
Wer abnehmen will, der sollte seinen Stoffwechsel auf Trab bringen, sagt Hildegard: Je besser der Körper die aufgenommene Nahrung verbrennt, desto leichter nimmt er ab. Laut der Äbtissin, die ihre
Informationen zu Gesundheit, Ernährung und froher Psyche einst, vor fast neunhundert Jahren, aus dem Licht erhielt, helfen hierbei ganz besonders effektiv die Bitterstoffe in unserer Nahrung.
Leider haben wir diese wichtigen Bestandteile, die zu jeder gesunden Ernährung gehören, nahezu komplett aus unserem »modernen« Essen verbannt. Früher hatte das Gemüse, beispielsweise Karotten, Chicorée, Radicchio, Spargel, Rosenkohl, erheblich mehr von diesen Bitterstoffen. Auch verzehrten unsere Vorfahren viel häufiger notwendige, herzhafte Wildkräuter wie zum Beispiel Ampfer, Brennnesseln, Löwenzahn oder Wasserlinsen, Beifuß, Bohnenkraut, Galgant, Ingwer, Ringelblume, Scharfgarbe, Tausendgüldenkraut oder Wermutkraut. Doch da Bitterstoffe nicht jedermanns Sache sind und da man diese nicht einfach gedankenlos in sich hineinstopft, züchtete die Agrarindustrie sie, wie ebenso die wichtigen Vitamine, Stück für Stück aus der Pflanzenkost, vornehmlich aus den gängigen Salat- und Gemüsesorten, heraus.
Ein fataler Fehler, wie sich nun herausstellt. Denn erstens wirken die Bitterstoffe als natürliche Appetithemmer: Nahrung, die nur wohlschmeckt, lieblich und süß im Geschmack, verleitet viel eher zur Völlerei. Und so müssen nun jene Menschen, die wie wir in den »entbitterten« Industrienationen leben, viel häufiger gegen das lästige Übergewicht kämpfen als »weniger entwickelte Kulturen«, die sich noch weitaus natürlicher ernähren. Auch in der Ayurveda-Heilkunde spielen die Bitterstoffe eine entscheidende Rolle.
Unser Körper liebt Bitterstoffe. Er braucht sie, um gesund zu bleiben. Sie regen den Speichelfluss und die Sekretion von Magensäften an, darüber hinaus aktivieren sie die Verdauungsdrüsen wie Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Wie wir wissen, beginnt die Verdauung bereits mit dem Speichelfluss im Mund. Dieser ermöglicht eine gute Zerkleinerung, durch die enzymische Speichelbeigabe des so genannten Ptyalins beginnt hier bereits die Aufspaltung der Kohlehydrate
in Zucker. Umgangssprachlich spricht man beim Ptyalin vom »Stärke abbauenden Enzym« im Speichel: Wer zum Beispiel lange genug trockenes Brot kaut, wird den süßen Geschmack feststellen. Mit den Bitterstoffen erleichtern wir also den ersten Verdauungsschritt enorm, denn auf diese Weise wird die Nahrung bereits im Mund auf die nächsten Arbeitsprozesse des Körpers vorbereitet.
Die notwendigen Bitterstoffe sind also ganz natürliche und wichtige Schlankmacher, die übrigens auch wirklich den Heißhunger auf Süßes reglementieren. Doch woher nehmen und nicht stehlen, wenn unsere Lebensmittel diese wichtigen Enzyme kaum noch enthalten, weil geldsüchtige Lebensmittelriesen sie »zugunsten« eines angenehmeren Geschmacks praktisch beseitigten und durch chemische Aroma- und Geschmacksverstärkerstoffe in Fast Food und Fertiggerichten ersetzten?
Eine gute Möglichkeit bietet sich jetzt. So kann jeder die genannten Wildkräuter selbst ziehen, sowohl auf dem Fenstersims als auch auf dem Balkon oder bestenfalls sogar im eigenen Garten. Dafür wäre in diesen Tagen genau der richtige Zeitpunkt, denn mit der Aussaat beginnt man im Frühjahr. In jedem Gartengeschäft erhält man die passenden Gerätschaften dafür, die das Keimen erleichtern. Auf dem Portal Kräuterallerlei findet man zum Beispiel gute Tipps, welche Voraussetzungen für die fachgerechte Wildkräuterzucht erforderlich sind. So heißt es dort unter anderem: »Am besten eignen sich Saatschalen, die wie Minigewächshäuser funktionieren, weil sie mit Plastik abgedeckt werden können«.
Alle weiteren Schritte für eine Auspflanzung finden sich dort, ebenso erhält der interessierte Hobbykräutergärtner Hinweise, welche Pflanzen er verwenden sollte. Weitere Informationen dazu gibt es hier oder hier, das Internet ist voll mit wertvollen Hinweisen.
Um ehrlich zu sein habe ich mir die Sache dieses Mal etwas einfacher gemacht: Denn es gibt von Hildegard von Bingen die wunderbare und schon fertige Bitterkraft. Davon nimmt man täglich zwei
bis dreimal einen Teelöffel vor dem Essen pur oder mit Wasser verdünnt ein und lässt dies ein wenig auf der Zunge zergehen. Auch wenn es ein wenig bitter schmeckt, es ist wirklich gut auszuhalten. Wer sich dabei vorstellt, wie diese Bitterstoffe sofort beginnen, den Stoffwechsel des Körpers anzukurbeln, der kann der täglichen Einnahme sogar mit Vorfreude begegnen und auf diese Weise den Prozess sicherlich noch verstärken und beschleunigen. Denn der Glaube hat bekanntlich schon ganze Gebirgsmassive versetzt.
Und wenn Rock- oder Hosenbund dann wieder angenehm locker sitzen und wir zufrieden an jedem Spiegel vorbeigehen können, dann kann auch der Sommer gerne kommen. Selbstverständlich hilft zusätzlich regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, und kleine Portionen Fleisch oder Fisch.
Die Bitterkraft wirkt übrigens schnell und effektiv. Sie zügelt tatsächlich sogleich den Appetit, die wirksame Verbrennung tut ihr Übriges. Wer also ein paar Kilo abnehmen möchte, der sollte so schnell wie möglich beginnen. Und nicht erst, wenn wir vor der nächsten Bundespräsidentenwahl stehen. Auch wenn wir jetzt wissen, dass diese manchmal schneller kommen kann, als man sich das je wünschen mag.
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