Tuesday, 27. September 2016
27.11.2012
 
 

Meditation verändert die Verarbeitung von Gefühlen im Gehirn

J. D. Heyes

Schon ein achtwöchiges Meditationstraining kann die Gehirnfunktion eines Teilnehmers messbar verändern – auch dann, wenn er nicht aktiv meditiert. Das hat eine neue Studie ergeben.

Wissenschaftler und Experten des Massachusetts General Hospital (MGH), der Boston University (BU) und verschiedener anderer Forschungszentren berichten in der Novemberausgabe der Zeitschrift Frontiers in Human Neuroscience über unterschiedliche Auswirkungen, je nach der Art

der betriebenen Meditation.

 

»Die zwei getesteten Formen des Meditationstrainings unserer Probanden führten zu unterschiedlichen Reaktionen im Mandelkern (lat. Amygdala)  – einer Gehirnregion, deren Bedeutung für unsere Gefühle seit Jahrzehnten bekannt ist – auf Bilder mit emotionalem Inhalt«, erklärte Dr. Gaelle Desbordes, Wissenschaftlerin am Athinoula-A.-Martinos-Zentrum für biomedizinische bildgebende Verfahren am MGH und federführende Autorin des Berichts. »Erstmals konnten wir zeigen, dass ein Meditationstraining die Verarbeitung von Gefühlen im Gehirn beeinflusst, auch wenn sich der Getestete nicht im Zustand der Meditation befindet.«

 

Laufende Studie stützt frühere Hypothesen

 

Mehrere vorhergehende Studien hatten die Hypothese der Wissenschaftler gestützt, ein Meditationstraining stärke die emotionale Gelassenheit des Praktizierenden.

 

Neuroimaging-Studien haben ergeben, dass ein Meditationstraining tendenziell die Aktivierung des Mandelkerns reduziert, jener Struktur an der Hirnbasis, die bei der Verarbeitung von Gedächtnis und Gefühlen eine Rolle spielt. Doch bisher hatten sich solche Veränderungen nur bei Probanden gezeigt, die aktiv meditierten.

 

Bei der laufenden Studie wurde nun die Hypothese überprüft, ein Meditationstraining könnte die Reaktion des Mandelkerns auf emotionale Reize auch allgemein mindern, was sich durch die funktionelle Magnetresonanztomografie darstellen lässt.

 

Alle Teilnehmer hatten zuvor an einer größeren Studie der Emory University in Atlanta teilgenommen, bei der die Wirkung von zwei verschiedenen Meditationsformen untersucht worden war.

 

»Gesunde Erwachsene ohne vorherige Erfahrung in der Meditation nahmen an achtwöchigen Kursen teil, und zwar entweder in der Achtsamkeitsmeditation – der am meisten untersuchten Form, die sich auf die Entwicklung der Achtsamkeit auf Atmen, Gedanken und Gefühle konzentriert – oder in der Mitgefühlsmeditation, einer weniger gut untersuchten Form, bei der liebevolle Freundlichkeit und Mitgefühl für sich selbst und andere entwickelt werden«, hieß es in der Zeitschrift Science Daily.

 

Eine Kontrollgruppe nahm derweil an einem achtwöchigen Kursus über Gesundheitserziehung teil.

 

Drei Wochen nach Beginn des Trainings und erneut drei Wochen nach dessen Ende reisten zwölf Teilnehmer aus jeder Gruppe zu einer fMRT in einer hochmodernen Einrichtung. Dort wurden Gehirnscans durchgeführt, während den Teilnehmern in zwei Sitzungen insgesamt 216 Bilder von Menschen in Situationen mit positivem, negativem oder neutralem Gefühlsgehalt gezeigt wurden.

 

Vor der Einweisung in die Untersuchung wurde das Konzept der Meditation gegenüber den Teilnehmern nicht erwähnt. Später bestätigten die Wissenschaftler, dass die Teilnehmer während des Scanvorgangs nicht meditiert hatten.

 

Vor und nach dem Training bewerteten die Teilnehmer auch Symptome von Ängstlichkeit und Depression.

 

Gesunder Geist durch gesunde Meditation

 

Die Gehirnscans von Teilnehmern der Aufmerksamkeits-Gruppe zeigten nach dem Training einen Rückgang der Aktivierung des rechten Mandelkerns auf alle Bilder – was die Hypothese bestätigt, dass Meditation die emotionale Stabilität und die Reaktion auf Stress verbessern kann.

 

Auch in der Mitgefühl-Gruppe zeigte sich bei allen Teilnehmern ein Rückgang der Aktivitäten des rechten Mandelkerns.

 

Bei den Teilnehmern, die nach eigenen Angaben auch außerhalb des Kurses über Mitgefühl meditierten, zeigte sich eine gesteigerte Reaktion des rechten Mandelkerns auf negative Bilder, die menschliches Leiden zeigten.

 

Bei der Kontrollgruppe beobachteten die Wissenschaftler keine signifikanten Veränderungen, ebenso wenig im linken Mandelkern aller Teilnehmer.

 

»Wir glauben, dass diese zwei Formen der Meditation unterschiedliche geistige Aspekte fördern«, erklärte Desbordes. »Die Mitgefühl-Meditation soll mitfühlende Gefühle stärken, es ist also erklärlich, dass sie eine Reaktion der Mandelkern-Region auf Darstellungen menschlichen Leidens verstärkt.«

 

»Eine gesteigerte Aktivierung der Mandelkern-Region beeinflusste auch die Bewertung der Depression in der Mitgefühl-Meditationsgruppe. Das deutet darauf hin, dass mehr Mitgefühl anderen gegenüber sich auch positiv auf den Betreffenden selbst auswirkt. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die Hypothese, dass Meditation zu dauerhaften positiven Veränderungen der Hirnfunktion führt, insbesondere bei der Verarbeitung von Gefühlen.«

 

 

Quellen:

 

ScienceDaily

NaturalNews

NIH.gov

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