Der ambitionierte Amateurfilmer und Bauingenieur Jiří Chmelíček wollte mit seiner 8-Milimeter-Kamera im Mai 1945 eigentlich die Geburtstagsfeier seiner Tochter dokumentieren, als vor seinem Haus eine Massenhinrichtung stattfand. Er filmte die Szene und so entstand das bisher einzige Filmdokument über das Massaker tschechoslowakischer Milizen nach Kriegsende an unschuldigen

deutschen Zivilisten. Chmelíček vergrub die Aufnahmen im Garten, damit der Geheimdienst und die Polizei sie nicht finden konnten. Dort blieben sie auch, bis er 1989 starb.

Erst Jahre später gab Helena Dvorackova den Film ihres Vaters an den Historiker Karel Čáslavský weiter, um ihn zu veröffentlichen. Doch dieser hielt die Aufnahmen fast zehn Jahre lang zurück, weil er die öffentliche Reaktion fürchtete. Erst als Regisseur David Vondracek, der selbst deutschstämmige Wurzeln hat, darauf aufmerksam wurde, kam der Film in die Öffentlichkeit.

Seither sorgen die Aufnahmen für große Aufregung und Zorn. Denn erstmals wurden Deutsche als Opfer eines grausamen Massakers zur besten Sendezeit im tschechischen Staatsfernsehen gezeigt. Anders als hierzulande war dies in Tschechien bis dahin ein absolutes Tabuthema. Eine Sequenz des Filmes Töten auf Tschechisch schildert die grausame Hinrichtung von über 40 deutschen Zivilisten, die zwei Tage nach Ende des Zweiten Weltkrieges, am 10. Mai 1945, im Prager Bezirk Borislavka auf der Straße Bořislavce Kladno erschossen wurden. Zuvor waren sie mit Peitschen und Gewehrkolben durch die Straßen getrieben worden. Es war wie auf einem Volksfest: lachende Menschen, angetrunkene Männer; Frauen und Kinder, die zusahen, wie die hilflose Horde der Deutschen wie Vieh angetrieben und dann erschossen wurde. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen haben es in sich:

Unschuldige Menschen werden von Soldaten brutal geprügelt. Männer und Frauen müssen auf der Straße knien. Was geht wohl in dem Kopf des Mannes im weißen Hemd und breiten Hosenträgern vor, als er um sich herum schon Menschen in einer Blutlache liegen sieht? Einem Kleinkind wird ein Tuch über den Kopf gestülpt, um es dann zu erschießen. 42 anderen Deutschen blüht das gleiche Schicksal. Am Straßenrand liegen bereits erschossene Leichen. Ein Militärfahrzeug fährt über die Körper und erfasst auch einen alten Mann, der kniend zwischen Leichen betet.

Der Hauptteil in Vondraceks Film Töten auf Tschechisch handelt von einem anderen Massenmord an Deutschen, dem im nordböhmischen Postoloprty, dem früheren Postelberg. Im Juni 1945 wurden dort mehr als 760 wehrlose Männer ermordet, die zuvor selbst ihre Gräber ausheben mussten. Erst 65 Jahre später wurde dort ein Mahnmal errichtet. Zuvor wurde heftig darum gestritten. Manch einer glaubt bis heute, dass es dieses Massaker gar nicht gegeben hat, sondern eine »sudetendeutsche Propaganda« sei. Doch einige Zeitzeugen leben dort heute noch. Die hat Vondracek besucht und interviewt.

Peter Klepsch, der Augenzeuge am Massaker an fünf deutschen Jungen war, sagte: »Wir haben schon vor dem Krieg einiges erlebt, aber das war die Wehrlosigkeit, die absolute Auslieferung an Gewalt ohne Schuldbewusstsein.«

Ottokar Löbl, der Vorsitzende des Fördervereins der Stadt Saaz/Žatec, schreibt: »Die ganzen Aktionen wurden von den tschechischen und sowjetischen Geheimdiensten geplant und organisiert, um das Terrain von Deutschen zu säubern und so vollendete Tatsachen für die Potsdamer Konferenz zu schaffen. Durchgeführt wurden diese Säuberungen von der regulären Volksarmee unter General Svoboda und mithilfe der Revolutionsgarden, die Hilfseinheiten der Armee waren. Es war nämlich kein Ausbruch des Volkszorns, sondern der erste Akt der neuen Staatsmacht (…). Es verbleibt die kollektive Verantwortung, so wie (bei) der deutschen Nation. Denn jede Nation ist kollektiv verantwortlich für die Untaten und Verbrechen, die aus ihr hervorgehen.«

Nicht nur deshalb wurde und wird der Film bis heute sehr emotional diskutiert. Man sprach sogar davon, dass das Filmmaterial »gefälscht« sei. Andere wiederum vertreten die Auffassung, dass diese Gräueltaten nicht die Tschechen zu verantworten gehabt hätten, sondern russische Soldaten. Aber dies ist eindeutig widerlegt. Dennoch war und ist immer wieder das Argument zu hören, dass dies die verdiente Strafe dafür sei, was die Deutschen den Tschechen angetan hätten.

