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Rosenberg stellt dann die Frage:
»Warum ist Lipitor das meistverkaufte Medikament weltweit? Weil jeder Erwachsene mit einem hohen LDL-Wert [LDL ist ein Protein, das Cholesterin durch den Körper transportiert] oder der Befürchtung steigender LDL-Werte Statine einnimmt. (Hinzu kommen 2,8 Millionen Kinder, wie die
Verbraucherschutz-Internetseite Consumer Reports berichtet.) Niemand kann behaupten, Statine schützten Hochrisiko-Patienten nicht vor Herzerkrankungen (obwohl eine Veränderung der Ernährungsweise und mehr Bewegung auch in Hochrisikogruppen Erfolge aufweist). Aber zahlreiche Ärzte weisen darauf hin, dass Statine so übermäßig verschrieben werden, dass immer mehr Patienten unter den Nebenwirkungen wie Schwächezuständen, Schwindelanfällen, Schmerzen und Arthritis leiden und die eigentlich beabsichtige Wirkung, die Vermeidung von Herzinfarkten, in den Hintergrund tritt. Schlimmer ist noch, dass die Nebenwirkungen manchmal auf den Alterungsprozess geschoben werden.
›Meine älteren Patienten müssen oft auf Lebensmittel verzichten, damit sie sich diese Medikamente leisten können, die sie dann kränker machen, ihre Stimmungslage negativ beeinflussen und nichts dazu beitragen, ihr Leben lebenswerter zu machen‹, heißt es auf einem Internetplakat von Augenärzten aus dem US-Bundesstaat Tennessee. ›Die Behandlung älterer Menschen mit Medikamenten, die 230 Euro und mehr im Monat kosten, erhebliche Nebenwirkungen aufweisen und deren Wechselwirkung mit vielen anderen Wirkstoffen unbekannt ist, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.‹ Welche Art von Nebenwirkungen? Alle Statine können Muskelgewebe zerstören (dies nennt man Rhabdomyolyse). In Kombination mit Antibiotika, Proteaseinhibitoren (hemmen den Abbau von Proteinen) und Fungizide steigen die Risiken noch. Crestor wird in so hohem Maß mit Rhabdomyolyse in Zusammenhang gebracht, dass es schon mehrfach scharf kritisiert wurde: Die Verbraucherschutzorganisation Public Citizen rät von der Einnahme ab, und David Graham von der für die Zulassung von Arzneimitteln zuständige US-amerikanischen Behörde FDA bezeichnete Crestor vor dem Kongress als eines der fünf gefährlichsten Medikamente.«
Den vollständigen Artikel von Martha Rosenberg finden Sie hier.
Statine und Athleten
Rosenberg zeigt deutlich, cholesterinsenkende Medikamente werden nicht nur Männern mit »hohen Cholesterinwerten«, die als Hochrisiko-Gruppe gelten, sondern auch Frauen (bisher konnten keinerlei positive Wirkungen dieser Medikamente bei ihnen nachgewiesen werden), gesunden Sportlern und sogar Kindern (das ist wirklich eine Schande) verschrieben.
Eine Studie aus dem Jahr 2004 berichtete, 22 führenden österreichischen Profisportlern seien aufgrund hoher Cholesterinspiegel im familiären Umfeld Statine verschrieben worden; bei allen sei es zu Muskelerkrankungen gekommen. Nach und nach wurden alle Statine »durchprobiert«, nur bei sechs Personen (20 Prozent) fand sich zum Schluss ein verträgliches Statin. (1)
In der Oktober-November-Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift Primary Care Cardiovascular
Journal erschien eine Untersuchung, die darauf hindeutet, dass durch Statine hervorgerufene Myopathie weitaus häufiger auftritt, als von den Pharmakonzernen und Vertretern des Gesundheitssystems immer behauptet wurde. Die Wissenschaftler untersuchten die Patientenakten von 8.000 behandelten Personen und stießen dabei nur auf einen berichteten Fall, bei dem es zu Muskelsymptomen im Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen gekommen sei. Bei der Befragung von 96 zufällig ausgewählten Patienten, die Statine einnahmen, änderte sich das Bild: Sie fanden 19 Fälle, bei denen es möglicherweise zu Muskelschädigungen gekommen war. (2)
Aber nicht nur das Muskel-Skelett-System des menschlichen Körpers wird von Statinen möglicherweise geschädigt. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich zahlreiche Fälle sexueller Dysfunktion, die durch Statine ausgelöst wurden. (3–5)
Ich bin kein Arzt und kann Ihnen daher keinen medizinischen Rat erteilen. Ich will nur deutlich machen, dass Ärzte in einer idealen Welt mit der wissenschaftliche Literatur Schritt halten und das Wissen aus erster Hand, wie es sich aus den vorliegenden klinisch kontrollierten Daten ergibt, bei ihren Verschreibungen anwenden, statt der einseitigen und oft schlichtweg falschen Propaganda der Pharmakonzerne zu folgen. In einer solchen Welt würden Statine als eine Art Frankenstein-Medikament angesehen, zu dem niemand, der bei Verstand ist, Zuflucht nähme, zumal es weitaus weniger giftige alternative Behandlungsmethoden gibt, über die die folgende, keineswegs vollständige Auflistung Aufschluss gibt: Verringerung des Eisenwertes (das ist das Wichtigste, was jemand zur Verringerung seines Risikos koronarer Herzerkrankungen tun kann), Stressvermeidung, optimale Kontrolle der Blutzuckerwerte, körperliche Ertüchtigung, nährstoffreiche Kost und vernünftige Einnahme wichtiger Nahrungsergänzungsmittel wie langkettige essenzielle Omega-3-Fettsäuren, dem Coenzym Q10, L-Carnitin, Magnesium, Vitamin D u.a.
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Anmerkungen:
(1) Sinzinger, H., O’Grady, J.: »Professional athletes suffering from familial hypercholesterolaemia rarely tolerate statin treatment because of muscular problems«, in: British Journal of Clinical Pharmacology, 2004; 57 (4), S. 525–528.
(2) Sciberras, D., et al.: »Is general practice the optimal setting for the recognition of statin-induced myotoxicity?«, in: Primary Care cardiovascular Journal, Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009; 2, S. 195–200, im Internet unter: http://www.pccj.eu/pdf/3436/Vol2_Num4_October-November-December_2009_p195-200.pdf?sid=cec4fa03a67dcb01.
(3) Azzarito, C., Boiardi, L., Vergoni, W., Zini, M., Portioli, I.: »Testicular function in hypercholesterolemic male patients during prolonged simvastatin treatment«, in: Hormone and Metabolic Research, 1996; Nr. 28, S. 193–198.
(4) Dobs, A. S., Schrott, H., Davidson, M. H., et al.: »Effects of high-dose simvastatin on adrenal and gonadal steroidogenesis in men with hypercholesterolemia«, in: Metabolism, 2000; 49: S. 1234–1238.
(5) Farnsworth, W. H., et al.: »Testicular function in type II hyperlipoproteinemic patients treated with lovastatin (mevinolin) or neomycin«, in: Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 1987; 65, S. 546–549.
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