Friday, 27. May 2016
15.11.2011
 
 

Pfeifen im Ohr? Hoffnung für Tinnitus-Patienten

Patricia Alda

Der Tinntitus ist - neben dem Burn-out - zu einer der bedrohendsten Neuzeit-Krankheiten geworden. Wer einmal das berühmte Pfeifen ins Ohr gesetzt bekommen hat, der weiß, wie quälend das Leben werden kann. Hat man sich den Tinnitus erst einmal eingefangen, ist es nicht leicht, den lästigen, oft schrillen Pfeifton im Ohr wieder wegzubekommen: Das ganze Leben wird anstrengender. Eins gleich vorweg: Linderung und  manchmal sogar die komplette Heilung des Tinnitus sind möglich. Man muss nur wissen, wie. Wichtig: Der Betroffene muss bereit sein, selbst mitzuarbeiten. Einen verlässlichen Freund und Helfer, der diesen Weg für Patienten wie auch die Angehörigen erheblich erleichtert, möchten wir hier vorstellen.

 

Das neue Buch Tinnitus natürlich heilen öffnet neue Möglichkeiten. Im Anhang heißt es gleich richtig: »Dieses Buch kann eine ärztliche Untersuchung und Behandlung oder eine Therapie durch einen Arzt oder Heilpraktiker nicht erset­zen.« Das ist schon richtig, denn schließlich ist jeder Erkrankungsfall individuell, aber: Dieses Buch tut ausgesprochen gut. Weil es Mut macht. Nicht nur dem an Tinnitus Erkrankten selbst, sondern auch seinen Angehörigen und Freunden, die häufig die Ohrgeräusche ihrer Lieben nicht wahr­nehmen und sich deswegen weder Krankheit noch Heilung

vorstellen können. Doch so­gar langjährig Leidenden und somit den wohl am meisten verzweifelten unter den Patienten wird durch das Buch klar gemacht: Hilfe ist auf jeden Fall möglich. Verwiesen wird auf die Beispiele namhafter Politiker, Musiker, Maler und anderer prominenter Zeitgenossen, die trotz Tin­nitus ihr Leben meistern, und dies mit größtem Erfolg.

 

Die seit 1987 als Lebensberaterin tätige Autorin Brigitte Hamann, die bereits mehrere Bücher zu gesundheitlichen Themen verfasst hat, nimmt den Leser liebevoll an die Hand und geht mit ihm detail- und kenntnisreich all die für ihn und die Behebung seines Leidens relevanten The­men durch, wobei sie drei große Bereiche unterscheidet.

In einem ersten allgemeineren Teil klärt Hamann den Begriff des Tinnitus, nennt Zahlen (unter anderem die der rund drei Millionen in Deutschland und der 440 Milli­onen weltweit von der Erkrankung Betroffenen), beschreibt das Vorkom­men der Krankheit in der Geschichte und nennt körperliche wie psychosomati­sche Ursachen der Ohrgeräusche. Eine Abbildung des menschlichen Ohres (S. 31) hilft dabei dem laienhaften Verständnis des Lesers über die Entstehung des Tinnitus auf die Sprünge. Dieser erste Teil schließt mit einer Darstellung heute üblicher Behandlungsmethoden ab, zu denen vor allem Infusionen und Medi­kamentengaben zählen, deren Vor- und Nachteile die Autorin mit Hilfe unter­schiedlicher wissenschaftlicher Studien aufzeigt und belegt.

Im zweiten Teil werden anhand von neun »Selbsthilfemaßnahmen« (SHM) Möglich­keiten erörtert, was der Patient auf naturheilkundlicher Basis selbst für sich und gegen seine Beschwerden tun kann. Diese Tipps gehen dann wirklich bis ins »Eingemachte«: Auf Seite 163 findet der Leser zum Beispiel ein Rezept Hil­degards von Bingen für eine Dinkelgrießsuppe, durch deren Genuss die Nie­ren kräftig durchgespült werden sollen. Denn eine beeinträchtigte Nierenfunk­tion kann sich nach Meinung vieler Fachleute verschiedenster medizinischer Rich­tungen auch negativ auf das Gehör niederschlagen, zum Beispiel in Form von Ohrgeräuschen.