Doch allen Verdrängungen und Verbiegungen zum Trotz zeigt der Film Töten auf Tschechisch mit drastischen Bildern, dass auch die Tschechen unschuldigen Frauen und Kindern Schreckliches angetan haben. Oder wie soll man sich sonst erklären, dass sich die Regierung in Prag 1997 in einer »Aussöhnungserklärung« für die »Exzesse« der Tschechen an den Deutschen in der Nachkriegszeit entschuldigte?

__________

Quellen:

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Euro-Krise: Verfalldatum erreicht, die EZB ist pleite
  • Klimawandel: Steht uns eine »Mini-Eiszeit« bevor?
  • Kapitalsicherung: Verdreifacht sich der Goldpreis?
  • Ärztemangel: Die neue medizinische Weltordnung

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Adolf Hitler – »geboren« in Versailles? (9)

Michael Grandt

Der »Friedensvertrag« von Versailles gilt in den Augen politisch korrekter Geschichtswissenschaftler nicht als Grund für Hitlers Aufstieg, sonst könnte ja der Schluss gezogen werden, dass dessen Erfolg durch die unmenschlichen Bedingungen der Alliierten ermöglicht worden wäre, was die gängige Geschichtsschreibung auf den Kopf stellen würde – und  mehr …

Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg (III) – »Nur« Gefreiter?

Michael Grandt

Noch immer ranken sich viele Legenden um Adolf Hitler. Das in Deutschland oft einseitig verzerrte, aber politisch korrekte Bild lässt – anders als im angelsächsischen Raum – jedoch häufig seriöses Quellenstudium missen. Doch 65 Jahre nach Hitlers Tod sollte man auch hierzulande objektiv über ihn berichten können – das sind wir unseren Großeltern,  mehr …

Adolf Hitler: Teufel, Dämon oder schwer misshandeltes Kind?

Michael Grandt

Nur Fachhistoriker wissen, dass Hitler als Kind brutal geschlagen wurde – und halten sich bedeckt. Aber gerade frühkindliche Gewalterfahrungen sind maßgeblich für die spätere Charakterbildung. Darf das, was für andere misshandelte Kinder gilt, aufgrund politischer Korrektheit, für Hitler nicht gelten?  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Tierfutter: Giftmüll in Dosen

Niki Vogt

Haben auch Sie wie viele Millionen andere ein Haustier? Achten Sie auf Ihre Ernährung? Und wie ist es beim Tierfutter? Die Wahrheit lautet: Die Zutaten für unsere Tierfutter würde nicht einmal des Teufels Großmutter in ihrer Höllenküche verwenden. Wenn Sie den nachfolgenden Bericht gelesen haben, dann wissen Sie, wie giftige Chemikalien aus der  mehr …

Kann die US-Notenbank überhaupt die »Quantitative Lockerung« einstellen?

Dr. Paul Craig Roberts

Sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die »Quantitative Lockerung« (QE) [im Kern eine Ausweitung der Geldmenge] einstellen, würde das Vertrauen in den Dollar steigen. Es würde wieder in den USA investiert, und beides würde den amerikanischen Aktienmarkt entlasten und dazu beitragen, das immense amerikanische Haushaltsdefizit zu  mehr …

Sieben überraschende Dinge über Sonnenschutz und Sonnenlicht, die man Ihnen vorenthalten will

Mike Adams

Wenn Sie sich über Sonnenschutzmittel umhören, so werden Ihnen Leute, die von Gesundheitsbehörden und Mainstream-Medien systematisch falsch informiert wurden, wahrscheinlich eine Menge erzählen. Doch was in den üblichen Mainstream-Nachrichtenkanälen über Sonnenschutz berichtet wird, ist in den allermeisten Fällen falsch. Deshalb folgt hier ein  mehr …

Land für Land versucht Monsanto, die weltweite Versorgung mit Saatgut an sich zu reißen

Kaitlyn Moore

Wer über das Saatgut herrscht, der herrscht über die Nahrungsmittelversorgung, und wer über die Nahrungsmittelversorgung herrscht, der beherrscht die Welt. Es steht völlig außer Frage, dass Monsanto entschlossen ist, das Monopol über den Markt für konventionelles Saatgut an sich zu reißen. Tatsächlich verfolgt der Konzern beharrlich das Ziel, eine  mehr …

EMP: der Blitz aus heiterem Himmel

Andreas von Rétyi

Wahrscheinlich haben Sie noch nie von EMP gehört. Jeder kennt Atomkraftwerke und Nuklearwaffen. Viele Fachleute fürchten sich allerdings mehr vor dem elektromagnetischen Puls (EMP), der binnen Sekunden ganze Länder in die Steinzeit zurückbefördern kann.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.