Wednesday, 27. July 2016
14.06.2014
 
 

Garnelen aus unseren Supermärkten werden in Asien mit Sklavenarbeit produziert

J. D. Heyes

In Asien werden Männer zu Sklaven gemacht und bei Androhung schwerer Strafen gezwungen, manchmal jahrelang ohne jede Bezahlung zu arbeiten. Die Rede ist von der Produktion von Meeresfrüchten für große amerikanische und europäische Einzelhandelsketten.

 

Die Londoner Zeitung The Guardian berichtete kürzlich nach sechsmonatiger Recherche, viele Männer seien wie Vieh gekauft, weiterverkauft und anschließend gegen ihren Willen auf Fischerbooten vor der thailändischen Küste festgehalten worden. Offenbar seien die Sklaven mittlerweile »integraler Bestandteil der Produktion von Garnelen, die in großen Supermärkten auf der ganzen Welt angeboten werden«. Beispielsweise in den vier größten Supermarktketten Walmart, Carrefour, Costco und Tesco.

 

Die Recherche der Zeitung ergab, dass der größte Garnelen-Farmer der Welt, die thailändische Firma Charoen Pokphand (CP) Foods, das als Garnelenfutter verwendete Fischmehl von Lieferanten bezieht, die Fischerboote besitzen oder betreiben, auf denen Sklaven arbeiten.

 

In der Zeitung heißt es:

Männer, die von Booten, die CP Foods und ähnliche Unternehmen beliefern, geflohen sind, erzählten dem Guardian von grauenhaften Bedingungen, beispielsweise 20-Stunden-Schichten, regelmäßigen Schlägen und Morden, die Hinrichtungen gleichkamen. Manche waren jahrelang auf See; anderen wurde regelmäßig Methamphetamin angeboten, damit sie die Arbeit durchhielten. Wieder andere hatten erlebt, wie andere Sklaven vor ihren Augen ermordet wurden.

15 Wanderarbeiter aus Burma und Kambodscha erzählten, wie sie zu Sklaven gemacht wurden. Sie hätten Vermittler bezahlt, die ihnen helfen sollten, in Thailand Arbeit in einer Fabrik oder auf einer Baustelle zu finden. Stattdessen seien sie an Bootskapitäne verkauft worden, manchmal für den lächerlichen Betrag von 420 Dollar.

 

»Wir wurden geschlagen, auch wenn wir hart arbeiteten.«

 

»Ich dachte, ich müsste sterben«, erzählte Vuthy, ein ehemaliger Mönch aus Kambodscha, der von Kapitän zu Kapitän weiterverkauft wurde. »Sie ketteten mich an, kümmerten sich nicht um mich und gaben mir nichts zu essen… Sie verkauften uns wie Tiere, aber wir sind keine Tiere – wir sind Menschen.« Ein anderes Opfer des grausamen Menschenhandels erzählte, wie er erlebt hatte, dass 20 andere Sklaven direkt vor seinen Augen ermordet wurden; einer sei auf See am Bug von vier Schiffen angebunden und in Stücke gerissen worden.

 

»Wir wurden geschlagen, auch wenn wir hart arbeiteten«, sagte ein anderer. »Alle Burmesen, [auch] auf allen anderen Booten, waren verkauft worden. Wir waren so viele, dass man uns unmöglich hätte zählen können.« Wie der Guardian berichtet, verkauft die Firma CP Foods – die jährliche Einnahmen von 33 Milliarden Dollar kassiert und sich selbst als »Küche der Welt« bezeichnet – ihr eigenes Garnelenfutter auch an andere Farmen. Außerdem beliefert sie internationale Supermärkte und eine Reihe von Lebensmittelherstellern und Vertreibern mit gefrorenen oder gekochten Garnelen und Fertiggerichten. Oder sie verkauft rohes Garnelenmaterial an Großhandelsunternehmen.

 

Neben den erwähnten Mega-Supermärkten nannte die Zeitung auch andere Supermarktketten wie Aldi, Morrisons, The Co-operative und Iceland als weitere Kunden von CP Foods. Sie alle verkaufen gefrorene, gekochte oder frittierte Garnelen sowie Garnelen-Fertiggerichte. CP Foods hat Sklavenarbeit als Teil der Lieferkette zugegeben.

