Vorsicht Supermarkt: Schimmelpilze aus dem Brotbackautomaten
Niki Vogt
In Deutschland gibt es kaum Lebensmittelkontrollen. Und die Prüfer sind ausgerüstet wie in einem Land der Dritten Welt. Industrie und Gastronomie wissen das. Sie freuen sich darüber.

Vor einem Jahr beschlossen die Verbraucherschutzminister der Länder und des Bundes eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung von Lebensmitteln und der Hygiene in Gaststätten. Ein glücklich lachender Smiley soll Kunden signalisieren: Hier gibt es geprüfte Lebensmittelsicherheit. Hier kann man beruhigt essen. Die Wahrheit lautet jedoch: Die deutschen Lebensmittelkontrolleure kämpfen auf verlorenem Posten. Einer Million zu prüfender Betriebe stehen 2.500 Kontrolleure gegenüber. Ende August 2011 fand in Berlin die jährliche Arbeitstagung des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure statt. Von den 2.500 Lebensmittelkontrolleuren sind 2.200 in diesem Verband. Unter dem Veranstaltungsmotto »Lebensmittelüberwachung – Der starke Arm im Verbraucherschutz« bemühten sich die Kontrolleure um Aufklärung der Verbraucher. Und sie sagten ganz offen, wie schlecht sie ausgerüstet sind: Mehr als die Hälfte der (ohnehin viel zu wenigen) Ernährungsdetektive hat nicht einmal die für den Beruf erforderliche Ausrüstung. Infrarotthermometer oder Fettmessgeräte (etwa für das Fett in Frittenbuden) sind absolute Mangelware. Und wenn sie Kühlhäuser inspizieren müssen, dann greifen deutsche Kontrolleure in Ermangelung von dienstlicher Kälteschutzkleidung zum eigenen Skianzug. Nur etwa 13 Prozent der
deutschen Lebensmittelkontrolleure wurden dienstlich mit einem Laptop ausgerüstet. Jeder fünfte Prüfer hat nicht einmal Kameras zur Beweissicherung. Und wenn Proben gekühlt zur weiteren Analyse mitgenommen werden, kommt die private Kühlbox aus der Familien-Campingausrüstung zum Einsatz. Deutsche Lebensmittelkontrolleure müssen improvisieren wie in einem Land der Dritten Welt.
Zudem sind die Möglichkeiten der Lebensmittelkontrolle ungleich über die Bundesrepublik verteilt. Während in Niedersachsen zwölf Prüfer auf 1.000 Betriebe kommen, ist es in Baden-Württemberg einer. Nur 254 staatliche Kontrolleure bezahlt das Ländle. In Stuttgart sparte man bislang, wo man konnte. Bis zum Jahresende soll es aber auch in Baden-Württemberg 288 Prüfer geben. Doch es gibt keine geeigneten Kandidaten für diese Aufgabe auf dem Arbeitsmarkt. Man muss jetzt erst einmal in die Ausbildung von Lebensmittelprüfern einsteigen. Im vergangenen Jahr wurden 94.000 Betriebe in Baden-Württemberg geprüft. Dabei wurden 26.000 Verstöße festgestellt. In 1.575 Betrieben waren sie so massiv, dass diese sofort geschlossen werden mussten. Zum Vergleich: In Niedersachsen wurden letztes Jahr 3.609 »gravierende Beanstandungen« festgestellt.
Häufigster Stein des Anstoßes sind die immer mehr in Mode kommenden Backautomaten bei den großen Discountern. Lesen Sie, was die Lebensmittelkontrolleure dort immer wieder im Brot finden: Stoffe, die Leberkrebs erzeugen. Und erfahren Sie, wo Ekel-Reste zu »Delikatess-Wurst« verarbeitet und Steine ins Müsli gemahlen werden.
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- Schimmelpilze aus dem Brotbackautomaten
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