Wer sich von seinem Tinnitus seelisch sehr gestört fühlt, dem wird auch gleich noch ein weiteres Rezept des gleichen Ursprungs mitge­teilt mit dem Namen: »Hildegards Nervenkekse«. Letztere helfen sicher auch dem Durchhaltevermögen, wenn es gilt, eine Bestandsaufnahme der eigenen Le­bensgewohnheiten durchzuführen (erste SHM), innere Ruhe zu gewinnen (vierte SHM), sich mit Klängen zu umgeben (fünfte SHM) oder seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren (achte SHM). Bei jeder Selbsthilfemaßnahme gibt die Autorin detail­lierte Anweisungen zur Durchführung und lässt somit den Le­ser mit seinen Ängsten und Befürchtungen um sein Stehvermögen nicht allein: »Und verlieren Sie nie die Hoffnung auf Heilung oder darauf, dass Ihre Ohrge­räusche sich min­destens so verlieren können, dass sie zu einer Nebensache werden, die viel­leicht nur noch gelegentlich auftaucht« (S. 97).

Der dritte Teil des Buchs stellt natürliche Heilmethoden vor, für die der Betroffene fachkundige Hilfe benötigen wird. Ein umfangreiches Kapitel be­schäftigt sich dabei mit der Traditionellen Chinesischen Medizin, die sich auch hierzulande immer größerer Akzeptanz erfreut. Darüber hinaus werden die weniger bekannten, aber dennoch wirksamen medizinischen Fachrichtungen Tibetische Medizin, Ayurveda, Homöopathie, die cranio-sacrale Therapie, die Selbstregulationstherapie, Musik, Klänge und Geräusche sowie weitere, noch relativ unbekannte Behandlungsmethoden wie beispielsweise die Neuro­stimulation mit TinnMusic® vorgestellt. Auch in diesem Bereich ihres Buches wägt die Autorin Vor- und Nachteile der Methoden ab und fundiert ihre Auflis­tung mit der kurz gefassten Skizzierung wissenschaftlicher Untersuchungen zu der jeweiligen Therapieform.

Im Überblick über alle drei Teile des Werkes lässt sich feststellen, dass aus je­der Zeile des Buches die Fürsorge der Lebensberaterin um die Psyche der von Tinnitus Be­troffenen spricht. Hier dürfen sich letztere ernst genommen fühlen und nicht, wie es im Alltag oft geschieht, als bedauernswürdige Simulanten.

Ein der Re­zensentin persönlich bekannter Patient fühlte sich in dieser Hinsicht von dem Personal einer HNO-Praxis so schlecht behandelt, dass der gelernte Elektriker auf die Idee kam, mittels eines Tongenerators das Geräusch seines eigenen Tinnitus in Tonhöhe und Lautstärke haargenau zu imitieren und unbemerkt von den Arzthelferinnen abspielen zu lassen. Die Frauen zeigten sich bereits nach kürzester Zeit nervlich angegriffen und suchten fieberhaft nach dem Ursprung des störenden Geräuschs, über den sie der Tinnitus-Patient aufklärte mit dem Hinweis, dass er genau diese laute Ton­folge permanent in seinem Ohr hören könne. Von diesem Moment an gestalte­ten die Helferinnen die Behandlung des Betroffenen sehr viel freundlicher und auch engagierter.

Einen Aspekt betont die Autorin ebenfalls in allen Teilen ihres Buches, nämlich die Plastizität des Gehirns, die es ermöglicht, den Tinnitus-Vorgang zu löschen und das Gehirn durch die von ihr aufgezeigten Methoden quasi neu zu pro­grammieren. Interessant erscheint dabei der Gedanke, dass der Heilung mithilfe einer solchen Neuprogrammierung häufig ein durch den Tinnitus ermög­lichter »verdeckter Gewinn« für den Patienten entgegen stehen könnte. Und dies gelte sowohl für vom Tinnitus Betroffene wie auch für alle anderen von Krankheiten heimgesuchten Menschen.

Manchmal »biete« eine Krankheit auch etwas, das dem Erkrankten gar nicht bewusst sein mag, im Falle von Tinnitus zum Beispiel nicht mehr allem und jedem Gehör schenken zu müssen. Die Ausführungen zu dem be­schriebenen »Gedankenexperiment« (S. 70-73) sind zwar gewagt und treffen sicherlich nicht auf alle Patienten zu, aber der Auf­merksamkeit des Lesers durchaus wert und sollten bei der Lektüre nicht über­gangen werden.

Die Verfasserin dieser Zeilen ist selbst nicht an Tinnitus erkrankt, hat dem Buch aber dennoch sehr viele interessante und, wie sie findet, wichtige Informatio­nen zur Behandlung jeder Krankheit als Symptom eines seelischen Missstandes sowie umfassende Hinweise für eine sinnvollere, weil gesündere Lebensfüh­rung entnehmen können. Und es stellt sich die Frage: Was kann ein medizinisch engagiertes Buch für seine Leser mehr leisten?

 

Tinnitus natürlich heilen. Von Brigitte Hamann. Kopp-Verlag, Rottenburg. 1. Aufl. 2011. 256 Seiten. 19.95 €.

 

 

 


 

 

 

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