
Vorbemerkung:
Wir sind immer noch massiven Geschichtsverfälschungen ausgesetzt. Das gilt besonders für die Zeit zwischen 1914 und 1945 und speziell für das Dritte Reich. Überaus eifrig damit beschäftigt, uns die »Wahrheit« näherzubringen, ist dabei der mit vielen Auszeichnungen und Preisen geehrte Prof. Dr. Guido Knopp, der zwischenzeitlich fast alle Dokumentationen über die Zeit des Nationalsozialismus, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden, betreut. Aber auch seine Bücher sind überaus erfolgreich, obwohl sie für einen Historiker der wahre Albtraum sind: häufig keine Fußnoten, keine Quellenangaben und Zitate, die einfach so im Raum stehen. Nicht umsonst bemängeln Kritiker, dass die Knopp’sche Geschichtsdarstellung zu oberflächlich sei und die Zusammenhänge stark vereinfacht werden. Doch wie kaum ein anderer Historiker beeinflusst Knopp mit seinen Dokumentationen und Büchern die Meinung der Menschen. Zeit also, ihm und seinen Mainstream-Kollegen auf die Finger zu schauen und ihre Behauptungen unter die Lupe zu nehmen. In unregelmäßigen Abständen werde ich deshalb zu diesem Thema Contents veröffentlichen. Nachdem ich bereits Hitlers Gewalterfahrungen als Kind analysiert habe, folgt nun der Blick auf den Soldaten Hitler und seine Kriegserlebnisse, über die ebenfalls viele Halb- oder Unwahrheiten verbreitet werden.
Ich agiere dabei als Journalist und fühle mich nichts anderem als der objektiven Recherche verpflichtet. Der Leser kann sich so ein eigenes Bild machen. Kritikern sei angeraten, nicht polemisch zu reagieren, sondern die Quellen zu widerlegen.
Der Mainstream-Historiker Guido Knopp beschreibt Hitler als einen »weltfernen Wirrkopf«, einen »seltsamen Kameraden«, der sich beim Gehen schwer tat und nur unbeholfen stehen konnte, ein vom »Ich-Kult« getriebener Mensch mit einem »manischen Zwang zur Selbstdarstellung« (1).
Wie aber beurteilten Hitlers unmittelbare Vorgesetzte dessen Fähigkeiten, Charakter, Moral, Mut und Kameradschaft?
Im Urteil der Vorgesetzten
Max Amann, der als Feldwebel im Ersten Weltkrieg Hitlers Vorgesetzter (2) gewesen war, berichtete: »Er [Hitler] war immer dienstbereit. Wir waren immer drei Tage im Gefechtsstand und drei Tage in Ruhe, und wenn wir im Gefechtsstand waren, mussten die taktischen Befehle sofort expediert werden. Wenn ich da, auch nachts um drei Uhr, hineinkam, lagen ständig ein paar Ordonnanzen bereit und wenn ich rief: ›Ordonnanz‹, hat sich keiner gerührt, nur Hitler ist aufgesprungen. Wenn ich sagte: ›Immer Sie‹, hat er dann gesagt: ›Lassen Sie die anderen schlafen, mir macht es nichts aus.‹ Das Schanzzeug (3) hat er noch umgehängt gehabt, obwohl wir es schon längst weggeworfen hatten. Er war ein guter und eifriger Soldat und hat sich nie vorgedrängt« (4).
Der spätere Regimentskommandeur Oberstleutnant Wilhelm Karl Eugen Maximilian von Baligand sagte als Zeuge vor dem Volksgericht München I aus, weil Hitler in einem Zeitungsartikel fälschlicherweise der Drückebergerei bezichtigt wurde: »Es ist nicht wahr, dass Hitler sich hinten beim Regimentsstab einen Druckposten gesichert hatte. Wenn alle Inhaber solcher Druckposten bei den Stäben so tapfer gewesen wären, wie Hitler es war, dann wäre in den Schützengräben nie ein Hass gegen die Stäbe aufgekommen« (5).
Regimentsadjutant Fritz Wiedemann, der im Nürnberger Prozess später sogar als Zeuge für die Amerikaner aussagte, schilderte Hitler so: »Niemand, der ihn genauer kennt, wird ihm Mut absprechen. Er hat sich im Felde als tapferer, besonders verlässlicher Meldegänger erwiesen, der das EK I wirklich verdient hat und auch mehrfach dazu vorgeschlagen war, bevor er es bekommen hat. Er war das Muster des unbekannten Soldaten, der still und ruhig seine Pflicht tat« (6).
Der spätere Generalmajor a. D. und damalige Regimentskommandeur Friedrich Petz schrieb im Februar 1922: »Hitler war ein äußerst fleißiger, williger, gewissenhafter und pflichtgetreuer Soldat, dabei unbedingt zuverlässig und seinen Vorgesetzten treu ergeben. Er zeigte sich geistig sehr geweckt und körperlich frisch, gewandt und ausdauernd. Besonders hervorzuheben ist sein persönlicher Schneid und der rückhaltlose Mut, mit dem er in gefährlichen Lagen und im Gefecht allen Gefahren entgegengetreten ist. Niemals hat ihn seine eiserne Ruhe und Kaltblütigkeit verlassen. Wenn die Lage am gefährlichsten war, hat er sich freiwillig zu Ordonnanzgängen in die vorderste Linie gemeldet und sie mit bestem Erfolge durchgeführt« (7).
