Monday, 30. May 2016
01.05.2014
 
 

Es sind das giftige Herbizid Roundup und Glyphosate, Dummkopf!

F. William Engdahl

Die provokative Überschrift ist eine Abwandlung von Bill Clintons berühmtem Slogan aus seinem Präsidentschaftswahlkampf 1992 gegen den damaligen Präsidenten George H. W. Bush: »It’s the economy, stupid!«, zu Deutsch: »Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!«. Sind die chemischen Gifte in dem Unkrautvernichter Roundup, der zusammen mit allen gentechnisch veränderten Pflanzen von Monsanto und den meisten anderen Pflanzen verkauft wird, in Wirklichkeit giftiger für den Menschen, als man uns erzählt?

Neue wissenschaftliche Studien deuten an, dass dem so ist. Und doch weigern sich die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA [European Food Safety Authority] und EU-Regierungen, eine der womöglich wichtigsten Ursachen von neuen Krankheiten und sogar Todesfällen in der EU, den USA und anderen Ländern, in denen Roundup verwendet wird, zu

untersuchen.

 

Séralinis Langzeitstudie an Ratten

 

Im September 2012 veröffentlichten Professor Gilles-Eric Séralini und sein Forscherteam von der französischen Universität Caen die erste expertenbegutachtete Zweijahresstudie über die Wirkung nicht nur von Monsantos Genmais, sondern auch des ebenfalls von Monsanto hergestellten Herbizids Roundup an Ratten. Die Ergebnisse waren derart alarmierend, dass sich die korrupte EU-Kommission und die noch korrupteren Wissenschaftler der EFSA schleunigst ans Werk machten, diese Studie zu diskreditieren.

 

Schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung von Séralinis bahnbrechender Studie und ohne jeden Beweis erklärte ein EFSA-Sprecher: »Die Auswertung der EFSA hat ergeben, dass die Studie von Séralini et al. aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten keine ausreichende wissenschaftliche Qualität für eine Risikobewertung aufweist. ... Wir sind daher der Auffassung, dass die Angelegenheit mit dem Abschluss dieses Bewertungsprozesses geklärt wurde.«i

 

Und damit nicht genug: Die EFSA erklärte, es gebe keine Veranlassung für weitere Tests über den Mais von Monsanto! Gehorsam schluckten die Mainstreammedien in Deutschland und der gesamten Europäischen Union diesen Unsinn als das Ende der Diskussion. Monsantos Mais und Monsantos Roundup waren »sicher«.

 

Monsanto schaffte es sogar, einen seiner eigenen Leute in die Redaktion der Zeitschrift Journal of Food and Chemical Toxicology, die die Séralini-Studie abgedruckt hatte, zu hieven. Richard E. Goodman, ein ehemaliger Angestellter bei Monsanto, der später für die von Monsanto unterstützte Gentechnik-Lobbyorganisation International Life Sciences Institute (ILSI) gearbeitet hatte, wurde auf einen neu geschaffenen Posten bei der Zeitschrift berufen – sechs Monate nach der Veröffentlichung der Séralini-Studie. Goodman wurde »Associate Editor for Biotechnology«, so etwas wie ein »verantwortlicher Redakteur für Biotechnik«.

 

Kaum auf seinem neuen Posten, zog Goodman die Séralini-Studie zurück. Und das entgegen den Bestimmungen für das Zurückziehen wissenschaftlicher Publikationen, die der für solche Fragen zuständige Ausschuss, das Committee on Publication Ethics (COPE), aufgestellt hat. Wenn ein expertenbegutachteter wissenschaftlicher Artikel zurückgezogen werden soll, müssen klare Beweise dafür vorliegen, dass die Ergebnisse nicht verlässlich sind, entweder aufgrund unzulässigen Vorgehens (d.h. Datenfälschung) oder tatsächlicher Irrtümer, Plagiats, redundanter Veröffentlichung oder unethischer Forschung. Nichts davon wurde im Fall Séralini bewiesen.

 

Neue Studie über die Toxizität von Roundup

 

Jetzt bestätigt eine weitere Studie, die von Anthony Samsel und Stephanie Seneff in den USA durchgeführt wurde, voll und ganz Séralinis Warnungen über die toxischen Gefahren von Monsantos Roundup.

 

Bezüglich Glyphosat, des wichtigsten aktiven Inhaltsstoffs des Herbizids Roundup, kam ihre Studie zu dem Schluss: »Rückstände (von Glyphosat, W.E.) finden sich in den wichtigsten Nahrungsmitteln der westlichen Ernährung, die vornehmlich aus Zucker, Mais, Soja und Weizen besteht. Dass Glyphosat die Cytochrom-P450(CYP)-Enzyme hemmt, ist eine bisher übersehene Komponente ihrer Toxizität für Säugetiere. CYP-Enzyme spielen in der Biologie eine wichtige Rolle unter anderem bei der Detoxifizierung von Xenobiotika. Auf diese Weise verstärkt Glyphosat die schädigende Wirkung anderer chemischer Rückstände in Nahrungsmitteln und Umweltgiften. Der Prozess verläuft schleichend und manifestiert sich mit der Zeit als entzündliche Schädigung von Zellsystemen im ganzen Körper.«ii

