Tuesday, 30. August 2016
08.05.2014
 
 

Warum Ihre Entgiftungskur Sie krank macht: die Gefahren aggressiver Entgiftungsmethoden

Mike Adams

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich von Menschen gehört habe, eine »Entgiftung« habe sie extrem krank gemacht. Sie nehmen Entgiftungsmittel, Pillen oder Tinkturen ein und innerhalb weniger Stunden leiden sie an Schwindel, Durchfall, Schüttelfrost, Übelkeit oder sogar Erbrechen. Diese Symptome sind mal leicht, mal schwerer, je nach Person und eingenommenem Mittel. Sie sind die Hinterlassenschaft von, wie ich sie nenne, »extremen Entgiftungsmitteln«, die offenbar bewusst dazu angelegt sind, so viel Unwohlsein wie nur möglich hervorzurufen, das dann als »heilende Krise« bezeichnet wird.

Ich hatte schon immer Schwierigkeiten damit, dass solche Symptome regelmäßig als heilende Krise abgetan werden – als müsste man erst leiden, bevor man geheilt werden könnte. In diesem Artikel werde ich die Entgiftungs-Märchen entlarven und zeigen, warum es vielen Menschen während einer Entgiftung so extrem schlecht geht. Außerdem werde ich Ihnen erklären, wie Sie

sicher entgiften und den ernsten Risiken extremer Entgiftungsmethoden aus dem Weg gehen.

 

Ich möchte auch alle Leser, die eine Entgiftung von Leber und Nieren oder eine Schwermetallentgiftung machen möchten, dringend empfehlen, dies nur unter der Aufsicht eines zertifizierten Naturheilkundlers oder in integrativer Medizin erfahrenen Arztes zu tun. Er kann Sie mit einem auf Sie persönlich zugeschnittenen Programm begleiten. »Improvisieren« Sie nicht, wenn es um ernste Themen wie eine aggressive Entgiftung geht.

 

Grundlagen der Entgiftung: Die Leber lädt Giftstoffe in den Dünndarm ab

 

Wer verstehen will, warum eine extreme Entgiftung Menschen so krank machen kann, muss zunächst verstehen, wie eine Entgiftung eigentlich funktioniert. Die folgende Erklärung ist stark vereinfacht, aber die Grundlagen sind richtig: Ihre Leber filtert Giftstoffe aus dem Blut, beispielsweise Pharmazeutika, Schwermetalle, Ammoniak und Chemikalien.

 

Diese Giftstoffe lädt Ihre Leber dann als Bestandteil einer Gallemischung, die für die Verdauung verwendet wird, in den oberen Magen-Darm-Trakt ab. Wichtig ist: Dabei werden diese Giftstoffe wieder in das Verdauungssystem gegeben, wo sie schnell durch die Darmwand reabsorbiert werden können und eine akute Toxizität verursachen, bei der Sie im Wesentlichen erneut mit denselben Giftstoffen vergiftet werden, die Ihre Leber gerade aus Ihrem Blut entfernt hat.

 

(Hinweis: Auch Ihre Nieren entfernen viele Giftstoffe und spülen sie über den Urin aus dem Körper. Deshalb ist die Nierenfunktion so entscheidend für Ihre Gesundheit. Die Schwermetalle Cadmium und Quecksilber verursachen schwere Nierenschäden, das nur nebenbei.)

 

Wenn Sie sich ganzheitlich und vollwertig ernähren, während Ihre Leber Giftstoffe in den Magen-Darm-Trakt ablädt, dann fangen Ballaststoffe aus der Nahrung diese Giftstoffe, binden sie und befördern sie schließlich über den Stuhlgang aus dem Körper. Wenn Sie aber gar keine Ballaststoffe essen – beispielsweise beim »Saftfasten« oder einer »Saftentgiftung« – dann haben Sie ein potenziell riesiges Problem: Sie haben keine Ballaststoffe, die die von der Leber in den Dünndarm abgeladenen Giftstoffe fangen! Die Toxine werden also durch die Darmwand sofort wieder ins Blut aufgenommen.

