Thursday, 29. September 2016
07.09.2014
 
 

In 96 Prozent indischer Tees wurden Pestizide nachgewiesen, die teilweise schon lange verboten sind

Julie Wilson

Kürzlich sorgte die Umweltorganisation Greenpeace mit den Ergebnissen einer Studie über ein vermeintlich sehr gesundes Getränk international für Schlagzeilen. Die Organisation hatte elf verschiedene Teesorten von acht indischen Herstellern untersucht; die Proben waren von Juni 2013 bis Mai 2014 gesammelt worden. Was dabei herauskam, kann einem wirklich auf den Magen schlagen. Mindestens 94 Prozent der Proben enthielten Pestizide; fast 60 einen Cocktail aus zehn Chemikalien, eine sogar aus 20 verschiedenen Pestiziden.

 

In 29 der 49 Proben fanden sich Rückstände von mindestens einem Pestizid in einer Konzentration, die über den von der Europäischen Union festgesetzten Rückstandshöchstgrenzen lagen. Bei fast 40 Prozent der Tees waren die von Regierungen festgelegten Obergrenzen um mehr als 50 Prozent überschritten, hieß es in der Studie mit dem Titel »Trouble Brewing« (zu Deutsch etwa: Da braut sich was zusammen).

 

Alarmierend ist zudem, dass 67 Prozent der Proben mit DDT kontaminiert waren. DDT ist ein Karzinogen und toxisch für Mensch und Umwelt; in den USA und Indien ist es seit 1989 verboten. DDT wurde von den USA zu militärischen Zwecken und als Insektizid eingesetzt, es verursacht Krämpfe und Tremor, die schließlich zum Tod durch Atemstillstand oder Herzversagen führen.

 

Die von Greenpeace gesammelten Proben stammten von folgenden bekannten Marken:

  • Hindustan Unilever Limited

  • Tata Global Beverages Limited

  • Wagh Bakri Tea

  • Goodricke Tea

  • Twinings

  • Golden Tips

  • Kho-Cha

  • Girnar

Diese Unternehmen beherrschen den Tee-Markt. Wie die indische Zeitung Business Standard berichtet, exportieren sie nach Amerika, Russland, England, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran und in viele andere Länder. Als Reaktion auf die Ergebnisse von Greenpeace India fordern einige Hersteller mittlerweile ihre Lieferanten auf, keine gefährlichen Pestizide mehr zu verwenden; sie versprachen, bis 2020 werde der nachhaltige Anbau von Tee durchgesetzt. Die Regierung handelt allerdings kaum dementsprechend.

 

»Indischer Tee ist der Stolz des Landes, er sollte nicht mit toxischen Chemikalien in Verbindung gebracht werden, die ernste Risiken für Umwelt und Gesundheit bergen. Alle Verantwortlichen in der Tee-Industrie sollten schleunigst Schritte unternehmen, damit der Ruf unseres Nationalgetränks nicht geschädigt wird«, sagte Neha Saigal, Aktivistin von Greenpeace India. Hingegen behauptete das Tea Board of India, eine Organisation mit 31 Mitgliedern aus der Industrie, darunter Tee-Produzenten, Händler, Makler Verbraucher, Vertreter der Regierungen der wichtigsten Tee-Anbau-Staaten und Gewerkschaften, indische Tees seien »völlig sicher«.

 

In einer Erklärung des Boards heißt es: »Nach sorgfältiger Prüfung der Ergebnisse der Greenpeace-Studie können [wir] bestätigen, dass alle getesteten Proben indischen Gesetzen und Bestimmungen entsprechen, die zum Schutz der Verbraucher erlassen wurden. Indische Tees werden auf der ganzen Welt geschätzt und sind völlig sicher; sie genügen strengen Standards.«

 

Wenn das Board die Ergebnisse der Studie wirklich sorgfältig geprüft hat, dann ist die Stellungnahme schon bemerkenswert. Sie zeigt die Haltung der vom Staat kontrollierten Organisation gegenüber den Konsumenten, eine eklatante Gleichgültigkeit gegenüber Gesundheit und Umwelt. Trotz der nachgewiesenen Gefährlichkeit für die Gesundheit von Mensch und Umwelt ist die Tee-Industrie beim Anbau noch immer in hohem Maße von Pestiziden abhängig.

 

27 der Proben enthielten Monocrotophos, das im Verdacht steht, mutagen und nervenschädigend zu wirken, es ist für die Verwendung von Tee nicht zugelassen und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als »hochgefährlich« eingestuft.

 

Triazophos, eine extreme giftige Organophosphat-Verbindung, wurde in fünf der Proben entdeckt; auch dieser Stoff wird von der WHO als »hochgefährlich« klassifiziert.