 

»Wir wollen gar nicht verteidigen, was da geschieht«, sagte Bob Miller, CP-Foods-Geschäftsführer für England. »Wir wissen, dass es Probleme mit dem einkommenden [Roh-] Material gibt, haben aber keinen Einblick in den Umfang.«

 

»Wenn Sie Garnelen aus Thailand kaufen, kaufen Sie das Erzeugnis von Sklavenarbeit«

 

Darüber klärte der Guardian auf:

Die Lieferkette funktioniert folgendermaßen: Sklavenschiffe, die in internationalen Gewässern vor Thailand fahren, fangen »Abfallfisch«, jungen oder nicht essbaren Fisch in riesigen Mengen. Der Guardian hat diesen Fisch von der Anlegestelle bis zu den Fabriken verfolgt, wo er zu Fischmehl für den Weiterverkauf an CP Foods vermahlen wird. Die Firma nutzt dieses Fischmehl auf ihren Farmen als Futter für die Garnelen, die sie dann an internationale Abnehmer verschickt.

Die Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen haben schon in der Vergangenheit wegen der Arbeit und der grausamen Behandlung von Sklaven in der thailändischen Fischereiindustrie Alarm geschlagen. Aber erst jetzt ist es der britischen Zeitung gelungen, aufzuzeigen, wie die lange, komplizierte Lieferkette praktisch abläuft und wie Sklaverei ein Teil davon ist – und dadurch auch die Supermärkte und Läden betrifft, die die Industrie beliefert.

 

»Wenn Sie Garnelen aus Thailand kaufen, kaufen Sie das Erzeugnis von Sklavenarbeit«, sagte Aidan McQuade, Direktor der Menschenrechtsorganisation Anti-Slavery International. Nach internationalem Recht und Verträgen ist Sklaverei in allen Ländern der Welt illegal.

 

Der Guardian-Bericht baut auf früheren Erkenntnissen auf

 

Der 2013 veröffentlichte Bericht (EJF) The Hidden Cost: Human Rights Abuses in Thailand’s Shrimp Industry (Die verborgenen Kosten: Menschenrechtsverletzungen in der thailändischen Garnelenindustrie) der Nichtregierungsorganisation Environmental Justice Foundation betont, dass das Land der größte Garnelenexporteur der Welt ist. 2011 wurden mehr als 392 000 Tonnen exportiert, 46 Prozent davon gingen in die USA. Über zehn Prozent der nach Europa importierten Garnelen kommen aus Thailand.

 

»Die Garnelenindustrie hängt in hohem Maße von Wanderarbeitern ab, von denen viele verkauft werden und mühselige Reisen hinter sich bringen, nur um dann die grausamen Arbeitsbedingungen in Thailands ausbeuterischen Garnelenfabriken erdulden zu müssen«, heißt es in dem Bericht. »Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, vergeben große Exportfirmen die Vorbehandlung häufig an Subunternehmen. In diesen oft als ›Schäl-Schuppen‹ bezeichneten Betrieben werden Kopf, Ader und Schale entfernt und die Garnelen für die sekundäre geldbringende Verarbeitung vorbereitet. Diese Vorbehandlung ist der arbeitsintensivste und am wenigsten beaufsichtigte Aspekt einer komplizierten Lieferkette. Das begünstigt schlechte Arbeitsbedingungen und die Missachtung nationaler und internationaler Arbeitsstandards, Kinderarbeit und Zwangsarbeit, Ausbeutung und Misshandlung.«

 

Die eigene Recherche der Organisation ergab, dass »Menschenhandel, Ausbeutung, Fronarbeit und Kinderarbeit« zu den größten Problemen in der Garnelenindustrie in diesem Teil der Welt zählen. Dafür ist vor allem fehlende Aufsicht verantwortlich zu machen, die es nach Ansicht der Organisation schwer macht, das Ausmaß des Missbrauchs wirklich zu ermessen.

 

 

Quellen:

 

TheGuardian.com

[PDF] EJFoundation.org

CNN.com

NaturalNews.com

 

 

 

 

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