 

All das hilft zu erklären, warum es verheerend sein kann, während einer aggressiven Ergänzungsmittel-Entgiftung nichts als ballaststofflosen Saft (»Saftentgiftung«) zu trinken. Wenn Sie während Ihrer Entgiftung nicht essen, dann geschieht in Wirklichkeit Folgendes:

  1. Sie sammeln die Schwermetalle und Giftstoffe aus Ihren Körperzellen, Gewebe und Organen.

  2. Sie konzentrieren sie in der Leber (und Galle).

  3. Sie geben sie alle auf einmal zurück in den Dünndarm, wo sie nun eine akute Vergiftung hervorrufen können.

Alles wird desto schlimmer, je effektiver die Entgiftungsmittel, die Sie einnehmen, Giftstoffe aus dem Körpergewebe entfernen, denn dann konzentriert die Leber mehr Schwermetalle in die Galle und gibt sie an den Dünndarm ab. Unter dem Strich konzentriert Ihr Körper die Giftstoffe und macht sie noch gefährlicher als zuvor.

 

Ballaststoffloses Saftfasten bei gleichzeitiger Einnahme von Entgiftungs-Ergänzungsmitteln ist keine gute Idee

 

Viele Entgiftungskuren verlangen, dass Sie nur ballaststofflosen Saft wie Weizengrassaft, Selleriesaft, Karottensaft und ähnliches trinken, während Sie gleichzeitig aggressive Entgiftungsmittel einnehmen, und das macht alles noch komplizierter. Dass diese Säfte keine Ballaststoffe enthalten, bedeutet, dass viele der Giftstoffe, die von der Leber aus dem Blut gezogen werden, im Magen-Darm-Trakt reabsorbiert werden, möglicherweise in akut gefährlicher Konzentration.

 

Wenn Durchfall und Krämpfe endlich aufhören, sagen viele: »Jetzt fühle ich mich SO viel besser! Die Entgiftung hat funktioniert!« Nur dass sich leider jeder besser fühlt, wenn der Durchfall aufhört. Sich besser zu fühlen, nachdem man sich zunächst krank gemacht hat – so würde ich Gesünderwerden eher nicht definieren.

 

Als Teil der täglichen Ernährung kann Entsaften enorm heilend wirken. Ich bin ein langjähriger Verfechter täglichen Entsaftens und sogar kurzfristigen Saftfastens, aber Entsaften ist per definitionem eine ballaststofflose Ernährung, es sollte deshalb nie zusammen mit aggressiven Entgiftungsmitteln eingesetzt werden, die die Giftstofflast im Magen-Darm-Trakt erhöhen.

 

Mit anderen Worten:

  • Wenn sie entsaften, nehmen Sie nicht gleichzeitig aggressive Entgiftungsmittel ein.

  • Wenn Sie Entgiftungsmittel einnehmen, achten Sie auf vollwertige, ballaststoffreiche Nahrung.

 

Manchmal bedeutet das Gefühl, man werde vergiftet, tatsächlich, dass man vergiftet wird

 

Ich halte es für höchst bedauerlich, dass Teilnehmer an Entgiftungsprogrammen, die unter extremen Symptomen leiden, ständig gesagt bekommen, diese Symptome seien in Wirklichkeit »GUT!«

 

Manchmal ist das einfach nicht wahr. Vielen Teilnehmern an den Schwitztouren [des amerikanischen Motivationsredners] James Arthur Ray wurde gesagt, ihre extreme Austrocknung und die Halluzinationen seien »gut«, aber in Wirklichkeit waren sie dem Tod nahe. Tatsächlich sind drei Menschen bei seinen Unternehmungen gestorben, James Ray wurde schließlich wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. (Er wurde letztes Jahr aus der Haft entlassen.)

 

Schon als diese Leute halb tot waren, wurde ihnen gesagt, die Symptome seien Teil der »spirituellen Reise«, von der sie gestärkt zurückkehren würden. Es ist fast dasselbe wie die extreme Entgiftungs-Botschaft, die vielen Verbrauchern erzählt wird, bei der sogar schwere Krankheit als Teil der heilenden Reise abgetan wird.

 

Da ich mich mit dieser Frage im Laufe der Jahre eingehender beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich die Entgiftungsmittelbranche einfach nicht um die Sicherheit ihrer aggressiveren Produkte schert. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die FDA [Food and Drug Administration, Lebensmittelsicherheits- und Arzneimittelzulassungsbehörde der USA] 2002 Cascara sagrada für die Verwendung in Abführmitteln verboten hat (es darf in pflanzlichen Ergänzungsmitteln weiter verwendet werden).

