Tuesday, 24. May 2016
10.01.2016
 
 

Krebsvorsorge: Experten zweifeln am Nutzen und warnen vor Risiken

Andreas von Rétyi

Vorsorge gilt als wesentlicher Pfeiler im Kampf gegen den Krebs. Gerade jetzt verkündete die Amerikanische Krebsgesellschaft, durch Fortschritte in Prävention, Früherkennung und Behandlung sei die Zahl der Krebstode in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Experten erklären nun allerdings: Die Vorsorge habe nie unter Beweis gestellt, Leben im behaupteten Ausmaß gerettet zu haben. Außerdem sollten Patienten umfassender über mögliche Risiken aufgeklärt werden.

 

 

 

Der amerikanische Krebsspezialist Vinay K. Prasad, Assistenzprofessor an der Oregon Health and Science University, hat sich aktuell sehr kritisch zu Vorsorgeuntersuchungen geäußert und damit ein Tabuthema aufgegriffen.

 

Er und seine Kollegen gelangen insgesamt zu beunruhigenden Ergebnissen. So gebe es grundsätzliche Probleme mit der Art und Weise, in der entsprechende Studien durchgeführt werden, was zu unangemessenen Einschätzungen der Sterberaten führe. Hingegen würden die mit Vorsorgeuntersuchungen verbundenen Risiken heruntergespielt. Über diese Gefahren sollten Patienten eigentlich weit mehr erfahren.

 

Bei der Suche nach Prostata- oder Brustkrebs seien häufig »Überdiagnosen« die Folge, so Prasad. Therapeuten entdeckten »Erkrankungen«, die niemals von spürbaren gesundheitlichen Problemen begleitet würden. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse bestätigen auch all jene Kritiker, die schon seit Langem vor dem umstrittenen PSA-Test warnen, wie er standardmäßig zur Vorsorge gegen Prostatakarzinome durchgeführt wird.

 

Prasad und seine Kollegen erklären nun im British Medical Journal (BMJ) völlig unzweideutig: PSA, jenes für den Test genutzte prostataspezifische Antigen, liefere zahlreiche »falsche positive Resultate«. Dies trage »zu mehr als einer Million Prostata-Biopsien jährlich bei«. Außerdem weisen die Forscher nachdrücklich darauf hin: »Prostata-Biopsien sind mit ernstem Leid verbunden, einschließlich Einlieferung ins Krankenhaus und Tod.

 

Darüber hinaus erleiden Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wurde, innerhalb des Jahres nach dessen Diagnose mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Herzattacke oder begehen Selbstmord. Oder aber sie sterben an Komplikationen der Behandlung eines Krebses, der niemals Symptome verursacht hätte.«

 

Die Autoren der Studie verweisen auch auf eine aktuelle kritische Bewertung des weltweiten Cochrane-Netzwerks, die sich ihrerseits auf die PSA-Tests bezieht und keinerlei Reduzierung der spezifischen Todesraten feststellen kann. Gleiche Ergebnisse lieferte auch eine Analyse zur Brustkrebsvorsorge.

 

Die Gruppe um Prasad registriert einen Anteil von über 60 Prozent unzutreffender Positivresultate bei Frauen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren oder länger regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen ließen. Außerdem habe es sich bei einer von jeweils drei Diagnosen eines invasiven Brustkrebses um »Überdiagnosen« gehandelt.

 

Resümierend erklären die Forscher: »Die Öffentlichkeit hat eine überzogene Wahrnehmung des Nutzens sowie eine verminderte Wahrnehmung der Schädigungen durch Mammografien, Gebärmutterhals-Abstrich und PSA-Test.«

 

Natürlich verwahren sich viele Mediziner gegen die Aussagen von Professor Prasad und seiner Koautoren. So hält Anne Mackie vom britischen Gesundheitsministerium entschieden dagegen und erklärt: »Die Krebsvorsorge des Nationalen Gesundheitsdienstes sowie die Folgebehandlungen verhindern, dass Menschen an Krebs sterben, oder zumindest können [die Maßnahmen] den Todeseintritt verzögern.

 

Es gibt eindeutige und belastbare Beweise für den Nutzen von Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen und für die Reduzierung von Todesfällen durch Gebärmutterhalskrebs.« Mackie beruft sich dabei auch auf eine, wie sie betont, unabhängige Studie, der zufolge die Sterblichkeit bei Brustkrebs durch entsprechende Untersuchungen um 20 Prozent gesenkt worden sei.

 

Wie gut sich Statistiken schönen lassen, dürfte als altbekannte Tatsache gelten. Und genau den Umgang mit den Daten sprechen Prasad und seine Kollegen doch als ganz wesentlichen Faktor an. Da scheint sich also die Schlange in den eigenen Schwanz zu beißen.

 

Die größeren Fortschritte dürften  jedenfalls nicht auf dem Gebiet der Therapie gelungen sein, sondern weit mehr bei der Klärung molekularbiologischer Abläufe im Krebsgeschehen sowie insbesondere bei der Entwicklung der Diagnostik. Letztere hat jedoch nicht nur nach Ansicht der Autoren des aktuellen BMJ-Beitrags mittlerweile einen kritischen Grad erreicht, der geradezu zwingend zu Überdiagnosen führt.

 

Und so lassen sich heute bei jedem Menschen »Krankheiten« finden, obwohl diese »Patienten« nach herkömmlichen Maßstäben bemessen völlig gesund sind. In der Konsequenz finden präventive Eingriffe statt, um gar nicht so selten die Lebensqualität eines Menschen unnötigerweise massiv zu beeinträchtigen. Bei wirklich an Krebs erkrankten Patienten verlängert sich unter traditioneller Therapie dann mit der Lebensspanne ebenso auch die Leidensspanne.

 

Dadurch relativiert sich die so positiv klingende Anmerkung Anne Mackies für viele Menschen sehr stark. Ein vorsichtiger Umgang mit den modernen diagnostischen Möglichkeiten dürfte durchaus angebracht sein. Und das wollen Professor Prasad und seine Kollegen klar zu bedenken geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

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