 

Kurz gefasst besagt die Schlussfolgerung, dass sich Roundup, der meistverwendete Unkrautvernichter der Welt, in den meisten Nahrungsmitteln findet, die wir im Westen essen – Zucker, Mais, Soja und Weizen. Sein Hauptbestandteil, das Glyphosat, hemmt die Enzyme im menschlichen Körper, die eine entscheidende Rolle bei der Detoxifizierung von Xenobiotika spielen, und verstärkt dadurch die toxische Wirkung anderer chemischer Rückstände in unseren chemiebelasteten industriell hergestellten Lebensmitteln oder anderer Umweltgifte. Die schädigende Wirkung baut sich schleichend auf, sodass wir es erst merken, wenn es zu spät ist.

 

Heute werden ungefähr 80 Prozent aller gentechnisch veränderten Feldfrüchte, besonders Mais, Soja, Raps, Baumwolle, Zuckerrüben und seit Kurzem auch Alfalfa gentechnisch so manipuliert, dass sie die Einschleusung von Genen tolerieren, die gegen Glyphosat resistent sind, das so genannte »Roundup-Ready®-Merkmal«. Monsanto und die Agrobusiness-Industrie behaupten fälschlicherweise, Roundup und Glyphosat seien weniger giftig als Aspirin. So wurde erreicht, dass die US-Regierung keine gesonderte Studie über die Gefahren von Roundup oder Glyphosat-Herbiziden durchführt, obwohl deren Einsatz in der US-Landwirtschaft seit 1990 enorm gestiegen ist. Damals begann in Nordamerika der Anbau von Gen-Pflanzen, der inzwischen den gesamten Mais- und Sojasektor betrifft; heute sind fast 100 Prozent aller Sojabohnen und fast 80 Prozent des gesamten Maises, die in den USA angebaut werden, gentechnisch verändert. In den EU-Mitgliedsstaaten wird ein Schlupfloch in der Kennzeichnungsverordnung ausgenutzt, sodass ein Cocktail aus Genmais und -soja als »Kraftfutter« aus den USA, Argentinien oder Brasilien importiert und an die meisten Rinder, Schweine und Hühner in der EU verfüttert wird. Es ist mit Roundup oder anderen Glyphosat-Toxinen belastet.

 

Die Autoren der neuen Studie berichten weiter: »Viele der gesundheitlichen Probleme, die im Zusammenhang mit der westlichen Ernährung beobachtet werden, könnten durch biologische Störungen erklärt werden, die Glyphosat bereits heute zugerechnet werden. Dazu zählen unter anderem Verdauungsprobleme, Fettleibigkeit, Autismus, Alzheimer, Depression, Parkinson, Leberkrankheiten und Krebs. Auch wenn offensichtlich auch viele andere Umweltgifte zu diesen Krankheiten beitragen, glauben wir, dass Glyphosat das wohl wichtigste Umwelttoxin ist, zumal es überall verbreitet und aufgrund seiner vermeintlichen Ungiftigkeit oft leichtsinnig eingesetzt wird.«iii

 

Abschließend schreiben sie: »Glyphosat ist möglicherweise ein signifikanter Faktor bei dem gestiegenen Risiko einer Clostridium-botulinum-Infektion, das in den letzten zehn bis 15 Jahren bei Rindern in Deutschland beobachtet wird. Die demonstrierte Toxizität von Glyphosat gegen Enterococcus Spp. führt zu einem Ungleichgewicht im Darm, sodass ein Überwuchern von toxischem Clostridium möglich wird. Es wurde demonstriert, dass Glyphosat bei Geflügel Darmorganismen negativ beeinflusst, indem es die Zahl der nützlichen Bakterien vermindert und die pathogener Bakterien erhöht. Pathogene Stämme von Salmonellen und Clostridium erwiesen sich als hochgradig resistent gegen Glyphosat…«iv

 

Anders als die unverantwortlich törichten Wissenschaftler bei der EFSA fordern die Autoren dieser alarmierenden Studie weitere unabhängige Untersuchungen über die mögliche toxische Wirkung von Roundup und Glyphosat auf Tiere. Als Bürger und Menschen haben wir das unveräußerliche Recht, zu wissen, wie unser Essen produziert und manipuliert wird und ob es vergiftet wird oder nicht. Bis dahin sollten alle Landwirte freiwillig auf den Einsatz von Glyphosat-Herbiziden verzichten, besorgte Bürger sollten die Regierungen auffordern, den Verkauf zu verbieten, bis endgültig erwiesen ist, ob es giftig ist oder nicht.

 

Fußnoten:

 

i F. William Engdahl, Saat der Zerstörung, 2013, Rottenburg, Kopp Verlag, S. 27 ff.

ii Anthony Samsel und Stephanie Seneff, »Glyphosate’s Suppression of Cytochrome P450 Enzymes and Amino Acid Biosynthesis by the Gut Microbiome: Pathways to Modern Diseases«, Entropy 2013, 15, 1416-1463; doi:10.3390/e15041416.

iii Ebenda, S. 1418.

iv Ebenda, S. 1420.

 

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