 

So bizarr es klingt, aber Anwendern extremer Entgiftungs-Ergänzungsmittel mit Cascara sagrada wird tatsächlich erzählt, Durchfall sei ein Zeichen der Heilung, er sei deshalb während der Einnahme von Entgiftungsmitteln sogar erwünscht. Ich bin anderer Meinung: Durchfall ist niemals ein Zeichen guter Gesundheit, und die Entfernung von Giftstoffen aus dem Körper sollte nie extremes Leiden, Nährstoffverlust oder Austrocknung und Krämpfe, die mit dem Durchfall einhergehen, erfordern. Man sollte niemandem trauen, der einem erzählt, eine Entgiftung müsse weh tun.

 

Werfen Sie die extremen Ergänzungsmittel weg und entgiften Sie mit realen Nahrungsmitteln

 

Je länger ich die Entgiftungs-Branche untersucht habe, desto mehr ist mir klar geworden, dass die tägliche Ernährung die einzige Entgiftung ist, die Sie wirklich brauchen.

 

Mit anderen Worten: Alles was Sie jeden Tag essen, sollte Teil eines Lebensstils von Reinigung und Ausscheidung von Giftstoffen sein. Diese Ansicht hat sich natürlich im Laufe der Jahre entwickelt, heute glaube ich nicht mehr, dass wir uns durch »Entgiftungskuren« quälen müssen, um langfristig gesund zu sein. Eine gesunde, vollwertige Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und sehr viel sauberem Wasser ist an sich schon eine »tägliche Entgiftung«.

 

Um es klar zu sagen: Je nachdem, was Sie essen, hilft Ihnen Ihre tägliche Ernährung entweder, Giftstoffe auszuscheiden, oder sie trägt dazu bei, dass sich Giftstoffe im Körper ansammeln. Eine Kost aus Fertiggerichten und kontaminierten Ergänzungsmitteln erhöht die toxische Last, während Giftstoffe durch frische vollwertige Lebensmittel auf natürliche Weise automatisch ausgeschieden werden.

 

Auch durch regelmäßige sportliche Aktivität, die Sie ins Schwitzen bringt, kann sich Ihr Körper erheblich besser entgiften. Viele Giftstoffe werden über den Schweiß ausgeschieden, das erklärt auch, warum Menschen, die regelmäßig Sport treiben (oder als Therapie die Sauna besuchen) normalerweise viel gesünder und viel weniger vergiftet sind als Menschen, die nie schwitzen.

 

Menschen, die viel trinken, sind normalerweise auch gesünder: Wasser hilft den Nieren, Giftstoffe sehr effektiv auszuscheiden.

 

Fazit: Entgiftung sollte niemals eine Krise sein

 

Was schließe ich aus dem Gesagten? Als einer der meistgelesenen Journalisten in Fragen natürlicher Gesundheit möchte ich uns alle ermuntern, klarer über Entgiftungsmittel und Entgiftungserfahrungen nachzudenken. Ich bin immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass extreme Entgiftungsmittel wahrscheinlich mehr schaden als nutzen. Durchfall ist keine Heilung, und die Erklärung, man müsse eine »heilende Krise« durchmachen, ist nicht stichhaltig.

 

Tatsächlich ist jedes Glas sauberes Wasser, das Sie trinken, ein »Entgiftungs«-Elixier. Jede Selleriestange, die Sie kauen, wirkt entgiftend. Jedes Glas frisch gepresster Orangensaft ist ein Entgiftungsgetränk. Jedes Algen-Superfood, das Sie zu sich nehmen, ist ein »Entgiftungs«-Superfood. Jede Runde Sport, die Sie ins Schwitzen bringt, ist eine Entgiftungsübung, und jede Wanderung in der Natur, bei der Sie von Bäumen umgeben sind, ist ein Entgiftungs-Ausflug.

 

Ihr Körper ist bereits dafür programmiert, sich automatisch selbst zu entgiften (deshalb haben Sie eine Leber und Ihre Nieren), wenn Sie also einen gesunden Lebensstil pflegen, wird sich Ihr Körper automatisch mit jedem Atemzug, jedem Herzschlag und jedem Stuhlgang selbst entgiften.

 

Heilung sollte nicht wehtun. Wenn es wehtut, ist an Ihrer Herangehensweise vermutlich etwas falsch.

 

 

 

 

 

 

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