 

Tebufenpyrad, eine nicht registrierte und deshalb illegale Chemikalie, die als potenziell leberschädigend gilt, fand sich in einer Probe des Herstellers Hindustan Unilever, der wichtigsten Marke in Indien.

 

Neonicotinoid-Insektizide wurden in vielen Proben nachgewiesen; der U.S. Fish and Wildlife Service hat ihren Gebrauch kürzlich in seinen Einrichtungen verboten. Auch in vielen anderen Ländern dürfen sie nicht verwendet werden.

 

 

Weitere Quellen:

 

DeccanHerald.com

HindustanTimes.com

Greenpeace.org

Business-Standard.com

Greenpeace.org [PDF]

Firstpost.com

ORST.edu [PDF]

TeaBoard.gov.in

 

 

 


 

 

 

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Leser-Kommentare (3) zu diesem Artikel

09.09.2014 | 09:07

Dany

@Harry. Auch eventuelle Reste von Pestiziden möchte ich nicht in meinem Tee haben . Man wird schon durch die Umwelt belastet, dann nicht auch noch davon, wenn man es vermeiden kann. Woher wollen Sie überhaupt wissen, wie greenpeace untersucht hat ?


07.09.2014 | 08:56

Livia

Unilever ist doch der Name eines "westlichen" Multis! DDT ist doch ein "altes" Spritzmittel! Wahrscheinlich soll gezeigt werden, wie sehr Monsanto nun "gebraucht" wird!!! Die sind ja schon lange dabei Indien für sich zu erobern; wahrscheinlich fangen die Inder nun damit an, sich doch vermehrt gegen die Übernahme ihrer Landwirtschaft durch westliche Agrokonzerne zu wehren - das paßt letzteren natürlich nicht! Die wollen Roundup und roundup-ready...

Unilever ist doch der Name eines "westlichen" Multis! DDT ist doch ein "altes" Spritzmittel! Wahrscheinlich soll gezeigt werden, wie sehr Monsanto nun "gebraucht" wird!!! Die sind ja schon lange dabei Indien für sich zu erobern; wahrscheinlich fangen die Inder nun damit an, sich doch vermehrt gegen die Übernahme ihrer Landwirtschaft durch westliche Agrokonzerne zu wehren - das paßt letzteren natürlich nicht! Die wollen Roundup und roundup-ready genmanipulierte, bei ihnen patentierte Pflanzen verkaufen. Ich weis noch, daß hierzulande zu DDT-Zeiten nur gespritzt wurde wenn Befall vorlag - nicht schon einmal vorsorglich, wie heute üblich. Probleme mit Bienensterben gab es damals jedenfalls nicht! Der beste Schutz gegen Schadinsektenbefall ist immer noch die wechselnde Kleinfelderwirtschaft mit genug Lebensraum für natürliche Feinde der Schadinsekten. Industrielle Landwirtschaft hat sich noch nie als langfristig tragbar erwiesen. Rom hat die Latifundienwirtschaft auch wieder aufgegeben!


07.09.2014 | 08:37

Harry

Ah, braucht Greenpeace mal wieder Spenden? Na ja, kein Wunder, man hat sich ja auch nur um ein paar Millionen verzockt, was wohl viele Spender so gar nicht amüsant fanden. Der Pestizidgehalt des trocknen Tees ist vollkommen irrelevant. Interessant ist allein der Gehalt im aufgebrühten Tee. Denn kein Mensch schnupft Tee oder schluckt ihn trocken. Man brüht sich daraus einen Aufguss. Da es eine ganze Reihe von Pestiziden gibt, die nur schlecht wasserlöslich sind, wird man diese...

Ah, braucht Greenpeace mal wieder Spenden? Na ja, kein Wunder, man hat sich ja auch nur um ein paar Millionen verzockt, was wohl viele Spender so gar nicht amüsant fanden. Der Pestizidgehalt des trocknen Tees ist vollkommen irrelevant. Interessant ist allein der Gehalt im aufgebrühten Tee. Denn kein Mensch schnupft Tee oder schluckt ihn trocken. Man brüht sich daraus einen Aufguss. Da es eine ganze Reihe von Pestiziden gibt, die nur schlecht wasserlöslich sind, wird man diese kaum oder sogar gar nicht im Aufguss finden. Bei anderen mag dies anders aussehen. Deshalb ist nur der Gehalt im Aufguss interessant. Diesen hat Greenpeace natürlich nicht messen lassen, denn dann wäre plötzlich kaum mehr etwas von der Pressemeldung übrig geblieben.

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