Major Freiherr Anton von Tubeuf, der Hitlers Regiment R.I.R. 16 vom 23. April 1917 bis zum 26. Juli 1918 befehligte, stellte ihm ebenfalls ein gutes Zeugnis aus: »Adolf Hitler hat sich in der Zeit von April 1917 bis August 1918 in meinem Regimentsstab (Bay. Res. Inf. Reg. 16) als Ordonnanz außerordentlich bewährt. Unermüdlich dienst- und hilfsbereit gab es keinen Grund und keine Lage, in der er sich nicht stets freiwillig gemeldet hätte zu den schwierigsten, mühevollsten und gefährlichsten Aufträgen, immer bereit, für andere und für sein Vaterland Ruhe und Leben zu opfern. Er ist mir von den Mannschaften, aber auch menschlich am meisten nahe gekommen, und ich freute mich im Privatgespräch über seine von hervorragender Vaterlandsliebe und anständigster, ehrbarster Gesinnung zeugenden Ansichten. Meine herzlichen Wünsche begleiten ihn für sein Leben« (8).
Der stellvertretende Regimentskommandeur Freiherr von Godin schlug Hitler in seiner Meldung vom 31. Juli 1918 an den Kommandeur der 12. Reserve-Infanterie zur Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse vor: »Hitler ist seit Ausmarsch im Regiment und hat sich in allen mitgemachten Gefechten glänzend bewährt. Als Meldegänger leistete er sowohl im Stellungskrieg als auch im Bewegungskrieg Vorbildliches an Kaltblütigkeit und Schneid und war stets freiwillig bereit, Meldungen in den schwierigsten Lagen unter größter Lebensgefahr durchzubringen. Nach Abreißen aller Verbindungen in schwierigen Gefechtslagen war es der unermüdlichen und opferbereiten Tätigkeit Hitlers zu verdanken, dass wichtige Meldungen trotz aller Schwierigkeiten durchdringen konnten. Hitler erhielt das EK II für tapferes Verhalten in der Schlacht von Wytschaete am 2.12.14. Ich halte Hitler für vollends würdig zur Auszeichnung mit dem EK I« (9).
Fazit:
Zahlreiche Erlebniszeugen, ob Vorgesetzte oder Kameraden, beurteilten Adolf Hitler als zuverlässigen, pflichtbewussten und hilfsbereiten Kameraden, als einen guten Soldaten, der selbst gern Soldat gewesen ist (10).
Auch der Historiker Werner Maser resümiert: »Hitler war während des Ersten Weltkrieges ein tapferer, umsichtiger und kameradschaftlicher Soldat, der an rund fünfzig Schlachten und Gefechten teilnahm« (11).
Alle Anzeichen sprechen also dafür, dass Hitler ein engagierter und gewissenhafter Soldat war, dem es nicht an Kampfesmut mangelte. Seine Kameraden, vor allem die Gruppe der Meldegänger, zollten ihm Respekt und mochten ihn; auch seine Vorgesetzten achteten ihn. Er ordnete sich ohne Widerspruch unter und gab sich selbstlos für seine Kameraden hin.
Hiermit endet die Contentreihe zum Thema »Adolf Hitler und der Erste Weltkrieg«. Die nächste Serie wird sich mit Hitlers Aufstieg befassen.
Michael Grandt beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Geschichte des Dritten Reiches und hat mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, u. a. »Unternehmen Wüste – Hitlers letzte Hoffnung« (2002), das vom Staatsminister in der baden-württembergischen Staatskanzlei präsentiert wurde und für das er im Jahre 2005 vom Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg die Staufer-Medaille für besondere Verdienste für das Land erhielt.
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Quellen:
(1) Vgl.: Guido Knopp: Hitler – Eine Bilanz, München 2005 (Sonderausgabe), S. 41, 96, 106, 108
(2) Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt/M. 2003, S. 14
(3) Bei der Infanterie meist Klappspaten, Hacken oder Beilpicken, Handbeile und Gliedersägen.
(4) Verhör von Max Amann in Nürnberg am 5.11.1947 durch Rudolph L. Pins (Interrogationsbericht Nr. 2210 B), Spruchkammerakt Max Amann, Sonderregistratur S, München (vgl. dazu auch Anton Joachimsthaler: Adolf Hitler – Korrektur einer Biographie, München 1989, S. 127)
(5) Joachimsthaler, S. 156
(6) Wiedemann Papers, Institut für Zeitgeschichte München, MA 149
(7) Zeugnis von Friedrich Petz, vgl.: NSDAP Hauptarchiv, HIMC, File 47, Reel 2
(8) Oberstleutnant a. D. von Tubeuf, Zeugnis vom 20.3.1922 (NSDAP Hauptarchiv, HIMC, File 47, Reel 2)
(9) Hoover Institute on War, Revolution and Peace, Stanford, California, USA, NSDAP Hauptarchiv Microfilm Roll 2, File 47
(10) Joachimsthaler, S. 129
(11) Werner Maser: Hitlers Briefe und Notizen, Graz 2002, S. 52