Monday, 26. September 2016
01.09.2013
 
 

China droht eine echte Bevölkerungskrise

F. William Engdahl

Der Volksrepublik China droht eine Bevölkerungskrise, wie es sie in der jüngeren Geschichte noch nie gegeben hat. Doch es ist keine Überbevölkerungskrise, sondern vielmehr die langfristige Folge der Ein-Kind-Politik, die 1979 in China eingeführt wurde. Die schlägt nun dramatisch auf die gesellschaftliche Struktur und das Wohlergehen der chinesischen Bevölkerung zurück. Schlimmer noch wiegt die Tatsache, dass diese Krise bereits vor mehr als 30 Jahren absehbar war.

Als China in den 1970er Jahren mit der Einführung des westlichen Modells von Marktanreizen in der Landwirtschaft und anderen Sektoren zu experimentieren begann, verkündigte die Regierung die obligatorische Ein-Kind-Politik zur Reduzierung der Bevölkerung. Zu Beginn der chinesischen Revolution nach Maos Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 war das Bevölkerungswachstum

explodiert, zum Teil ermuntert durch Maos Überzeugung, Arbeitskräfte im Überfluss seien der Schlüssel zu einer wachsenden Wirtschaft. Die Bevölkerung wuchs von 540 Millionen im Jahr 1949 auf 940 Millionen 1976. 1979 unternahm Deng Xiaoping dann erste vorsichtige Schritte in Richtung auf eine so genannte »sozialistische Marktwirtschaft«.

 

Deng öffnete China für ausländische Investitionen, für den Weltmarkt und begrenzten privaten Wettbewerb. In der Überzeugung, ein Abbremsen des schnellen Bevölkerungswachstums in China werde helfen, den Lebensstandard für die Masse der Bevölkerung zu erhöhen, führte Deng die Ein-Kind-Politik ein, wie es heißt, auf Anraten von Rockefellers Organisation Population Council.

 

Von 1970 bis 2009 sank die allgemeine Fruchtbarkeitsrate in China von 5,9 auf 1,6 Geburten pro Frau. Eine Fruchtbarkeitsrate von 2,3 bedeutet, abhängig von der Sterberate, ein Null-Bevölkerungswachstum. Heute, wo der Staat immer noch zögert, tief greifende Änderungen der Ein-Kind-Politik vorzunehmen, zeigen die demografischen Trends, die vor 30 Jahren in Gang gesetzt wurden, erste wirtschaftliche Folgen. Zum einen erkennt die Generation, die jetzt das Rentenalter erreicht, dass es dramatisch weniger junge Menschen gibt, die ihre Altersversorgung sichern, und zum anderen ist die durchschnittliche Lebenserwartung in China im gleichen Zeitraum drastisch gestiegen.

 

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht des chinesischen Bildungsministeriums heißt es, in den zehn Jahren von 2002 bis 2012 sei die Zahl der Schulanfänger um 20 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig droht China nach einem Bericht der staatlichen Zeitung People’s Daily eine enorme Überalterung. Die Zahl der älteren Menschen wird sich von 194 Millionen im Jahr 2012 auf 300 Millionen im Jahr 2025 erhöhen, das ist ein Zuwachs von 50 Prozent in gut zehn Jahren. Es bedeutet, dass immer mehr Menschen von staatlichen Renten und der Fürsorge ihrer Kinder abhängig werden, während die Zahl der Kinder aufgrund der niedrigen Geburtenrate dramatisch schrumpft.

 

Die Regierung berät über Maßnahmen, um die Krise abzufedern. Eine solche Maßnahme wäre die Erhöhung des Rentenalters für Männer von 60 auf 65 und für Frauen von 55 auf 60 Jahre. Eine weitere wäre die vorsichtige Lockerung der Ein-Kind-Verordnung. Doch das wird die Wucht der demografischen Krise kaum mindern können, einer Krise, die vor Jahrzehnten absehbar war, als die Geburtenrate erstmals unter 2,0 sank.

 

Die Krux der demografischen Herausforderung in China liegt darin, dass Chinas Bevölkerung, anders als in Japan, Südkorea, den Vereinigten Staaten und den westeuropäischen Ländern, alt wird, bevor die Mehrheit ein mittleres Einkommen erzielt, geschweige denn reich wird. Das wird zu einer Quelle gesellschaftlicher Spannung in einem Land werden, das sich größere soziale Unruhen kaum leisten kann.

 

Wie die Regierung mit diesem Problem umgeht, wird bis nach Deutschland spürbar sein, denn das Wachstum der deutschen Exporte wurde während der weltweiten Krise ab 2008 durch steigende Exporte deutscher Produkte nach China weitgehend aufrecht erhalten.

 

Der Rückgang ist in China bereits sichtbar

Schon in den letzten Monaten gab es deutliche Anzeichen für industrielle Überkapazitäten in China. Um überschüssige Industriekapazitäten abzubauen, fordert die Regierung wichtige Industriebetriebe auf, Produktionsstätten zu schließen.

 

Laut offiziellen chinesischen statistischen Angaben werden nur 72,5 Prozent der bestehenden Kapazitäten zur Tonerdeherstellung genutzt, nur 78 Prozent der elektrolytischen Aluminiumproduktion und nur 67 Prozent der Kapazitäten im Stahlsektor. Die Überkapazitäten, die in den vergangenen Jahrzehnten des scheinbar unbegrenzten Wachstums aufgebaut wurden, haben die Gewinne gedrückt. Im Juni meldete die Eisen- und Stahlindustrie Verluste in Höhe von 699 Millionen Yuan (113 Millionen US-Dollar), das erste Monatsdefizit des Industriezweigs in diesem Jahr.

 

Der Gesamtgewinn der Mitgliedsbetriebe des Chinesischen Eisen- und Stahlverbands (CISA) erreichte im ersten Halbjahr 2,27 Milliarden Yuan bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von 0,13 Prozent, laut CISA der niedrigsten von allen Industriesektoren.

 

 

 

 


 

 

 

 

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